Nicky Sitaram Sabnis. Ayurveda-Kurs auf der Fraueninsel

Der Frühlingsnebel liegt wie dichter Rauch über dem Chiemsee. Kirchenglocken läuten und entfernt hört man den Dampfer, der die Gäste stündlich auf die Fraueninsel bringt. Nicky Sitaram Sabnis, in indische Seide gehüllt, erwartet seine Gäste. Denn einmal im Monat findet im Seminarhaus der Abtei Frauenwörth ein Ayurvedischer Kochkurs statt.

Autor Karin Lochner, Foto Peter von Felbert

Kein Kurs aus dem Seminarprogramm des Klosters hat mehr Zulauf, als der des kochenden Hindus. In der Hauswirtschaftsküche im ersten Stock des ehemaligen Mädcheninternats werden die 14 Teilnehmer die nächsten zwei Tage schnipseln, schälen, mörsern, braten, frittieren und kochen. Und Nicky, 52, wird ihr Lehrer sein.

„Ayurveda ist, dass du keine Pizza mehr bestellst. Denn bis du telefonierst, ist das Essen schon fertig!“

Er zieht sich seine Kochjacke mit dem eingestickten Namen an und bittet darum, die mitgebrachten Küchenschürzen umzubinden. Er klatscht in die Hände: „Was ist Ayurveda?“. Alle schweigen. Nicky  wedelt mit den Armen wie ein Bollywood-Tänzer: „Ayurveda ist, dass du keine Pizza mehr bestellst. Denn bis du telefonierst, ist das Essen schon fertig!“

Dann wirbelt er durch die 70er-Jahre-Optik der Küche und verteilt Rezepthefte und Aufgaben. Als dort der Teig nicht klappen will, greift er beherzt ein und knetet mit routinierten Fingern als möchte er ihm zu einem neuen Aggregatszustand verhelfen: „Du musst einen Batz kneten, keinen Beton mischen.“

Ayurveda Fraueninsel, Foto Foodhunter, Peter von Felbert

An einem anderem Arbeitstisch streichelt er die Ablage und flüstert: „Ganz meditativ rollst du jetzt den Teig aus. Keine Mucki-Arbeit, ganz fein.“ Am Nebentisch nimmt er die Pfanne vom Herd und wirft wie ein Zirkuskünstler beim Jonglieren, die Gemüsestifte darin, den bunten Inhalt in die Luft. Die Würfe werden höher und die Münder der Umstehenden öffnen sich immer weiter. Kein einziges Schnipselchen landet auf dem Boden. Nicky dreht keck den Kopf und verkündet: „Lernen wir beim nächsten Kurs. Kannst auch mit dem Kochlöffel rühren.“

Draußen scheint jetzt die Sonne hinter der Kampenwand. Die Osterglocken im Klostergarten neigen ihre Köpfe wie betende Ordensschwestern. Der Nebel über dem Chiemsee schwebt himmelwärts, gibt den Blick frei auf eine spiegelglatte Wasseroberfläche. In Nickys Lehrküche dampft es, denn in allen Töpfen zischt und sprudelt es. Schweiß rinnt über die erhitzten Gesichter. „Kein Stress. Sonst wird es kein Ayurvedagericht.“  Zur Abkühlung bietet er  heißes Wasser an, ja, heiß.  Ist gar nicht so fad wie erwartet. „Das kommt vom langen Kochen,“ erklärt Nicky. „Das Wasser verändert sich und schmeckt fast süßlich.“ Wem das trotzdem zu „lätschert“ ist, kann sich bei feurigem Ingwerwasser oder duftigem Chai, dem indischen Milchtee mit Kardamom bedienen, während Nicky über Kochen redet. Sein Lieblingswort dabei ist „lätschert“. So darf das Essen nicht schmecken.

Im Ayurveda, der „Lehre vom gesunden Leben“, gibt es nicht die eine einzige richtige Ernährungsweise. Erst muss man seine persönliche Grundkonstitution, genannt Vata, Pitta oder Kapha und deren Mischformen erkennen.

