Schlagwort-Archiv: Karin Lochner

Genuss zwischen Zillertal, Corvara und Großglockner. Beste Adressen!

Früher war die Speise- und Getränkekarte für die Pistenpause der Skifahrer nur von Kalorien- oder Alkoholzufuhr bestimmt. Glühwein und Germknödel, Jagatee und Jausenteller, Bier und Bohnensuppe. Diese Eintönigkeit gibt es glücklicherweise immer seltener, findet FOODHUNTER-Autorin Karin Lochner und verrät Adressen in den Alpen, wo lukullische Genüsse das Skifahren fast zur Nebensache werden lassen.

Autor Karin Lochner, Fotos Peter von Felbert, Achim Kraus

Jerzner Hof, Jerzens, Österreich

Der Himmel ist postkartenblau, der Schnee pulvrig wie aus einem Werbefilm. Jedoch der Koch des „Jerzner Hofes“, Bruno Wohlfahrter, will nicht fotografiert werden. Seine Gerichte stünden im Mittelpunkt. Die können gerne aufs Bild. Aber er? Bekannt ist der Chef durch sein Bekenntnis, die hochwertigen Zutaten nicht verfälschen zu wollen.

So spielt er mit dem Rollmops, der sich eher nach Imbiss anhört. Wohlfahrter jedoch formt den Rollmops aus den feinsten heimischen Forellenfilet und serviert dazu Zucchini-Tatar und tournierte Kartoffeln. Eine gute Wahl. Am Nachbartisch schwärmt man vom Wiener Rindsgulasch. Bei Wohlfahrtner behält jedes Gericht – für uns fast schon Sterneniveau – die originale regionale Note.

Das Familienhotel, geführt von Familie Eiter, bietet weitere Trümpfe: Der Spa-Bereich ist gerade weitläufig genug, um den Wow-Effekt bei jedem Besucher auszulösen, der gerne schwimmt, schwitzt und sich die Schultern massieren lässt. In den Kaminen brennt Feuer, ich hole mir einen Kräutertee und kuschle mich in die Nachmittagssonne aufs Schaffell. Als dem Sohn des Hauses klar wird, dass wir aus München kommen, schwärmt er vom FC Bayern, dass ihm die Ohren glühen. Schnell sind wir Teil der großen Familie. Ein Gast programmierte sogar eine App, damit man immer tagesaktuell weiss, worauf man sich im Hause freuen kann z. B. an diesen Abend auf Jerzner Speckknödel Brätl. – Womit wir schon wieder beim Essen wären. Jerzner Hof, Oberfeld 170, A-6474 Jerzens, www.jerznerhof.at

Jerzner Hof, Fotos Peter von Felbert, Foodhunter

Jerzner Hof, Fotos: Peter von Felbert

Jerzer Hof, Foto Peter von Felbert, Foodhunter

Jerzner Hof, Foto: Peter von Felbert

La Perla, Corvara, Italien

Früher einmal war Michil Costa, der Inhaber des Vier-Sterne-Hotels „La Perla“, Punk im London der Siebziger Jahre. Ein wenig ahnt man das Rebellische noch. Er lächelt verschmitzt und hat statt teurer Kugelschreiber viele Buntstifte in seinem Jackett stecken. Das sieht selbst mit Anzug lässig aus. Dass die Region Alta Badia zu einer der nobelsten Wintersportregionen aufgestiegen ist, dazu hat Michil Costa viel beigetragen. Vom Parkplatz des Hotels blickt man auf die Dolomiten und kann in wenigen Schwüngen die Sella Ronda befahren.

Zur Piste und zur Seilbahn sind es vom Parkplatz aus genauso viele Schritte wie in das hoteleigene Sternerestaurant „La Stüa de Michil“, das seit 2002 ununterbrochen mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurde. Da zieht es uns hin. Die Einrichtung stammt von einem  jahrhundertealten ladinischen Bauernhof. Die Gäste lieben diese Stube, die viel Geborgenheit vermittelt. Auch dass man sich manchmal ein wenig ducken muss, um sich nicht den Kopf an einem Balken anzustoßen, erscheint wie eine Verbeugung vor Arturo Spicocchi, dem aus Marken stammende Küchenchef. Es gibt fast ausschließlich regionale ladinische sowie saisonale Speisen. So zum Beispiel einen Rehrücken in der Lebkuchenkruste, und als Nachtisch mit Kümmel aromatisierte „Verlorene Ritter“.

