Kategorie-Archiv: Italien

Il Roncal – der schöne Frauenwein aus dem Friaul

Schnippschnapp. Dumpf fallen die Trauben. Nicht in den Eimer, sondern auf den Boden. Martina Moreale ist der Ohnmacht nahe. Doch der ehemalige Professor ihres Mannes zeigt sich unbeirrbar. Von 10 Trauben an der Rebe müssen fünf im frühen Stadium fallen. „Wie sonst soll Qualität in die Trauben, wenn der Stock so viele von ihnen ernähren muss?“ 

Autor Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

Zustimmend hat sie genickt, hat – wie von ihm geraten – Rasen säen lassen, damit der Boden das Regenwasser auffangen und speichern kann. Hat sich intensiv mit Weinbergpflege auseinandergesetzt, um weitgehend auf den Einsatz von Spritzmitteln zu verzichten. Sechs Jahre ist das her.

Heute präsentiert sich das Weingut, das sie von ihrem Mann, einem bekannten Önologen, geerbt hat, wie aus dem Bilderbuch. Mit unerschütterlichem Willen hat sie seinen Wunsch der Qualitätsmaximierung weiter verfolgt. „Das Etikett, Il Roncal, das ist er“, sagt Martina Moreale, die sich mit diesem Anspruch sogar gegen die Familiendynastie behaupten musste. „Das Qualitätsbewusstsein im Friaul steckt noch in den Kinderschuhen. Es wird bei vielen Großwinzern mehr im Labor und im Keller produziert als im Weinberg.“

Sie gehört zu den neuen Winzern, zu denen, die vieles anders machen. 11.000 Kilo pro Hektar sind erlaubt. Il Roncal erntet in Handarbeit gerade mal 7.000 bis 9.000 Kilo Trauben, je nachdem ob Hanglage oder nicht. Sie zuckt locker mit den Schultern. Qualität vor Quantität.

Il Roncal, Foto Foodhunter

„Einen Moment“, unterbricht sie. Ein Lkw holpert die mit Zypressen gesäumte Auffahrtsallee hinauf. Sie eilt davon, um die Papiere vorzubereiten. Während sie läuft, klingelt ihr Handy. Das klingelt eigentlich dauernd.  Ach ja, und die Herrengruppe aus Österreich wartet auf die gebuchte Weinverkostung mit der Chefin. „Bin gleich da.“  … Der ganz normale Tagesablauf. Wie sie das schafft? „Ich sitze nie“, lächelt sie. Außerdem ist sie froh über die vielen Urlauber, denn noch vor 10 Jahren lockte das Friaul kaum Gäste an. Das hat sich geändert, der Tourismus kommt ins Rollen. Auch Martina Moreale hat die Villa mit Grandezza-Charme ausgebaut und Gästezimmer eingerichtet. Jedes mit Terrasse und Blick auf das Anwesen und die Weinberge.

Schiopettino, Pignolo, Refosco. Die Trauben des Friaul zeigen neue Eleganz

Am Abend treffen wir Martina Moreale in der Vinothek des Weinguts. Die Gruppe aus Österreich hat bereits einige Kostproben intus. Feucht-fröhlich und ausgelassen, die Weinhändler. Die Chefin bleibt entspannt, dekantiert den nächsten Rotwein, einen Pignolo D.O.C., und erläutert seine Finesse. „Die Trauben werden gepresst und mit den Schalen einer temperaturkontrollierten Gärung von 20 Tagen unterzogen. Durch eine sanfte Pressung wird der Most von den Schalen getrennt und klart auf natürliche Weise. Der Wein wird für 14 Monate im Barrique gelagert, anschließend fünf Monate im Stahltank und schließlich sechs Monate in der Flasche.“ Ihr Deutsch ist perfekt. ­– Wie der Wein.

Il Roncal, Foto Foodhunter

Der Pignolo besitzt ein intensives Rubinrot, einen eleganten Körper und weiche Tannine. Angenehm fruchtig mit einem einladenden Bouquet. Ihr gutes Händchen für Wein zeigt sich auch beim sehr kräftigen Schioppettino, einer autochthonen Rebsorte. Die Trauben werden von Hand selektiert, kommen nach der Gärung sieben Monate ins Barrique und danach drei Monate in den Stahltank. Der Schioppettino D.O.C. 2009 ist facettenreich, mit Aromen von Brombeere, Himbeere, Blaubeere, ein elegantes Bouquet von Waldfrüchten, das sich mit zunehmendem Alter weiter entwickelt. – Ein perfekter Begleiter zu Wildgerichten. Als gefälliger Rotwein erweist sich auch der Refosco dal Peduncolo Rosso D.O.C. von 2009. Ein Wein, der sofort anspricht, denn die alte Rebsorte ist typisch für das Friaul und geizt nicht mit ausgeprägten Charaktereigenschaften. Leichte Tannine, lang anhaltender Abgang und ein Duft, der an Waldfrüchte erinnert. Mit dem Civon D.O.C. von 2007, einer Cuvée aus 20 % Carbernet Franc und je 40 % Refosco und Schioppettino, kredenzt sie uns einen Frauenwein im schönsten Sinne, nicht kantig, sondern weich und rund mit gutem Körper. Er bleibt am längsten im Barrique, 18 Monate. Danach reift er weitere acht Monate im Stahltank und sechs Monate in der Flasche.

100.000 Flaschen produzierte Il Roncal zu Lebzeiten ihres Mannes, danach nur die Hälfte bis Martina Moreale ihre Professionalität ausgebaut hatte. Heute sind es wieder 75.000 Flaschen. Tendenz steigend. „Wir sind ein kleines Weingut“, sagt sie bescheiden. Genau diesen kleinen, feinen Weingütern ein Forum zu bieten und sie mit interessierten Kunden zusammenzubringen, ist die Leidenschaft „Der Weingötter“. Die beiden Geschäftsführer Andreas Friese und Christian Friederich sind in Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich unterwegs, um Unternehmen mit qualitativ überdurchschnittlichen Weinen und gutem Preis-Leistungsverhältnis zu finden und direkte Kontakte zu Weinliebhabern herzustellen. „Die Weine unserer Lieferanten sind überwiegend in kleinen Mengen hergestellte, jahrgangs- und wetterabhängige Naturprodukte, die mit viel Idealismus und ständigem Streben nach Perfektion erzeugt werden“, sagt er. Il Roncal gehört dazu. 30 Prozent der Produktion werden inzwischen exportiert. Belgien, Schweiz, Deutschland, Österreich sind begeisterte Abnehmer.

Il Roncal, Foto Foodhunter

Martina Moreale sieht sich immer noch am Anfang ihrer Erfolgsgeschichte. „Ich lerne täglich etwas dazu, habe immer wieder neue Pläne“, sagt die schöne Winzerin, die ihre Weingärten mit Olivenbäumen begrenzt, weil sie daraus ihr eigenes Olivenöl gewinnt oder erstmals einen Teil der roten Trauben vor der Pressung trocknen lässt, um dem Wein mehr Kräftigkeit zu schenken. „Wie gesagt – ich sitze nie.“

 Azienda Agricola Il Roncal, Loc. Montebello, Via Fornalis 148, 33043 Cividale. Vinothek, Eventlocation, Hotel. www.ilroncal.it

DIE WEINGÖTTER, Vulkanhöhe I, Nr.1, 54552 Dreis-Brück.
Tel. 02224/9714810. www.dieweingoetter.com

Il Roncal, Foto Foodhunter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Friedenswein – der Wein des Papstes

Weingarten wäre zu wenig für diese zwei Hektar in Cormòns, auf denen seit 35 Jahren Reben aus Teilen der Welt gedeihen, um sich seit 27 Jahren in einem Wein zu vereinen, der weltweit einmalig ist: Vino della Pace, der Friedenswein. Der Wein des Papstes.

Autor Dirk Vangerow, Fotos Foodhunter

Cormòns-Chef Luigi Soini spricht ein fast perfektes Deutsch, „ich lebte einige Jahre im Saarland“, erklärt er. In seinem Büro stapeln sich Schätze, Dankes-Briefe aus dem Buckingham Palace, aus dem Bundeskanzleramt, aus dem Weißen Haus. Dazwischen ein Foto mit ihm und dem Papst. Alle sind begeistert von einem Wein, der inzwischen 883 Trauben in sich vereint. Wir kosten. Vino della Pace 2010. Ein geschmeidiger, weicher Wein mit einem Hauch Lieblichkeit.

