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Oh Yeah! Ausverkauft. Wir freuen uns auf den Aficionado-Abend mit Dieter Maier. 24.11.

In Zürich hatten wir das erste Kennenlernen mit dem Kultmusiker Dieter Meier, der seine Talente inzwischen auch auf den kulinarischen Markt ausgebaut hat. Welche Fleischqualität seine Farm in Argentinien und seine Weingüter bieten, können Sie jetzt in München bei einem einmaligen Dinner erleben.

Das Restaurant ZUM GOLDENEN KALB präsentiert zusammen mit FOODHUNTER einen Aficionado-Abend mit Very Special Guest Dieter Meier. Ein
Menü basierend auf Ojo de Agua Premium Beef & Ojo de Vino (1 Flasche je 2 Personen). 129.– Euro p.P.
Begrenztes Platzangebot, daher Reservierung erforderlich: info@zum-goldenen-kalb.de 

24. November, 18 Uhr! 

DAS MENU

Rindertatar mit schwarzen Wurzeln und schwarzen Trüffeln

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Marinierte Ochsenbacken mit Kürbis und Gänsestopfleber

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Beef Tea mit Portwein

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Filet, Roastbeef & Entrecôte im Ganzen gegrillt, tranchiert

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Schweizer Schokoladenvariation

Meier-Karte jpg

Dieter Meier in München wegen “Foodhunting”

Michael Graeter kennt Dieter Meier aus den Zürich-Zeiten, weshalb er nur zu gerne der Foodhunter-Einladung zum Frühstück mit dem “Enfant terrible” folgte und die Zeit für ein Interview nutzte, das gestern  in der AZ erschienen ist. Leider vergaß Michael Graeter den Grund des Besuches zu erwähnen: Foodhunting, denn Foodhunter hatte Dieter Meier nach München eingeladen, um sich mit Produkten rund um dessen Rinderzucht auseinanderzusetzen. Steaks satt, Senf total, Weißwürste stylisch – wir sagen Ihnen, was abging.

Autor Dirk Vangerow, Fotos Foodhunter

Wer Dieter Meier nicht kennt, hier ein Stichwort: Gruppe “Yello”, die eigentlichen Erfinder des Raps. Unnachahmlich, sein “ohhh yeah” vom Titel “The Race”.  Foodhunter hatte Dieter Meier bereits in Zürich getroffen. www.foodhunter.de/2013/07/15/ojo-de-agua-foodhunter-traf-dieter-meier-in-zurich

Dieter Meier, Foto Foodhunter 037

Nach einem langen Tag,der von Münchner Kindl Senf, Steak im Goldenen Kalb und den Besuch eines Grillfestes von Dirty Harry, der besten BBQ Sauce der Welt reichte, klang der Abend umso “spanischer” aus, im Miura bei Patrick Bertermann. (v.re) Dieter Meier (Ojo de Agua), Patrick Bertermann, Marko Huth, Dirk Vangerow Foodhunter

Dieter Meier,  Foto Foodhunter

Am Nachmittag eine Stippvisite bei Sepp Krätz, Auch ein Rinderzüchter. Fachsimplen mit kleinen Unterschieden: 80 Tiere hat der eine, 18.000 der andere.  Naja, Argentinien hat ja auch mehr Fläche als Bayern…

Dieter Meier und Michael Graeter, Foto Foodhunter

Kurz vor dem Abflug: gemütliches Frühstück auf der Dachterrasse des Bayerischen Hofes. Michael Graeter und Dieter Meier im Gespräch. Das Ergebnis heute in der AZ

Dieter Meier,  Foto Foodhunter

Es muss nicht immer Steak sein – Dieter Meier genoss auch die Münchner Weißwürste, natürlich mit dem Hausmacher Senf von der Münchner Kindl Senferei

