Schlagwort-Archiv: Essen Berlin

Es muss nicht immer Kreuzberg sein. Neu: Restaurant GLASS in der Berliner City West

Sie heißen Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln und sind die Trendviertel der Hauptstadt. Doch nun macht ein neuer Stadtteil von sich reden, denn Projekte wie das Waldorf Astoria oder Bikini-Berlin (www.bikiniberlin.de) und Haus Cumberland (www.cumberland-kurfuerstendamm.de) sind in aller Munde. Grund genug, sich mit einer der spannendsten Neueröffnungen in der Berliner Gastronomielandschaft ebenfalls in der City West niederzulassen: Mitte Juni eröffnete in der Uhlandstraße (Nebenstraße des Kurfürstendamms) das Restaurant GLASS, flankiert vom renommierten Stilwerk, der Universität der Künste und dem Renaissance Theater. Die perfekte Symbiose aus Kunst, Kultur und Kulinarik. 

[sociallocker id="361340"]

Autor Sabine Ruhland

Gal Ben Moshe -ist glücklich, hat der gebürtiger Israeli, Globetrotter und nun enthusiastischer Berliner doch gerade sein erstes Restaurant eröffnet. Welche Küche erwarten die Gäste da wohl? “Klar, dass mich viele Länder und Kontinente irgendwie beeinflusst haben, also interpretiere ich die spannendsten Speisen aus aller Welt neu und setzt sie nach eigenen Ideen in eine moderne Gourmetküche um”, sagt er.

So stand das Tempelhofer Feld Pate für seine Vorspeise „Stadtgarten“ und beeinflusste die Pop Art Kunst im Hamburger Bahnhof die Präsentation des Desserts „Schokolade und Texturen“. Die Idee zu „Rüben, Fenchel, geräucherter Ricotta, Zitrone und Haselnüsse“ kam Gal Ben Moshe bei einem Spaziergang rund um den Hausvogteiplatz. Die Townhäuser dort brachten ihn darauf, den Gang so anzurichten, dass trotz der Wiederholung gleicher Produkte eine kreative Unregelmäßigkeit entsteht. Aber auch Erinnerungen kommen auf den Teller: Das Dessert „Crêpe mit Kastanien und Pflaumen“ ist eine Hommage an seine erste Reise nach Paris.

Gal Ben Moshe und Marc Hanke

Gal Ben Moshe (re) und Restaurantleiter Marc Hanke. Ein Dream-Team, das Gästen feine Gourmetküche und legeres Ambiente verspricht

Auch die vegane Küche ist vom Feinsten 

Längst sind auch Feinschmecker unter die vegetarier und die Veganer gegangen. Daher gibt es im GLASS nicht nur  allabendlich ein “normales” sechs- oder achtgängiges Menü (45 bzw. 59 Euro), sondern auch ein veganes 6-Gänge-Menü (45 Euro). Kreationen wie  „Risotto mit weißen Trüffeln, Macadamia-Butter und Sojabohnen“ oder „Teltower Rübchen mit Kapuzinerkresse, Pekannüssen und in weißem Balsamico eingelegte Erdbeeren“ zeigen, dass bei allen Gerichten hier pure Passion am Herd steht. “Das beginnt bei uns bei der Auswahl der Produkte. Massentierhaltung lehne ich kategorisch ab, auch Fisch aus Aquakultur muss, darf und soll nicht sein.” Selbst Milch kauft Gal Ben Moshe bei „De Öko Melkburen” ein Unternehmen, das Tieren kein gentechnisch verändertes Kraftfutter verabreicht, auf eigene Stromerzeugung, kurze Transportwege und eine umweltschonende Verarbeitung setzt. 

Tunnel Alexander Platz - Scallop Pork

Tunnel Alexander Platz – Scallop Pork (re) – Kreative Küche – von der Idee bis zum Bild auf dem Teller

Showküche – dabei ist es gar keine Show

Das Interieur haben die beiden in  Mexiko City ansässigen Architekten Christoph Zeller und Ingrid Moye umgesetzt, haben ein ultra-modernes wie filigranes Ambiente geschaffen, das von Glas und Metall dominiert wird. Blickfang des Restaurants ist ein großer Vorhang aus metallischem Polyester, der das Licht und die Bewegungen von Gästen und Mitarbeitern auf wunderbare Art und Weise reflektiert und dadurch eine ganz besondere Stimmung kreiert. Eine weitere Besonderheit ist die offene Küche. Gemeint ist damit jedoch nicht die klassische „Showküche“, sondern eine Küche, die nur auf dem Weg zu den Waschräumen oder zur Garderobe einsehbar ist –und dann mit einem freien Blick in eine ganz eigene, fast sanfte und filigrane Welt überrascht. 