La Perla, Foto Peter von Felbert, Foodhunter

La Perla, Foto: Peter von Felbert

Maître Manuel kümmert sich nicht nur um das Wohl der Gäste, sondern auch um den hoteleigenen Weinkeller „Mahatma Wine“. 30.000 Flaschen, darunter edle Tropfen wie Sassicaia und Château d’Yquem. Gänseleber-Pastete hingegen suchen Gäste vergebens auf der Karte. Und auf Äpfel und Erdbeeren muss man bis Juni verzichten. Dafür gibt es raffinierte Aromen und italienische Geschmackserlebnisse auch in den anderen Restaurants des La Perla, z. B. Wurstwaren aus den Abruzzen und Burrata aus Neapel, aber auch regionales Hirschfilet und hausgemachte Knödel. Ein kulinarisch aufregender Balanceakt zwischen mediterraner und südtiroler Küche, der uns begeistert, weil er den einmaligen Erzeugnissen ihren verdienten Raum lässt.

Bei so vielen Geschmackserlebnissen haben wir kaum Lust, das Haus zu verlassen. Selbst dafür hält das La Perla eine schöne Überraschung bereit: Gäste, die ihr Auto während des Hotelaufenthaltes drei Tage nicht benutzen, bekommen zum Dank eine Flasche Sassicaia und ihr  Wagen wird symbolisch mit einem grünen Band verziert. So verwandelt sich eine Gabe aus dem Weinkeller – der Inbegriff bourgeoiser Dekadenz – subtil in einen Akt der Rebellion. Das hätte seinerzeit sogar den Punk in London gefreut. La Perla, Str. Col Alt 105, I-39033 Corvara (BZ) Alta Badia www.hotel-laperla.it

La Perla, Fotos Peter von Felbert, Foodhunter

La Perla, Fotos: Peter von Felbert

Gradonna, Kals am Großglockner, Österreich

Im „Gradonna“ in Kals riecht es wunderbar nach Zirbe. Im Foyer genauso wie in den Zimmern. Die Nische, die sich dort mit einem Vorhang vom restlichen Zimmer abtrennen lässt, ist ruckzuck  eine kuschelige Ecke für Paare verwandelt oder einfach der exklusive Aussichtsplatz auf den mächtigen Großglockner. Die Nische ist eines der vielen zauberhaften Details des 2012 eröffneten Gradonna Mountain ResortChâlets & Hotel in Kals am Fuße des Großglockners.

Ein schöner Geist weht durch das Haus. Die Chalets stehen kreuz und quer, so wirkt es manchmal. Dabei wurde darauf geachtet, dass alles organisch bleibt, kein Felsen und kein Baum dem Bauprojekt weichen musste. Für die wunderbar duftenden Zimmer hat man eine Jahresernte an Zirbenholz verarbeitet. Heimische Leinen, Loden und Filzstoffe verströmen eine bodenständige und gleichzeitig exklusive Note, in den Zimmern, wie auch im Restaurant.Hier wirkt Michael Karl mit seinem Team aus zehn Köchen.

