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Deutschland vegetarisch. Kein neuer Trend, sondern Tradition

“Deutschland vegetarisch” heißt das neue Kochbuch aus dem Brandstätter Verlag, das sich um die Auszeichnung “vegan-vegetarisches Kochbuch des Jahres” beworben hat. Der Gewinner wird auf der VeggieWorld in Düsseldorf bekannt gegeben. Warum es neu neu ist? Weil es alte Schätze entdeckt. 

Bereits in früherer Zeit wurde vom Alpenrand bis an die Nordsee überwiegend fleischlos aufgekocht, in ganz Deutschland findet sich eine regionale Gemüseküche mit langer Tradition. Koch und Autor Stevan Paul hat sich auf die Suche nach den Klassikern gemacht und alltagstaugliche Rezepte für alle Jahreszeiten wiederentdeckt. Eine Heimatküche, die ohne Fisch und Fleisch begeistert.
Knödel, Kartoffelstampf, Schupfnudeln, Gemüsesuppen, Reibekuchen oder die berühmte Frankfurter Grüne Soße – Gartengemüse, Kräuter, Obst spielen die Hauptrolle in diesem Buch. Klassiker wie die Frankfurter Grüne Sauce, Schupfnudeln oder Reibekuchen und regionale Speisen wie die „Errötende Jungfrau“ oder der „Große Hans“ finden ein genussvolles Revival.

Zum Nachtisch gibt es Kindheitserinnerungen wie warmen Milchreis, Rote Grütze oder frisch gebackene Pfannkuchen mit Apfelkompott.

Deutschland vegetarisch versammelt erstmals die besten Rezepte der traditionellen deutschen Gemüseküche – einer Küche, die nicht nur schmeckt, sondern mit jedem Bissen glücklich macht.

Christian Brandstätter Verlag GmbH & Co KG
Deutschland Vegetarisch
272 Seiten, ca. 120 Abbildungen
Hardcover
ISBN 978-3-85033-739-7
34,90 Euro

Deutschland vegetarisch

www.hugendubel.de/3/17940923-1/buch/deutschland-vegetarisch.html?wea=8151536&origin=pla

Tag der Vegetarier. Vertane Chance?

Gestern war  Tag der Vegetarier und wie sehr habe ich gewünscht, dass auch die oberflächlichsten alle Fernsehsender deshalb vielleicht etwas in die Tiefe gehen. Doch beim Wunschdenken blieb es: Würstchen- und Fleischersatz, den Essern heimlich vorgesetzt, sorgten für das Fazit, das kommen musste: ohne Fleisch geht es nicht. Sagen zumindest die Sender, die bei mir ganz hinten angesiedelt sind, lange nach 3Sat, Arte, NDR, WDR, Phoenix und N-TV. Zugleich sind sie es aber, die den Mainstream bedienen. Schade, schade. 

Autor Sabine Ruhland, Foto Peter von Felbert 

Angesichts dessen, was das gestern teilweise über den Bildschirm flimmerte, mag man versucht sein zu glauben, die Fleischindustrie hätte im Hintergrund kräftig am Rad gedreht, um dieser Schwarz-Weiß-Malerei Nachdruck zu verleihen. Denn einfach Huhn, Rind und Sau durch Tofu und Ähnliches zu ersetzen, ist nicht Sinn und Zweck der Bewegung, die – man spricht mittlerweile von 3 Millionen Vegetariern in Deutschland -  stetig an Bedeutung gewinnt.

Fleisch ist billiger als Obst und Gemüse. Da muss man nicht studiert haben, um dieser Rechnung ein scheußliches Gesicht zu geben

Es ist die Maßlosigkeit, die immer mehr Menschen abhält Fleisch zu essen, das Reinstopfen von panierten Fleischkugeln, die, da wollen wir ehrlich sein, auch nicht immer schmecken. Zusammengepappt, eingefroren, aufgetaut. Tiere, schäbig und billig hochgezüchtet, aufs Unwürdigste geschlachtet und missbraucht – da vergeht selbst Fleischessern der Appetit, sofern noch ein Funke Gefühl in den mechanisierten, auf Geiz, Konsum und Gier getrimmten Körpern steckt.

