Kategorie-Archiv: Reportagen

Dinner der Stille in Brooklyn. Essen im New Yorker Restaurant EAT

„Quiet please, the dinner will now be served“.  Konzentration auf eine existenzielle Gabe des Lebens und bewussteres Genießen bietet ein Restaurantbesuch im Stadtteil Brooklyn in New York. Bei gerade mal 25 Gästen an mit Steingut bestückten Holztischen ist im Restaurant „EAT“ Schweigen angesagt. Das machte derart viel Wirbel, dass die eigentlich Philosophie – Produkte von kleinen, regionalen Lieferanten zu nehmen, sich vegetarisch zu ernähren, alles frisch zuzubereiten – in den Hintergrund rückte. Dabei beschrieb bereits das Time Out NY Magazine Eat is one of the borough’s most accessible local-food cafes.”

Autor Rudolf Danner

„Quiet please, the dinner will now be served“ , damit eröffnet der 28-jährige Nicholas Naumann das kulinarische Event, überwacht das freiwillig auferlegte, wöchentlich reservierbare Schweigegelübde und beendet nach 90 Minuten mit erlösendem „Thank‘s guys“ und Händeklatschen die andächtige Stille. Die Resonanz der Besucher: geteilt.

Inspiriert hat ihn zu diesem Selbsterfahrungsangebot das tägliche Schweigefrühstück während seines Aufenthalts in einem Buddhistischen Kloster. Zunächst monatlich geplant ist das „Eat“ jetzt auf Monate hinaus jede Woche zum Schweigemenü ausgebucht – und das, obwohl man versucht ist auch über das eher bescheidene Organicmahl den Mantel des Schweigens zu legen. Kürbissuppe, handgemachte Nudeln mit Jakobsmuscheln und Calamare, grätige Forelle, Pecan-Ricottakäse, brauner Reis, Salat mit Senfkörnern, Radieschen und Misodressing, wässriger Minzetee lösen nicht gerade Jubelstürme aus und weder Schönreden noch Schöntrinken sind mögliche Optionen, denn alkoholische Getränke stehen nicht auf der Karte.

Eat, New York

Die Atmosphäre ist eher angespannt, kein verzücktes Ohh, Ahh oder Mmm begleitet die Speisenfolge kein begeistertes “great” ist zu hören, kein Essenskommentar entflieht dem Gehege der Zähne und ein vorgegebenes Set-Menü soll Gesprächsbedarf im Keim ersticken.

So beschränkt sich der Gast auf die vielfältigen Möglichkeiten der nonverbalen Kommunikation wie Mimik und Gestik, versucht sich in pantomimischen Darstellungen und überbrückt die Pausen bis zum nächsten Gang mit Serviettenfalten, Husten-, Lachanfall oder Nießreizvermeidung, Mund halten ist das Gebot der 1 ½ Stunden. Vergleichende Beobachtungen der stummen Mitesser am Longtable liefern einen eher bescheidenen Beitrag zum weltweit propagierten Social Food Aspekt, aber es muss ja nicht alles zerredet werden, gemeinsames Schweigen hat auch eine soziale Komponente.

„Erst fühlte ich mich wie nach 50 Ehejahren, dann kam ein gutes Gefühl für Stille auf“

Angesichts der drastischen Strafe ist man buchstäblich zum Schweigen verurteilt, denn bei Zuwiderhandlung wartet auf die Schweigebrecher (loudmouths) draußen vor der Tür eine Art Austragsbank, um dort für vorüberziehende Passanten erkennbar gebranntmarkt das Essen fortzusetzen. Drinnen fast beängstigend – weil ungewohnt – die Stille, nur von gelegentlichem Besteckgeklapper und Kochgeräuschen aus der Küche unterbrochen. Einerseits anstrengend, psychisch belastend sogar, wenn der Gast alles in sich „hineinfressen“ und  alleine wortlos verarbeiten muss, andererseits auch wohltuend entspannt die Essenserfahrungen konzentriert multisensorisch aufzunehmen und im geistigen Dialog mit dem eigenen Ich zu erörtern.

„Es ist eine Art von Meditation“, erklärt Eat-Inhaber Jordon Colon, „das Schweigen spricht für sich“. Lassen wir zum Ende noch einen Gast zu Wort kommen: „Erst fühlte ich mich wie nach 50 Ehejahren, dann kam ein gutes Gefühl für Stille auf“. Mit Gold muss dieses Schweigen nicht aufgewogen werden, lediglich 40 Dollar für 4 Gänge sind an den Exerzitienmeister zu zahlen. Der Rest ist Schweigen. Aber vielleicht muss man gar nicht hin, zum Schweigemenü, denn das EAT ist ansonsten ein vegetarisch-engagiertes Restaurant mit täglich wechselnden Gerichten. Das könnte ja auch schon reichen, um vorbeizuschauen.

Restaurant Eat
124 Meserole Ave. Greenpoint, Brooklyn, New York
Monday 6–10 pm
Tuesday – Sunday 11 am – 10 pm
www.eatgreenpoint.com

Brücken Shoppen, Brotzeit im Bäck und 2 neue Sterneadressen. Würzburg erleben

Würzburg an einem sonnigen Herbst- oder kristallklarem Winter-, an einem tirilierendem Frühlings- oder summendem Sommertag – die Stadt setzt ihren morbiden Charme immer gekonnt in Szene. “Die Brücke hat Prag übrigens uns abgeschaut, nicht umgekehrt”, hören wir prompt, als wir die Mainbrücke mit der Karlsbrücke vergleichen. T’schuldigung! Ja, und ‘Brücken Shoppen’, das gibt es eben auch nur hier, inklusive Blick auf die Festung Marienberg. Was Sie bei Ihrem Würzburg-Besuch unbedingt sehen, erleben, genießen sollten, wir sagen es Ihnen.

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter, Kuno, Steinburg, Fischbar Krebs

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Ein Open-Air-Vergnügen ohnegleichen: “Brücken Shoppen”.
Im Restaurant “Alte Mainmühle” holen sich die Würzburger am Ausschank Federweißen oder fränkische Klassiker, machen es sich an Holztischen oder auf der Balustrade der Brücke gemütlich, blicken auf Festung, Main und das sich ewig drehende Rad der Mühle. Ein perfektes Intermezzo und die beste Möglichkeit, den Lebensstil der Stadt einzuhauchen, denn ins Gespräch mit den Würzburgern kommt man schnell. www.alte-mainmuehle.de