Bis zu 340 Halbpensionshotelgäste werden neben den 30 Plätzen des à-la-carte Restaurants versorgt. Weil man nur eine Stunde von Friaul entfernt ist, schlägt sich der mediterrane Einfluss in der Speisekarte nieder. Mit Kartoffelpasta umwickelte Garnelen, gebackene Mozzarellaknödel auf Safranrisotto oder Zucchinipiccata mit Rucolanudeln und Parmesan. – Flankiert von alpinen Spezialitäten wie Osttiroler Berglamm in der Kräuterkruste oder Rehnüsschen mit Polenta. Bei so vielen Gästen so gleichbleibend gut zu kochen, verdient höchsten Respekt. Gradonna, Gradonna 1, A-9981 Kals am Großglockner www.gradonna.at

Gardonna, Fotos Peter von Felbert, Foodhunter

Gardonna, Fotos: Peter von Felbert

Adler Lounge, Kals am Großglockner, Österreich

Ebenfalls in Kals steht der futuristische Würfel, eine kühne Glaskonstruktion, Adresse des Restaurants „Adler Lounge“, einem der höchstgelegenen Haubenlokale der Alpen. Um uns herum ist draußen wie drinnen gleißende Sonne und die endlose Weite des Panoramas mit 60 Dreitausendern. Die Erwartung auf ebensolche kulinarische Höhenflüge spiegelt sich schon in den Gesichtern der Gäste.

Küchenchef Walter Hartweger greift zu Tiroler Spezialitäten, um seine Gäste zu verwöhnen. So steht ein rosa gebratenes Entrecôte vom Almrind genauso wie ein Hirschragout als einer der Klassiker auf der Karte. Bereits bei der Ente zeigt der Koch seine Verspieltheit und serviert als Beilagen Powidl-Radicchio und geschmorten Kürbis statt Blaukraut und Knödel. Die Extravaganz des Bergrestaurants betont Hartweger besonders im 4-gängigen „Adler Lounge Menue“ und offenbart seine exotische Vorliebe mit Gerichten wie einer Tomatenessenz mit Thai Spargel oder Garnelen mit Paprika-Ingwer und Avocado.„Tom Ka Gai läuft bei uns genauso gut wie Gulasch!“, freut er sich.

Ein paar komfortabel ausgestattete Zimmer gibt es zum Übernachten. Wer das Glück hat, eins zu ergattern, ist im Einklang mit den 2621 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Zudem ist es ein unschätzbarer Vorteil, wenn nach vier Gängen keiner mehr die Ski anschnallen und ins Tal fahren muss. Nur noch auf die großzügigen Sofas im Loungebereich sinken und der Sonne beim Untergehen zusehen. – Luxus auf höchstem Niveau. Adler Lounge, Haus Nr: 81, A-9981 Kals am Großglockner www.adlerlounge.at

Adler Lounge, Fotos Peter von Felbert, Foodhunter

Adler Lounge, Fotos: Peter von Felbert

Wirtshaus zum Griena, Mayrhofen, Österreich

Das „Wirtshaus zum Griena“ in Mayrhofen im Zillertal stammt aus dem Jahre 1580 und ist ein kleines Juwel. Wirtin Alexandra Maria Thaler und ihr Bruder Clemens, der Koch, erfüllen ihren Gästen den Wunsch nach Unverfälschtheit, wie es ein so historisches Anwesen verdient. Gepfefferte Milchsuppe mit Brot oder Schliachtarnudeln mit Graukäse sind typisch Zillertaler Gerichte, wie sie die Menschen jahrhundertelang zubereitet haben und die heute dabei sind, in Vergessenheit zu geraten.

Unser liebstes ‘Arme-Leute-Gericht’  sind die Zillertaler Krapfen, eine Art Ravioli mit Käsefüllung, so delikat, dass wir fast nicht mehr aufhören können, obwohl der nächste Gang schon wartet: Die würzige Kraftbrühe mit den Kaspressknödeln. Trotz satter Glückseligkeit ist der süße Abschluss  zu verführerisch, um darauf zu verzichten: Der weit über die Dorfgrenzen bekannte Baubeerschmarrn, der eigentlich locker ein Hauptgericht ersetzt. Wirtshaus zum Griena, Dorfhaus 768, A-6290 Mayrhofen, www.wirtshaus-griena.at