Bunt statt schwarz-weiß

Sich vegetarisch zu ernähren – und sei es nur ein Tag oder mehrere die Woche – ist doch wahrlich kein Drama und keine Geißel, ist weder dumm noch anormal. Es gibt wunderbare Rezepte, die Fleischersatz gar nicht nötig haben. Es gibt wunderbare Köche, die uns mit neuen vegetarischen Gerichten verwöhnen und vor allem gibt es die Möglichkeit der Wahl: heute mal vegetarisch, heute mal gegrillter Hokkaido mit Drillingen oder Gemüsegarten-Aubergine mit Rote-Bete-Humus. Dafür morgen gerne ein Huhn. Vom Bauern. Weder Bio noch Masse, sondern einfach ein „hat-ein-schönes-Leben-gehabt-Huhn“. Plötzlich bekommt die Welt wieder Farbe.

Foodhunter hat unzählige Kochbücher und seit einiger Zeit auch vermehr vegetarisch-vegane Exemplare, die nicht im Geringsten anders sind als die anderen. Schön aufgemacht, mit tollen Rezepten. Wir sind keine Vegetarier, wir sind Klug-Esser und wir wünschen uns, dass es unter unseren Lesern mehr davon gibt.

Wenn Sie Lust haben, mit uns auf vegetarische Reise zu gehen: auf unsere Website finden Sie vegetarische Kochbücher, vegetarische Restaurants,vegetarische Einkaufsmöglichkeiten wie Veganz oder Veganize me oder Interviews wie das mit Christl Kurz, der Erfinderin der vegetarischen Küche.
Dazu Reportagen für die nicht-vegetarischen Tage, die ein gutes Gefühl geben, weil Bio-Hersteller: Gut Kerschlach, Ederhof, Burgauer Sonnenschweine.

Cucina Vegana. Vom Vegetarierbund zum Kochbuch des Jahres 2010 gekürt

Ein kleines Büchlein von Heike Kühler-Anger. Das Titelbild ist dekorativ, im Inneren herrscht graues Einerlei. Keine Fotos, ab und zu eine Schwarz-Weiß-Zeichnung. Nicht schlimm, denn der Pala-Verlag ist kein Verlag mit lautem Tamtam. Da kommt vor der Optik stets die Philosophie. Und die überzeugt. 

Autor Sissi Wolf

Sechs Menschen haben den Pala-Verlag ins Leben gerufen. 1979 war das. Positive Utopien als Alternativen zur modernen Zivilisation, lautete das Programm. So hieß die erste Buchveröffentlichung “Ein gutes Leben leben”. Bis heute sind aus dem Verlag rund 100 Werke veröffentlicht und wer auf der Seite stöbert findet Interessantes wie beispielsweise “Teenager auf Veggiekurs” oder gar “Das vegetarische Baby”. Es gibt eine Serie “Vegetarisch international” oder “Veganes fürs Fest” oder “Vegan grillen”. – Wer sich für das Thema interessiert, kann auf der Seite www.pala-verlag.de viele Inspirationen finden.

Wir haben uns das Kochbuch “Cucina vegana” bestellt. Was den Leser sofort mitnimmt, ist der erste Satz der Einleitung “Wie beinahe alle Kinder mochte ich gerne Nudeln…” Uns so erzählt die Autorin, was wir Leser nur bekräftigen können. Auf ihrem kulinarischen Spaziergang führt sie uns durch Italiens kulinarische Leidenschaften, nett zu lesen.

Den Einstieg in die Rezepte liefert eine Liste “was immer vorhanden sein sollte”. Vieles davon steht bei guten Köchen ohnehin im Schrank. Also ein unkompliziertes Entree. Dazu ein paar Grundrezepte, die Geschmack liefern wie hausgemachte Gemüsebrühe oder Mandelsahne.