Neben dem kulinarischen Konzept und dem Interieur des Restaurants trägt auch das charmante Serviceteam um Restaurantleiter Marc Hanke dazu bei, dass Gäste einen entspannten und schönen Abend erleben, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt. 

Restaurant GLASS, Uhlandstraße 195. Di-Sa ab 19 Uhr. Reservierungen unter 030-54710861. www.glassberlin.de 

Restaurant Glass, Berlin

[/sociallocker]

Berliner Geheimtipp: Luisenviertel. 7 gute Adressen!

Nicht weit vom Potsdamer Platz entfernt, liegt ein historisches Quartier, das höchstens Kenner der Berliner Geschichte als „Luisenstadt“ identifizieren, denn inzwischen gehört ein Teil des Viertels zur Mitte, der andere zu Kreuzberg.   Renovierte Gründerzeitbauten sowie die Nähe zur Spree machen das Viertel attraktiv für neue Gastronomiekonzepte – und damit für immer mehr Besucher.


Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

New York Style – Brooklyn Beef Club

Ohne mit der Wimper zu zucken, erklärt Alexander SchmidtVogel, einstiger CEO der Agentur Mediacom, eines der teuersten Restaurants in Berlin zu haben: Brooklyn Beef Club, seit anderthalb Jahren geöffnet. Rund 120 Euro pro Kopf sollte ein Gast schon rechnen, wenn er hier ausgiebig essen und trinken will. Kreiert nach New Yorker Vorbild, mit einer von 150 Whiskysorten geprägten Bar, holzvertäfelten Wänden und edlem Fleisch der Spitzenkategorie. Black Angus „NHTC“ und Wagyu +9. Weil jeder Gast mit Garstufen wie „medium“ oder „welldone“ eine subjektive Vorstellung verbindet, hat der einstige Werbeprofi statt Garstufen Farbstufen auf die Speisekarte drucken lassen. Der Gast wählt die äußere und die innere Farbe seines Steaks – von Dark Red bis Pink – und bekommt damit exakt, was seinem Idealbild entspricht. Dazu handgemachte Pommes frites oder gegrilltes Gemüse. Special: Burger, gerne als beste Burger Deutschlands bezeichnet, denn das Fleisch wird geschnitten und nicht durch den Wolf gedreht. Das Publikum bunt gemischt: von Nachbarschaft bis Prominenz. Brooklyn Beef Club, Köpenicker Straße 92, 10711 Berlin. Mo-Sa ab 18 Uhr, Tel. 030/20215820. www.brooklynbeefclub.com

Intimes Boutiquehotel – The Dude

Ein Haus aus dem Jahr 1822, Messingklingel am Eingangsportal, ein herzlicher Empfang, stilvolle Zimmer mit blitzblauen Wänden, nostalgischen Messing-Betten, angenehmen, dunklen Holzböden. Wenig Schnickschnack, aber viel Flair (einzig die Bäder sind winzig). The Dude ist mit seinen 30 Zimmern ein bildschönes Boutiquehotel im klassischen Sinne, eines das dieses „wie-Zuhause-Gefühl“ vermittelt. Statt des obligatorischen Frühstücksraumes wartet das „Schmidt’s Deli Deluxe“, das alle Frühstückswünsche à la minute erfüllt. Die private Atmosphäre hat ihren Preis, ab 179 Euro für ein Doppelzimmer, Frühstück nicht inklusive. The Dude, Köpenicker Straße 92, 10179 Berlin, Tel. 030/411988177. www.thedudeberlin.com

Foto Foodhunter, Brooklyn Style, Berlin

 