Brücken Shoppen, Mainbrücke Würzburg, Foto Foodhunter

Fischbar zum Krebs – Würzburgs ungewöhnlicher Fischimbiss von März bis Oktober
Knallrot ist der kleine Kutter, der an der Stadtseite des Mainufers angelandet ist. Den charakteristischen Namen Krebs trägt er und sein Besitzer ist Christian Schätzl, der das alte Kontrollboot der TU damit vor dem Verschrotten bewahrt hat. Lachs- und Heringsbrötchen, frittierte Meefischli gibt es, sofern der Gast den kleinen Steg zum Fischimbiss überwindet. Dafür darf er dann an den Stehtischen an Bord seine frischen Happen verzehren oder es sich – für weniger Schaukelfreudige – an der sonnigen Uferpromenade gemütlich machen. Wir haben’s leider verpasst, freuen uns aber auf die kommende Saison. Website gibt es keine, aber unter Facebook ist alles Aktuelle zu finden. www.facebook.com/FischbarZumKrebs

Fischbar zum Krebs

Zum Stachel – die Erfolgsgeschichte geht weiter
Warum ein über viele Jahre erfolgreicher Koch gegangen wurde, war allen ein Rätsel. Jetzt ist das 600 Jahre alte Wirtshaus, Würzburgs Institution, unter neuer Regie nach einigen Wochen der Verschlossenheit neu eröffnet. An der einmaligen Atmosphäre mit geschichtsgeschwängerten Holzdecken, verwinkelten Stuben, Fresken, Butzenscheiben und rustikalen Holznischen hat sich nichts geändert. Die Speisen sind ordentlich gemacht, bodenständige fränkische Küche, die sicherlich einen angemessenen Standard wird halten können. Dazu ein perfekter Wein, Valentin Rosé Winzer Sommerach von 2012. TIPP: lauschiger Innenhof, an heißen Tagen der begehrteste Platz der Stadt! Zum Stachel, Gressengasse 1, 97070 Würzburg, Di – Sa ab 11.30 durchgehend, So 11.30 – 16 Uhr. www.weinhaus-stachel.de

Zum Stachel, Fotos Foodhunter

KUNO 1408 – das neue Feinschmeckerrestaurant im Hotel Rebstock – aktuell ausgezeichnet mit einem Stern des Guide Michelin 2014
Das Best Western Premier Hotel Rebstock hat im Sommer seinen Restaurant- und Küchenbereich umgebaut. Anfang September dann die fulminante Eröffnung: das KUNO 1408, wobei die Jahreszahl auf die erstmalige Erwähnung des Traditionshauses hinweist.Während außen nostalgische Fassaden die lange Tradition offenbaren, herrscht im Inneren luxuriöse Moderne – passend zur  innovative Feinschmeckerküche vom neuen Küchenchef Benedikt Faust. Neben dem Feinschmeckerlokal gibt es den SALON, der feine fränkische Bistroküche offeriert. HOTEL BEST WESTERN PREMIER Hotel Rebstock, Neubaustraße 7, 97070 Würzburg. www.rebstock.com
KUNO 1408, Neuhauserstraße 7, 97070 Würzburg, www.restaurant-kuno.de

KUNO 1408

Und gleich noch eine neue Sternenadresse in Würzburg: Reisers am Stein
Dass hier mal ein Stern fällig ist, war angesichts der geballten Professionalität absehbar. DER REISER Genussmanufaktur ist ein gastronomisches Unternehmen in Würzburg, das seit Mai 2002 am Fuße der Weinlage „Würzburger Stein“ besteht. Zu Patron Bernhard Reiser, der zuvor in Rothenburg ob der Tauber in seinem Restaurant „Louvre“ einen Michelin Stern erkochte, gesellten sich im Mai 2013 zwei weitere hochkarätige Köche: Michael Hüsken, der im „Luce d’Oro“, Schloss Elmau, seinen ersten Michelin Stern erkochte und  Caroline Baum, die 2011 als jüngste Sterneköchin Deutschlands im „Amesa“ Anwärterin auf einen zweiten Stern wurde. So jetzt haben diese drei also endlich einen eigenen Stern.

„REISERS am Stein ist ein Ort, an dem Sie in lockerer Atmosphäre schöne Dinge tun und erleben können. Genießen lässt sich nur, wenn man entspannt ist“, sagt Bernhard Reiser. Deshalb ist ihm die legere Atmosphäre in seinem Restaurant genauso wichtig wie das Preis-Leistungsverhältnis. Essen soll bezahlbar bleiben, weil man es sonst auch nicht mehr genießen kann! – So zumindest vor dem Stern – wir hoffen, dieser lobenswerte Gedanke wird fortgesetzt. www.der-reiser.de

Reisers am Stein

Maulaffenbäck – Essen mitbringen erlaubt
Die Würzburger Traditionsweinstuben enden alle mit „-bäck“. Woher kommt’s? “Bäcks” oder “Bäcken” waren früher Bäckereien, in denen die Leute Vesperpause machten. Allerdings brachten sie Wurst und Käse selber mit und tranken dazu einen Schoppen Wein. Im “Maulaffenbäck” lebt diese Tradition weiter. Dazu gehört auch, dass seine Brotzeit mitbringen kann. Teller mit Besteck gibst gratis dazu sofern ein Schoppen Wein bestellt wird. Weinstube Maulaffenbäck, Maulhardgasse 9, 97070 Würzburg. www.metzgerei-hein-hofmann.de/maulaffen.html

Maulaffenbäck

Übernachten im Schloss – Steinburg überhalb Würzburgs
Die Adresse ist ein Klassiker, die Aussicht atemberaubend, die Zimmer  so individuell wie opulent. Unser Tipp: Zimmer im Neubau! Viele Veranstaltungen, was es manchmal auch zu einer regelrechten Touristenhochburg werden lässt, doch zwischen Rittersaal und Erkerzimmer, Kaminzimmer und Schlossgewölbe, Weinkeller und Schlossbar verläuft es sich. Schloss Steinburg, Mittlerer Steinbergweg 100, 97080 Würzburg, www.steinburg.com
Schloss Steinburg
Spaziergang auf die Festung Marienburg
“Diesen Weg müssen Sie gelaufen sein”, sagen uns Insider. Er führt von der Innenstadt  über die Alte Mainbrücke und dann hoch hinauf mitten durch die Weinberge und die berühmten Würzburger Lagen “Innere Leiste” und “Schlossberg”. Von der Höhe des Festungsberges am Maschikuliturm, der fast ein bisschen an Schloss Windsor erinnert, geht es vorbei an der Burkarder Kirche und mit Blick ins Maintal und zum Käppele.
Würzburg Festung, Foto Foodhunter

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Zwiebelplootz, Kochkäse, Zwetschgenbaames, Bamberger Hörnle – kulinarisches Franken

Wir waren nur zwei Tage unterwegs. Würzburg, Mainschleife, Nordheim, Volkach, Nürnberg, aber haben in kürzestes Zeit “viel Franken” erschmeckt. Was sollen wir sagen – es hat trotz Wetterkapriolen riesigen Spaß gemacht. Wer demnächst das schöne Franken besucht, sollten sich diese Genüsse nicht entgehen lassen.