Ein Sommerfest, das dem Regen trotzt. Juwelier Jirgens feiert am Starnberger See

Das kleine Seehaus am Starnberger See hat sich der Münchner Juwelier Thomas Jirgens als Location ausgesucht und der neue Steg der Anwesens zeigte sich mindestens so prächtig wie jener des “Club 55″ in St. Tropez, der als Kulisse für die Kampagne der neuen Herrenuhr diente. Dass es zunächst wie aus Kübeln schüttete und fast schon Land unter herrschte, sahen die Betreiber Markus Sulzmann und Veronika Tauber gelassen. “Das gab uns Gelegenheit, Schwachstellen zu entdecken und mit Dachrinnen zwischen den Zelten zusätzlich abzudichten”, lachten sie. Doch dann riss die Wolkendecke auf. 

Autor Sabine Ruhland

Eigentlich hätte es ein klassisches Sommerfest werden sollen. Strand, Steg und Sonnenuntergang. Perfekter Ort für derartige Wünsche: das kleine Seehaus in St. Heinrich. Statt Sommertemperaturen leider nur kühle 14 Grad und leichter Regen. Da hatten die Mitarbeiter von Wiesmann viel zu tun, die edlen Boliden, die den Eingang flankierten, ständig in schönstem Trockenzustand zu präsentieren.

Das Catering war gekonnt – dafür hat auch FOODHUNTER im Vorfeld gesorgt und organisatorisch tatkräftig unterstützt: Langusten von Spiny Lobster aus Hamburg, Saiblinge aus der Castell’schen Fischzucht (wir haben erst kürzlich daraus das unwiderstehliche Saiblingstatar mit Gurkeneis kreiert), Wagyu von Züchter Sepp Krätz, der neue Champagner-Liebling “Diamant” von Vranken Pommery und erfrischende Weine von Sabine Ehrmann und ihrem Weingut Tenuta la Tenaglia.

Wenn so viel Gutes zusammenkommt kann es nur ein gelungener Abend werden, so trotzte das Sommerfest dem Regen, der schließlich aufgab und den Gästen noch einen fast mystischen Sonnenuntergang bescherte.

Jirgens, Foto Foodhunter

Diamant im Glas, die schönsten Autos, die schönsten Frauen. Der Schmuck, den die Models trugen, war ein Vermögen wert. Foto Foodhunter

Jirgens, Foto Foodhunter

Nicht nur die Gläser waren von Foodhunter. Wir sorgten auch dafür, das Markus Sulzmann beste Ware bekam, die er in wundervolle Gerichte umwandelte

Jirgens, Foto Foodhunter

Ende gut, alles gut. Der Himmel öffnete sich, aus dem Lautsprechern klang der Song “A wonderful world”. Mehr Magie geht kaum

www.kleines-seehaus.de / www.juwelenschmiede.de / www.spinylobster.de / www.latenaglia.de

Mit Kochen ist immer “was” zu machen

Meine Freude hielt sich in Grenzen, als 1986 unter dem Weihnachtsbaum in meinem Elternhaus „Roland Gööcks Neue Große Kochschule“ für mich lag. Ich war 21 Jahre und inder Nähe des Elsass aufgewachsen, aß durchaus gerne, sofern jemand anderes kochte oder ein Restaurantbesuch anstand. Kochshows gab es keine und au.er Marc Haeberlin,Heinz Winkler, Eckart Witzigmann war mir kaum ein hochkarätiger Koch bekannt. Meine Eltern lächelten und als sich der Weihnachtsabend seinem feucht-fröhlichen Ende näherte,bekam ich folgende Widmung ins Buch: „Liebe geht (oft auch) durch den Magen. Mit Kochen ist immer ‚was‘ zu machen. Dein Vater.“

Dieses bibeldicke Kochbuch mit Rezepten à la Forelle in Gelee, Buletten, aber auch der Erklärung wie sich italienische Teigwaren aufteilen, von Buchstabennudeln bis Spaghetti, habe ich heute noch. Viele Gerichte wurden daraus gekocht. Bis neue, schönere Kochbücher meine Neugierde weckten. Wollte ich jemanden erobern, besänftigen oder überzeugen, gab es bald ein Spektrum, das von asiatischen Chiligarnelen bis zum französisch-eleganten Wolfsbarsch in der Salzkruste reichte – es war tatsächlich immer was zu machen. Ein Schmerz war vergessen, wenn warmer Apfelkuchen auf den Tisch kam und jeder Liebesstreit beigelegt, wenn eine Bouillabaisse, die diesen Namen auch verdient, verführerisch duftend in tiefe weiße Teller floss.