Der Vino della Pace wird jedes Jahr an die Mächtigen dieser Welt geschickt. Auch an den Papst

Der „heilige Berg“ liegt genau gegenüber der Cormòns-Kellerei: Zwei Hektar, bepflanzt mit Rebsorten aller Kontinente und Länder, von Argentinien bis China, von Armenien bis Schweiz. Hier gedeihen Sorten wie Syrah, Merlot, Pedral oder Gamay einträchtig nebeneinander. 5.000 bis 20.000 Flaschen Friedenswein werden daraus gekeltert und Jahr für Jahr an die Mächtigen dieser Welt gesendet. Selbstverständlich auch und vor allem an den Papst. Ihm überreichte Luigi Soini 1985 persönlich die erste Flasche, geziert mit einem Kunstetikett von Enrico Baj. Drei Künstleretiketten veredeln seither pro Jahr die Flaschen des Friedenweins. Der Wein sei in den letzten Jahren immer besser geworden, betont der Önologe, was vor allem den geänderten Klimabedingungen zu verdanken sei. „Heute hat der Wein bereits von Natur aus 13 % vol. Alkohol und 100 Grad Oechsle.“

friedenswein, Foto Foodhunter 2

Auch der “Vinum pro Sancta Missa”, der Messwein für den Vatikan kommt aus Cormòns

Die Spezialschere zum Abklemmen hat Luigi Soini selbst erdacht. So werden jedes Jahr im August die ausgesuchten Trauben am Stiel abgeklemmt. Die Traube schrumpft, trocknet aus. Die Reduktion des Wassers bewirkt eine Konzentration der Aromastoffe. Nach 40-50 Tagen werden die angetrockneten Trauben gelesen.200 Winzer der Cantina Cormòns ernten auf diese Art die besten Trauben verschiedener Sorten wie Verduzzo, Chardonnay, Sauvignon, Tocai oder Pinot Bianco für den “Vinum pro Sancta Missa”, den Messwein des Papstes. Auch ihn kosten wir, ein fruchtiger, harmonischer, süßlicher Likörwein mit feinem Muskataroma. „Der Wein muss leicht sein und mild, weil der Papst ja meist am Vormittag die Messe feiert. Auch zu viel Säure darf er nicht haben – nicht so gut für den Magen.”

Für einen Kellermeister ist es schon eine Ehre, den Messwein für eine Pfarrei zu keltern, aber den Wein für den Papst zu keltern, das ist in der Tat das Höchste. Weshalb auf den Etiketten der eckigen Messwein-Flaschen auch in griechischer und lateinischer Sprache die vom Apostel Johannes bei der Hochzeit von Kanaa an Jesus gerichteten Worte stehen „Tu autem servasti bonum vinum usque adhuc“. Ich habe Dir den besten Wein reserviert. 

www.cormons.com  / www.bianco-rosso-nero.de

Friedenswein, Foto Foodhunter

 

 

Gardasee. Wunderbare Empfehlungen

Für die meisten Münchner ist der Gardasee die zweite Heimat, zumindest, wenn sie meiner Generation angehören und in den 80er Jahren vom kommenden Billigflieger-Boom noch nichts ahnten. Wer es sich leisten konnte, der fuhr damals über den Brenner. Inzwischen ist der halbe Globus mein Ziel, doch bis heute bekomme ich dieses unvergleichliche Glücksgefühl, wenn ich von Nago die Serpentinenstraße hinabfahre. Dieser See ist magisch geblieben.   

Autor Sabine Ruhland

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WELLNESS & RELAX GRANG HOTEL FASANO
Es ist eines der schönsten Anwesen am See. Das Grand Hotel Fasano, schließlich hatte das österreichische Kaiserhaus hier einst seinen Jagdsitz. Heute besitzt es alles, was wir uns unter Grandezza vorstellen. Marmor, Gold, Antikes, weich Gepolstertes und ein beeindruckendes Spa. Wer die opulente Eleganz mag, sollte hier nächtigen, alle anderen nutzen die Terrasse nebst Ausblick für Kaffee, Lunch oder Dinner. Verantwortlich für die Küche ist ein echter Einheimischer, Matteo Felter, aufgewachsen am See. Weshalb er die traditionelle Küche bevorzugt. Unser Tipp: Lunch im La Terrazza. Hausgemachte Pasta, Fleisch und Fisch vom Grill. Grand Hotel Fasano, Corso Zanardelli, 190, 25083 Gardone Riviera. www.ghf.it

Gardasee, Foto Sabine Ruhland

Gardasee, Foto Foodhunter

HOTEL SOGNO
Mit dem Auto nicht leicht zu finden, denn das Hotel besitzt die prädestinierte Lage in Porto San Felice. Nur ein kleiner Gehweg trennt Hotelgarten mit Pool und Gartenrestaurant vom See und einem hölzernen Steg. Die Zimmer sind modern, Blick zum See, das Haus eine schneeweiße Villa. Unvergesslich seit wir erstmals dort saßen: das Restaurant auf dem Steg, unten plätschert das Wasser. Weiße Schrime über uns, frische, leichte Küche. Ein Platz zum Verlieben! Hotel Ristorante Sogno Via Porto 41, 25010 San Felice d/Benaco. www.hotelsogno-gardasee.com

hotel sogno

VILLA ARCADIO
Einst war es ein Kloster, erbaut im 17. Jahrhundert, heute ein 4-Sterne Hotel & Resort außerhalb von Salò. Die Zufahrtsstraße führt auf den kleinen Hügel, vorbei an Wiesen, Kräutergärten und Olivenbäumen. Insgesamt rund 11 Hektar, die das Hotel wie ein sommergrünes Seidentuch umhüllen. Oben der Blick über die Bucht von Salò. Atemberaubend. Das Hotel spielt gekonnt mit seiner Historie, lässt die alten Mauern ungeputzt hervorblitzen, ebenso wie Freskenmalereien und ergänzt die architektonische Schönheit mit dezentem Mobiliar. Pool und Terrassen ein Dorado für Träumer, am Abend mit weichem Licht zart erhellt. Die Küche bedient sich der Gewächse aus dem Garten: frisch geerntet und in italienischen Gerichten verarbeitet. Jakobsmuscheln mit Kartoffelpüree und Gemüse, Artischockencremesuppe mit Krebsen, Lammravioli mit Minze oder Kaninchenrollbraten mit Basilikum. Villa Arcadio Hotel & Resort, Via Palazzina 2, 25087 Salò. www.hotelvillaarcadio.it

Villa Arcadio

HOTEL/RESTAURANT AGLI ANGELI
Schmale Gassen, holpriger Pflaster, windschiefe Häuser, mit Blumen umrankte Fassaden, eine winzige Piazza. Wer sich vom Fastfood-Restaurant am Eingang des Ortes nicht schrecken lässt, den erwartet dahinter schönstes Italien. Herzstück ist das Agli Angeli. Zu der für ihre hervorragenden Speisen bekannten Trattoria gehört ein ungewöhnliches Hotel, denn hinter schmiedeeiserner Tür wartet ein Innenhof voller Zauber: balinesische Schirmchen, üppiges Grün, Pool mit Daybed. Über drei Etagen verteilen sich die romantischen Zimmer und wer rechtzeitig reserviert bekommt vielleicht die Nummer 29 mit einer Terrasse. Ein Mega-Geheimtipp, also nicht weitersagen! Locanda Agli Angeli, Piazza Garibaldi, 2, 25083 Gardone Riviera. www.agliangeli.com

Gardasee, Agli Angeli, Foto Foodhunter

ANTICA LOCANDA MINCIO
1919 übernahm Urgroßvater Angelo Bertaiola das traditionsreiche Restaurant am Ufer des Mincio, das schon zu Zeiten der Tempelritter als solches in Erscheinung trat. Angelo war ein hervorragender Koch und ein wahrer Nudelkünstler – er brachte die ersten Tortellini ins Valeggio. Bis heute hat das Lokal den Ruf, die beste Pasta dieser Art weit und breit zu machen und die Gäste strömen aus allen Richtungen heran, um unter Bäumen am Fluss oder im reich verzierten Restaurant mit Gemälden von Federico Belloni zu speisen. Inzwischen hat sich Karte stetig erweitert. Frischer Gardasse-Fisch oder Forelle, einfach gegrillt, Aal in allen Variationen, Felchen, Perlhuhn oder Steak. 10 km von Peschiera entfernt. Antica Locanda, Via Buonarroti 12, 37067 Valeggio sul Mincio. Ganzjährig geöffnet, Fr-Di 12-15 und ab 19 Uhr. www.anticalocandamincio.it

Gardasee, Foto Foodhunter (1)

ISOLA DEL GARDA
Eine Insel, vor der wir seit jeher mit den Booten vor Anker gingen. Ein Betreten hätte uns gereizt, doch die frei laufende Hundemeute hielt uns davon ab. Dann endlich, vor genau 10 Jahren, hatten die Bewohner ein Einsehen und gaben die Insel zur Besichtigung frei. Uns holte damals die junge Gräfin Alberta Cavazza selbst mit einem kleinen Boot ab und brachte uns auf ihre Insel, die zugleich ihr zu Hause ist. Ihre Mutter, die Engländerin Charlotte Chetwynd Talbot, gab dem Anwesen den Feinschliff: Gemüsegärten und Zitronenbäume, Rosenbeete, Gewächshäuser, riesige Bäume. Doch die Führung gewährt auch einen Blick ins Innere.Ein unvergesslicher Ausflug. Special: Die Insel kann für besondere Events gemietet werden!!!!! Von welchem Hafen an welchem Tag ein Boot Sie abholt, finden Sie unter www.isoladelgarda.com

Foodhunter, Foto Fotolia

EINE LIEBE FÜRS LEBEN. RISTORANTE CASINÓ
Ich bereise den Gardasee seit über 25 Jahren und ein Lokal ist immer ein fester Bestandteil meiner Besuche. Das Ristorante Casinò von Alberto Forneller und seiner Frau Susy. Gespeist wird wie zu Zeiten Gabriele d’Annunzios auf der von steinernen Säulen flankierten Veranda und der Sonnenterrasse. Selbst im Inneren scheint die moderne Welt entrückt: dunkles Dielenparkett,  Blümchentapeten, dezentes Licht aus kleinen Tischlämpchen. Da verlieren selbst Regentage ihr graues Kleid. Doch die gibt es selten und deshalb schauen wir glückseelig aufs Wasser, beobachten die Badenen am kleinen Strand, genießen eisgekühlten Prosecco und eine Küche, die gehobenes Niveau anbietet ohne dabei allzu gezierte Variationen zu offerieren. Ristorante Casinò, Via Zanardelli 42 (gegenüber Vittoriale), 25083 Gardone. Di-So 12-14 und ab 19 Uhr. Montag geschlossen. www.ristorantecasino.com