Wie gesagt, zu keinem Rezept gibt es blumige Fotos, das Buch ist eher ein Nachschlagewerk, das Anregung liefert. Darunter jede Menge schmackhafter Rezepte wie toskanische Kartoffelsuppe, Gemüsesuppe nach Mailänder Art, Sizilianischer Orangensalat, Radicchiostrudel, Penne mit Tomaten-Grappa-Sauce, Mangoldlasagne mit Haselnusssauce oder Pizza mit karamellisierten Zwiebeln.

Wir müssen zugeben, als die erste Enttäuschung angesichts der unscheinbaren Aufmachung vorbei war, haben wir uns mit den Rezepten auf eine durchaus wohltuende und schmackhafte Reise nach Italien begeben.

Cucina vegana, 200 Seiten, 14 Euro.
www.pala-verlag.de/cms/website.php?id=/index/buecher/9783895662478.htm

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Ganz einfach vegetarisch. Von Gabriele Kurz

Von ihrer Mutter Christl Kurz habe sie die Liebe zur gesunden Küche erfahren, betont Gabriele Kurz. Der Begriff “vegetarisch” sei gar nicht vorrangig gewesen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Tochter längst zu einer internationalen Botschafterin für gesunde und vegetarische Küche geworden ist und derzeit in einem Luxushotel in Dubai ihr Wissen weitergibt. Dazwischen hat sie immer wieder Zeit, um Kochbücher zu schreiben. Keine Frage – der Apfel fällt in der Familie Kurz nicht weit vom Stamm. 

Autor Karoline Beck

Was hält uns vom Kochen ab? Genau, Zeitmangel. Diese Ausrede wird immer wieder gerne genommen, um Tüten aufzureißen und in die Mikrowelle zu stecken. Mit ihrem Kochbuch “ganz einfach vegetarisch” nimmt sich Gabriele Kurz dieses Alltagsproblems an. “Man braucht die richtigen Rezepte und die entscheidenden Tipps für Vorratshaltung und Vorbereitung. Dann geht alles blitzschnell”, lacht sie. Dann mal los, denken wir und steigen ins Kochbuch ein.

Was uns auf den ersten Blick gefällt: die vielen kleinen Tipps, verstreut wie zartes Kräutergrün. Beispielsweise darf der Gestresste statt des Einweichens der Bohnen für Bohnen-Hummus gerne gekochte Bohnen aus der Dose nehmen, stellt sie Alternativen vor, falls der fürs Rezept empfohlene Käse nicht zu finden ist, gibt auch wunderbare Ideen fürs Anrichten und Aufbewahren.

Kurz Cover

Wie inspirierend sind die Rezepte? Optisch ist Buch nicht ganz so charmant wie das Ihrer Mutter (vegan & roh, Christl Kurz), aber der Ideenreichtum ist auch hier ungebrochen. das erste Rezept, das wir daraus gekocht haben, waren “gedämpfte Gurken mit Zitronen-Minze-Vinaigrette”. So leicht wie genial. Auch “Brokkoli mit geröstetem Buchweizen und Mango” kam in der Redaktion gut an, weil so “gesund-saftig”.

Unter der Rubrik “auf die Schnelle” kommen tolle Tipps, die alltägliches Food einfach mehr aufpeppen. Statt Mozzarella mit Tomate gibt es “gebackenen Mozzarella mit Olivenstreusel und Ofentomaten”. Schmeckt ums Hundertfache besser! Wunderbar der “gebackene Kürbis-Kartoffel-Salat mit Feta-Käse und Sesam” oder die “Miso-Senf-Suppe mit Blattspinat und Limette”. Was wir pünktlich zur Spargelsaison ausprobieren werden, ist ihre Spargelsuppe mit Aprikosen und weißem Pfeffer. Eine ungewöhnliche Kombination, die uns neugierig macht. Wie so Vieles in diesem Kochbuch.