  • Vata-Typen sind dem Element Luft zugeordnet, frieren leicht, sprudeln vor Ideen und haben einen unruhigen Schlaf.
  • Die feurigen Pitta-Menschen haben ein gutes Erinnerungsvermögen, schlafen schlecht ein, dann aber gut durch.
  • Der erdige Kapha-Typ neigt zur Gewichtszunahme, ist bodenständig und bleibt am liebsten zu Hause.

Nicky hebt seinen Zeigefinger „Welche sechs Geschmacksqualitäten könnt Ihr unterscheiden?“ Die Teilnehmer zählen auf: süß, sauer, salzig, scharf, bitter, herb. Aus dem Zusammenspiel der Elemente, der Konstitution des Menschen und den Geschmacksrichtungen ergibt sich eine  individuelle Wirkung auf jeden Menschen. Während Kapha-Typen ihr Verdauungsfeuer anregen sollen, zum Beispiel indem sie ihr Essen mit Chili würzen, ist dies bei den Vata-Typen unnötig, ja geradezu kontraproduktiv.

Abends strömt die Abendsonne durch die offenen Türen und Fenster. Ein verführerischer Duft zieht durch den gesamten ersten Stock. Im Speisezimmer steht das Buffet. Die silbernen Platten dampfen. Ebenso die Gesichter, vor Stolz und Vorfreude. Nach dem christlichen Tischgebet – hier vereinigen sich die Kulturen wieder – füllen sich alle ihre Teller, und es wird ganz still. Trotz aller Unterschiede gibt es für jede Mahlzeit Regeln: Sie sollte alle sechs Geschmacksrichtungen enthalten und immer frisch, mit Liebe und Achtsamkeit zubereitet sein. „Liebe geht durch den Magen.“ ist für Nicky Sitaram Sabnis ein ayurvedisches Prinzip. Seinen Schülern nickt er zufrieden zu. Und die freuen sich darauf, das Erlernte am heimischen Herd auszuprobieren. Sie wissen jetzt: Hauptsache nicht lätschert! Noch Chai? Oder heißes Wasser?

Mehr Infos über die Ayurveda-Kochkurse: 

www.laxmifoods.de

gabnic.laxmi@t-online.de

Neben diesen Kochwochenenden bietet Nicky Sitaram Sabnis auf der Fraueninsel auch eine vertiefte Ausbildung zum ganzheitlichen Ayurvedakoch an.

Anmeldung zu den Kochkursen und Ausbildungen:
B’Ayurveda: Centrum für Ayurveda, Yoga & Indische Kultur, Seeplatz 4, 83257 Gstadt a. Chiemsee. Tel. 08051 – 30 95 51  Fax 08051 – 30 95 52

 

 

 

Gnam-Gnam. Muschelfest in Novigrad

„Blaues Meer, sage der Welt, dass wir unser Land lieben“, singen die Kroaten, die Istrier, die Novigrader  in ihrer Nationalhymne.  Istrien, eine  Halbinsel überwiegend kroatisch, drei Seiten vom blauen Meer umspült, Novigrad, ein Fischerstädtchen  im Nordwesten nahe der italienischen und slowenischen  Grenze am blauen Meer gelegen. Einmal im Jahr wird hier das Gnam Gnam Fest gefeiert, ein Jakobsmuschelfest. Weiterlesen

Die Küche in Antwerpen setzt ‚MAS’stäbe

MAS, “Museum aan de Stroom“. Ein architektonischer Verführer in Antwerpen, der einen ebenbürtigen kulinarischen Partner hat: 2-Sterne-Koch Viki Geunes und sein „’t Zilte“ (das Salzige)  im 10. Stock des Museums.