Gardasee, Casino, Foto Foodhunter (1)

OSTERIA DI MEZZO
Ein versteckter Winkel von Salò. So finden wir zufällig das Di Mezzo. Typischer Familienbetrieb. Mutter Dory kocht, Vater Ginno serviert und Sohn Mauro geht zur Hand, wo er gerade gebraucht wird. Das grün gestrichene Gewölbe spendet Kühle und lässt zu, vor allem an heißen Tagen das Essen zu genießen – sofern man die italienische Speisekarte versteht (Dory spricht gut deutsch und übersetzt gerne) Spezialitäten sind Zuppa di Fagioli, Casoncelli alla bresciana oder Fagottino di filetto di pesce, fast alles nach alten Rezepten der Großmutter, frisch und nach traditioneller Art zubereitet. Käseliebhaber werden das Finale des Menüs herbeisehnen, denn das Di Mezzo offeriert die feinsten Käsesorten der Region. Osteria di Mezzo, Via di Mezzo 10, 25087 Salò. Ganzjährig und täglich (außer Dienstag) geöffnet. www.osteriadimezzo.it

VILLA GARDENIA
Die Villa Gardenia ist exakt das, was man unter einer typisch italienischen Pension versteht. Ein wenig zusammengewürfelt, im Laufe der Jahre mal hier und mal da renoviert. Mit einem verwunschenen Garten, einer überdachten Restaurantterrasse, die direkt ans Seeufer grenzt und Zimmern, die alle mit schönen Bädern und renovierten Biedermeier-Möbeln ausgestattet sind. Von den Fenstern und Balkonen aus hat man nach allen Seiten träumerische Ausblicke in intimstes Italien. Besonderer Tipp: Zimmer 208 und 211, denn die führen direkt zur Terrasse mit Blick auf den Monte Baldo. Die Bar ist ebenfalls ein Kleinod, direkt in die Mauern des ehemaligen Zitronengartenhauses gesetzt. Hotel Gardenia, Via Colletta, 53 25084 Villa di Gargnano. www.hotel-gardenia.it

Villa Gardenia

BOUTIQUEHOTEL VILLA SOSTAGA
Was thronend über dem See einst den Feltrinellis als sommerliche Residenz diente, offenbart sich heute als nobles Boutiquehotel. Die Villa Sostaga, knapp 8 Kilometer feinste Serpentinenstraße von Gargnano entfernt und von 40 Hektar Privatgrund umgeben, wurde gefühlvoll renoviert und zu einem Hotel/Restaurant umgebaut. Nur 19 Doppelzimmer, jedes individuell mit Stilmöbeln eingerichtet. Drei Zimmer besitzen eine eigene Terrasse, doch auch alle anderen gewähren – wie die Veranda, Panoramaterrasse und die Pool-Ebene – einen Blick, der süchtig macht. Das elegante Restaurant Villa Sostaga, das auch Nicht-Hotelgästen offen steht, serviert frische Gardasee-Küche und erstrahlt am Abend im Schein der Kerzen und Kronleuchter.  Hotel Villa Sostaga, Via Sostaga 19, 25084 Gargnano/Navazzo. www.hotel-gardasee-villasostaga.de

Villa Sosta

CAESIUS THERME & SPA
40.000 qm Luxus und das untern dem Aspekt der Öko-Nachhaltigkeit. Das 2006 eröffnete Hotel Caesius Therme & Spa hat sich zum Liebling der Prominenz und luxusverwöhnten Gäste gewandelt. 185 Zimmer, verteilt auf fünf Gebäude. Statt einer großen Gartenterrasse gibt es derer mehrere, damit die Gäste ihren persönlichen Lieblingsplatz für Lunch oder Dinner finden und die beiden großen Pools halten genügend Liegeflächen bereit. Das hoteleigene Thermalzentrum ist moderner Wellness-Tempel und das Ayurveda-Zentrum zählt zu den bestausgestatteten Italiens. Hotel Caesius Therme & Spa Resort, Via Peschiera 1, 37011 Bardolino. www.hotelcaesiusterme.com

Caesius Therme

AI CAPITANI
Die Teppiche sind antike Kostbarkeiten, die Kunst modern. Dielenböden verschmelzen mit den von Hand gefertigten Betontreppen, original Fresken aus dem 15. Jh. adeln einige Zimmer. Designlampen, große Betten mit Ledereinfassungen (in den Suiten Krokoleder), Bäder mit Bisazza-Mosaiksteinen und computergesteuerte Multimedia-Systeme. Jedes der 15 Zimmer ist einem Komponisten gewidmet und zum Gästeempfang spielt dezent die Musik desselbigen. Der Blick aus dem Fenster führt zur Altstadt von Peschiera oder zum See. Eine der Dachsuiten offeriert ein Turmzimmer mit Panoramablick. So viel Luxus ruft nach speziellem Service: So bietet das Ai Capitani eine Beauty-Farm, persönliche Transfers per Hubschrauber, Privatjet oder Limousine, Fahrten mit der hoteleigenen 11 Meter langen Motorjacht „Falstaff“ oder einen Ausritt mit den hauseigenen Pferden entlang des Flusses Mincio. Dieser Luxus hat natürlich seinen Preis. 5-Sterne-Hotel Ai Capitani, Via Castelletto 2/4, 37019 Peschiera. 

Gardasee

RESTAURANT/HOTEL PACE
Das Hotel beherbergte in den 30er Jahren namhafte Literaten wie James Joyce. Seit 25 Jahren führt die Familie Barelli das Haus in Sirmione und gönnte ihm eine vollständige Restaurierung. Holzbalken, Cotto-Böden, Ziegelmauern, Antiquitäten und Marmortreppen blieben erhalten und wurden um modernen Komfort ergänzt. Clou ist nicht nur der verwunschene Garten und der große Sonnensteg zum See, sondern auch der Internet Point im Türmchen mit Aussicht auf die Dächer der Stadt. Die Küche ist frisch und raffiniert, offeriert marinierte Fische vom See oder gedünsteter Spargel wie in die Italiener lieben, mit Käse und schwarzem Trüffel. Ein kleines Versteck im überlaufenen Sirmione. Hotel/Restaurant Pace, Piazza Porto Valentino 5, 25019 Sirmione. Panoramazimmer buchen! www.pacesirmione.it

BELLEVUE SAN LORENZO
Das Hotel liegt auf der Ostseite des Sees, die Abendsonne huldigt seiner Schönheit. Versteckt hinter Mauern und einem schmiedeeisernen Tor, offenbart es dahinter eine Villa aus dem 19. Jahrhundert und ein Anwesen, das Gäste fast schon trunken macht vor Freude. Pool mit Holzdeck, Park, Terrassen, Zypressen, im Inneren Italien pur: viel Marmor, viel Antikes, viel Weiß. Dazu moderne Designerzimmer im Anbau mit bodentiefen Fenstern und ein kleines Spa, direkt in den Fels gebaut. – Die Erfüllung schönster Gardaseeträume! Hotel Bellevue San Lorenzo, 37018 Malcesine, www.bellevue-sanlorenzo.it   

San Lorenzo, Foto Sabine Ruhland

HOTEL DU LAC
Es würde nicht verwundern, käme die junge Sophia Loren um die Ecke, denn den Touch der 60er Jahre kann das 3-Sterne-Hotel nicht ganz von sich weisen. Verwunschen in einer engen Gasse von Villa di Gargnano, ist ein schmales „Treppchen auf und Treppchen ab Hotel“, eingerichtet mit original Antiquitäten, wenngleich nicht immer alles harmonisch zueinander passt. Dafür hat es ein Atrium, dessen Treppe auf eine Dachterrasse führt, die echtes Urlaubsgefühl beschert. Was an Modernität und Eleganz fehlt, machen Aussicht, Charme und das Zeitreisegefühl wieder wett. Hotel du Lac, Via Colletta, 21, 25084 Villa di Gargnano.
www.hotel-dulac.it

Hotel du lac

CÀ DEI FRATI
Das traditionsreiche Weingut Cà dei Frati, das bis vor wenigen Jahren noch über einen holprigen Weg zwischen Weinreben hindurch zu erreichen war, ist nun umgeben von einer Neubausiedlung und der Weg dorthin alles andere als beschaulich. Egal, der Einkauf lohnt und so führt uns der Weg immer wieder hierher. Im großen Probierraum genießen die Gäste am schweren Holztisch die feinen Tropfen des Weinguts. Der klassische Lugana, der duftig-zarte Rosé, der im Eichenfass ausgebaute Brolettino, der aus drei Rebsorten gekelterte Pratto oder die Cuvée die Frati aus klassischen Lugana-Trauben. Azienda Agricola Cà die Frati, Via Frati, 22, 25019 Lugana di Sirmione. Mo-Sa 8.30-12.30 und 14.30 bis 18.30 Uhr. www.cadeifrati.it

Ca dei Frati, Foto Foodhunter

WEINBAR UND RESTAURANT ALLA LEPRE
Es ist eines der besten Restaurants der Stadt und das seit 15 Jahren. So viel Konstanz in der Qualität ohne dabei in Eintönigkeit zu versinken, ist lobenswert. Das Alla Lepra schon und bereits die Inneneinrichtung zeugt von der Experimentierfreude und Modernität, die hier vorherrscht: silberfarbene Barockstühle im alten Gewölbe der Weinbar stellen einen schönen Kontrast dar. In derartigem Ambiente munden Wein, frische Austern oder andere kleine, feine Speisen besonders gut. Von der Weinbar geht es nahtlos über ins Restaurant, das aus mehreren Zimmern besteht. Die Karte ist klein, bietet aber viel Abwechslung: Thunfischtartar mit Soja, pikanter Spargel mit Käse, Risotto in einer knusprigen Umhüllung, gefüllt mit Scampi und Zitrone, handgemachte Spagetti mit scharfen Tomaten und Hartkäse-Ricotta, Tagesfisch-Filet und Lammkarree mit Kräuterkruste. Restaurant Alla Lepra, Via Bagatta 33, Desenzano.