Auch heute ist mit Kochen was zu machen. Der Guide Michelin hat nie zuvor mehr einzelne Sterne strahlen lassen als in diesem Jahr. „Der Qualitätssprung in Deutschland ist sehr groß“, bekräftigte Michael Ellis auf der Pressekonferenz in Berlin. Leider nur an der Spitze. Nach wie vor gelten die Deutschen im Ausland nicht als Verfechter einer gepflegten Esskultur – die ja schließlich nicht vom Himmel fällt, sondern aus Erziehung resultiert, aus Erfahrung, aus Reisen, aus Erschmecken.

Gutes Essen sei ein Löffel voller Glück, sagt 7-Sterne-Koch Martin Berasategui aus San Sebastián, aber dort wird Genuss ohnehin in der kleinsten Pintxosbar gepflegt. Das heißt,die Maßstäbe sind „von unten bis oben“ dieselben: frische, regionale Lebensmittel und Kreativität. Auch in Belgien ist gutes Essen der Kommunikationsmittelpunkt. Wir haben dort junge Köche kennengelernt, deren Kochleidenschaft sie mit Leichtigkeit jeden Tag hundertprozentige Leistung bringen lässt. Sicher auch, weil sie das für Genießer tun, die nach Qualität verlangen.

Wie Sie von FOODHUNTER erwarten, ein Magazin zu sein, das sich nicht als Convenience-Gericht aus PR-Texten und Kochbuchbildern entpuppt, sondern als Menü interessanter, gut recherchierter Geschichten und Informationen. Mit Kochen ist immer “was” zu machen. Sofern die Grundzutat Begeisterung ist.

Sabine Ruhland (Herausgeberin)

Der Text ist erschienen im foodhunter Magazin 12 / Dezember 2012. Das Copyright liegt beim Verlag.

Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

Qualität und Industrie. Zwei Welten, ein Planet

Kleine Dellen, ganz rund sind sie auch nicht und wachsglatt schon gar nicht. Trotzdem haben sie Anziehungskraft, denn ihre Besitzerin hat ihnen einen Zettel in den Korb gelegt: „Wir sehen nicht so gut aus, dafür sind wir saftig und schmecken süß.“ Die Rede ist von deutschen Äpfeln, entdeckt auf dem Wochenmarkt am Gutenbergplatz in Karlsruhe.Uralte Apfelbäume hätten sie noch, erzählt die Apfelbäuerin, die seien so groß, dass es eine lange Leiter braucht für die Ernte. Moderne Züchtungen wären kleiner. Maximal mannshoch. Für die aalglatte Optik sorgen dann Pestizide, die wolle sie auf keinen Fall einsetzen.

Autor Sabine Ruhland

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Pestizide und Insektizide sind der Hauptgrund für das Artensterben auf Äckern und Umgebung.Laut einer Studie leben auf einem Öko-Feld rund 1.000 Arten, auf einemmit Pestiziden behandelten Feld weniger als die Hälfte.Damit der Schrecken des Wortes niemanden belastet, nennen die Hersteller ihre giftigen Produkte dann „Pflanzenschutzmittel“.