Bonjour Paris – Chez Gustave

Das Bistro mit angeschlossener Weinhandlung liegt in einem ehemaligen Hauseingang, was ihm ungeahnte Reize verleiht, denn der Gast findet typische Eingangsfliesen im Alt-Berliner Stil, Treppen, die plötzlich enden, gemauerte Absätze, Stuckdecken. Der Franzose Gustave hat daraus vor fünf Monaten ein Klein-Paris entstehen lassen. Mit typischen Spezialitäten seiner Heimat – kleine Speisen bereitet er selbst zu – feinen Weinen und italienischem Kaffee, weil der nun einmal der Beste sei, sagt er. Zeitung lesen, ein Glas Wein oder Champagner, Croissant oder hausgemachte Coq’, dazu ein Plausch dem kosmopolitischen Inhaber. Das würde uns auch in München gefallen! Chez Gustave, Feinkost, Bistro, Café, Inselstraße 13, 10179 Berlin. Mo-Fr 9-19.30 Uhr, Sa 9-17.30 Uhr.

chef gustave, Fotos Foodhunter

Noch mehr gute Empfehlungen

Herzhaft französisch – Deux ou trois choses.
Noch ein Franzose, dieses Mal ein „deftiger“. Vor Innereien scheut sich das „Bistro Lyonnaise“ oder besser (2-3 Dinge zur Wahl) nicht, auch nicht vor Schlachtplatte oder einem Schweine-Menü, das mit einer Schweinskopfsülze oder einer Schweineohrenterrine beginnt. Dazu ein einladender Gastraum mit Kaminfeuer. Köpenicker Str. 10 a, 10997 Berlin, Mo bis Fr 12-15, Mo bis Sa 19-24 Uhr, Tel. 030-62908141.

Eigene Rösterei – Andraschko Kaffeemanufaktur.
Willy Andraschko ist Cafetier aus Leidenschaft, Elisabeth Andraschko Kaffeeaficionada und leidenschaftliche Köchin. In ihrer Rösterei werden ausschließlich beste Qualitäten für die besonders hochwertigen „Specialty Coffees“ verwendet. Sterneköche wie Tim Raue kaufen gerne bei Andraschko. Köpenicker Straße 154, 10997 Berlin (Kreuzberg) Tel. 030/69 59 86 87, Mo-Fr 9-17 Uhr.

Direkt an der Spree – Clubrestaurant Spindler & Klatt.
Der ehemalige Kornspeicher der Heeresbäckerei direkt an der Spree war eines der ersten Clubrestaurants im Berliner Nachtleben. Küche europäisch-japanisch, von Sukiyaki Hirschfilet über gebratene Jakobsmuschel bis koreanische Kalbshüfte. Hauptspeisen um 25 Euro. Neu: Ein Ponton wurde angebaut und dient als schwimmendes Restaurant. Köpenicker Straße 16-17, 10997 Berlin. Winteröffnungszeiten: Dinner Mo-So ab 20 Uhr, Clubbing Fr/Sa ab 23 Uhr. www.spindlerklatt.de

Zwischen Beach und Backstein – SAGE Restaurant.
Der Name bedeutet Salbei, eine besondere Form des Salbeis, dessen Rauch von einigen Indianerstämmen als geistreinigendes Mittel verwendet wird. Das Restaurant ist eine sensationelle Mischung aus Backstein, Design und Schneeweiß. Direkt an der Spree gelegen, gibt es im Sommer (ab 1.5.2013) einen riesigen Sandstrand mit Strandpavillon. Die Abendkarte offeriert Ausgefallenes wie ‚Kohlrabi-Vanillecreme mit Blutwurstknusper’, ‚Oktopus & lackierter Schweinebauch mit Zitronengraupen’ oder ‚Crunchy Iberico-Eichelschwein’. Köpenicker Str. 18-20, 10997 Berlin, Di-So ab 18 Uhr. www.sage-restaurant.de

 

 

 

Berlin kulinarisch: Essen bei den Sternen

2-Sterne-Koch Christian Scharrer haben wir in Travemünde kennengelernt und waren nicht nur von seiner Kochkunst angetan, sondern auch von seiner unkomplizierten Art. Als er in Berlin weilte und ein paar Kollegen besuchte, baten wir ihn, für Foodhunter doch mal eine Gastrokritik von Koch zu Koch zu schreiben. Et Voilà.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen….Nach diesem Motto schauen wir uns im In- und Ausland um. Sind zu Gast bei unseren Favoriten der weißen Zunft. Sternelokale und andere gute Lokale. Nach Kopenhagen, Madrid, San Sebastian und Paris zog es uns in die Bundeshauptstadt. Logiert haben wir im Hotel Adlon, nicht weil bei uns der Wohlstand Einzug gehalten hat, sondern weil die Gastronomie zu einer „Ersatzfamilie“ wird und die so etwas manchmal möglich macht. Danke liebe Kollegen!