OSTERIA ALLA ROSA
Es ist nicht zu sagen, ob es am schönsten ist, an der Bar zwischen Einheimischen einen Espresso zu trinken, unter dem Laubdach im Garten einen gegrillten Fisch zu verspeisen oder am Abend einen Campari zu schlürfen und sich an Stuzzichini zu laben, den herrlichen kleinen Appetithappen. Für was Sie sich auch entscheiden, eines darf auf keinen Fall in der Osteria alla Rosa vergessen werden – eine Kostprobe des Olivetto, eines Grappas auf Olivenbasis. Der Ursprung dieser glücklichen Verbindung von milder Olive und Grappa ist nicht bekannt, aber schon seit langer Zeit Tradition im Alto Garda. Marco Pallua, Besitzer der Osteria, hat die alte Tradition wieder aufleben lassen und offeriert ein Destillat mit einzigartiger Bernsteinfarbe, einem intensiven Duft und weichem Geschmack, auf Weinmessen bereits mehrfach ausgezeichnet. Am besten schmeckt er, wenn er eine Temperatur von 12-14 Grad hat oder heiß serviert mit einer Zitronenschale. Osteria alla Rosa, Pizzetta Boccara 5, Malcesine. Ganzjährig und ganztägig (9-2 Uhr) geöffnet. www.osteriaallarosa.it

CAFFE PORTO VECCHIO
Das malerische Malcesine ist ein touristischer Anziehungspunkt, doch selbst hier gibt es Fleckchen, die nicht jeder auf Anhieb findet oder kennt. Dazu gehört der alte Hafen, inzwischen mehr eine idyllische kleine Bucht und Heimat zweier guter Restaurants: dem Pace und dem Caffee Porto Vecchio. Sie liegen nebeneinander und einen kulinarischen Fehler kann man in keinem der beiden machen. So zaubert das Caffe Porto Vecchio, das innen sage und schreibe ein winziges Tischchen hat, herrliche Pasta mit Schwertfisch, Rucola und Tomaten für 9 Euro, Forellentartar mit Zucchini und Zitronensauce für 8,50 Euro oder Fischspieße vom Grill für 12 Euro auf die Teller, während sich die Gäste, schon fast trunken vor Glück, gar nicht satt sehen können an dem Mini-Idyll. Caffe Porto Vecchio, Piazza Magenta 8, 37018 Malcesine. Täglich 12-14.30 Uhr und 18-22 Uhr. Ab 22 Uhr Barbetrieb

Foto Foodhunter, Gardasee

LA LOGGIA RAMBALDI
Eine lange Geschichte hat sie hinter sich, die Loggia Rambaldi, die Ende des 16. Jahrhunderts als Herrenhaus für den Grafen Girolamo Rambaldi gebaut wurde. Heute beherbergt dieses architektonische Juwel eine Kunstausstellung und das Restaurant Loggia Rambaldi. Wie immer bei baulichen Meisterwerken beeindruckt vor allem das Innere: Säulen, ein steinerner Kamin und lange Tafeln für herrschaftliche Fressorgien. Die lassen sich hier trefflich feiern, denn trotz touristischer Lage, kocht man im Rambaldi mit viel Qualitätsbewusstsein und offeriert seinen Gästen neben den obligatorischen Pizzen – die, so der Chef, aufgrund der Lage einfach sein müssen – herrliche Fisch- und Pastagerichte und auch Salatliebhaber finden hier mehr als den „insalasta mista“. Dazu eine Weinauswahl, die vom guten Landweine über ausgezeichnete Magnums bis hin zu Champagner wie den Cristal Rosé Magnum von 1996 reicht. La Loggia Rambaldi, Piazza Principe Amedeo 7, Bardolino. Dienstag geschlossen. www.laloggiarambaldi.it

Loggia Rambaldi

VILLA FIORDALISO
Als wir sie in unseren Jugendtagen erstmals betraten, waren wir atmelos. Es war die Zeit, in der am Gardasee wenig Aufregendes geboten war – diese Villa war das Nonplusultra. Das ist sie bis heute irgendwie geblieben. Mit leichter Arroganz, aber das darf sie sich leisten. Zumindest in Sachen Küche, denn die Zimmer sind klein, bieder und hellhörig. Dennoch ist es der Ort am See, an dem die meisten Hochzeiten gefeiert, die meisten Romantik-Wochenenden gebucht werden. Gespeist wird in verschiedenen Räumen im ersten Stock oder am Ufer des Sees unter weißen Zeltdächern. Die Speisen verwöhnen empfindlichste Gaumen und so zergeht der 30 Monate gereifte Culatello di Zibello, gekrönt von Quittensenf, auf der Zunge, irritieren Kompositionen wie Schweinefuß und Austern die Sinne, gehen Maccheroni  auch mal eine Ehe mit geräuchertem Aal ein. Wer das ganze Feuerwerk an Speisenzauberei erleben will, sollte das 7-gängige Degustationsmenü wählen, das jede Woche neu erstellt wird. Villa Fiordaliso, Corso Zanardelli 132, Gardone Riviera. www.villafiordaliso.it

Foto Foodhunter

VILLA DEI ROCCOLI
Das einstige Privathaus ist heute eon beliebtes Ausflugsziel, denn Pasquale und Astrid haben es in ein familienfreundliches Lokal umgewandelt. Im großen Raum mit den Schiebetüren, die sich alle öffnen lassen, speisen die Gäste farbenfroh und unter funkelnden Lüstern, während draußen ein kleiner Pool mit Bar, Wiesen und gemütliche Holzbänke warten. Das Roccoli ist derzeit ein Tipp, den fast nur Italiener kennen, was sich sicher bald ändern wird. Die Küche ist gut und bodenständig, Brot, Nudeln oder Kekse werden noch selbst gemacht und die Preise sind moderat. Villa dei Roccoli, Via Sanico, 11, Toscolano Maderno.  

Villa dei Roccoli

VILLE MONTEFIORI
Gardone Riviera zieht sich nicht nur entlang der Seestraße, sondern bietet hoch oben in den Hügeln ein Paradies an verschlungenen Sträßchen und beeindruckenden Villen: Gardone Sopra. Mancher Seufzer mag fallen angesichts der Pracht und wer den Wunsch hegt, gleichermaßen nächtigen zu wollen, der bekommt ihn erfüllt. Versteckt hinter hohen Mauern wartet das Hotel-Ville Montefiori, bestehend aus drei Jugendstilvillen, einem Turm aus dem 15. Jh. und umgeben von einem Park voller Üppigkeit, großzügig bestückt mit schneeweißen Skulpturen, die an römische Götter erinnern. Balustraden, Panoramaterrassen, verschiedene Ebenen mit zwei Pools, geschmiedete Stühlchen und steinerne Bänke hinter hohen Palmen. Im Inneren ein Meer aus Teppichen und Stuck, weißen Pianos, samtigen Bettüberwürfen und einem Interieur im venezianischen Stil. Als wäre die Zeit ein stehen geblieben. Hotel-Ville Montefiori, 25083 Gardone Riviera. www.hotelvillemontefiori.it

TRATTORIA LA VAL
Der Weg ins Valle dei Mulini, ins Tal der Mühlen, macht Laune: eine kleine Straße, vorbei an Bauernhöfen, Wäldern und Wiesen. Ziemlich am Ende winkt bereits die Laube auf dem kleinen Hügel und macht einladend klar, dass hier eine Rast sein sollte. Der Familienbetrieb Trattoria la Val von Hilde und Roberto Berti ist kein unbeschriebenes Blatt – mancher Feinschmeckerkritiker hat schon den Weg ins Tal gefunden und die Frische der Speisen gelobt. Die Qualität in Verbindung mit dem fast unwirklichen Preis-Leistungsverhältnis setzt dem Genuss die Sahnehaube auf. Als Vorspeise Polenta mit Hechtsoße und Sardinen (3,50 Euro) oder Blätterteigkörbchen gefüllt mit Steinpilzen und Taleggio (3,50 Euro) und danach hausgemachte Ravioli mit Lachs (5,40 Euro) oder frischer Gardasse-Fisch vom Grill (6,20-7,80 Euro). Und auch wenn der Magen gut gefüllt ist, sollte weder das Schokoladen-Trüffeleis noch der Kuchen nach Großmutterart verschmäht werden. Dafür verzichten wir gerne am nächsten Tag aufs Frühstück…Trattoria la Val, Loc. Valle die Mulini, 37010 Costermano. März-Oktober ganztägig geöffnet, Dienstag ab 18.30 Uhr.