Ebenso, wie sie ihre chemischen Zusätze (man denke nur an Vanillin aus Erdöl) „naturidentische Aromastoffe“ nennen oder mit „Alpenmilch“ glückliche Kühe vorgaukeln, die meist ein Leben lang nicht aus dem Stall kommen, geschweige die Alpen sehen. Ein Baby-Getreidebrei darf sich trotz 27 % Zucker „ohne Zucker“ auf das Etikett schreiben, weil im Getreide „von Natur aus Zucker enthalten ist“. Auf die Frage, warum er denn sein Produkt Hühnersuppe nennt, wenn doch gar kein Hühnerfleisch drin sei, antwortete der Konzern, der Fond sei entscheidend und nicht das Fleisch. Man verwende eben Hühnerfett, das sei der beste Geschmacksgeber.

Industrie und gutes Essen passen nicht zusammen, weder qualitativ noch ethisch-moralisch.

Es gibt keinen mir bekannten Industriebetrieb, der gute Lebensmittel produziert. Beispiel Schweineindustrie. Der Bericht über die Fließbandschlachtung von zappelnden Schweinen hat mich drei Nächte nicht schlafen lassen. Der Verbraucher will es aber billig, heißt es. Wirklich? Ist das der Grund dafür, dass in jedem Haushalt durchschnittlich 30 %der Lebensmittel in den Müll wandern? Wollen wir billige Milch von deren Verkauf kein Bauer leben kann, Kühe zur Höchstleistung getrieben und Kälber als „Abfallprodukt“ in Kauf genommen werden? Ich denke nicht.

Angesichts all dieser Entwicklungen tun wir uns schwer mit weichgespülten „es fällt das Laub und Pilze sprießen“-Editorials. FOODHUNTERS Leidenschaft und Wertschätzung für Essen und Produkte endet nicht beim Hochglanz-Cover. Wir setzen auf das, was mehr und mehr verloren geht: hochwertigen Inhalt. Wir suchen und finden jene Produzenten, die so denken wie wir. Zum Glück auch solche Leser!

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Der Text ist erschienen im foodhunter Magazin 11 / September 2012. Das Copyright liegt beim Verlag.

Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

Das Beste vom Besten

99 beste Plätze, die ich gesehen haben sollte, 110 Dinge, die ich getan, die 100 besten Erfahrungen, die ich gemacht, die 222 besten Hotels, in denen ich genächtigt haben sollte. 555 Winzer, die ich kennen und 888 Restaurants, in denen ich gegessen haben sollte. Eine tägliche Flut an besten Adressen, an besten Konzepten, besten Produkten, besten Preisen aller Zeiten. Eine Endlosschleife. Kaum ein Wort scheint mehr bis an die Schmerzgrenze überstrapaziert als dieses, in seiner Definition so flexibel wie in seiner Kontingenz.

Aus den Top Ten sind längst dreistellige Rankinglisten geworden, die einen Gläubigen schon mal verzweifeln lassen: Ich mag mir kaum vorstellen, wie es bald sein wird, die an Platz 1.777 gesetzte Spitzenadresse auch noch besuchen zu müssen. Hinter der Lawine an Platzierungen steckt Kalkül, denn die Branche rund um Lifestyle, Essen und Genuss hat erkannt, dass Superlative viel hermachen. So gibt es kaum mehr eine Vereinigung, einen Verlag oder Hersteller, der keine Auszeichnung oder Bestenliste aus dem Ärmel schüttelt.

Doch wer entscheidet eigentlich, wer zu den Besten gehört? Waren das einst wir Konsumenten mit unserem Lebensstil und Kaufverhalten, sind es heute die Macher oder Produzenten selbst. Es ist einfacher, dem Kunden zu sagen, was das Beste für ihn ist, bevor er sich für etwas anderes – womöglich Besseres – entscheidet. Jurys helfen dabei ungemein. Bleibt zu hoffen, dass diese sich nicht aus den eigenen Reihen zusammensetzen.