Autor und Fotos Sabine Ruhland

 

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Das Restaurant zeigt sich grandios ausstaffiert – hinsichtlich Interieur wie auch des Service, der sich im gut sitzenden Anzug und schwarzen Handschuhen selbst der Brotkörbchen-Füllung mit einer Detailgenauigkeit widmet, die MASstäbe setzt. „Wir streben die absolute Perfektion an“, sagt Viki Geunes, den die Höhe über der Stadt weiter zu beflügeln scheint. „Hier oben haben Sie ein ‚internationales’ Panorama, wodurch man auch internationaler denkt und noch kreativer wird.“

Das zeigen seine Gerichte. Purismus auf der Karte „Martinicocktail-Oliven-Anjovis-Bergamotte“, ein Geschmacksfeuerwerk im Mund. Crunchige Texturen vereinen sich mit Frische und Leichtigkeit und lassen die Gäste staunen wie Kinder.  Ganze Gerichte, die manchmal auf einen Löffel passen und nicht seziert, sondern genossen werden möchten. Wie auch die Pilze mit Strandschnecke und Heringskaviar oder das Schwein in Kombination mit Kürbis und Kumquat, was das einfache Fleisch in erfrischende Höhe steigen lässt.  – Keine Frage, ob Sterneköche oder junge Wilde, die Hochzeit für Flanderns Küche ist angebrochen.

Restaurant ‘t Zilte, Museum MAS, Lift Nr. 9, Hanzestedenplaats 5, 2000 Antwerpen. www.tzilte.be

Viki Geunes, Antwerpen, Foto Foodhunter

 

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Restaurantempfehlung in Brügge: Zeno

Brügge, im Sommer ein Touristenmagnet, das Schicksal mit Venedig teilend: Tausende von Touristen, die durch die Gassen strömen, für Grachtenfahrten Schlange stehen und die Schokoladengeschäfte stürmen. Der Ansturm ist verständlich angesichts einer Stadtkulisse, die einem Harry Potter Film entsprungen zu sein scheint. Türme, die sich hinter schmalen Häusern in den Himmel recken, dunkle Wasser, die unter steinernen Brücken gurgelnd von einem gefräßigen Schlund aufgesogen werden, das Geklapper der Pferdehufe auf dem Kopfsteinpflaster, wenn Droschken durch die Gassen holpern.

Text und Fotos Sabine Ruhland

Ab November ist Brügge weit weniger besucht, ein Dorado für Romantiker und all jene, die im Licht von Kaminfeuer und Kerzen einer winterlichen Melancholie verfallen wollen. Seelenheil ist nicht fern, Brügge ist die Stadt der Chocolatiers und des Zeno, gelegen in einer Stadtvilla, die durch tiefe Fenster das Licht  ihrer Kronleuchter wie Goldtaler auf die Straße wirft.

Die Dekoration so kunstvoll, dass kaum eine Gabel wirklich zustechen mag

Der Empfang herzlich. Das Essen von Anfang bis Ende eine Überraschung.Die Miesmuscheln liegen auf einem Bett kleiner Muschelschalen, baden in einer grünen Soße aus sieben Kräutern, wobei die Zitronenmelisse ihre Frische gekonnt in den Vordergrund rückt. – Die dritte umwerfende Vorspeise nach den hauchzarten Blätterteighütchen mit einer Creme aus Käse und Bier sowie einer Kürbissuppe, bedeckt von einem kühlen Buttermilchschaum, und damit dem Gaumen ein sinnliches Warm-kalt-Erlebnis gönnend.

Wir sind bei Reinout Reniere, der in der Villa kocht und lebt. Die Küche ist winzig, liegt am Ende des Ganges, seine Frau hilft im Service, die Töchter hüpfen nach der Schule die Treppe hinauf, der Kellner im Anzug präsentiert die hausgemachte Brotvielfalt  mit gleicher Aufmerksamkeit wie Essen und Wein. Wir sind binnen Minuten entschleunigt, genießen es, zwischen Kristall und Marmorkamin zu sitzen und auf die Gemälde des Vaters von Reinout zu blicken, der sich der Kunst gleichermaßen hingibt wie der Küche.