RESORT & SPA LEFAY
In Sopra, sechs km oberhalb von Gargnano, steht das Resort & Spa Lefay sul Garda. Perfekt für jene, die statt traditioneller Gemäuer Großzügigkeit und modernen Luxus erwarten. Über 3000 qm sind dem Herzstück gewidmet, einem Spa mit Swimmingpools, Energiepfaden, Salz- und Steingrotten. Meditativ und naturbelassen. Die Küche entsprechend. „Ich koche vital, also saisonal, leicht, mediterran“, sagt Chefkoch Maurizio Bufi. Wer will, darf Kalorien zählen: Kalbfleisch-Carpaccio mit Selleriesaft (295 kcal), gedämpfter Gardaseefisch mit sautierten Zucchini (190 kcal), Erdbeersalat mit Minze (35 kcal) oder im Restaurant La Grande Limonaia à la Carte schlemmen und den Lefay-Wein„pervoi“ kosten, der 18 Monate im Barrique lagerte. Dazu Jakobsmuscheln mit flüssigem Kopfsalat, Carpaccio vom Adlerfisch oder gefüllte Lammgerichte mit wild wachsenden Kräutern. Benissimo! www.lefayresorts.com

Foto Foodhunter

TRATTORIA AGLI OLIVI
Ländliche Beschaulichkeit und einfache Weinlaube, das war einmal. Heute ist der Gast zunächst irritiert, beim Anblick des recht eindrucksvoll geratenen Wintergartens, den die winzige Bergstraße in der letzten Kurve freigibt. Wackelige Tische, so wie einst, sind nicht mehr. Gediegen-elegant geht es zu. An Sommertagen wird die Fensterfront weit aufgeklappt, doch der schönste Platz ist auf der kleinen Terrasse unter den Bäumen. Die Aussicht allerdings ist überall unverändert schön – der Gardasee spitzelt hinter Baumwipfeln hervor, um dann im milchigen Schleier des frühen Abends zu versinken. Die Küche am Berg ist so italienisch wie man es sich wünscht, die Gerichte schmecken schon aufgrund der Frische ihrer Zutaten, fast alles kommt aus der Region, allem voran das Olivenöl, das der Trattoria ja auch seinen Namen schenkt. Trattoria agli Olivi, Via Valmagra 7, 37010 Torri del Benaco. Täglich 12-14 und 19-22 Uhr, Montag geschlossen.

RELAIS CORTE CAVALLI
Das Anwesen aus dem 16. Jahrhundert war einst Wohnhaus der Cavallis. Heute gehört es einer Familie aus Verona, die es renoviert und 2007 als Hotel eröffnet hat. Nur 20 Zimmer, dafür umso mehr Freiraum, denn allein der Innenhof, der gerne für Konzerte und Modeschauen genutzt wird, ist 950 qm groß und mit modernen Loungemöbeln bestückt. Ansonsten gehört zum Anwesen alles, was das Auge erblickt: 420.000 qm Weinberge und Moränenhügel, Felder und Wiesen, 2.500 qm englischer Park. Dazu ein Pool von stattlichen 16 x 9 Metern. Die Zimmer, die als Clou „Paarduschen“ besitzen, sind charmant, wenngleich man auf die ein oder andere Dekoblume durchaus hätte verzichten können. Die Suite ist zudem mit einem Weinkühlschrank ausgestattet, in dem feinste Tropfen und Champagner lagern. Zum Hotel gehört ein Gourmet-Restaurant mit eigener Restaurantterrasse: Forellencapaccio, Ravioli mit Entenfüllung, Rinderbäckchen in Barolo, Bigoli alla carbonara vom Zackenbarsch – Raffinesse, Frische und Qualität, die sich schnell unter Feinschmeckern herumgesprochen hat. Relais Corte Cavalli, Strada Peschiera, 73/2, 46040 Ponti sul Mincio. www.cortecavalli.it

corte cavalli

TRATTORIA AGLI OLIVI
Ländliche Beschaulichkeit und einfache Weinlaube, das war einmal. Heute ist der Gast zunächst irritiert, beim Anblick des recht eindrucksvoll geratenen Wintergartens, den die winzige Bergstraße in der letzten Kurve freigibt. Wackelige Tische, so wie einst, sind nicht mehr. Gediegen-elegant geht es zu. An Sommertagen wird die Fensterfront weit aufgeklappt, doch der schönste Platz ist auf der kleinen Terrasse unter den Bäumen. Die Aussicht allerdings ist überall unverändert schön – der Gardasee spitzelt hinter Baumwipfeln hervor, um dann im milchigen Schleier des frühen Abends zu versinken. Die Küche am Berg ist so italienisch wie man es sich wünscht, die Gerichte schmecken schon aufgrund der Frische ihrer Zutaten, fast alles kommt aus der Region, allem voran das Olivenöl, das der Trattoria ja auch seinen Namen schenkt. Trattoria agli Olivi, Via Valmagra 7, 37010 Torri del Benaco. Täglich 12-14 und 19-22 Uhr, Montag geschlossen.

UND NOCH EIN PAAR FOODHUNTER TIPPS

  • Feinkostladen „Caseificio Artigianale Bignotti“ in Gargnano: lokale Käseproduktion, besondere Fleisch- und Wurstwaren, eigene Antipasti-Kreationen. www.bignotti-gargnano.it
  • Zum Familienbetrieb gehört auch das Hotel Mariano in Rufweite des Lefay Resorts. Geheimtipp! www.hotelmariano.it
  • Ristorante „Corte Grillo“. Ein Ausflug in 600 m Seehöhe. Panoramaterrasse mit wenigen Tischen und Gerichten wie “Sapori  e profumi di Lago“. Romantisch und persönlich. Via Panoramica, 6, 25080 Tignale
  •  „Pasticcerie Vassalli“ in Salò  Via San Carlo 86. Eine Augenweide in süß: Schokoladeplastiken, Tortenkreationen, Pralinen. www.pasticceria-vassalli.it
  • Zwei Gärtnereien direkt an der Durchgangsstraße in Maderno offerieren Zitronen- Orangen- und Kumquat-Bäumchen in stattlicher Größe und zu bescheidenen Preisen – ein ideales Mitbringsel!
  • Märkte: donnerstags in Toscolano-Maderno, freitags in Manerba, samstags in Salò
  • Osteria Del Boccondivino, Via Cavour 71, Toscolano; italienische Küche, hausgemachte Gnocchi, Hunde willkommen. Kleiner, charmanter Hinterhof
  • L’Osteria Gatto d’Oro, Via Bianchi Fratelli, 41,  Toscolano, das “Wohnzimmer” der Chefin. Ein bisschen überfüllt, aber total charmant und wunderbare Küche alla mamma

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ode an Oderzo: Gellius

Der Besuch im 1-Sterne-Tempel Gellius gleicht einer Theaterinszenierung. Über die Piazza Grande in Oderzo führt der Weg ins Foyer des Restaurants. Der Vorgang aus schwerer Bronze gleitet zur Seite und gibt den Blick auf das Bühnenbild frei: eine archäologische Ausgrabungsstätte mit offenem Mauerwerk, römischen Stelen, Kapitellen mit lateinischen Inschriften, Steinfragmenten.

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Averna. Siziliens gut gehütetes Geheimnis

Es gibt zwei große Kräuterbitter in Italien. Averna und Ramazotti. Beide beruhen auf alten Rezepten aus dem 19. Jahrhundert und werden als Amaro bezeichnet. Während Ramazotti längst einem Industrieunternehmen angehört, ist Averna noch immer in Familienbesitz und der ganze Stolz der Avernas. Die genaue Rezeptur kennen derzeit nur vier Familienmitglieder. Wir haben sie in Caltanissetta im Landesinneren Siziliens besucht.

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

Dieser Kräuterbitter sei magisch, sagt Italiens berühmtestes Bartender Michele di Carlo. Weil seine Inhaltsstoffe rein und natürlich seien und sich perfekt mit weiteren natürlichen Zutaten wie beispielsweise Orangensaft, Limette, Ingwer, Lavendel, Salbei, Thymian oder Minze verbinden. Da Averna weit über 40 Ingredienzien besitzt, manche munkeln es seien rund 60, kann der italienische Genuss-Experte seiner Experimentierfreude freien Lauf lassen. Dank neuartiger Mixturen hat er dem verkannten Kräuterbitter ein modernes Image verpasst.

Nach den Vorgaben des Cocktail-Meisters bekommen wir ihn auch in Caltanissetta, der Wiege des Averna, persönlich zubereitet von Maria Luisa Averna, eleganter Grand Dame des Hauses. „Wenn bei uns in der Familie ein Baby geboren wird, träufeln wir ihm einen winzigen Tropfen Averna auf die Lippen. Es soll wissen, welches Elixier sein Leben prägt.“ – Und es vielleicht zum Stillschweigen anregen denn keiner der Avernas rückt auch nur mit einer Silbe heraus wie viele Zutaten genau drin sind oder gar welche. Francesco Rosario Averna verrät zumindest so viel: „Wurzeln, Rinden, viele Kräuter, Fruchtschalen. Aus allen Teilen der Welt.“

Averna, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter

In der Produktionsstätte, der einstigen Sommerresidenz der Familie und Ursprungsort dieses Amaro, treffen wir Marilena. Sie kennt sämtliche Zutaten, denn ihr unterliegt die Kontrolle der angelieferten Grundstoffe. Einen Blick auf die getrockneten Orangenschalen erhaschen wir, ansonsten viel „Grünzeug“, ebenfalls getrocknet. Nein, sie könne uns nicht sagen, was alles im Averna steckt meint sie.