Autor Sabine Ruhland

“Zwetschgenbaames” – ein Schinken ohne Zwetschgen

Hinter dem Zwetschgenbaames verbirgt sich keine spezielle Form des Zwetschgendatschi, sondern ein langsam (bis zu zwei Wochen) geräucherter, roher Rinderschinken. Weil das Fleisch über Zwetschgenholz geräuchert wird und der Schinken zudem so hart wie Zwetschgenholz ist, bekam er diesen Namen. Zubereitet bzw. serviert wird er wie Carpaccio, nämlich hauchdünn aufgeschnitten.

Zwetschgenbaames wird nach überlieferten Rezepten hergestellt und man verwendet dafür beste Stücke vom Rind  wie Lende, Unter-, Oberschale oder  Nuss. Pro 1 Kilogramm Fleisch werden etwa 60 g Pökelsalz, 5 g Pfeffer, Lorbeerblätter, Wacholderbeeren, verschiedene Wiesenkräuter und eventuell Zwiebeln zugegeben.

Das Fleisch wird individuell gewürzt und mehrere Wochen trocken eingelegt (erst danach räuchert man es über Zwetschgenholz). Vormerken: die nächste Spargelsaison kommt bestimmt und zum Spargel passt dieser Schinken ganz wunderbar! Uns hat er jedenfalls sehr gut gemundet und kam mit in die Reise-Kühltasche.

Zwetschgenbaames, Foto Genussregion Oberfranken

Kochkäse – unscheinbarer Name, große Wirkung  

Wir sind auf dem Genießermarkt bei Divino in Nordheim. Der Bauernladen Dorsch (Düllstadt bei Schwarzach) hat Kochkäse im Angebot. Und zwar Vielerlei: mit Walnüssen, Chili, Kümmel, Natur. Die Zutaten Limburger, Vollmilch, Schmelzkäse und eben die jeweilige Zutat.

“Das Originalrezept stammt von meiner Oma und bestand aus Harzer. Den haben wir durch Limburger ersetzt und so eine mildere Variante bekommen”, sagt Frau Dorsch. Kochkäse ist perfekt, um gekochte Kartoffeln, Pasta oder Lasagne aufzupeppen, ihn als Dip zur Brotzeit zu geben oder Soßen zu verfeinern. Einen Onlineshop hat der Bauernladen Dorsch nicht, aber zumindest eine Telefonnummer: 09325-1697

Kochkäse, Franken, Foto Foodhunter

Zwiebelplootz und Zwiebelbrot – Udo kann’s am besten!

Udo Hertlein ist Bäcker, kein Aufback-Bäcker, sondern ein richtiger. Roggenmehl und Wasser muss erst einmal 48 Stunden ruhen, bevor die Weiterverarbeitung beginnt. Die geht so weiter wie sie begonnen hat: mit Leidenschaft, denn das ganze Jahr offeriert die Bäckerei Holzofenbrot, das dann auf den Wochenmärkten verkauft wird.

“Wir sind jeden Freitag auf dem Kitzinger Wochenmarkt und samstags auf dem Grünen Markt in Volkach”, erzählt uns Udo Hertlein als wir ihn ebenfalls auf dem Genießermarkt bei Divino treffen. Sein Zwiebelplootz (Plootz bezeichnet das kleine quadratisch Stück) schmeckt so genial, dass wir (immerhin aufgewachsen im Raum Platz/ Elsass, da gehört Zweibelkuchen zur Grundnahrung) wolllüstig die Augen verdrehen. Udo lacht. “Mein Zwiebelkuchen wird mit Brotteig gemacht”, verrät er. Genial, lieber Udo! Die Familie Hertlein finden Sie in Haidt, Hauptstraße 4. www.udos-spargelspitzen.de 

Zwiebelplootz, Franken kulinarisch, Fotos Foodhunter

Kartoffel des Jahres: Bamberger Hörnle

Das “Bamberger Hörnla ” oder auch ” Bamberger Hörnle ” ist eine festkochende Kartoffelsorte, die eine lange Tradition hat. Feinschmecker schätzen die leicht gekrümmte Kartoffel wegen ihres intensiven, leicht nussigen Aromas und ihrer bissfesten Konsistenz. Aufgrund ihrer geringen Erträge werden die Hörnchen jedoch nur in begrenzten Mengen angeboten.

Es gibt Zweierlei der Gehörnten: Hörnchen mit gelblicher und rötlicher Schale. Beide sind vorwiegend fest kochend und eignen sich sehr gut als Beilagen- und Salatkartoffel zu besonderen kulinarischen Anlässen. Wir entdecken die Hörnle auf dem Markt und flugs waren sie unser. 5 Kilo, 10 Euro. Am Abend gab’s gekochte Bamberger Hörnle und Kochkäse. Dazu ein grüner Salat – und ein guter fränkischer Wein! Was will Genießer mehr?

Bamberger Hörnle

GUT ZU WISSEN

  • 2005 wurde das Bamberger Hörnchen als Passagier in die Slow-Food Arche des guten Geschmacks aufgenommen.
  • 2006 gründete sich eine Förderkreisinitiative, die von Fachleuten der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung unterstützt wurde. So übernahm die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung eines Anbauversuches und schuf die Grundlagen für eine Erhaltungszüchtung im fränkischen Ursprungsgebiet.
  • Es folgte die Anmeldung einer geschützten Herkunftsbezeichnung für das “Bamberger Hörnchen”.
  • Nach Gründung des Fördervereins “Bamberger Hörnla in Franken e.V.” wurde die feine Knolle durch die UNO sogar zur “Kartoffel des Jahres 2008″ gekürt. Dieses spektakuläre Ereignis brachte dem Hörnchen bundesweite Aufmerksamkeit und steigerte seine Bekanntheit auch in seiner Heimatregion, dem Bamberger Land.

“Alles Olivenöl”. Tsuyoshi Kogure ist Japans erster Olivenöl-Sommelier

Er gehört zu den berühmtesten Köchen Japans, obwohl er weder ein Restaurant noch Guide Michelin Sterne besitzt. Dafür ist er der Inbegriff für die neue japanische Gesundheitsküche: Tsuyoshi Kogure. “Der ist bei uns so bekannt wie Herr Schuhbeck in Deutschland”, sagt uns Kenji Oya, ein befreundeter Geschäftsmann, der ihn uns vorstellt. Die Mission von Kogure ‘san’: kochen mit frischen Zutaten und reichlich gutem Olivenöl. 

Autor und Fotos Dirk Vangerow

Auch in Japan gibt es einen kleine Produktion von Olivenöl, das aber keinesfalls an die europäischen Qualitäten heranreicht, weshalb sich Tsuyoshi Kogure regelmäßig auf Reisen neu inspirieren lässt. Bei unserer begegnung mit ihm in München konnte Foodhunter exzellente Empfehlungen beisteuern – Olivenöle von Belic aus Kroatien, Noan Bio-Öle aus Griechenland und Veronelli Olivenöle vom Gardasee. Tsuyoshi Kogure geriet ins Schwärmen. So lud er zu einem Kochnachmittag für japanische Freunde und Foodhunter war exklusiv dabei.