 

Vegan & Roh: “eines der besten vegetarischen Kochbücher”

Christl Kurz pflegte im Berchtegardener Land schon eine vegetarische Küche als sich noch kaum ein Konsument mit diesem Thema auseinandersetzte: in den 80er Jahren. Ihre Gerichte sind über Jahrzehnte erkocht und verfeinert und kaum eine verdient es mehr, Auszeichnungen für ihre Gerichte  und Kochbücher zu bekommen. Wir haben es uns eines der vielgelobten Kochbücher näher angesehen. 

Autor Sissi Wolf

Es fühlt sich “smoothie” an, samtig der Umschlag, handlich das Format. Optisch sehr schön. Dieser Eindruck setzt sich fort. Layout und Bildsprache sind elegant, dezent, fein, exklusiv. Wie die Küche von Christl Kurz. Ihre 100 besten Rezepte präsentiert sie und schreibt im Vorwort ganz ohne erhobenen Zeigefinger: “…Vegan und roh – beides stellt eine ernst zu nehmende Lebenshaltung, …. und ein praktikables Modell für ein gesundes und nachhaltiges Leben dar. Egal, ob Sie sich dem ganz oder nur zeitweise widmen.”

Vegan & roh

 

Im Buch finden sich eine Reihe von Basics wie Dips, Shakes, Smoothies, Vorspeisen, die vor allem durch raffinierte Kombinationen den Appetit wecken: Thaisalat-Wraps mit Bananen-Curry-Dip oder Cocktailtomaten mit würzigen Quinoasalat, Suppen wie Blaukrautsuppe mit Sojamilchschaum oder rote Paprikasuppe. Als Hauptgericht zaubert Christl Kurz Verführungen wie “Grüner Spargel mit Avocado-Tomaten-Salsa, Sellerie-Pilz-Ravioli mit Tomatensugo, grünes Kartoffelpüree mit gebratenem Löwenzahn oder die erfrischenden Rettichspaghetti mit Erbsen-Minze-Sauce. Zum Abschluss vielleicht Pimpernellesorbet oder Zitronenmelisse-Mousse-Tarte und der Tag ist glücklich machend!

 

Die vegetarische Pionierin: Christl Kurz

Gründe, auf Fleisch zu verzichten, gibt es viele. Rinderwahn, Schweinegrippe, Geflügelpest, Massentierhaltung. In Bayern jedoch gehören Schweinebraten und Tafelspitz immer noch so zwangsläufig auf die Speisekarte wie der weiß-blaue Himmel auf die Postkarte. Ein Elend, was man auf den meisten Speisekarten unter “vegetarisch” vorfindet. Käsespätzle, Salate, mit Käse überbackene Aufläufe. Und im bayerischen Kochbuch, einem Klassiker, steht im Kapitel „Vegetarische Gerichte“ sogar Rührei mit Schinken.

 Autor Karin Lochner, Fotos Peter von Felbert

Dass es fantasievoller geht, beweisen Christl und Gabi Kurz seit Jahrzehnten im Berchtesgadener Land im Bio-Hotel Kurz. Mutter und Tochter gehören zu den Pionieren, vor allem Christl hievte vegetarische Küche auf Gourmet-Niveau und das bereits in den 80er-Jahren.

Die meisten empfinden es als schwierig sich vegetarisch zu ernähren.
Dabei ist es leicht. Der Trick ist: sich einfach nur damit beschäftigen und Liebe zu den Produkten mitbringen. Meine Tochter Gabi sagt immer – sie ist selber inzwischen eine professionelle Köchin und Kochbuchautorin – es ist ein ästhetisches Zubereiten, ohne Blut und Fischschuppen.

Vegetarische Küche sei einseitig und daher ungesund, unken viele. Die zweite Frage ist stets die nach den Mangelerscheinungen. 
Das ist Unsinn. Ich habe die Erfahrung am eigenem Leib gemacht, dass ich durch vegetarische Ernährung vollständig gesund wurde. (Anm. der Redaktion: auch Volker Mehl  Grundsätzlich kann ich nur betonen, dass vegetarische Küche weitaus weniger Nebenwirkungen hat, als Völlerei mit Fleisch und Fett.