„Deshalb arbeiten wir so gerne mit Frauen. Die können besser ein Geheimnis bewahren als Männer“, lächelt Francesco Rosario Averna. Nichts desto trotz könnte Marilena allenfalls die Zutaten verraten, aber nicht die genaue Zusammensetzung.

Nachdem die Rohstoffe kontrolliert wurden, werden sie kleingeschnitten und mit Mörsern zermahlen. Die unverändert nach dem Originalrezept  zusammengestellte Mischung ruht 30 bis 40 Tage in reinem Alkohol, wird mehrmals gefiltert und mit einem Gemisch aus Karamell, Zuckersirup und gebranntem Zucker angereichert. Bis heute erfolgen wesentliche Herstellungsschritte in Handarbeit. Nach einer Lagerzeit von zwei Monaten ist der Kräuterbitter ausgereift und wird gefiltert. Damit der Geschmack immer seine konstante Wiedererkennung behält, werden stets neue mit älteren Produktionen vermengt. Es entsteht eine Cuvée, die vor der Abfüllung in die Flasche noch einmal 40 bis 50 Tage im Keller gelagert wird. Auch hier ist die Zeit entscheidend – und das Urteil der Familie. Erst, wenn die vier Oberhäupter der Avernas sicher sind, dass sich die Zutaten mit dem Alkohol in Harmonie auf der Zunge vereint haben, werden die Tanks geöffnet.

Der Stolz auf die lange Geschichte des Averna ist allen Familienmitgliedern anzumerken und die tiefe Verbundenheit zu dem nahe liegenden Kloster in dem vor rund 150 Jahren alles begann. „Hier haben wir unsere Wurzeln. Nirgendwo könnten wir den Amaro besser produzieren.” 1854 schenkte der Benediktinermönch Fra’ Girolamo seinem Freund Salvatore Averna die geheime Rezeptur für den gesundheitsfördernden Likör, den Amaro. Salvatore stellt den Amaro Averna zunächst für Freunde und Bekannte her, sein Sohn Francesco macht ihn rund 27 Jahre später in der Öffentlichkeit bekannt, holte Ende des 19. und Anfang des 20 Jahrhunderts auf allen Weltausstellungen Auszeichnungen.

Heute gehört Averna zu den beliebtesten Kräuterlikören weltweit. Dank des Botschafters Michele di Carlo wird sich das künftig verstärken. Der gießt Averna eisgekühlt über Milcheis und erhebt ihn damit zum Dessert oder serviert ihn süß als ‘Amaro Dolce’ mit Orangenlikör, Sirup und Espresso. „Nichts Kompliziertes“, sagt er, „dafür mit Zutaten, die man oft nicht erwartet und die das Produkt komplett verändern ohne seine Geschmack zu verfälschen.“ Mit seinen Cocktailideen hat er zahllose Barkeeper animiert, mehr aus dieser magischen Essenz zu zaubern. – Der Sommer wird italienisch!

 

Sardinien. Mercato di San Benedetto

Wir wissen nicht, ob es die schönste Fischhalle der Welt ist, aber uns ist bislang nichts Vergleichbares unter die Augen gekommen. Dabei beginnt die Reise in Sardiniens vollen Bauch ganz unspektakulär: eine alte Backsteinhalle aus den 50er Jahren, äußerlich wenig attraktiv und dennoch der größte städtische Markt Italiens und zugleich der bedeutendste Europas. Eindrucksvoll bekräftigt auf 8.000 qm und zwei Etagen. Rund 240 Händler bieten an, was Land und Meer zu bieten haben.

Autor Sabine Ruhland

 

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Draußen 30 Grad, der Asphalt rund um die Halle in Caglieri kocht. Doch kaum öffnet sich die gläserne Türe finden wir uns im Paradies. Kühl und aufgeräumt ist es, das kommt der deutschen Ordnungsliebe sehr entgegen. Kein Chaos oder zappelndes Federvieh. Stattdessen, fein arrangiert und dekoriert, Gemüse, Obst, Käse, Brot und Wurstwaren. Wir entdecken Mandeln, frisch noch in ihrer grünen Hülle, winzig kleine Birnen, eine sardische Spezialität, etwas größer die so genannten Butterbirnen, Spanferkel im Ganzen, nicht gehäutet, gerne verwendet für das sardische „Porceddu“ (Spanferkel am Spieß) oder für „Carne a Carraxiu“ (beerdigtes Fleisch). Dabei wird ein Erdloch in den Boden gegraben, dann ein Ferkel, Lamm oder Kalb hineingelegt und erst mit duftenden Myrtenblättern, dann mit Brennholz bedeckt. Das Fleisch gart langsam, was letztlich eine unglaubliche Zartheit und Saftigkeit beschert. Dass die Qualität der Produkte höchste Ansprüche erfüllt liegt auch daran, dass jeder Metzger auf eine bestimmte Tierart spezialisiert ist. Was dem einen das Schwein, ist dem anderen Pferd, Schaf, Ziege, Geflügel oder Rind.

San Bernadetto, Foto Foodhunter

Ein Muss sind die Käsestände, von denen keiner ohne die sardische Spezialität auskommt, den Pecorino. Dieser Schafskäse wird inzwischen weltweit exportiert und im Mercato di San Benedetto findet er sich in allen erdenklichen Reifegraden. Kostproben werden bereitwillig gegeben, es sei allerdings angeraten am Ende auch ein kleines Stück zu kaufen. Was doppelt Freude macht, denn die Preise sind unglaublich günstig. Gleich neben dem Käsestand ein Bäcker. Das bekannteste sardische Brot heißt „Pane carasau“, hat aber den treffenden Spitznamen „Carta da musica“ (Notenpapier), weil es aus runden, aufeinander liegenden knusprigen Blättern besteht. Es ist das Brot der Schafhirten. Trocken, hauchdünn, haltbar und leicht.  FOODHUNTER-Tipp: Brot im Ofen bei 50-60 °C  leicht erwärmen, etwas Olivenöl darüber, am besten sprühen, und Rosmarin dazulegen.

Muränen, krabbelnde Hummer, Schwertfisch und Thunfisch

Eine Etage tiefer haben die Fischhändler ihr Reich. Eine helle, weitläufige Halle mit marmornen Fischbänken, bunten Mosaikfliesen. Es riecht nicht nach Fisch, was das beste Zeichen für Frische ist, allenfalls strömt manchmal ein Hauch Meerwasserduft in die Nase. Austern, Muscheln, Hummer, Garnelen und Langusten, krabbelnde Krebse und zappelnde Aale, Mini-Rochen oder riesige Thunfische und Schwertfische, die professionell vor den Augen der Kunden zerteilt werden. Die kleinen Sardinen filetiert der Fischhändler im Nu: Kopf abdrehen, mit dem Finger einmal die Innereien aus dem Bauch geschabt, fertig.

Ihren Namen verdankt die Sardine tatsächlich der Insel, denn vor der Küste Sardiniens war das Vorkommen der Fische früher besonders stark. Als Sardine wird die 13-16 cm große Jugendform des Fisches bezeichnet und angeboten. Zu den kulinarischen Leckerbissen gehört auch „Bottarga“, geräucherte Fischeier der Meeräsche. Die Delikatesse wird meist in feinen Scheiben in einer Olivenölmarinade als Vorspeise gereicht. Viele Sarden richten aber auch mit geriebenem Bottarga ihre Spaghetti an.

Selbst Muränen sind im Angebot, der Händler zeigt nicht ohne Stolz seine Narben an Händen und Armen. Messerscharf die Zähne des Schlangenfisches. Wie er die Muräne zubereitet, wollen wir wissen. Kopf weg, Haut abziehen, filetieren, meint er. Das weiße Fleisch sei von fester Konsistenz, ähnlich eines Seeteufels. Dann Filets zum Beispiel in dünne Schnitzel schneiden und mit Knoblauch einige Stunden oder einen Tag lang marinieren. Später nur noch salzen, pfeffern und am besten auf Holzkohle bei großer Hitze kurz von beiden Seiten grillen. – Klingt interessant, bei nächster Gelegenheit werden wir einen Versuch wagen.

Die kleinen Krabben leben noch, mit einer großen Kelle packt sie der Händler für seinen Kunden in die Tüte. Ganz beseelt verlassen wir nach zwei Stunden diesen Ort. Das nächste Mal muss es ein Ferienhaus sein, da sind wir uns sicher. Schon alleine, um an diesem unglaublichen Ort einzukaufen.

Mercato San Benedetto, Piazza San Benedetto, Via Cocco Ortu 50. Cagliari. Mo-Sa 7-14 Uhr. So früh wie möglich kommen!  