Beispiel DLG. Laut eines NDR Berichts (www.ndr.de/fernsehen/sendungen/markt/ernaehrung/dlgsiegel101.html) testet die deutsche Landwirtschaftsgesellschaft jedes Jahr rund 27.000 Produkte, freiwillig eingereicht von den Herstellern, die für jedes eingereichte Produkt eine Gebühr von bis zu 700 Euro zahlen. 94 % der Getesteten erhalten dann prompt ein hübsches Gütesiegel in Form einer Medaille. Unter den Prämierten neben qualitativ guten Produkten leider auch Müllerbrot und andere Schreckgespensterder Lebensmittelindustrie.

Das Beste war noch nie so inflationär wie heute und so ist es eine zweischneidige Sache mit diesen Bestenlisten, Siegeln und Kochmützen, Bestecken und Medaillen, goldenenPfannen, Kronen, Weintrauben, Diamanten, Löffeln, Silberkrügen. Verwirrung statt Orientierung. Machen wir das Beste daraus und vertrauen wir wieder mehr dem eigenen, guten Geschmack. Dass der nie trügt, beweisen Sie gerade. Sie lesen foodhunter.

Sabine Ruhland (Herausgeberin)

Text ist erschienen im foodhunter Magazin 10 / Juni 2012. Das Copyright liegt beim Verlag

Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

 

Tafelfreuden

Meine Geburtstage begannen immer mit einem reich gedeckten Frühstückstisch, einem selbst gebackenen Kuchen, auf dem Kerzen brannten und der ganzen Familie. Die Zeugnisse, die wurden am Mittagstisch besprochen (nicht immer war das ein Freudenfest) und meine Freunde konnte ich jederzeit zum Abendessen mitbringen.

Stoffservietten gehörten zu jedem Essen, ebenso blütenweiße Tischdecken. Manchmal auch mit neckischer Stickerei, von Oma eigens angefertigt, da erübrigten sich Design- und Stilfragen. Das erste Rendezvous führte ins schicke Restaurant und den ersten Job feierte ich mit Freundinnen beim Edelitaliener. Meine erste Begegnung mit Trüffeln führte über behandschuhte Servicehände, was den Respekt für dieses Produkt nachhaltig prägte und die erste Garnele, die ich mit den Fingern pulen musste, war Teil einer riesigen Paella auf dem Tisch meiner Gastfamilie in Perpignan.

Zu Tisch bitten, das ist lebensbegleitend. Fremde Kulturen, Freundschaften, Erfolge, Glück, Jahrestage, Aussprachen, Abmachungen, Heiratsanträge, das alles wird bei Tisch zelebriert. Selbst das kleinste Familienereignis bekommt durch eine gedeckte Tafel die gleiche Bedeutung wie weltgeschichtliche Begebenheiten. Denn ‚alles, was wichtig und groß ist, geschieht bei Tische’, heißt es.Was mit uns passiert, wenn diese Form des gesellschaftlichen Miteinanders verschwindet, das erfahren wir gerade. Das hemmungslose große Fressen, Massenproduktion, Essen im Stehen, Kaffee im Gehen. Alles immer und überall und zu jeder Zeit. Twittern statt plaudern, posten statt anrufen, mailen statt sehen.Die Wertschätzung verschwindet. Nicht nur für die Produkte, auch für die Menschen in unserem Umfeld.

FOODHUNTER ist eine stetige Hommage an die Tafelfreuden. Sei es mit Insider- und Genießer-Adressen, die neben gutem Essen auch eine ausgeprägte Herzlichkeit mitbringen oder mit Produzenten, die sich entgegen aller Widerstände bemühen, der Qualität und Tradition treu zu bleiben. Sei es mit neuen Inspirationen für die eigenen Töpfe oder mit dem Blick über den Tellerrand hinweg in fremde Kulturen.

Wir bitten zu Tisch und freuen uns, wenn Sie unsere Einladung annehmen.

Sabine Ruhland (Herausgeberin)

Der Text ist erschienen im foodhunter Magazin 09 / März 2012. Das Copyright liegt beim Verlag.

Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

Gute Dinge sind ihren Preis wert.