Kogure, Foto Foodhunter

Unsere Vorfreude auf Thunfisch, Sushi und Zitronengras war schnell dahin, denn nichts Exotisches war zu finden. “Ich war hier auf dem Markt und habe gekauft, was Saison hat”, lächelt der große Meister, der in der Tat über 1,90 m misst. Brokkoli, Rosenkohl, Tomaten, Wirsing, Äpfel, Koriander, Zwiebeln, Radieschen. Dazu marinierte Hühnerbrust, Garnelen guter Qualität und Tofu-Scheiben. Das Menü: Gambas-Carpaccio mit Saisongemüse, Tofu-Caprese, Hühnerbrust auf Wirsing und Olivenöl-Bratapfel. “Machen wir daraus japanische Küche.”

jap.Küche, Fotos Foodhunter, Sabine Ruhland

Erster Schritt: Sorgfalt bei der Zubereitung. “Ich mariniere gerne”, sagt Tsuyoshi Kogure. “Je nachdem in welcher Marinade, werden Produkte saftig oder auch intensiver vom Geschmack, bekommt das Gemüse mehr Aroma oder ein Apfel einen ganz neuen Kick.” Ob reines Olivenöl oder Konbu-Dashi – bis zum Kochen haben die Produkte längst einige Stunden Pflege hinter sich. Und in der Tat – in über allem reichlich Olivenöl. Geschmeckt es anders, die gewohnten Produkte neu interpretiert, Soul-Food pur. Klar, dass wir dem etwas entgegensteuern wollten.

So überraschte Foodhunter die Japaner  mit einem Zwischengang. Risotto, Jakobsmuscheln und frisches Pesto. Da war dann alles reichlich drin, Butter, Parmesan, Sahne, Wein – geschmeckt hat es allen trotzdem.

Kogure, Foto Foodhunter, Sabine Ruhland

 

 

 

“Champagner im Dunkeln”. Blindverkostung im wahrsten Sinne des Wortes.

“Was gibt es?” lautet immer die erste Frage, wenn Foodhunter zum Dinner einlädt. Doch dieses Mal verraten wir es nicht, unsere essfreudigen Gäste sollen beweisen, was ihr Gaumen wirklich hergibt. Auf die Idee gebracht hat uns “Champagner im Dunkeln” in der Villa Medici in Baden-Baden.

Autor Dirk Vangerow, Fotos Foodhunter

Der Einstieg ist immer etwas anders, das Ergebnis dasselbe: völlige Finsternis. Vor zwei Jahren haben wir erstmals an einem “Dinner im Dunkel” teilgenommen und es war weniger die hohe Esskunst als vielmehr der Zustand der leichten Panik und der Orientierungslosigkeit, die nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind. Während wir damals beim Essen vom Service händchenhaltend in einen uns unbekannten Raum an einen Platz geführt wurden, hatte wir  in Baden-Baden bei “Champagner im Dunkeln” zumindest den Vorteil, den Raum und die Gäste vorher zu sehen. “Achtung, wir löschen jetzt langsam die Lichter”. Der Glaube, vorbereitet zu sein, half nicht. Wieder ein Schock, wenn die Finsternis dich ins All wirft und jede Orientierung verhindert. “Ich glaube, ich werde panisch”, sagt meine Nachbarin. Ich beruhige, das beruhigt mich auch selbst.

Vorsichtig tasten die Finger den Tisch ab. Wo stand doch gleich das Brotkörbchen? Wo das Wasserglas? Drei Gläser Champagner werden aufgetragen. Die kleinen grünen Punkte, die wie Glühwürmchen durch den Raum blitzen, sind die Nachtsicht-Geräte des Service-Teams. Wir wissen weder Marke noch Farbe. Weiß, Rosé? Die Nase muss helfen und schon beginnen hitzige Diskussionen. Taittinger? Veuve? Moet? Welcher ist der Beste? Linkes Glas, rechts oder das in der Mitte? Lässt sich die Marke definieren? In der Tat, Runde 1 mit allen Klassikern ist  jedem bekannt und die rund 40 Teilnehmer können mit ihren Kenntnissen punkten. Das Servieren der Runde 2 erfolgt mit Ansage: “Alles Rosé-Champagner”. Unverkennbar strömen die fruchtigen Buketts in die Nase. Aber die Differenzierung ist deutlich schwieriger. Dennoch schlagen sich alle gut. Der Kür: Spitzenchampagner wie Armand de Brignac Brut, Krug, Ruinard Comtes des Champagne. Da wurde es wirklich haarig.

Jetzt sind also sie dran, unsere Gäste. Brillen, die ansonsten im Solarium verwendet werden, haben wir besorgt, haben unsere Gäste an den Esstisch geleitet. Der Aperitif? Ein Champagner. Aber welcher? Kleines Fingerfood? Ja, aber welche Füllung? Der Wein zum Essen? Ja, aber welcher? Dazwischen ließen wir unsere Gäste ihre Brillen abnehmen – es isst sich mit Messer und Gabel doch wesentlich entspannter, aber der Digestif, der war dann wieder eine Herausforderung. Schlehe, Wildkirsch oder Brombeere? Ein ganz und gar sinnliches Vergnügen, mal nicht alles zu sehen, sich auch einmal nur auf den Gaumen und die Nase zu verlassen.

Villa medici, Fotos Foodhunter

Alles es wieder hell wurde, waren nicht nur die Flaschen zu sehen, sondern auch das ganze Ausmaß der Verkostung – leere Gläser soweit das Auge reicht.

 

Bregenzwälder Käseherbst und zwei käsefeine Rezepte

Alpabtrieb in Schwarzenberg, Alpkäse-Prämierung im Angelika Kaufmannsaal und Kuchenspezialitäten in der Holzschachtel des Cafes Angelikahöhe. Viel war er unterwegs unser Foodhunter Rudolf Danner und hat schönen Geschichten aus dem Bregenzerwald mitgebracht.

Autor Rudolf Danner, Fotos Foodhunter

Schwarzenberg im Bregenzer Wald Der Dorfplatz mit Brunnen und historische Gasthäuser bilden die Kulisse für eine spektakuläre Inszenierung. Die Freilichtbühne ist der Scheideplatz. Hier scheiden sich aber weder die Geister noch werden Ehen geschieden, Hauptdarsteller sind Säuger aus Fleisch und Blut, etwa 2000 Rinder, Kälber, Schafe und Ziegen, die nach Monaten in der Sommerfrische auf den Hochalpen von der Herde abgeschieden ihren Besitzern wieder zugeteilt werden.