San Bernadetto, Foto Foodhunter

 

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Monferrato. Weingut Tenuta La Tenaglia

Als die Familie Ehrmann 2001 das geschichtsträchtige Weingut unterhalb des heiligen Bergs mit der berühmten Santuario di Crea kaufte, hatte es längst seine besten Zeiten hinter sich. Die Basis allerdings zeigte sich vielversprechend: 30 Hektar Rebland mit Chardonnay, Shiraz und 80 Prozent Barbera-Traube, teils mit 60 Jahre alten Rebstöcken. Also folgte die Tochter der Joghurt-Dynastie erst einem Impuls, dann einer Leidenschaft.

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

Sabine Ehrmann wurde Winzerin, holte sich Weinfachmann Massimo zu Hilfe, verpflichtete den Önologen Roberto Imarisio, kämpfte mit den Widrigkeiten des piemonteser Konkurrenzdrucks und entwickelte Ehrgeiz. „Viele Winzer im Piemont versuchen, international gefällige Weine zu machen, um damit auf dem Markt besser zu bestehen. Ich bin der Meinung, dass ein Wein die Individualität der Region widerspiegeln muss und trotzdem finessenreich sein kann.“

Diesen Gedanken verfolgte sie unbeirrt weiter. „Wir suchten einen Weg, den Wein sanfter und eleganter zu machen und dabei das Territorium zu beachten.“ So verliehen sie dem urigen Bauernwein, welcher der Barbera im Grunde ist, Eleganz und Noblesse.„Er gärt bei uns im Stahltank, weil er nur dort zeigen kann was wirklich in ihm steckt, erlebt dann in neuen 225 Liter Eichenfässern seine Veredelung, ungefähr ein Jahr, und bleibt schließlich bis zum Verkauf noch sieben Monate in der Flasche.“

Der Barbera d’Asti DOC Emozioni ist von tiefem Rubinrot, mit intensiven Noten von reifen, roten Früchten und Vanille sowie Pflaume im Abgang. Zahlreiche Auszeichnungen seitens der Fachwelt waren der Lohn und spornten an für einen Weißwein von ungeheurer Präsenz, den Chardonnay DOC Oltre (übersetzt ‚über allem’), mit einer Farbe von schimmerndem Dukatengold, niedriger Säure und gutem Körper. Nuss, Vanille, Honig, Akazie und Minze verbinden sich am Gaumen, im Abgang ein Hauch von Lakritz. „Dieser Wein sieht keinen Stahl. Er kommt in nagelneue Eichenfässer, lagert dann ein Jahr im Holz von Troncais und Allier und danach für ca. acht Monate in der Flasche.“ Insgesamt 120.000 Flaschen produziert das Weingut heute jährlich, vom Oltre allerdings nur 3.000 Flaschen.

Foto Foodhunter

Das Weingut Tenuta La Tenaglia von Sabine Ehrmann. Traumhafte Lage im Monferrato. Foto Foodhunter

Was tun mit der Shiraz-Traube? Einst im Piemont als internationale Traube eingeführt, verschwanden die Reben kurz darauf wieder, weil es keine offizielle DOC-Qualitätsbezeichnung dafür gab. Sabine Ehrmann sah das anders.„Shiraz war nun einmal im Weinberg vorhanden und für uns stellte sich daher nur die Frage, wie wir die Traube ausreifen könnten.“ Das Ergebnis erfreut heute die Gaumen zahlreicher Weinkenner, denn der „Monferrato Rosso DOC Olivieri“, im Barrique ausgebaut, weil die Eichenfässer maßgeblich dazu beitragen die Aromen abzurunden, beinhaltet Noten von schwarzem Pfeffer, Himbeere und roter Beerenkonfitüre.

Der Tourismus kommt langsam – das gibt Genießern Entdeckergefühle

Wie im gesamten Gebiet Monferrato steckt auch auf La Tenaglia der Tourismus noch in den Kinderschuhen. Dennoch gehören zum Privathaus und den Präsentationsräumen inzwischen zwei Maisonette-Ferienapartments mit Küche, herrlichem Blick in die Weinberge. Das Angebot an Kochkursen, Weinproben und Trüffel-Exursionen gehört zum Rahmenprogramm. Auch eine Besichtigung des „heiligen Bergs“, der aus einem Kloster und 23 Kappellen besteht, die durch einen Rundweg verbunden sind, ist empfehlenswert. Deutsche Gäste sind bei Sabine Ehrmann herzlich willkommen, wenn sie nicht da ist, kümmert sich Silvia Basso, die perfekt deutsch spricht, um alle Belange.

Tenuta “La Tenaglia”, Strada Santuario di Crea, 5, 15020 Serralunga di Crea.
Zimmer ab 80 Euro für 2 Personen. Tel. +39 0142 94 02 52. www.latenaglia.de

Foto Foodhunter

Santuario di Crea. Der heilige Berg. Ein Rundweg mit 23 Kapellen.

Monferrato – das unbekannte Piemont

Während Alba und Asti längst touristische Hochburgen sind, liegt das 60 km entfernte Monferrato noch im Dornröschenschlaf. Die Einheimischen sind zurückhaltend, mit Fremdsprachen wenig vertraut. Da tut es gut, einige Worte Italienisch zu sprechen, um nette Bekanntschaften zu machen oder die Speisekarte zu lesen. Weil viele der Dörfer die obligatorische Trattoria vermissen lassen, bieten Montcalvo und Casale Montferrato Abwechslung.

Autor Sabine Ruhland  

Moncalvo hat gerade mal  3.200 Einwohner und rühmt sich, die kleinste Stadt Italiens zu sein, mit dem pittoresken Charme verschachtelter Häuser. Dagegen wirkt Casale Monferrato fast großstädtisch, mit seinem adretten Marktplatz, auf dem an Samstagen Landwirte ihre Produkte feilbieten. Ansonsten locken die Feinkostgeschäfte in der Via della Fracia, der ältesten Fußgängerpassagen Italiens, mit kulinarischen Spezialitäten.

Charakteristisch für die Region: der unbeschwerte Einsatz von Butter und Speck

Die Piemontesen lieben einfache Gerichte aus regionalen Zutaten, so dass sich die Küche trotz der geografischen Nähe zu Frankreich und der Haute Cusine ihren authentischen Geschmack bewahren konnte. Charakteristisch für die Region ist allerdings auch der unbeschwerte Einsatz von Butter und Speck, was dem ungeübten Magen durchaus zu schaffen macht. Vegetarier werden sich ebenfalls schwer tun, denn kaum ein Menü ohne Fleisch, bevorzugt Sanato, Fleisch von wenige Monate alten Kälbern, die ausschließlich mit Milch ernährt wurden.

Was sollten Sie kosten? Beispielsweise Carne cruda, Vitello tonnato, Agnolotti oder  auch das Regionalgericht Bollito misto. Typisch ist die Bagna cauda, eine warme Soße aus Olivenöl, Sardellen und Knoblauch, in die Gemüse der Saison getunkt wird. Wunderbar an kühlen Tagen.

Was alle Produkte auszeichnet: sie sind unverfälscht und werden nach traditionellen Methoden hergestellt und behandelt. – Dazu zählen neben Brot, Fleisch, Gemüse, Nudeln die zahlreichen Käsesorten, allen voran der Castelmagno oder der Ribiola di Roccaverano.

Piemont, Foto Foodhunter

Uneingeschränkte Aufmerksamkeit gilt den Weinen: auf ca. 60.000 Hektar Fläche produziert das Piemont über vier Millionen Hektoliter Wein. Den kräftigen Barolo, den gehaltvollen Barbera del Monferrato oder den fruchtig-herben Barbera d’Asti. – Essen und Trinken als Lebensphilosophie, weshalb das Piemont seiner Leidenschaft zahlreiche Feste widmet.

  • ‚Giornate della Barbera’, Tage des Barbera im April in Agliano
  • Festa del Pane’, Brotfest im Mai in Montemagno
  • ‚Festa del Grinolino’, Grignolinofest (Grignolino ist eine Traube, die nur im Piemont vorkommt) in Portacomaro,
  • ‚Festa delle Cuicine Monferrine’, Fest der Monferrato-Küche im Juni in Montcalvo
  • ‚Giornata dell’Olio Piemontese’, der Öltag im Dezember.

Es lohnt sich also, durchaus mal eine Ausfahrt früher zu nehmen. Wo Sie dann Ihre Nächte verbringen sollten – wir sagen es Ihnen.