Woher kommt dann der große Appetit auf Fleisch in herkömmlichen Restaurants?
Meist aus Hilflosigkeit. Oder aus Mangel an Kreativität. Oder aus Lustlosigkeit. Es gibt viele Gründe. Oft ist Fleisch auch einfach billiger als gutes Gemüse. Und mit einem Stück Fleisch oder Fisch lässt sich jeder Preis auf der Karte irgendwie rechtfertigen.

Foto Peter von Felbert, Foodhunter

Sie sagten vorhin, vegetarische Küche hätte Sie genesen lassen.
Ja, ich war noch keine dreißig und schwerkrank. Mit vegetarischer Ernährungsumstellung wurde ich innerhalb von neun Monaten wieder gesund, was wie ein Wunder anmutete. Ich blieb dabei und probierte und entwickelte meinen Stil. Dann hatte ich in kürzester Zeit 15 Kostgänger, sogar ein Metzger war dabei. Ich kochte ein gesundes Frühstück und einen vegetarischen Mittagsimbiss für alle. So kam ich zu meinen ersten Gästen.

Sie haben einen traumhaften Garten rund um Ihr Bio-Hotel. Löwenzahn,  Brennnessel, Schlüsselblumen. Hier wächst ja alles.
Meine i-Tüpfelchen wachsen hier  – für ein Löwenzahn-Risotto, eine Gänseblümchen-Suppe oder für Schlüsselblumen-Beignets im Pfannkuchenteig.

Der Garten reicht aber nicht aus, um alle hungrigen Mägen zu füllen?
Nein, je nach Saison 30 Prozent. Aber selbst im Winter, wo ich draußen nichts ernten kann, bekommt jeder Teller, der von hier aus aufgetischt wird, meine Berchtesgadener Garten-Unterschrift. Vielleicht streue ich nur ein wenig Kresse oder Schnittlauch aus den Töpfen hier am Fensterbrett. Die hab ich genauso fürsorglich gezogen wie im Sommer meine Karotten und meinen Salat.

Beim Wort vegetarisch denkt man ja ohnehin an Tofu, Seitan, Sojawürstchen.
Das brauchen wir alles nicht. Wir suchen nicht nach Fleischersatz. Ich biete hauptsächlich Gemüseküche. Da darf ruhig mal ein wenig Tofu vorkommen, als Füllung für Lauch-Canelloni. Aber Gemüse und Getreide lassen sich so vielseitig einsetzen. Ich brauche weder Seitan noch Sojawürstchen.

Vegetarische Spitzenküche ist rar gesät. Woran liegt es?
Die Köche kommen aus ihrer Rille schlecht raus. Ich denke, wie bereits gesagt, es ist eine Hilflosigkeit, immer Fleisch und Fisch nehmen zu müssen. Hier die Jakobsmuscheln und dann noch die Gänsestopfleber. Immer noch ein Highlight. Lassen Sie mich ein Beispiel erzählen, was meine Tochter Gabi zur Spitzenköchin macht: sie schult in Dubai die Köche der 42 Restaurants ihres Arbeitgebers und  hat einen Fan unter den Köchen. Er kommt so lange, sagt er, bis er versteht, wie sie denkt. Ich würde sagen, Vegetarier, die auf so hohem Niveau kochen, denken anders.

Ihre Tochter bezeichnet Sie als wichtigste Inspirationsquelle in ihrer Laufbahn.
Dabei habe ich in meiner Experimentierwut  früher etwas über die Stränge geschlagen. Als ich ihr einen Brennnessel-Saft auspresste, war Gabi nicht begeistert. Oder wir haben eine Beinwellsuppe ausprobiert. Die war auch nicht der Hit. Aber mittlerweile besitzen wir ein riesiges Repertoire an gelungenen Rezepten. Wir tauschen wir uns leidenschaftlich gerne aus. Einmal am Tag telefonieren wir. Gerade bekam ich ihr Rezept eines Rote-Rüben-Medaillons.