Wirtshaus zum Griena

Wirtshaus zum Griena, Foto: Achim Kraus

Schulhaus am Zellberg, Zellberg, Österreich

Das „Schulhaus am Zellberg“ im Nachbarort Zellberg setzt auf Tradition und verdient beste Zensuren. Der 26-jährige Koch Stefan Geisler steht mit Mama Barbara in der Küche, während seine Schwester Maria mit Vater Christian in der Stube serviert. Letzterer saß in seiner Kindheit sogar hier in der Schulbank, denn, wie der Name vermuten lässt, steht das Gasthaus auf dem Platz der ehemaligen Dorfschule. Passend zum Haus präsentiert sich die Speisekarte kreativ als Schulheft mit Tintenflecken und kleinen Kritzeleien am Rande. „Wer einen guten Braten macht, hat auch ein gutes Herz“, wird Wilhelm Busch am Heftrand zitiert und dem können wir nur zustimmen.

Die Geislers machen vorzügliche Braten und versprechen in ihrem „Menü Regional“, dass alle Grundprodukte aus einem Umkreis von 33 km stammen. Bei unserem Besuch kosten wir ein vorzügliches Topinambursüppchen mit Lammhaxl-Ravioli, dazu hausgemachtes Brot mit Biobutter und Graukasaufstrich. Als Hauptspeise gibt es ein zartes Zillertaler Vollmilchkalb mit Biokarotten und Erdäpfel-Griesknödel. Zum dahinschmelzen ist auch das Dessert: hauchfeine Apfel-Topfentarte mit hausgemachtem Sauerrahmeis und Quarknockerl. In Geislers Schulhaus ist es wahrlich ein Vergnügen, sitzen zu bleiben. Schulhaus am Zellberg, Dorfhaus 162, Zellberg, www.gasthof-schulhaus.at

Schulhaus am Zellberg

Schulhaus am Zellberg, Fotos: Achim Kraus

 

 

 

 

Good storys. Good news. Foodhunter

Liebe Karin Lochner, lieber Peter von Felbert – Foodhunter gratuliert euch (und damit auch sich selbst ein bisschen) von Herzen. Als Printmagazin mussten wir angesichts der Wirtschaftslage zwar vorübergehend kapitulieren, doch an einer Neuauflage wird heftig gearbeitet, denn zu gut waren die Storys, zu gut das richtungsweisende Konzept und zu gut die Aufmachung.

Ihr seid zwar im Wallis und nicht in der Champagne, aber wir hoffen, die Korken fliegen heute!!!!

Foodhunter, Medienpreis-Sieger

 

Foodhunter, medienpreis

Die glückliche Gewinnerin, re. Karin Lochner. Der Preis ist immerhin mit 5.000 CHF dotiert. Wir gratulieren!

Delikates aus See und Meer. Dechants

Fischlokal und Laden von Peter Dechant wirken wie liebenswerte Puppenstuben. Beim Essen sitzen die Gäste im ehemaligen Wohnzimmer seiner Urgroßeltern, in einem der ältesten Gebäude Starnbergs, das der Ururgroßvater 1883 kaufte und damit das Fischereirecht erwarb. Peter Dechants beide Töchter und der kleine Sohn wachsen mit Skrei, Lotte und Matjes auf. Sie sind zu beneiden. Der Matjes kommt vom Lieferanten des Niederländischen Königshauses.