Dass es eklatante Unterschiede gibt, zwischen unserer Esskultur und der unserer Nachbarländer, erfahren wir auf Reisen immer wieder. Vor allem die Deutschen, heißt es, wollen stets zuerst wissen, was es kostet. Nicht wie es schmeckt, woher es kommt, was das Besondere ist.

Autor Sabine Ruhland

„Heute weiß man von allem den Preis, von nichts den Wert“, sagte Oscar Wilde (1858-1900), früh konfrontiert mit dieser „Zivilisationskrankheit“, von der kaum ein Volk stärker befallen zu sein scheint als wir.

Längst dient das Wörtchen ‘preiswert’ als Synonym für billig und hat seinen einstigen Inhalt verloren. Marketingexperten haben uns mit penetranten Slogans auf ein Geiz-Spar-Niveau gebracht, das wir nur schwer wieder abschütteln können.

Das aktuelle Unwort, zumindest für mich: Billig-Bio. Die Reportage mit Sternekoch Nelson Müller war wieder typisch deutsch: erneut muss Qualität auf Billig-Niveau fallen, damit nur ja alle zufrieden sind. – Bis auf die Hersteller.

Ich erinnere mich an unsere Geschichte mit dem Bio-Züchter aus Haag, der meinte, dass kaum ein Bio-Betrieb heute ohne Subventionen leben kann. Dabei leiste er doch hervorragende Arbeit, die ihren höheren Preis rechtfertigt. Wie wahr. Für einen Luxusschlitten zahlen wir ja auch ohne Murren einen höheren Preis, fürs high-speed-taugliche Motorenöl ebenso.

Lassen Sie uns doch den Slogan ändern: “Billig. Für die Dummen.” Kaum ändert sich der Satz, bekommt das Gerangel um den billigsten Preis eine ganz andere Qualität.

In der Schweiz, der wir regelmäßig einen Besuch abstatten, besitzen schon die jungen Leute ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein, gehen gerne und vor allem gut essen. „Das bildet“, sagen sie. Chapeau! Geld zusammensparen, um in einem französischen oder spanischen 3-Sterne-Lokal zu essen, nur um einen Vergleich zu haben – welch eine Geisteshaltung. Nebenbei bemerkt: Für vier Freilandeier haben wir 3,40 CHF bezahlt, umgerechnet rund 3 Euro. Bei uns undenkbar. Dafür hatten wir ein Ei, auf dessen Schale sogar das Legedatum verzeichnet war. Wunderbar. In Frankreich indessen bieten engagierte 3-Sterne-Köche längst günstige Menüs für junge Leute. Zum Anlocken. Das ist so clever wie prägend und zukunftsweisend.

Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

 

 

Ansprüche kann nur stellen, wer sie auch an sich selber hat

In Paris macht eine amerikanische Burgerkette die besten Umsätze. Erschreckende Tendenz. Umso wichtiger scheint es, dass die französische Küche zum immateriellen Weltkulturerbe erhoben wurde. Denn damit verbunden sind nicht nur Produkte und Zubereitung, sondern auch die Art, das Essen zu zelebrieren, zu genießen und wertzuschätzen.

Doch ein Kulturgut ist nicht nur landestypisch, es ist vor allem individuell, zumindest beim Essen. Fest verwurzelt mit den Küchen unsere Mütter und Großmütter, mit der Art wie Familien zum Essen zusammenkommen.

Schnell im Stehen, eine aufgetaute Pizza oder eine Miracoli-Fertigpackung nach der Schule? Das gab’s auch in meiner Kindheit. Manchmal. Aber es gab mehr noch die von Hand geformten Griesnockerl, selbst gemachte Hühnerbrühe, Knödel nach Familienrezept, die rösche Ente, dann wieder deftige Eintöpfe oder feines Meerestiere, mal einen geräucherten Aal oder italienische Nudelfreuden mit viel Knoblauch und frisch zubereiteter Tomatensoße. Meine Familie war mindestens einmal am Tag gemeinsam am Tisch, ging in feine Restaurants ebenso wie in urige Weinstuben und gekocht hat mein Vater anders als meine Mutter oder meine Oma. Waren wir im Urlaub,wurde erst einmal ein Markt gesucht. Wir liebten Ferienhäuser und selber kochen und meist war eine befreundete Familie dabei. Vielleicht kann ich deshalb Hotelbuffets heute noch nicht leiden, hasse “all-inklusive”, mag meinen Kaffee nicht aus Pappbechern, liebe Entdeckungen auf Märkten und koche lieber selbst als in mittelmäßigen Restaurants Geld auszugeben.