Zeno, Brügge, Foto Foodhunter

 

„Von meinen Eltern habe ich diese unbändige Lust aufs Kochen geerbt. Es liegt mir im Blut“, sagt Reinout Reniere, heute gerade 29 Jahre und seit fünf Jahren bereits Chef des Zeno. Eine Herausforderung, doch das passt zu seinem Lebensmotto: „I don’t like it easy“. Was dem perfekten Auftakt folgt,  ist „Plaice“, eine Scholle, die der Koch mit Kürbismousse und Shrimpssoße kombiniert und eine Ente, die wie ein Rehfilet anmutet und von frischen kleinen Gemüsen garniert ist. Es zergeht auf der Zunge. Die Produkte sind handverlesen, Reinout arbeitet mit ausgesuchten Farmern zusammen, hat seinen persönlichen Lieblingsplatz bei Loca Labora, seinem Kräuterlieferanten. Als wir ihn verlassen, tragen wir ein seliges Lächeln im Gesicht.

ZENO, Vlamingstraat 53, 8000 Brugge. www.restaurantzeno.be

Zeno, Brügge, Foto Foodhunter

Zeno, Brügge, Foto Foodhunter

 

 

 

Von den Gewürzen

Düfte, Gerüche, Geschmack sind wesentlich in unser Gedächtnis eingebrannt. Frisches Heu und der Duft der Holunderblüten erweckt in mir Kindheitserinnerungen an die vom Großvater angesetzte Holunderblüten-Limonade. Zimt und Muskatnuss, Dill und frischer Gurkensalat, Maggikraut und Majoran sind die Schwaden kulinarischen Erinnerns an eine Kindheit in Franken. Basilikum und Oregano, Jasmin und Orangenblüten, schon tauchen Bilder von Reisen nach Sizilien in mir auf. Es ist nicht  erforscht, was Gerüche und Geschmack in unserem Gehirn und in unserer Seele bewirken. Weiterlesen

Fleisch für Kenner

„Ah, che piatto saporito!“, welch ein ausgezeichnetes Gericht, sang Don Giovanni. Ich war in Panzano, im Herzen des Chianti Classico Gebietes. Die Musik kam aus einer kleinen Metzgerei, der Antica Macelleria Cecchini. Dario, der Metzger, trug eine „pistola“ –  den ganzen Rücken mit Keule – auf der Schulter. Stolz klopfte er auf das Fleisch und strahlte: Chianina! Geschickt trennte er den Rücken von der Keule. Er schnitt das Prunkstück vom Rücken, die Bistecca Fiorentina mit dem Filetkopf, acht Zentimeter stark. Weiterlesen

Frischer Fisch. Karpfenmilch, Knurrhahn und ein “Lebend-Fisch-Messer”

Frischen Fisch gab es in meiner Kindheit nur selten im Jahr. Wenn mein Patenonkel Lenz zu Besuch kam, fuhr er mit uns Kindern an die Kremnitz, einen kleinen Wildbach mit einem großen Bachforellenbestand. Artistisch hüpfte er von Stein zu Stein und hatte in kürzester Zeit mit der Hand ein Dutzend Forellen gefangen. Wir erwischten nur selten eine, stöberten ein paar Krebse unter den Steinen auf. Dann alles schnell in Omas alte Einkaufstasche und nach Hause. Wir hörten uns Großmutters Strafpredigt über die Verwerflichkeit des Wilderns an während sie für uns die Forellen in Butterschmalz briet.

Von Klaus Trebes

Das Meer war weit entfernt. Manchmal freitags verirrte sich ein Bückling oder Salzhering auf unseren Tisch. Silvester und in der Karwoche schwamm ein Karpfen in der Badewanne. Den gab es dann im Blausud mit viel zerlassener Butter und Kren. Bei Kirchweih und Schützenfesten probierten wir schon mal einen Steckerlfisch. Das waren damals meistens Renken oder Weißfische, nicht wie heute nur Makrelen.