Von Karin Lochner, Fotos Peter von Felbert

Im Laden werden nicht nur einheimische Spezialitäten angeboten. Fein angerichtete Muscheln („Jahreszeit beachten!“), kubanische Langusten („fraglos die besten der Welt!“), Fischweißwürste („die san richtig gut, probieren Sie“), es ist alles zu haben, was einem Fischliebhaber das Herz aufgehen lässt. Peter Dechant zwinkert und verweist auf die üppige Fülle in der Auslage. Er hätte auch gerade einen 1 A Sashimi Thunfisch im Angebot. Nirgends kann man so gut mit einem Fachmann plaudern. Kann mit dem gelernten Fischereimeister über die Wasserqualität der bayerischen Seen reden. Und erfahren, dass die Renke der „Brotfisch“ ist, also das traditionelle Grundnahrungsmittel der Uferbewohner des Starnberger Sees. Natürlich kennt er alle Starnberger Fischerfamilien. Ob lokal oder weit weg, es ist ihm wichtig, seine Lieferanten persönlich zu kennen. Seine Firmenphilosophie: Lieber viele kleine Erzeuger mit regionalen Spezialitäten, als einige wenige Großhändler mit Einheitsware. Bald nach Eröffnung des Ladens machte er sich zum ersten Mal auf dem Weg nach Norden. Ein Vierteljahrhundert ist das jetzt her. Er reist regelmäßig, um mit seinen Lieferanten in Kontakt zu bleiben und neue Quellen zu entdecken. Die Nordischen Länder, sogar ihr raues Klima, hat er lieben gelernt. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als die ganze deutsche Küste entlang, und dann weiter nach Norwegen zu fahren. Norwegischer Herkunft ist auch sein hausinterner Spitzenreiter, der Skrei. Ein gutes Stück Norwegische Kultur. Schon die Wikinger „waren ganz narrisch drauf“, lacht Peter Dechant. Besonders schön ist es, den Skrei vor Ort zu genießen. In Peter Dechants feinem Lokal. Mit kleinen Butterkartoffeln und sahnigem Wintergemüse. Nur acht Tische gibt es. Man sitzt zwischen dunklem Holz, vor nostalgischen Vertäfelungen und wird unaufdringlich, leise und fachkundig verwöhnt. Die aufmerksame Rosi bringt den perfekten Weißwein. So schaut Glück aus.

Dechants Fischladen, Hauptstraße 20, 83219 Starnberg, Telefon 08151-12106, www.dechants-fischladen.de

 

“Birkensteiner Knödeleien”. Knödel mit Ingwer, Feta oder Pinienkernen!

„Meine Teilnehmer sind immer wieder überrascht, wie vielfältig dieser Klassiker sein kann.“ sagt Michaela Schmitz-Guggenbichler. Knödel in allen Variationen sind die Leidenschaft der 39-jährigen Hotelfachfrau. Interessierte Hobbyköche lädt sie zum Knödelseminar  ”Birkensteiner Knödeleien” in ihre Küche im Gasthof „Alte Bergmühle“ in Fischbachau ein.

Autor Karin Lochner, Foto Peter von Felbert

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Beherzt greifen die Hände in die Schüssel, kneten sich durch Semmelscheiben, Eier und Milch, bis der Teig kompakt ist. „So ist es genau richtig“, lobt Michaela Schmitz-Guggenbichler die Teilnehmer, deren Knödel auf Semmelbasis entstehen: Speck-, Spinat- und Kaspressknödel.

Schon beim Eintreten in die Wirtsküche haben sich die Hobbyköche um den Arbeitstisch entsprechend ihrer kulinarischen Vorlieben gruppiert. Edith aus Wessling geht zu den Aprikosen, Katrin übernimmt die Spinatknödel. Dieter aus München will exotische Knödel mit Ingwer zubereiten. Die anderen verweilen bei Vertrautem: Siglinde bei den Griesnockerln, Hans bei den Speckknödeln. Es gibt viele Arten, Knödel zuzubereiten und jeder kennt ein spezielles Rezept. „Von Omas frisch geriebenen Kartoffelknödel schwärmt meine ganze Familie.“ erzählt Dieter.

Knödel machen glücklich!

Michaela Schmitz-Guggenbichlers hat diese Erinnerung in ihr Berufsleben geholt und Knödel zu ihrer gastronomischen Spezialität erkoren. Es macht ihr Freude, das Armeleuteessen zu verfeinern und neue Varianten zu erfinden. So schlägt sie Katrin vor, die Spinatknödel mit kleingeschnittenen getrockneten Tomatenstückchen und Pinienkernen aufzupeppen und in der Mitte einen Fetawürfel zu platzieren. „Achtung!“ warnt sie: „Die Spinatblätter müssen noch viel stärker ausgedrückt werden.“ Sonst gelangt zuviel Flüssigkeit in die Masse und beim Kochen zerfällt der Kloß zu Brei.