Sind Rote Bete Ihr Lieblingsgemüse?
Nein, ich liebe vor allem Karotten! Mit denen lässt sich so viel anstellen. Karottencremesuppe, Karotten als Antipasti, Karotten-Gratin mit Kartoffeln, Karotten-Haferflocken-Laiberl, Karotten-Ingwer-Salat.

Wie kann man im Alltag vegetarisch kochen ohne, dass es in Stress ausartet?
Zeigen Sie mir den leidenschaftlichen Hobbykoch, der bei einem Witzigmann-Menü nicht ins Schwitzen käme. Aber Spaß beiseite: Einfach gute Alltagsküche kochen und nicht kompliziert denken. Meine Kochkurse und meine Kochbücher weisen Ihnen schnell den Weg.

In letzter Zeit sind viele vegetarische Kochbücher erschienen. Doch Ohres ist “beste vegetarische Kochbuch der Welt”.
Und ich war nicht dabei, stellen Sie sich das mal vor. Da wird in Paris der Branchenoscar vergeben, ich hätte mit dem Verlag nach Paris fliegen können und den Preis für das beste vegetarische Kochbuch der Welt entgegennehmen können. Aber mir reichte schon unter den ersten Sechs zu sein. Ich bin also nicht geflogen, sonst hätte ich das Hotel mindesten vier Tage zusperren müssen. Aber am Tag, als der Preis verliehen wurde, hab ich das Buch schön auf den Esstisch gelegt, eine Kerze angezündet und eine Rose dazugelegt. Und dann kam der Anruf aus Paris.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Gerichte?
Ich bin mit reicher Fantasie gesegnet. Und Gabi und ich telefonieren täglich.

Welche Zutat darf in der vegetarischen Küche nicht fehlen?
Ein richtig gutes Salz. Wir nehmen ein Steinsalz aus dem Himalaya.

Es gibt immer mal wieder Studien, nach denen Bioprodukte sich nicht von konventionellen unterscheiden. Schmecken Sie tatsächlich, ob eine gelbe Rübe bio ist?
Ich glaube, ich schmecke es. Aber egal. Ob ich es schmecke oder nicht, mir ist das andere genauso wichtig, nämlich, wie diese Karotte produziert wurde.

Ihre Art zu kochen ist unglaublich kreativ, sowohl im Aussehen, im Geschmack, als auch in der Kombination. Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie in der Küche?
Nur eine in Vollzeit, und bei viel Andrang gelegentlich Aushilfen. Ich koche für meine Gäste immer persönlich.

Glauben Sie, dass sich in Zukunft mehr Menschen vegetarisch ernähren werden?
Auf jeden Fall! Wir sind mitten in einer rasanten Entwicklung.

ADRESSE
Christl Kurz, Bio-Hotel Kurz, Locksteinstr. 1, 83471 Berchtesgaden, Tel: +49 (0) 86 52 / 9 800www.biohotel-kurz.de

 

 

 

 

 

 

 

Ayurvedisch kochen mit Volker Mehl

“Wenn der Koch keinen Bock hat, dann wird auch das Essen nichts.” Volker Mehl ist ein lässiger Typ, mit kräftigen tätowierten Armen und einem breiten, einnehmenden Lächeln. Er selbst ist kein gelernter Koch, entspringt keiner Gastronomen-Familie, war noch nie in Indien. Dafür besitzt er viel Herzblut. Beste Voraussetzungen also, um ein ayurvedisches Kochbuch zu schreiben, „Koch dich glücklich mit Ayurveda“. Während seiner Stippvisite in München, hat er exklusiv für FOODHUNTER vier gute Rezepte gezaubert.   

Foto und Interview Karoline Beck

Sie trinken ein Glas Wein zum Kochen, ist das erlaubt?
Ich koche doch nicht ayurvedisch, um die Menschheit zu maßregeln. Ayurveda hat in erster Linie mit Genuss zu tun. Nicht, wie viele glauben, mit Verzicht. Ich will Lust auf  genussvolle Küche machen.