Im Klosterinternat der Benediktiner stand in den Monaten mit „R“ natürlich ständig Karpfen auf dem Speiseplan, halbiert, paniert und ausgebacken mit Kartoffelsalat und Endiviensalat Noch heute verzehre ich am liebsten –  so wie die Bären in Alaska beim Lachszug den Ketakaviar bevorzugen – das „Inngräusch“ des Karpfens, die frische Karpfenmilch, in Butter ausgebacken. Wurden die Fischteiche abgelassen, gab es auch Schleien, manchmal Waller oder Hecht. Die Fische  kamen lebend aus dem Bassin oder waren vom Tagesfang der Fischer.

Dieser Umgang nur mit lebend frischem Fisch würde jeden japanischen Sushimeister begeistern. Mich hat diese kulinarische Erziehung nicht auf meine erste Begegnung mit Sushi und Sashimi vorbereitet. Vor etwa 30 Jahren schleppte mich ein Bekannter mit meiner Freundin in eines der ersten Sushi-Lokale Deutschlands. Die Tür öffnete sich und wir waren auf einem fremden Planeten.  Hinter dem Tresen und auf den Sitzen davor nur Japaner. Niemand sprach Deutsch, die Karte nur in Japanisch. Aber es gab schöne bunte Bilder. Der Freund orderte mit großen Gebärden einmal von allem. Nebenan floss der Chivas reichlich, bis die ersten Gäste umkippten. Die Sashimi-Platte kam. Kunstvoll arrangiert mit einem Wasabikegel an der Seite. Meine Freundin, aus einer Schornsteinfeger-Familie stammend meinte nur,  das sieht aus wie Handwaschpaste. Ich probierte mit Vergnügen. Unser Gastgeber fragte nervös „Dies wird jetzt alles auf einem Grill gebraten?“ und war fest überzeugt, wir sind im falschen Lokal. Er kippte mit seinem japanischem Nachbarn eine Flasche Whisky und beide verstanden sich blendend. Mich begeisterte vor allem eines: überall Fisch, doch es roch nicht nach Fisch.

Inzwischen bin ich über 25 Jahre mit einem großen japanische Sushimeister befreundet. Regelmäßig besuchen wir uns gegenseitig, präsentieren neue Rezepte und lernen von einander. Er zeigte mir das richtige Messerschleifen, neue Filetiertechniken und dass sich fast alles vom Fisch zu kleinen Leckereien verarbeiten lässt. Der Meister versucht bei jedem Besuch mir Neues zu präsentieren, lässt mich Unbekanntes kosten. Ich esse fast alles, nur kein Natto.

Ich lerne, dass Messer eine Seele besitzen, der Sushimeister durch das Schneiden mit dem Messer kocht und dass er ein spezielles „Lebend Fisch Messer“ benutzt, das nur in lebende Fische schneidet. Er besitzt eine Fugu-Lizenz und lässt mich die dünnen Scheibchen probieren. Kulinarisch keine Offenbarung, minimale Dosen Gift aus der Haut aber wirken halluzinogen. Er überrascht mich mit speziell gegarter Seeteufelleber, Matsutake Pilzsuppe, oder genial geschmorten Auberginen. Und ich gestehe, ich bin süchtig nach Thunfischbauch. Der japanische Freund bezieht vieles direkt aus Japan, so etwa Wasabe. Dieser Meerrettich, frisch auf einer Haihaut gerieben, ist unwiderstehlich. Viele Fische werden für ihn direkt auf den Frankfurter Flughafen (übrigens Deutschlands größter Fischmarkt) geliefert.

Besucht er mich wieder, werde ich ihn mit Karpfenmilchner, Saiblings-Tatar und Hechtklößchen überraschen. Oder noch besser: ich entführe ihn zu einem Mittagessen bei Lorenzo in Forte di Marmi an der Küste der Toskana. Nach ein paar Austern gibt es rohe Scampischwänze, nur mit feinstem Olivenöl und einem Hauch Zitrone, Tatar vom Knurrhahn, Carpaccio vom Drachenkopf. Dann winzige Calamaretti im eigenen Saft gegart, eine Frittura von kleinen Rotbarben, Ährenfischen, Tiefseegarnelen, kleinen Seespinnen ohne Panzer. Danach Trenette sul pesce in einem Sud aus verschiedenen Muscheln, Tintenfischen und Garnelen wie ein Risotto gegart. Als Hauptgang ein Fisch, der am Morgen an die Angel ging. Mittags verarbeitet er die Fische und Meeresfrüchte, aus dem Morgenfang. Getreu Lorenzos Motto: Ein Fisch hat 12 gute Eigenschaften. Mit jeder Stunde außerhalb des Wassers verliert er eine.