Für alle Eventualitäten hat sie Tipps parat. Wenn der Knödel zu leicht ist, noch mehr Semmelbrösel in den Teig geben. Ist er zu fest, lockert ein Schuss Milch die Masse auf. Fällt er auseinander, hilft ein Ei. Am besten formt und kocht man einen Probeknödel. „Hand-Wellness“ lacht Michaela, als sie die „Semmelfraktion“ auffordert, nach jedem Knödel in die Schüssel mit warmen Wasser zu greifen. Dadurch wird die Handfläche griffiger.

Sind die Knödel auf Quarkbasis, brauchen die Hände zwischendurch ein wenig Mehl. Bei den Marillenknödeln legt Edith die Aprikosen auf ein rundes Teigstück und zieht mit den Fingern behutsam den Teig über die Frucht. Immer wieder bestäubt sie ihre Hände. Als der Teig reißt, rät Michaela, die Ränder mit den Fingerkuppen zusammenzudrücken, wie wenn man jemanden zwicken will. Nun klappt es und Ediths Knödelteig umschließt die Frucht perfekt.

Auch Dieters Mini-Knödel sind auf Quarkbasis und fein geschnittener Ingwer, Karotten, Muskat und hauchdünn geschnittene Petersilie geben die gewünscht pikante Note. Damit sie im Kochtopf mit dem simmernden Salzwasser nicht zusammenkleben, versetzt sie ihnen mit dem Kochlöffel einen leichten Schubs. Uta hat sich als einzige eine Knödelsorte ausgesucht, die nicht im heißen Wasser kochen wird. Kaspressknödel werden in Fett ausgebacken. Als Uta die Rohmasse formt wie ein Fleischpflanzerl, winkt Michaela ab. „Nur wenig drücken. Die runde Knödelform muss sichtbar bleiben.“

Foto Foodhunter, Peter von Felbert, Knödel

Nach einer guten Stunde sind die Knödel fertig und beim gemeinsamen Essen sind alle überrascht, wie leicht und „fluffig“ die Ingwerknödel schmecken. Sieben Knödel verspeist die bunte Truppe pro Kopf, zwei davon in einer Tafelspitzsuppe, drei als Haupt- und zwei als Nachspeise. Anfangs sind alle andächtig still. Dann gibt es Gelächter, als Weltraumforscherin Edith mit leuchtenden Augen feststellt: „Das ist kein Diätessen!“ Und die anderen daraufhin Knödel als Astronautennahrung vorschlagen. Keine schafft einen Nachschlag. Nach Schnaps und Espresso verteilt Michaela die Knödel-Diplome. Als die 73-jährige Lina ihres entgegennimmt, schwingt Stolz in ihrer Stimme: „Das war der erste Kochkurs meines Lebens. Ich muss sagen, Knödel machen glücklich.“

Gästehaus & Weinstube “Alte Bergmühle”, Familie Schmitz-Guggenbichler, Birkensteinstraße 60
83730 Fischbachau/Birkenstein

KNÖDEL-Seminar. Die Kunst der Knödelherstellung und Wissenswertes erfahren Sie bei Kochkurs “Birkensteiner Knödeleien”. Preis pro Person ab 35 Euro – je nachdem wie viele Gänge gekocht werden. Die nächsten Termine:

Mittwoch. 06. November 2013 – 16:00 Uhr
Donnerstag, 28. November 2013 – 16:00 Uhr

Donnerstag, 19. Dezember 2013 – 16:00 Uhr

Donnerstag, 16. Januar 2014 – 16:00 Uhr
Samstag, 25. Januar 2014 – 16:00 Uhr

Samstag, 01. Februar 2014 – 16:00 Uhr

Mittwoch, 12. Februar 2014 – 16:00 Uhr
Samstag, 15. Februar 2014 – 16:00 Uhr

Samstag, 08. März 2014 – 16:00 Uhr

Samstag, 05. April 2014 – 16:00 Uhr

Samstag, 24. Mai 2014 – 16:00 Uhr

Tel. 08028/732
www.bergmuehle-fischbachau.de

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