Sie wollen viel mehr, Sie wollen glücklich machen – zumindest kündigt Ihr Buchtitel das an.
Nun, wir alle streben nach Glück. Das Glück liegt in uns selbst. Um es zu erkennen und auszuleben, ist eine gute körperliche Verfassung die Voraussetzung.

Was bedeutet für Sie Glück?
Glück liegt in der Reduzierung, in der bewussten Einfachheit des Lebens, die den Blick frei macht auf die eigentlichen Bedürfnisse. Mein Weg zum Glück führt über das Kochen.

Was begeistert Sie an Ayurveda?
Im Ayurveda, dem Wissen vom Leben, ist jeder für sich selbst der Maßstab aller Dinge. Was andere machen oder als „normal“ bezeichnen, gilt nicht. Jeder entscheidet für sich, was gut für ihn ist.

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Sie kommen, wie Sie selbst sagen, aus einem südhessischen Kuhdorf, waren nie in Indien. Woraus resultiert Ihr ayurvedischer Ursprung?
Ich war 13 Jahre als meinem Vater Krebs diagnostiziert wurde. Noch sechs Monate, hieß es. Daraus sind immerhin 11 Jahre geworden, denn ein ganzheitlich tätiger Arzt hatte alle Möglichkeiten von Akupunktur bis Geistheiler zu Rate gezogen. Da wusste ich, dass „normal“ kein Maßstab ist.

 Sie schälen Rote Bete mit der Hand. TV-Köche empfehlen immer Handschuhe.
Ich liebe es, beim Kochen mit den Produkten in Berührung zu kommen, meine Energie ins Essen fließen zu lassen.

Klingt esoterisch.
(lacht) Wenn ein Koch keinen Bock hat, dann wird auch das Essen nichts. Wenn er positiv gestimmt ist, erwartet Sie ein wunderbarer Genuss.

Kochen Sie uns jetzt etwas Gesundes?
Es gibt keine gesunden und ungesunden Lebensmittel, nur passende und unpassende. Das merkt jeder an sich selbst. Manchmal verträgt man Salate oder schweres Essen am Abend nicht mehr so gut. Dann vielleicht keine Milch. Oder hat öfter Sodbrennen. Manchmal essen wir auch einfach etwas zur falschen Saison.

Ist ayurvedische Küche kompliziert?
Da haben wir Dutzende von Gewürzen im Regal, dazu Kochbücher der Sterneköche, deren Rezepte kaum komplizierter sein könnten und dann heißt es immer „ayurvedische Küche ist aufwendig.“ Nein, sie ist wesentlich einfacher als viele denken.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Vom Wünschen alleine passiert gar nichts, nur die eigene Aktivität bringt uns weiter.

www.koch-dich-gluecklich.de

 

VOLKER MEHL FOODHUNTER REZEPTE

Rote-Bete-Pflaumen-Chutney mit frischem Rosmarin, dazu in Zucker glacierter Chicorée  (für 2 Personen)

  • 1 frische Rote Bete, geschält, in kleine Würfel geschnitten
  • 2 Pflaumen, in kleine Würfel geschnitten
  • 1 kleine Chili, mit Kernen, ganz klein geschnitten
  • 1 TL mildes Curry
  • frischer Rosmarin
  • 150 ml Fruchtsaft (Mango, Orange, frisch oder aus der Flasche)
  • 1 TL Apfelessig
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle
  • 2 Chicorée
  • 60 g Butter
  • Rohrzucker

Pflanzenöl erhitzen, Chili zugeben, bisschen Zucker darüber streuen, dann Rote Bete zugeben und Curry. („Die Idee beim Chutney ist: so scharf, dass man es kaum essen kann, so süß, dass man kaum widerstehen kann.“). Den Orangensaft dazu und einen Schuss Apfelessig. Alles ca. ¼ Stunde köcheln und einreduzieren lassen.