11 Alpen und über 2000 Viecher – eine gigantische Show

Die 1900 Schwarzenberger Wäldler rüsten sich Mitte September für den „Tag des Jahres” – Pflichttermin seit 400 Jahren für alle Einheimischen und  Wunschprogramm für die vielen Touristen. Die Juppetracht hat Ausgang, die Gasthäuser harren dem Ansturm, Zufahrtsstraßen werden gesperrt, das Bähnle begleitet auf Sonderfahrt mit Holzklassewaggons, gezogen von einer  80  Jahre alten schwarzen Dampflok, die Herden zum Scheideplatz. Mitten im Dorf warten  Zuschauer auf das Eintreffen der ersten Alpe.

Dampflok, Bregenzerwald, Foto Foodhunter

11 Alpen mit  über 2000 Kühen, Kälbern, Schafen und Ziegen kündigen über den Tag verteilt ihre Ankunft bereits von weitem mit Glockenkonzert und Muhgebrüll an. Bis zu 10 Stunden, zum Teil auf gefährlichen steilen Pfaden und in Reihe von den Hochalpen talabwärts getrieben, sind sie schon unterwegs. Festlich aufgebüschelt, die Köpfe  mit bunten Bändern und geflochtenen Kränzen aus Tannengrün geschmückt, die Schwänze toupiert, riesige Festglocken baumeln am breiten Lederband.

„Im Frühjahr freuen wir uns, wenn‘s hinaufgeht und im Spätsommer, wenn‘s heruntergeht“

Nicht weniger herausgeputzt die Älpler: In Lederhosen, den Hut mit Rosmarinzweigen, Rosen, Nelken und Federn verziert, dirigieren sie mit langen Holzstecken ihre Herden. Einige Familien mit Kind und Kegel haben fast ein halbes entbehrungsreiches Jahr auf der Alpe verbracht  „Im Frühjahr freuen wir uns, wenn‘s hinaufgeht und im Spätsommer wenn‘s heruntergeht“, sagen sie. Ein Spektakel für die Zuseher, ein harter Job für Älpler und Bauern, wenn gegen Abend nach 9 Std.Gehzeit z.B. die  größte Alpe Schadona mit 555 Jungvieh und über 1000 Schafen auf dem Dorfplatz eintrifft. Jetzt gilt es Hunderte von Kühen und störrische Kälber an die jeweiligen Besitzer  zu verteilen. Den Tieren ist der Dorfbrunnen eine willkommene Tränke und die Älpler haben sich anschließend ihr traditionelles Essen nach altem Brauch in den Gasthäusern redlich verdient.

Man spürt die enorme lebensgrundlegende Bedeutung der Milch- und Fleischlieferanten, zollt dem Vieh Respekt und Anerkennung. Der Alpabtrieb beschließt den Zyklus der Dreistufenlandwirschaft (Heimbetrieb-Vorsäß-Hochalpe), immaterielles –UNESCO Welt Kulturerbe und Voraussetzung für die Milch-und Käseproduktion. Um das Vieh ganzjährig mit silofreiem Futter zu versorg reicht die hofeigene Fläche meist nicht aus. So ziehen die Familien oder Teile davon im Spätfrühling vom Hof zunächst auf die Vorsäß, eine niedriger gelegene Alm, um dann Anfang Juli auf die Hochalpe zu wechseln.

Älper, Foto Foo,dhunter

Ein paar beeindruckende Zahlen …

40.000 Stück Vieh wird in Vorarlberg von 1000 Älplern in den Bergen gehalten, 530 bewirtschaftete Almen gibt es. Auf 130 Sennalpen werden 9000 Milchkühe gealpt und 500 t Käse produziert. Allein die Sennerei Schwarzenberg verarbeitet täglich 15.000 bis 45.000 kg Milch von bis zu 500 Lieferanten zu Käse und Butter. So entstehen jährlich aus etwa 10 Millionen Liter Milch 450 t Bergkäse, 550 t Schnittkäse  und 100 t Butter.

Bregenzwälder Käseherbst, ALPABTRIEB in Bregenz Almabtrieb, Foto Foodhunter

Die größte Heukäseprämierung

Gleich nebenan im Angelika Kaufmannsaal, wo zweimal im Jahr die berühmte Schubertiade (das weltgrößte Schubertmusikfestival) stattfindet, wartet der kleine Ort zum 9. Mal mit einem weiteren Superlativ auf: die größte Heukäseprämierung.

160 Sorten aus silofreiem Rohmilchkäse haben die Sennereien eingereicht, eine30köpfige Fachjury  prüft, begutachtet, probiert und prämiert die verschiedenen Alp- Berg- und Schnittkäse. Die Besucher können sage und schreibe alle Sorten der Senner  vor Ort probieren, kaufen und ihr Votum auch zu den bereits prämierten Sortensiegern abgeben. Konsistenz (von cremig geschmeidig bis schmelzend und zerfließend), Mundgefühl (von glatt, mollig bis samtig-seidig) und Teilchengröße (von kristallin, krümelig bis mürb und sandig) sind entscheidende Kriterien. Natürlich werden auch Kategorien wie Duft, Aromen und Geschmack (fruchtig pflanzlich wie Jungholz, Blumenwiese Marzipan Honig Zitrusfrüchte oder milchig-rahmig wie Buttermilch, Sauerrahm-Joghurt, oder malzig-röstig wie helles Karamell, Leder, Kaffee und geröstete Brotsorten) auf dem Verkostungsformular bepunktet.

Almkäse, Foto Foodhunter

So lässt sich etwa der hochprämierte Vorarlberger Alpkäse wie folgt beschreiben: „Im Duft dominieren geröstetes Weißbrot und Malz. Buttermilch sorgt für eine milchige wie feinsäuerliche Komponente. Charmant abgerundet wird dies durch Honig, Muskat und Heu. Ähnlich erweist sich der Gaumeneindruck mit feinem Malz und hellem Karamell, was je nach Reifegrad  in dunkleres Karamell übergeht. Hinzu kommen Walnuss, und gekochte Erdäpfel, reife Zitrusfrüchte sowie rahmige Anklänge. Die Textur ist schön kompakt und mürb und zeigt sich am Gaumen wunderbar geschmeidig. Im Ausklang  verbleibt ein keckes Spiel von Süße und Salz.“

Käsehunger bekommen? Hier ein feines Knabber-Knusper-Rezept: KÄSEKNUSPERSTANGEN

Zutaten:

  • 1 Eiweiß
  • 30 gMehl
  • 50 g Frischkäse
  • Salz, Pfeffer
  • Öl zum Ausbacken

Zubereitung:

