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Foodwatch unterstützen!

Auch in unserem Print-Magazin FOODHUNTER waren wir nie Freunde der weichgespülten “alles so schön lecker hier”-Editorials. Unser Anliegen war und ist es, den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln zu forcieren – das geht nur mit Wissen. Schon 2011 haben wir im Editorial über die Deklarationslücke mit Vollei geschrieben. Jetzt kommt Ostern und was fliegt uns ins Nest? 

Wir unterstützen seit langem Foodwatch. Wer Verantwortungsgefühl besitzt, der tut es uns gleich. Wenn sich die Bürger nicht wehren – die Politiker haben längst den Überblick verloren und zappeln in ihren unausgegorenen Verordnungen herum.

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“Ich bin doch nicht blöd.” Werde aber für dumm verkauft.

Wir vertrauen auf Menschen und Institutionen, deren Absichten wir nicht kennen und geben dabei etwas Wichtiges ab: unseren gesunden Menschenverstand, unser Urteilsvermögen und die Entscheidungsherrschaft. Was auf unseren Tellern landet, bestimmen Politiker und eine raffgierige Lebensmittelindustrie.

Autor Sabine Ruhland, Editorial im Foodhunter-Magazin 2011

Wir leben in einer Welt der Deklarationen, Verordnungen, Reglementierungen. Alles wird überwacht, kontrolliert, bürokratisiert. Das gibt ein gutes Gefühl, denn es kümmert sich jemand. Nur wer genau?

Neulich sah ich einen Bericht über „Vollei“ und muss zugeben, der Begriff war mir fremd. In erster Linie klingt das hübsch, vollwertig, gesund, human. Dahinter steckt der blanke Hohn, denn während wir voller Überzeugung zum deklarierten Bio-Frühstücksei greifen, glücklich, den Hühnern wieder mehr Respekt zu zollen, landen neun Milliarden Eier aus dem europäischen Ausland jedes Jahr in deutschen Supermärkten, Lebensmittelfabriken und Bäckereien, als Vollei. Noch sind im europäischen Ausland Legebatterien erlaubt und werden im großen Stil betrieben. – An der Grenze wird nicht danach gefragt, wo ein Ei herkommt.

So sind mehr als ein Drittel aller Eier, die wir essen, versteckt in Fertigprodukten, Nudeln, Backwaren, Keksen, Spätzle, Milchprodukten, überwiegend Eier aus einer Produktion, die ein Großteil der Bundesbürger ablehnt. 2012 sollte sich das für die EU ändern, aber die Welt ist ja groß.

Es ärgert mich, dass wir Konsumenten täglich ungestraft belügt werden dürfen, von offizieller, politischer Seite völlig uneingeschränkt. Packungen werben mit dicken Fruchtstücken, obwohl ihr Inhalt nur das winzige Stück einer halben Erdbeere preisgibt. Da steht legal Heringssalat im Regal, in dem offiziell nur 20 Prozent Hering drinstecken müssen, der Rest darf gerne auch Rindfleisch sein und selbstverständlich braucht Fruchtkremfüllung gar keine Früchte.

Es gilt nur, die richtige Worte für den Beschiss zu finden, dann ist es einfach keiner mehr. Dazu kommen Berge von untergejubeltem Analogkäse, Klebefleisch und falschen Garnelen und schließlich Inhaltsangaben, die im wahrsten Sinne des Wortes so „klein geschrieben“ sind, dass ich ohne Lupe keinen Supermarkt betreten kann.

Diese unerträgliche Entwicklung lässt Erinnerungen wach werden, an „soylent green“, jenem Sience Fiction aus dem Jahr 1973, der meine Wahrnehmung bis heute prägt. Spielt man diesen Stoff weiter, tauchen Fantasien auf, die kaum jemand zu denken wagt. Manipulation mit Essen. Wo fängt es an, wo führt es hin, wo hört es auf.

Sabine Ruhland

Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

Tipp: NDR “Die größten Verkaufslügen” - Wie Kunden getäuscht, manipuliert und abkassiert werden.