Während die Rote Bete köchelt, den Chicorée vom Strunk befreien und vierteln. Reichlich Butter in die Pfanne, Chicorée dazu, von jeder Seite 4-5 Minuten anbraten und immer wieder mit der Butter in der Pfanne übergießen, bis der Chicorée von allen Seiten eine leichte Bräune hat. Mit Rohrzucker bestreuen, herausnehmen, fertig. Pflaumen zur Rote Bete geben, ebenso den gehackten Rosmarin, salzen, pfeffern. Chicorée und Rote Bete schön auf dem Teller anrichten. Fazit: Schmeckte so gut, dass die ansonsten Chicorée verachtende Foodhunter-Redakteurin gar nicht genug davon bekommen konnte!

Foto Foodhunter

 

Dal aus roten Linsen

  • 150 g rote Linsen
  • Pflanzenöl
  • 3 Lauchzwiebeln, in schmale Ringe geschnitten
  • 3 mittelgroße Möhren, geschält, in schmale Scheiben geschnitten
  • Gewürzmischung Chee Masala (Kreuzkümmel, Bockshornklee, Fenchelsamen), u.a. bei Basic
  • 750 ml Wasser
  • 1 Gemüsebrühwürfel
  • Zimtstande
  • Kardamom
  • Curry, mild

Linsen gut waschen, 4-5 Mal. Etwas Öl in den Topf, die Linsen dazu (rote Linsen müssen vorher nicht aufquellen), andünsten. Dann kleine Bodenfläche freimachen und Gewürze kurz anrösten. Verrühren. Die geschnittenen Lauchzwiebeln dazu und die Möhren. Mit Wasser aufgießen und kochen lassen. Gemüsebrühwürfel dazu. Später noch eine Zimtstange und drei Kerne Kardamom in den Topf geben. Abschmecken und mit mildem Curry nachwürzen. Special: 1 TL gehackter Ingwer dazu.

Volker Mehl, Foto Foodhunter

Petersilienpüree mit Mangold-Feigensalat, dazu glacierte Feigen

  •  1 mittelgroße, weiße Zwiebel, klein geschnitten
  • 5 Petersilienwurzeln, schälen in kleine Würfel schneiden
  • 200 ml Milch
  • Zucker
  • Butter
  • 1/3 TL Muskatnuss
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1 TL getrockneter Majoran
  • 1 TL getrockneter Thymian

Weiße Zwiebelstücke in einem Topf in Pflanzenöl anschwitzen, Prise Zucker dazu. Petersilienwurzel und Milch dazugeben. Bei geschlossenem Deckel köcheln lassen, aufpassen, dass nichts anbrennt. 1 EL Olivenöl dazu. Am Schluss mit Majoran und Thymian, Salz, Pfeffer und Muskat würzen.

  •  3 Blätter Mangold, in Streifen geschnitten
  • 2 Frühlingszwiebeln, in Ringe geschnitten
  • 2 Feigen
  • Salz, Öl, Zucker
  • 2 TL rosa Pfeffer
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1 TL Fenchelsamen
  • Himbeeressig
  • Asafoetida (Knoblauchersatz) u.a. bei Basic
  • 25 g Butter

Frühlingszwiebeln in einer Pfanne in Butter andünsten. Im Mörser rosa Pfeffer, Kreuzkümmel und Fenchelsamen mörsern und in die Pfanne geben. Mangold dazu. Umrühren. 1 Schuss Himbeeressig dazu und mit Asafoetida würzen. Parallel Feigen in Scheiben schneiden und kurz karamellisieren, salzen, pfeffern.  Anrichten: Püree in die Mitte des Tellers, Mangold-Salat obendrauf und die Feigenscheiben um das Püree dekorieren.

 Volker Mehl, Foto Foodhunter   

 

Brombeer-Rosmarin-Lassi, für 1 Liter   

  • 400 g Joghurt, 3,8 % Fett
  • 600 ml Wasser
  • 1 TL gehackter Rosmarin
  • 100-150 g Brombeeren
  • 2 EL Honig

Alles in Küchenmaschine geben, gut verrühren, in Glas einschenken. Fertig. Nicht kühlen, „würde das Verdauungsfeuer löschen“, meint Volker Mehl.

Volker Mehl, Foto Foodhunter