Autor Christian Scharrer, 2-Sterne-Koch, Restaurant Buddenbrooks

Restaurant Lorenz Adlon // Hendrik Otto

Die erste freudige Überraschung unserer Berlin-Exkursion war das Wiedersehen eines Schulfreundes aus den Kindertagen, der über Umwege nun im Lorenz Adlon als Restaurantleiter Hof hält, ohne dass ich davon wusste, ein perfekter Tag! So begann also unser Abend mit Boris Häbel und meinem alten Freund und Kollegen Hendrik Otto mit Wiedersehensfreude, alle Beteiligten etwas älter geworden, jedoch herzlich, als ob der Abschied gestern gewesen wäre. Der eigentliche Anlass war dort zu essen und zu trinken, und das taten wir aufs Trefflichste! Besonders waren wir beeindruckt – von Brot und Appetizer abgesehen – von der Gänseleber auf Pfeffercrème mit Mandelspaghetti und Kaffee, wunderschön angerichtet und die Gänseleberterrine perfekt abgestimmt. Der Reigen ging schon weiter mit unter anderem Fläminger Schweinebauch im Fenchel-Gewürzsud mit Tomaten-Sardelle, Aubergine und Olive, „schweine-lecker“! Zum Hauptgang wurden wir verwöhnt mit Rehbock-Rücken im Schmorfond mit Holunder, roter Bete und einer Reh-Bolognese mit Knöpfle, so gut das man lange Zähne bekommen könnte. Danach einen Obatzda und zum Finale Abathe Birne mit Rucola-Eis, Haferflocken, Joghurt und Kondensmilch. Der erste Abend ging mit viel Champagner an der Bar zu Ende. Hätte schöner kaum sein können!

Restaurant Reinstoff // Daniel Achilles

Am zweiten Abend unserer Tour zog es uns ins Reinstoff, neugierig waren wir natürlich und wurden nicht enttäuscht. Alleine waren wir ebenfalls nicht, das Restaurant ausgebucht. Professionell wurde agiert und wir wählten aus zwei Menus die Speisenfolge „weiter draußen“. Lange erinnern werden wir uns an Jacobsmuscheln mit Winterkohl und Herbsttrompeten und an das Charolais-Rind mit Ochsenmaulsalat und Knoblauchcrème. So endete der zweite Abend bei einem jungen, intelligenten Talent in einem belebten Restaurant.

Restaurant Tim Raue

Am dritten Abend unserer Tour wollten wir wissen, wer Tim Raue ist. Und wir sind zum Ergebnis gekommen, er ist erfrischend anders. Die Service-Mitarbeiter frech in Sneakers und Cardigans, die Speisen würzig scharf, die Präsentation schlicht und klar. Das Amuse Gueule opulent und witzig auf schönen blauen Porzellanschalen serviert. Auf der Zunge haben wir heute noch die Abalone mit Buddhas Hand oder den in Butter confierten Wolfsbarsch mit Alba Trüffel. Leider hat jedes Menu einmal ein Ende wir ließen es ausklingen an der Bar, die sich im Keller befindet und liebevoll gestaltet ist mit einer gehörigen Portion Humor.

Restaurant Margaux // Michael Hoffmann

Für uns bezeichnen wir den vierten Abend in Berlin als Lehrstunde. Wir waren zu Gast bei Michael Hoffmann im Margaux. Genial die Makrele mit Grapefruit, Sauerfleisch, Sellerie und Baiser genauso wie die Regenbogenforelle mit roter Bete, Karotte, Ahle Worscht und Kohlestaub. Ein weiteres Highlight die Mieral-Taube mit Gremolata, Rettich, Schalotten und gebackener Mais. Zum krönenden Abschluss ein lockeres Soufflé mit Olive, Lavendel, Caramel, weisser Schokolade und Mascarpone. Alles an diesem Abend war rund und unvergleichlich. Hoffmanns Küche wirkt erwachsen und eigenständig, der Service aufmerksam und herzlich. Der Sommelier weise und ein wenig spitzbübisch, wie man es oft bei erfahrenen Mitarbeitern erlebt. Bravo!

Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück an die kalte Ostsee, in dem Bewusstsein, eine lange Zeit auf vergleichbare Genüsse warten zu müssen. – Außer wir zaubern sie uns selbst. Im Restaurant Buddenbrooks in Travemünde, das meine Wirkungsstätte ist.  resort.a-rosa.de/travemuende