  • Frischkäse glatt rühren, Mehl und 2 EL Wasser einrühren
  • Würzen
  • Eiweiß steifschlagen und in den Teig einrühren
  • 10 Minuten quellen lassen
  • Masse in Spritzbeutel füllen und dosiert ins heiße Fett spritzen, goldgelb ausbacken, mit der Schaumkelle herausheben und auf Küchenpapier abtropfen lassen

Dekorativ z.B. im hohen Glas zum Aperitif serviert-ein echter Hingucker

Kaspressknödel

Und ein Traditionsrezept: KASPRESSKNÖDEL

Zutaten:

  • 250 g Knödelbrot
  • 2-3 Eier
  • 0,7 l Milch
  • 1 Zwiebel
  • 50g Butter
  • 1 EL Petersilie gehackt
  • Kümmel
  • 125 g Bergkäse
  • 125 g Quargel
  • 2-3 EL Mehl
  • Butterschmalz zum Ausbacken

Zubereitung:

  • Eier, Milch zum Knödelbrot(Weißbrotwürfel), in Butter angeröstete Zwiebel, Petersilie,Kümmel dazu
  • Käse und Quargel in Stückchen dazu mischen, Masse mit Mehl binden, 10 Min ziehen lassen
  • Knödel formen, flach drücken und herausbacken
  • Kann als Suppeneinlage, mit Gemüse oder Salat serviert werden

 

Foodhunter-Genießer-Tipp Cafe Angelikahöhe

In mehrfachem Sinne ausgezeichnet ist auch das nur wenige Meter entfernte Cafe Angelikahöhe. Erstaunen beim Betreten des alten Wäldlerhauses: Innenarchitektonisch gelungen, modern puristisch und funktional eingerichtet erinnert das Cafe an eine völlig mit hellem Weißtannenholz verkleidete riesige Zündholzschachtel. Keine Überraschung, dass man das  Bregenzwälder Holzschmuckkästchen  von Gabi Innfeld in einem  internationalen Bildband über die besten Cafes der Welt von London über Las Vegas bis eben Schwarzenberg wiederfindet. Mit ihrer Schwester Wilma Zündl fertigt sie täglich hausgemachte Kuchen und Torten-herausragend und alle Sünden wert die Walnuss-Karamelltorte—und den wenigen Kuchenverächtern wird ein Klassiker wie einst vor 50 Jahren zur Eröffnung angeboten Toast Hawaii-Purer Genuss, Nostalgie und moderner Style im Cafe Angelikahöhe. www.angelikahoehe.at

Cafe angelikahöhe

 

 

Was wäre die Wiesn ohne den Lederhosenwahnsinn?

Kein Wiesnbesuch ohne Tracht bzw. Lederhose. Wer statt 08/15 Vollmontur vom Komplett-Anbieter stilecht zum Maßkrug greifen will, der gibt sich dem wahren Wahnsinn hin. Dem Lederhosenwahnsinn. Wir sagen Ihnen, wo echte Münchner, Promis, Filmcrews und Hollywoodstars zur Lederhose greifen. Original, gebraucht, mit Geschichte und unverwechselbarer Optik. Und vom Chef gibt es Nachhilfe in bayerischer Kultur kostenlos dazu. 

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

 

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120 Jahre hat sie hinter sich, die schwarze Kutscherhose. Getrocknete Leimstreifen am Knie, im Schritt ein Stück graugestreifte Anzugstoff, der fehlende Lederflicken, der eigentlich darüber gehört, findet sich in der Hosentasche. Das Futter ein Sammelsurium aus Leinen verschiedenster Art. „Da hat jemand alles getan, um nur ja seine Hose einigermaßen zu erhalten. – Oder er hatte kein Geld für eine neue.“

Ein alte Lederhose ist ein Schatz – manche Telefonnummer steckt noch im Latz

Begeistert untersucht Herbert Lipah seine Errungenschaft, denn er ist Sammler originaler Lederhosen. „Ich leg die Hosen stets auf den Boden vor mich und denke mich rein: wer hat sie getragen, wie war der Mensch, was hat er erlebt?“

Die Kutscherhose wird bleiben wie sie ist. Für die meisten nur ein altes Stück, das zum Wegwerfen taugt, für Herbert Lipah ein Schatz. Vor allem, wenn er entdeckt, dass alte Hosen mit Lederteilen anderer, noch viel älterer Hosen repariert wurden. Finden tut sich auch oft etwas in den Lederhosen, die meist Jahrzehnte in Kellern oder auf Speichern verbracht haben, bevor er ihrer sichtbar und habhaft wird. „Mal ein alter 20-DM-Schein. Ein Gebiss war auch schon drin. Oder auch vorne im Latz verborgene Taschen, in denen Telefonnummern steckten.“ Vielleicht von einstigen Wiesn-Bekanntschaften? Herbert grinst. „Manche Nummer habe ich angerufen, von der Hose und ihrer Herkunft erzählt und bei einer Dame auch ein entzücktes wie verlegenes ‚Oje, das ist ja über 40 Jahre her’ entlockt.“

Lederhosenwahnsinn, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter (3)

Lederhosen, das ist Kulturgut, greifbare Geschichte. Zum Herbert kommt, wer keine Einheitsware will. 2.500 Originale!

„Ich müsste die Lederhosen-Rettungsmedaille bekommen“, meint Herbert. Was er nicht selber behält, verkauft er. „Lederhosenwahnsinn“ heißt sein Geschäft. 2.500 Exemplare hängen in Reih und Glied, vom Boden bis zur Decke. Schön sortiert, nach Art und Größe. Kurze, knielange, lange, schmale und ganz große Hosen. Eine schneeweiße Postmeisterhose hat er, Dachauer Hosen. Bestickte Riemen und Ledergeschirr.

Die Knöpfe sind aus Horn, Knochen, Steinnuss. Manchmal auch gar keine Knöpfe, sondern rostige Haken und Ösen, verblasste Stickereien, Fettflecken und… „Moment, jetzt nix Falsches sagen”, lacht der Herbert. “Die Geschichten von den “verbieselten” Hosen kann ich nicht mehr hören. Wir reinigen alle Lederhosen. Also selbst wenn da vor 100 Jahren mal was gewesen wäre – heut ist nichts mehr davon übrig.“

Altehrwürdig sind sie, trotz oder besser gesagt wegen ihrer unkonventionellen Optik. Und sie wecken in ihrer Einmaligkeit Kauflust bei den Kunden. „Zu mir kommt, wer keine Einheitsware will und wer weiß, dass eine original Lederhose im Grunde unbezahlbar ist.“ Sogar aus Vancouver reisen sie an, jedes Jahr zur Wiesn, weil sie einem Lederhosen-Verein angehören, den dort ein Münchner gegründet hat.