 

 

 

Die Waldheidelbeere – der Kaviar des Waldes

Sie hat viele Namen, die edle Waldheidelbeere. Manche nennen sie Blaubeere, Krähenauge oder Schnuderbeeri. Wer die wohlschmeckenden Beeren ernten will, muss mit dem Körbchen in den Wald gehen. Nur da findet er den echten Geschmack. 

Autor Sabine Ruhland

„Zu teuer, im Supermarkt gibt es die billiger“, schmettert der Herr mittleren Alters der Standlbesitzerin auf dem Viktualienmarkt zu, die ihre Waldheidelbeeren zu 3,00 Euro für 500 Gramm anbietet. „Dann kaufen’s Ihre Beeren dort“, grummelt sie und erspart sich jegliche Aufklärung.

Der selbst ernannte Feinschmecker, der offensichtlich siegreich von dannen zieht, hat in der Tat nicht erkannt, was da vor ihm liegt. Er hat die kleinen, intensiv säuerlich-süß schmeckenden, blauschwarzen Waldheidelbeeren mit den eher mehligen, faden Zuchtheidelbeeren verwechselt. Ganz klar, die gibt es wesentlich größer und günstiger im Supermarkt. Kenner hingegen sehen sofort, dass hier traumhafte Ware liegt, nicht gerade im Überfluss zu bekommen, mit kleinsten Stielen, winzigen Blättchen hier und da.

Anders als Zuchtheidelbeeren erfordern Waldheidelbeeren den Gang in den Wald und das mühsame Bücken, denn die Büsche sind nur 30-50 cm hoch. Rund um München gibt es nur noch wenige, meist ältere Damen, die sich überhaupt die Mühe machen und von denen wird auch der Stand am Viktualienmarkt bedient. Eine schöne Aufgabe, wenn’s ned so hoaß is“, sagt Magda, 71, eine der letzten Pflückerinnen. Übersteigt das Thermometer allerdings die 30 Grad, dann muss sie passen. „Z’hoaß. Mei Herz!“

Die Kultur hinkt der Natur weit hinterher

„Mit Waldheidelbeeren sind die Kulturheidelbeeren nur  entfernt verwandt“, erklärt Christina Badenhop vom Bund Deutscher Heidelbeeranbauer. „Etwa vergleichbar mit dem Verwandtschaftsgrad zwischen Pflaume und Kirsche. Sie gehören zwar zur selben Gattung, unterscheiden sich aber in vielem, vor allem im Geschmack.” Beiden gemeinsam ist nur der Boden. Heidelbeeren gedeihen auf lockeren, sauren und nährstoffarmen Sand- oder Moorböden und brauchen viel Sonne.

1909 begannen Botaniker in Nordamerika, wildwachsende Heidelbeersträucher zu kultivieren. «Von den weltweit über 100 Arten wurden hier nur die wertvollsten zur Züchtung ausgewählt und systematisch angebaut», sagt Christina Badenhop. Der Botaniker Wilhelm Heermann aus Rinteln an der Weser testete in den 1920er Jahren eine ganze Reihe der amerikanischen Züchtungen auf ihre Anbaueignung in Deutschland. Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit konnte er das erste Pflanzgut ausliefern.