Meine Familie und meine Kindheit sind mein Kulturgut. Grenzübergreifend. Unbezahlbar.

Die viel bejammerte neue Ess-Kultur mit Fast-Food, Coffea to go und geklebtem Fleisch wird nicht von außen gemacht, sie kommt vom faulen Esser selbst, der lieber Politik oder den Einheitsbrei „Gesellschaft“ dafür verantwortlich macht. Keine Zeit für ‘Essen kochen’, heißt es als Entschuldigung. Für was dann? Ein Stunde mehr Computer oder Fernsehen, TV-Kochshows womöglich? Ein Stunde länger arbeiten?

Und selbst wenn es unter der Woche Pizza gibt, darf’s am Wochenende ruhig mal Sushi oder Sterneküche sein. Wichtig ist nur, alles zu kennen und alles einmal probiert zu haben, um Ansprüche stellen zu können und nicht im Einheitsbrei unterzugehen. Unsere Japan-Geschichte hat ein junger Koch gemacht und sein ganzes Erspartes verpulvert. Für gutes Essen. Das vom ihm ersehnte Auto muss moch warten.

Sabine Ruhland (Herausgeberin)

Der Text ist erschienen in der Foodhunter Ausgabe 05 / März 2011, Themen waren u.a.  Japan und Sterneköche. Das Copyright liegt beim Verlag.

Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

Wahrer Genuss muss erarbeitet werden

Das Wörtchen Genuss hat Hochkonjunktur. Doch ursprünglich war Genuss etwas, dessen „Savoir-vivre“ (Gewusst-wie) sich jeder mühevoll erarbeiten musste. Internationale Spezialitäten waren nicht überall und nicht für jedermann vorhanden, es erforderte einen besonderen Lebensstil, eine besondere geistige Haltung, nicht selten Fremdsprachenkenntnis und den überlegten Einsatz finanzieller Mittel, um ein Gourmet zu werden.

Autor Sabine Ruhland

Gehe ich einmal im Monat in ein exquisites Restaurant oder besuche ich lieber häufiger eine mittelmäßige Adresse? Schlendere ich im Urlaubsort über den Markt und koste Fremdes oder reicht mir das standardisierte All-inklusive-Buffet im Hotel?

Heute scheint Genuss in allen Bereichen für jedermann zugänglich und bezahlbar zu sein, Genuss wurde demokratisiert, industrialisiert und damit inflationär. Delikatessen gibt es inzwischen selbst im Discounter auf der grünen Wiese. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass weniger mehr ist, dass gesteigerter Konsum Genuss ausschließt, denn Quantität schlägt nie in Qualität um. Eine gewisse Askese ist daher, was viele nicht wahrhaben wollen, genusssteigernd. – Ebenso wie Erfahrung, denn geschmackliche Differenzierung kommt nicht von alleine, sie muss erlernt werden.

Umso mehr freut es uns, dass wir Leser haben, die das ebenso sehen, die in der Tat Leser sind und nicht nur Bildergucker, sich nicht mit den „Ich liege am Strand, über mir der blaue Himmel, alles so lecker hier-Reportagen” begnügen, die keine PR-Werbetexte wollen, sondern sich Zeit nehmen, um neue Genüsse und Delikatessen kennenzulernen, Inspirationen aufzunehmen.

Herzlich willkommen bei FOODHUNTER

Sabine Ruhland, Foto Foodhunter