Lederhosenwahnsinn, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter (3)

Die Promis kaufen ein und die hübschen Mädchen, die sich wieder des Sex-Appeals besinnen, wenn schlanke Beine in kurzen Lederhosen stecken. Leidenschaftliche Lederhosen-Freunde kommen, auch mal ein Schnösel, der bei Herbert schnell den richtigen Benimm bekommt, ja selbst Preußen dürfen rein. „Bei mir ist jeder willkommen, sofern er sich der Tradition dieser Hosen ein wenig bewusst ist.“ Die Filmcrew von „Dahoam is dahoam“ holt regelmäßig die Utensilien für den Dreh, ja und Hollywood, Hollywood war auch schon da.

Wenn Sie dem Lederhosenwahnsinn begegnen möchten – Herbert Lipah finden Sie in der Franz-Marc-Straße 10, München, Mo-Fr 15-20 Uhr und am Sa 10-18 Uhr. www.lederhosenwahnsinn.de

Lederhosenwahnsinn, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter,

 

Lederhosenwahnsinn, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter (6)

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Oktoberberfestbierprobe im Biergarten

Das Oktoberfest wird weltweit gefeiert. Kein Nachbarland, das nicht mit “litlle Oktoberfest” oder Oktoberfest-Bier im großen Wetttrinken mitspielen will. Foodhunter-Autor Rudolf Danner, echter Bayer und Oktoberfest(-Bier-)Kenner wie kaum ein Zweiter, hat sich überwunden. Oktoberfestbier in Kopenhagen. Na dann, Prost!

Autor Rudolf Danner, Fotos Foodhunter

Gemütliche Bierdimpfl, Alkoholkonsumenten und Genießer, Gewohnheitstrinker, „ echte“ Volksmusikfreunde, die zum allseits bekannten Lied  den Refrain mitsingen und „ die Hände zum Himmel“ recken, skandinavische Vieltrinker, Oktoberfestfans aus der ganzen Welt, Freunde des bayerischen Bieres, alle auf bayrische Bierseligkeit aus und alle „a g‘scheide  Maß“ auf dem Tisch. Natürlich  haben sie einen Liter bestellt, das gehört sich so im Biergarten, dann lässt man/frau eben das Noagerl (Übersetzt: Rest im Glas) stehen, auch wenn so mancher Asiate genbedingt und andere Gelegenheitstrinker mit Trainingsrückstand mengenmäßig konditionell überfordert scheinen. Doch wer bestellt schon eine Halbe für 59 Kronen, wenn die Maß 79 Kronen kostet und man über 5 Euro einsparen kann.

Oktoberfestbier von heuer? “Keine Ahnung”, antwortet der Ober

Ob das Oktoberfestbier von heuer oder vom vorigen Jahr stammt, wußten weder der Schankkellner in Lederhose noch die blonde Bedienung im Dirndl. Wohl eine blöde Frage, wird hier doch das ganze Jahr Oktoberfest gefeiert. Sie ahnen es schon! Wir sind zwar im Paulaner Biergarten, nein, nicht  in München, sondern im „Tivoli“ in Kopenhagen, sitzen neben dem weiß-blau geringelten Maibaumverschnitt  – nackt ohne die sonst üblichen bunten Tafeln – an grünen Holztischen mit Jägerzaun von den Touristenströmen  abgegrenzt und sollen uns zwischen Gulasch und Bratwürsten mit Sauerkraut entscheiden, während am Nebentisch eine dänische Familie sich über eine riesige Platte mit frittierten Schweinsohren hermacht.

Kopenhagen, Biergarten, Foto Foodhunter

Unsere zwei formschönen Brezen für 38 Kronen scheinen in der Konditorei geschlungen, aber wenigstens mit Salz gepudert, Brezen-Salz scheint hier niemand zu kennen. Das untergärige Oktoberfestbier schaut über den Eichstrich und lässt dem Schaum wenig Platz, das obergärige Weizenbier dagegen trägt eine stolze Krone, fast eine Majestätsbeleidigung  im Land der ältesten Monarchie in Europa. Da nimmt man die obligatorische Handrückenwischbewegung zur Entfernung des entstandenen Oberlippenbartes (wenn man schon am Anfang zu tief ins Glas schaut und trinktechnisch nicht so geschult ist) gerne in Kauf.

Kopenhagen, Biergarten, Foto Foodhunter (1)

Klebte nach 2 Stunden Bierbank und Maß die Bank an der Hose und ging beim Aufstehen mit in die Höhe wurde das Bier aufgrund des ausreichenden Malzgehaltes für gut befunden.

Stammwürze scheint ausreichend vorhanden, denn die Tische  sind nahezu flächendeckend  bier-imprägniert und weisen den berühmten Malzzucker-Klebeeffekt auf. Heute nicht mehr unbedingt ein Qualitätsmerkmal, aber im 16. Jahrhundert die übliche Methode, den Brauer vor drastischen Strafen zu bewahren. So fanden sich seinerzeit z.B. in Bernau Bürgermeister, Marktmeister und Vogt im Hause des jeweiligen Brauers ein, setzten sich in gelben Lederhosen auf eine mit Bier präparierte Holzbank und sprangen nach Ablauf der Sanduhr 2 Stunden später gleichzeitig auf. Klebte die Bank an der Hose und ging mit in die Höhe wurde das Bier aufgrund des ausreichenden Malzgehaltes für gut befunden.

Die Bierbank- und Hockersitzer sorgten fürs Reinheitsgebot!

Schwäbisch sparsamer wurde die Bierprobe in Augsburg nur von einem einzigen Hockersitzer abgehalten. Belächeln sollten wir diese historischen merkwürdigen Untersuchungsmethoden jedoch nicht, denn schließlich führten sie zum entscheidenden Tag in der Biergeschichte: Landadel und Ritterschaft haben am 23.April 1516 das Reinheitsgebot für alle bayerischen Brauer erlassen: „ …Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen…“ Hopfen und Malz – Gott erhalt’s!

 Kopenhagen, Kronen, Foto Foodhunter

 

 

 

Die erste Biersommelière Bayerns

Die hübsche Westfälin Birgit Bartes-Peter passt nicht nur wunderbar ins Dirndl, sie hat sich auch fest in Bayern etabliert und entlockt als charmante Biersommelière selbst dem bajuwarischen Bier mit zementiertem Reinheitsgebot neue, beschwingte Seiten. Warum nicht mal innovative Konzepte rund ums deutsche Lieblingsgebräu?