Die Anzucht von Heidelbeeren ist heute wie vor 100 Jahren eine langwierige Sache. «Die Pflanzen sind erst nach drei Jahren groß genug, um ins Freiland umgesetzt zu werden», so Badenhop. Und dann dauert es weitere sieben bis neun Jahre, bis die Sträucher ihre Größe von bis zu zwei Metern erreicht haben und einen vollen Ernteertrag von bis zu zehn Kilo pro Strauch erbringen. Eine solche Erntemenge ist in gutem Moorboden durchaus auch bei einem gut gepflegten Heidelbeerstrauch im eigenen Garten möglich. Hobbygärtner sollten sich beim Kauf trotz des höheren Preises unbedingt für drei bis vier Jahre alte Containerpflanzen mit mehreren Seitentrieben entscheiden. «Sie sind robuster und verkürzen die Jahre bis zum Vollertrag», rät Gartenbautechnikerin Christine Scherer von der Bayerischen Gartenakademie.

GUT ZU WISSEN

  • Hauptsaison: Juni – September
  • Waldheidelbeeren sind kleiner und geschmacksintensiver als Kulturheidelbeeren
  • Nur die schwarzblauen, gut ausgereiften Früchte pflücken, denn zu früh geerntete Heidelbeeren reifen anders als Erdbeeren nicht nach
  • Die Früchte sind druckempfindlich, nicht lange haltbar und büßen schnell an Aroma ein, werden bitter. Im Kühlschrank sollte man sie flach ausgebreitet nicht länger als zwei Tage liegen lassen.
  • Eingezuckert und mit Milch oder Sahne sind sie eine Köstlichkeit. Außerdem schmecken sie hervorragend zu Waffeln, Crepes, als Kompott oder Kuchenbelag.
  • Heidelbeeren enthalten viel Gerbstoff, Tannine, roten und blauen Farbstoff, organische Säuren, Invertzucker, Pektin, Provitamin A, Vitamin C, B 1 und B 2 und verschiedene Mineralsalze.
  • Die stopfende Wirkung geht nur von den getrockneten Beeren aus, frische wirken dagegen leicht abführend.
Heidelbeere

Foto oben: klein, krumpelig, mit kleinsten Stielen. Das sind die echt wilden Beeren. Prall, größer, rund und mit den markanten Loch im Boden: die Kulturheidelbeere

 

 

 

Skinos Mastiha Spirit. Pur oder als Drink

Die alten Griechen wussten es als Heilmittel für Bauch- und Leibschmerzen einzusetzen. Römische Kaiser würzten ihren Wein damit. In den Harems türkischer Sultane kauten es die Damen, es sorgte für frischen Atem und bekämpfte die Langeweile.

Autor und Fotos Sissi Wolf


Von der kleinen Insel Chios im Mittelmeer, reiste und eroberte Mastiha – aus dem Harz des Pistazienbaumes gewonnen – mit geheimnisvoller Eigenschaft die Welt. Skinos Mastiha Spirit ist jetzt auch in München angekommen, mit satten 30%vol. Vor dem Essen zu genießen oder danach, pur oder gemixt. Auf jeden Fall ein höchst interessanter Geschmack.

FOODHUNTER COCKTAIL-TIPP

SKINOS COSMOPOLIS

  • 20 ml Skinos
  • 20 ml Wodka
  • 20 ml Cranberry Saft
  • 10 ml frischer Limettensaft

Alles kräftig im Shaker mit Eis schütteln und in ein Cocktailglas schütten. Mit einer Locke von der Orangenschale garnieren.

“Der Kern” der Guten: Kürbiskerne in allen Geschmacksrichtungen

Dass Kürbiskern nach Kürbiskern schmeckt, wissen wir. Aber es geht auch anders. Mit einem Hauch Meersalz, Wasabi, Schoko-Rotwein, Zimt-Vanille, Ingwer-Karamell…

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

Nur einige der vielen Sorten, fluffig-leicht und leicht gewölbt, da schonend per Hand geröstet. (Bei maschineller Röstung bleiben die Kerne in der Regel flach und hart). Uns hat er gesunde Knabberspaß, entdeckt auf einem kleinen österreichischen Markt, ziemlich begeistert.

www.der-kern.at

Kürbiskerne, Foto Foodhunter