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Schuhbeck’s Südtiroler Stuben

Vor dem Eingang zu den Südtiroler Stuben hat sich eine Menschentraube gebildet. Ein Raunen. „War er das nicht?“ Ohne Zweifel, Sternekoch Alfons Schuhbeck ist ein Münchner Anziehungspunkt geworden. Wenn er das Platzl überquert, um vom Gewürzladen in die Küche seines Lokals zu eilen oder vom Teeladen in die Kochschule braucht das seine Zeit. Längst durchstreifen Touristen-Karawanen das Areal, nur in der Hoffnung ihn zu sehen. Ein Foto hier, ein Autogramm da.

Autor Dirk Vangerow

Seine Beliebtheit und vor allem die Präsenz in den Medien ruft die Kritiker auf den Plan. „Kochen kann der doch gar nicht, der verkauft sich nur gut.“ An Alfons Schuhbecks fitnessgestählter Brust prallt Derartiges ab. Entspannt durchstreift er sein Restaurant – das erneut erweitert wurde, dieses Mal um barocke Räumlichkeiten im Souterrain – sorgt für heitere Atmosphäre, weil er zwanglos mit den Gästen plaudert, keinen Unterschied macht zwischen Promi und Hausfrau, weil er authentisch ist, mit ruppig-bayerischem Charme.

Da könnte das Essen in den Hintergrund rücken, doch Schuhbeck hält seinen Stern mit Küchenchef Patrick Raaß zu Recht, kocht saisonal und regional und setzt dabei stets auf die  größte Kompetenz: Gewürze. Die Bärlauch-Zatar-Kalbsbrätnockerl in einer Ingwer-Zitronengrasessenz machen den Anfang, gefolgt von einem perfekt gegarten Seeteufel in Pancetta auf leichter Mango-Tamarinden-Soße, zu dem als korrespondierender Wein ein umwerfender Bassermann-Jordan Grauburgunder aus Deidesheim gereicht wird. Die gefüllte Zanderrolle auf Hummerschaum ist so fein wie leicht, kein Aroma übertrumpft das andere und auch beim Lamm erfreut die Küche mit einem zweierlei, Keule und Schulter auf Bohnengemüse im Lammjus, umgeben von orientalischen Aromen.

Zum Abschluss Schuhbeck pur: Gewürzkuchen. In Zucker gewälzt, karamellisiert, dazu Kardamom-Kaffee-Eis. Nach vier Gängen endet die kulinarische Reise um die Welt. Der Magen satt, aber wunderbar schwerelos, beschwingte Fröhlichkeit am Tisch. Gut gespeist, mit Schuhbeck geplaudert und höchst aufmerksam vom Service umsorgt worden.  Keine Frage, ein weiterer Stern für das einmalige „Drumherum“.

Schuhbecks Südtiroler Stuben, Platzl 6+8, 80331 München,Di-Sa 12-14.30 und ab 18 Uhr, Mo ab 18 Uhr. www.schuhbeck.de

Schuhbeck Küche, Foto Foodhunter