 

Palazzo Paleologi

Das antike Örtchen Lu führte einst den Beinamen „Porta del Monferrato“, weil es dank seiner exponierten Lage das Tor zum Piemont war. Für Entdecker des Piemont eröffneten sich ab hier neue kulinarische Genüsse. Wie alles in und um Lu herum, ist auch die Residenz Palazzo Paleologi ein Relikt vergangener Zeiten: Zimmer hinter Mauern aus dem 13. Jahrhundert, aufwendig restauriert und modernisiert. Wo es möglich war, folgte man der „Bio-Architektur“, verwendete Naturstein oder Farben auf Wasserbasis. Zum Haus gehört ein Restaurant, das Antico Monastero Restaurant, dessen Speisen sich auf traditionelle Rezepte von Großmutter Maria stützen.  Via Bobba 1, 15040 Lu. DZ ab 70 Euro ohne Frühstück

 

Locanda del Sant’Uffizio

Kurz hinter Moncalvo führt der Weg von der Hauptstraße ab. Ein kleines Sträßchen flattert durchs Weinland bis schließlich auftaucht, was von einem 4-Sterne-Hotel erwartet wird: eine Allee, an deren Ende sich eindrucksvoll ein Palazzo aus dem 17. Jahrhundert erhebt. Das traditionsreiche Gemäuer gilt seit vielen Jahren als bekannte Restaurantadresse, präsentiert sich seit April 2010 als 4-Sterne-Luxushotel. Blütenweiße Ledersessel, Perserteppiche, Fresken, antikes Mobiliar, Gemälde, schmiedeeiserne Tore. Die Gäste entsprechend international, Engländer, Japaner, Mailänder und Turiner Geschäftsleute. Die Frauen schon zum Frühstück elegant, die Herren im feinen Zwirn. Während morgens im Wintergarten gespeist wird, darf es am Abend das Restaurant unter dem Kreuzgewölbe sein, das auf bodenständige Küche setzt. Rund um das Hotel alles, was des Gastes Herz begehrt: Panoramablicke, die Pracht angelegter Gärten, Innenhof-Lounges, eine Poolanlage. 40 Zimmer, alle mit Terrasse oder Balkon. TIPP: Eine der 11 Suiten buchen, denn die bieten für einen geringen Mehrpreis ein Vielfaches an Großzügigkeit. Strada del Sant Uffizio 1, 14030 Cioccario di Penango. DZ 240, Suite 300 Euro pro Nacht inkl. Frühstück. Tel. +39(0)141/916292. www.relaissantuffizio.com

Locanda Sant Uffizio, Foto Foodhunter

Locanda Sant Uffizio, Foto Foodhunter

 

Tenuta “La Tenaglia”

Das Weingut von Sabine Ehrmann. Wunderbar gelegen unterhalb des heiligen Bergs, dem Sacro Monte di Crea. Zum Privathaus, dem Weingut und der Enothek  gehören zwei liebevoll eingerichtete Maisonette-Ferienapartments mit Küche, herrlichem Blick in die Weinberge und einem großen Garten mit Pool.  Das Weingut bietet Kochkurse, Weinproben und Trüffel-Frührungen. Auch eine Besichtigung des „heiligen Bergs“, der aus einem Kloster und 23 Kappellen besteht, die durch einen schattigen Rundweg verbunden sind, ist unbedingt empfehlenswert. Deutsche Gäste sind bei Sabine Ehrmann herzlich willkommen, wenn sie nicht da ist, kümmert sich Silvia Basso, die perfekt deutsch spricht, um alle Belange. Tenuta “La Tenaglia”, Strada Santuario di Crea, 5, 15020 Serralunga di Crea.www.lategnalia.de

La Tegnalia Foto Foodhunter

 

Relais di Charme – Castello di Razzano

Von der Straße aus nicht leicht zu sehen, denn nur ein kleines Schild weist den Weg. Der führt, wie so oft, über eine kleine Allee, um am Ende ein Palazzo auftauchen zu lassen, das Noblesse und Eleganz ausstrahlt. Im Innenhof ein italienischer Garten – Rückzugsoase für die Gäste. Die Zimmer überraschen mit individuellem Charme, denn keines gleicht dem anderen. Holzdecken, Kassettentüren, Dielenböden, offene Kamine und teils antikes Mobiliar verleihen den Räumen Grandezza.  Frühstück wird zwar in einem der Salons serviert, ein Restaurant oder eine Bar sucht der Gast allerdings vergeblich. Dafür locken ein neuer Pool, uneinsehbar mit Panoramablick, sowie ein historischer Weinkeller im Inneren der Burg. Località Razzano n.2, 15021 Alfiano Natta. DZ ab 115, Suiten ab 125 Euro inkl. Frühstück. Tel. +39/0141/92.2124. www.castellodirazzano.it

Castello di Razzano

Castello di Razzano

 

Ristorante La Braja

Viele Journalisten sind noch nicht vorbeigekommen in Montemagno, weshalb sich bereitwillig die ganze Mannschaft des Restaurants vor unserer Kamera postiert. Der Hauherr zeigt stolz seine Gemälde. Hühner, Blumen, Landschaften, Weinflaschen sind die Motive. Knallbunt, fröhlich, ambitioniert. Das Ristorante La Braja, eines der feinen in der Region, ist seit Jahrzehnten ein Familienbetrieb der Palerminos  Was die Küche zu bieten hat, ist hausgemacht und nicht immer das klassische Gericht, das der deutsche Gast erwartet. So kommt das Carpaccio als Tatar von exzellenter Qualität daher, garniert mit frisch aufgeschlagener Zitronen-Sardellen-Mayonnaise. Das Vitello Tonnato schenkt dem Gaumen einen ungewohnten Hauch Früchteessig und die mit Kartoffeln gefüllten Maultaschen sind gekrönt von Pilzen, die der Hausherr vor der Zubereitung stolz als tagesfrische Rohware zeigte. Der Risotto ist sämig, einfach-raffiniert mit Erbsen, roten Zwiebeln, Zucchini und einer süßen Peperoni-Jus. Das Kalbsfilet lässt keinen Zweifel an seiner Frische und wird dank Barolo-Soße zum Höhepunkt des Menüs, das ein ungeübter Esser kaum schaffen kann. Trotzdem überzeugen noch die Zabaione mit Torroncinocrunch und der Käsewagen – bestückt mit allem, was Piemonts Käsemacher zu bieten haben. Ein Abend, der glücklich und erschöpft in die Betten fallen lässt. Via San Giovanni Bosco 11, 14030 Montemagno Menü 38-60 Euro Tel. +39(0)141.653925. www.labraja.it 

La Braja, Foto Foodhunter

 

Monferrato Resort

Die Umgebung des Anwesens wirkt bei unserem Besuch noch karg, das ist ja auch 2 jahre her, denn Teich, Park und Pool sind frisch angelegt während das Haus wie ein jahrhundertealtes Gut erscheint. Doch das ist ebenfalls nagelneu, schmückt sich dafür keck mit den geschichtsträchtigen Steinen eines alten piemonteser Gutshofes. Die Liebe zur Kunst, die in diesem Landstrich in höchstem Maße ausgeprägt ist, macht sich auch hier bemerkbar: wohin das Auge blickt, zieren die bunten Bilder von Paolo Novelli die Wände. Im Vergleich zur 600 qm großen Terrasse, die einen herrlichen Ausblick beschert, bietet das Haus nur neun relativ kleine Zimmer.  Cascina Palau, 15020 Cereseto. DZ ab 81 Euro inkl. Frühstück. Tel. +39(0)142/940127. www.monferratoresort.com

 

Ristorante da Maria

Kein Touristenfahrzeug weit und breit. Dafür ein Maserati neben einem klapprigen Lieferwagen. Das macht neugierig auf die Gäste des Restaurants. Alle Klischees werden erfüllt. Hier speisen Arbeiter und Industrielle, Alte und Junge, gesellen sich zu den Madonnenbildern auch die Fotos der ortsansässigen Fußballmannschaft. Die Einrichtung ist rustikal-traditionell, die Küche ebenso. Die Rezepte von Großmutter Maria, der das Lokal seinen Namen verdankt, halten die Enkel Giorgio und Roberto, die es heute führen, in Ehren. Also sei empfohlen, sich den Antipasti hinzugeben:  dann eilt Roberto alle paar Minuten mit einem neuen Teller herbei und garniert eingelegte Bohnen, Vitello Tonnato, russischen Salat, Tatar. Erlebnisgastronomie auf Piemonteser Art. Netten Gästen wird ein Blick in den Weinkeller gewährt und der lohnt, denn dort lagern u.a. wertvolle Barolos aus den 30er, 40er und 50er Jahren. Zanco di Valladeati, Tel. +39(0)141/902035. Mi geschlossen.

 

Club Agriturismo Ca’Villa

Der umgebaute Hof hat sich als Standort einen der unzähligen Hügel des Monferrato ausgesucht, was den Gästen abends, wenn die Sonne langsam nach Westen verschwindet, atemberaubende Naturschauspiele beschert. Auf der Terrasse oder am Pool sitzend, ein Glas Bollecine als Apertif, dazu geröstete Haselnüsse von der hauseigenen Plantage – mehr Sinnesreize braucht es nicht. Architekt Marco Villa hat sich mit seinem Ca’Villa einen Lebenstraum erfüllt. Dazu gehört ein stylisches Restaurant in alten Wänden, der Piemonteser Küche zugetan, jedoch feiner angerichtet und mit Spezialitäten wie Zucchiniflan mit Parmesan-Velouté oder Spanferkelfilet bestückt. Dazu gehören aber auch sieben Zimmer im ehemaligen Stall und Haupthaus. Schlammfarbener Putz an den Wänden, gemauerte Schränke, Betten mit Betonsockel, überzogen mit blutrot gefärbter Ziegenhaut. Kaum Farbe, viel Weiß, viel Erdiges. Die Bäder von Künstlern bemalt. Minimalismus und kühle Eleganz, höchst reizvoll für alle, denen weniger mehr ist. So gibt es auf den Zimmern auch keinen Fernseher, dafür eine wunderschöne Lounge im ersten Stock -  mit Großbildschirm, den keiner braucht, denn es gibt Panoramafenster. Via Santo Stefano 19, 15020 Gabiano Monferrato. Zimmer ab 80 Euro p.P. inkl. HP. Tel. +39(0)142/945125. www.ca-villa.it

Ca Villa, Foto Foodhunter