Autor  Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

Ihr Opa hatte ein festes Ritual: jeden Morgen ging er nach dem Frühstück in den Keller. Kein gewöhnlicher Keller, sondern ein naturgekühlter Bierkeller aus dem Jahr 1815 mit dicken Steinmauern. Dort war es selbst im heißesten Sommer nie über 4-5 °C warm. Birgits Opa war Bierbrauer. Vom alten Schlag. Da war Bierpflege eine gerne getane tägliche Arbeit. Fässer anstechen, Bierleitungen reinigen. Zu tun gab es immer. „In Westfalen ist das Bier wesentlich hopfenbetonter als in Bayern und da mir mein Opa als Kind immer den Schaum zum Kosten gab, dachte ich, Bier wäre überall auf der Welt eine recht bittere Angelegenheit.“

Die erste Biersommelière Bayerns

Das erste bayerische Weißbier war daher eine angenehme Überraschung und weckte in Birgit die Versuchung, Bier doch grundsätzlich – vor allem für die Frauen – a bisserl süßer und g’schmackiger zu machen. Da war die Ausbildung zur Biersommelière naheliegend. „Ich bin allerdings mit völlig falschen Voraussetzungen angetreten“, lacht sie. „Von wegen locker und fröhlich, wir wurden richtig gefordert. Chemie, Physik. Da war alles dabei.“ – Und ihr Ehrgeiz geweckt. Heute weiß sie alles übers Bier und wünscht sich mehr Kreativität und Toleranz fürs Thema.

Biersommeliere, Foto Foodhunter

„Ich liebe zum Beispiel belgische Biere. Eine unglaubliche Vielfalt. Trappistenbiere beispielsweise haben eine Karamellnote, sind körperreich, ähnlich wie Sherry. Passen hervorragend zu Käse.“ So entwickelte sie Menüs mit korrespondierenden Bieren. Dunkles Bier zum Schweinebraten, ein Lambic zum Fisch, weil es extrem frisch, fast „obstig“ ist. „Wissen Sie, das bayerische Reinheitsgebot ist eine gute Sache, aber Bier lässt sich nicht nur aus Gerste machen, sondern auch aus anderen Getreidesorten, mit anderen Zutaten verfeinern oder auch mal zu neuen Drinks umfunktionieren.“

Preiselbeer-Dunkel, Apfel-Weiße und Prosecco mit Bier. Traut euch!

Gesagt getan. Schon war der „Weißbier-Holler“ erfunden. Weißbier ins Glas, einen Schuss Hollersirup dazu, mit restlichem Weißbier aufgießen.  Oder die „Apfel-Weiße“, eine Alternative zum Russen. Verhältnis 0,2 l Apfelsaft auf 0,3 l Weißbier. Nicht so süß, nicht so kohlensäurehaltig. Ein perfekter Durstlöscher. An Cranberrys hat sie sich die Zähne ausgebissen. „Eine Katastrophe mit Weißbier, auch mit Pils ging es nicht.“ Aber dann, mit dunklem Bier. „Preiselbeer-Dunkel“ nennt sie es. Aus je einem Teil rosa Traubensaft, Prosecco und hellem Bier. Genannt das „Klosterwunder“, weil’s in einer Klosterschänke erstmals auf den Tisch kam. Begeisterung bei den Testern. „Endlich nie mehr Sekt Orange bei Festivitäten!“ Ähnliches versucht sie mit Aperol. Den Bitter mit Wasser oder Prosecco aufgießen und ein Helles obendrauf. „Experimentieren erlaubt“, lacht sie.

„Wenn eine Gastronomie schließt, ist das auch eine Imageverlust für die Brauerei, die dahinterstand”  

Außer mit zahlreichen Bier-Kreationen, hilft Birgit Bartes-Peter auch ganz gezielt und marketingorientiert. „Jede Brauerei hat ein breites Spektrum. Da heißt es Besonderheiten herausfiltern und für die Gäste interessanter umsetzen. Mal ein bayerisches Kultbier wie das Tegernseer in der Flasche auf die Tische stellen. Das mögen junge Leute. Oder einen raffinierten Bier-Cocktail kreieren, denn in ein Wirtshaus gehört ein Bier und kein Mojito. Auch Kochen mit Bier ist ein Aspekt und damit meine ich nicht, Bier in die heiße Soße kippen. Übrigens verflüchtigt sich das Bieraroma bei Hitze ohnehin und es bleibt nur das Bittere. Man kann ein Gersten-Risotto zaubern und mit Bier verfeinert oder ein Malz-Dessert anbieten. Themen, die Bier moderner und interessanter erscheinen lassen. Es setzt sich nur kaum jemand damit auseinander. Das Bier kommt aus dem Zapfhahn, fertig.“ Dabei ist es gerade das mangelnde Image des Bieres, das vielen Brauereien sauer aufstößt. Während Wein zelebriert und charakterisiert wird, Sommeliers beraten, welcher Wein sich zu welchen Speisen empfiehlt, is a Bier eben a Bier.

Dieter Meier in München wegen “Foodhunting”

Michael Graeter kennt Dieter Meier aus den Zürich-Zeiten, weshalb er nur zu gerne der Foodhunter-Einladung zum Frühstück mit dem “Enfant terrible” folgte und die Zeit für ein Interview nutzte, das gestern  in der AZ erschienen ist. Leider vergaß Michael Graeter den Grund des Besuches zu erwähnen: Foodhunting, denn Foodhunter hatte Dieter Meier nach München eingeladen, um sich mit Produkten rund um dessen Rinderzucht auseinanderzusetzen. Steaks satt, Senf total, Weißwürste stylisch – wir sagen Ihnen, was abging.

Autor Dirk Vangerow, Fotos Foodhunter

Wer Dieter Meier nicht kennt, hier ein Stichwort: Gruppe “Yello”, die eigentlichen Erfinder des Raps. Unnachahmlich, sein “ohhh yeah” vom Titel “The Race”.  Foodhunter hatte Dieter Meier bereits in Zürich getroffen. www.foodhunter.de/2013/07/15/ojo-de-agua-foodhunter-traf-dieter-meier-in-zurich

Dieter Meier, Foto Foodhunter 037

Nach einem langen Tag,der von Münchner Kindl Senf, Steak im Goldenen Kalb und den Besuch eines Grillfestes von Dirty Harry, der besten BBQ Sauce der Welt reichte, klang der Abend umso “spanischer” aus, im Miura bei Patrick Bertermann. (v.re) Dieter Meier (Ojo de Agua), Patrick Bertermann, Marko Huth, Dirk Vangerow Foodhunter

Dieter Meier,  Foto Foodhunter

Am Nachmittag eine Stippvisite bei Sepp Krätz, Auch ein Rinderzüchter. Fachsimplen mit kleinen Unterschieden: 80 Tiere hat der eine, 18.000 der andere.  Naja, Argentinien hat ja auch mehr Fläche als Bayern…

Dieter Meier und Michael Graeter, Foto Foodhunter

Kurz vor dem Abflug: gemütliches Frühstück auf der Dachterrasse des Bayerischen Hofes. Michael Graeter und Dieter Meier im Gespräch. Das Ergebnis heute in der AZ

Dieter Meier,  Foto Foodhunter

Es muss nicht immer Steak sein – Dieter Meier genoss auch die Münchner Weißwürste, natürlich mit dem Hausmacher Senf von der Münchner Kindl Senferei