Il Roncal – der schöne Frauenwein aus dem Friaul

Schnippschnapp. Dumpf fallen die Trauben. Nicht in den Eimer, sondern auf den Boden. Martina Moreale ist der Ohnmacht nahe. Doch der ehemalige Professor ihres Mannes zeigt sich unbeirrbar. Von 10 Trauben an der Rebe müssen fünf im frühen Stadium fallen. „Wie sonst soll Qualität in die Trauben, wenn der Stock so viele von ihnen ernähren muss?“ 

Autor Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

Zustimmend hat sie genickt, hat – wie von ihm geraten – Rasen säen lassen, damit der Boden das Regenwasser auffangen und speichern kann. Hat sich intensiv mit Weinbergpflege auseinandergesetzt, um weitgehend auf den Einsatz von Spritzmitteln zu verzichten. Sechs Jahre ist das her.

Heute präsentiert sich das Weingut, das sie von ihrem Mann, einem bekannten Önologen, geerbt hat, wie aus dem Bilderbuch. Mit unerschütterlichem Willen hat sie seinen Wunsch der Qualitätsmaximierung weiter verfolgt. „Das Etikett, Il Roncal, das ist er“, sagt Martina Moreale, die sich mit diesem Anspruch sogar gegen die Familiendynastie behaupten musste. „Das Qualitätsbewusstsein im Friaul steckt noch in den Kinderschuhen. Es wird bei vielen Großwinzern mehr im Labor und im Keller produziert als im Weinberg.“

Sie gehört zu den neuen Winzern, zu denen, die vieles anders machen. 11.000 Kilo pro Hektar sind erlaubt. Il Roncal erntet in Handarbeit gerade mal 7.000 bis 9.000 Kilo Trauben, je nachdem ob Hanglage oder nicht. Sie zuckt locker mit den Schultern. Qualität vor Quantität.

Il Roncal, Foto Foodhunter

„Einen Moment“, unterbricht sie. Ein Lkw holpert die mit Zypressen gesäumte Auffahrtsallee hinauf. Sie eilt davon, um die Papiere vorzubereiten. Während sie läuft, klingelt ihr Handy. Das klingelt eigentlich dauernd.  Ach ja, und die Herrengruppe aus Österreich wartet auf die gebuchte Weinverkostung mit der Chefin. „Bin gleich da.“  … Der ganz normale Tagesablauf. Wie sie das schafft? „Ich sitze nie“, lächelt sie. Außerdem ist sie froh über die vielen Urlauber, denn noch vor 10 Jahren lockte das Friaul kaum Gäste an. Das hat sich geändert, der Tourismus kommt ins Rollen. Auch Martina Moreale hat die Villa mit Grandezza-Charme ausgebaut und Gästezimmer eingerichtet. Jedes mit Terrasse und Blick auf das Anwesen und die Weinberge.

Schiopettino, Pignolo, Refosco. Die Trauben des Friaul zeigen neue Eleganz

Am Abend treffen wir Martina Moreale in der Vinothek des Weinguts. Die Gruppe aus Österreich hat bereits einige Kostproben intus. Feucht-fröhlich und ausgelassen, die Weinhändler. Die Chefin bleibt entspannt, dekantiert den nächsten Rotwein, einen Pignolo D.O.C., und erläutert seine Finesse. „Die Trauben werden gepresst und mit den Schalen einer temperaturkontrollierten Gärung von 20 Tagen unterzogen. Durch eine sanfte Pressung wird der Most von den Schalen getrennt und klart auf natürliche Weise. Der Wein wird für 14 Monate im Barrique gelagert, anschließend fünf Monate im Stahltank und schließlich sechs Monate in der Flasche.“ Ihr Deutsch ist perfekt. ­– Wie der Wein.

Il Roncal, Foto Foodhunter

Der Pignolo besitzt ein intensives Rubinrot, einen eleganten Körper und weiche Tannine. Angenehm fruchtig mit einem einladenden Bouquet. Ihr gutes Händchen für Wein zeigt sich auch beim sehr kräftigen Schioppettino, einer autochthonen Rebsorte. Die Trauben werden von Hand selektiert, kommen nach der Gärung sieben Monate ins Barrique und danach drei Monate in den Stahltank. Der Schioppettino D.O.C. 2009 ist facettenreich, mit Aromen von Brombeere, Himbeere, Blaubeere, ein elegantes Bouquet von Waldfrüchten, das sich mit zunehmendem Alter weiter entwickelt. – Ein perfekter Begleiter zu Wildgerichten. Als gefälliger Rotwein erweist sich auch der Refosco dal Peduncolo Rosso D.O.C. von 2009. Ein Wein, der sofort anspricht, denn die alte Rebsorte ist typisch für das Friaul und geizt nicht mit ausgeprägten Charaktereigenschaften. Leichte Tannine, lang anhaltender Abgang und ein Duft, der an Waldfrüchte erinnert. Mit dem Civon D.O.C. von 2007, einer Cuvée aus 20 % Carbernet Franc und je 40 % Refosco und Schioppettino, kredenzt sie uns einen Frauenwein im schönsten Sinne, nicht kantig, sondern weich und rund mit gutem Körper. Er bleibt am längsten im Barrique, 18 Monate. Danach reift er weitere acht Monate im Stahltank und sechs Monate in der Flasche.

100.000 Flaschen produzierte Il Roncal zu Lebzeiten ihres Mannes, danach nur die Hälfte bis Martina Moreale ihre Professionalität ausgebaut hatte. Heute sind es wieder 75.000 Flaschen. Tendenz steigend. „Wir sind ein kleines Weingut“, sagt sie bescheiden. Genau diesen kleinen, feinen Weingütern ein Forum zu bieten und sie mit interessierten Kunden zusammenzubringen, ist die Leidenschaft „Der Weingötter“. Die beiden Geschäftsführer Andreas Friese und Christian Friederich sind in Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich unterwegs, um Unternehmen mit qualitativ überdurchschnittlichen Weinen und gutem Preis-Leistungsverhältnis zu finden und direkte Kontakte zu Weinliebhabern herzustellen. „Die Weine unserer Lieferanten sind überwiegend in kleinen Mengen hergestellte, jahrgangs- und wetterabhängige Naturprodukte, die mit viel Idealismus und ständigem Streben nach Perfektion erzeugt werden“, sagt er. Il Roncal gehört dazu. 30 Prozent der Produktion werden inzwischen exportiert. Belgien, Schweiz, Deutschland, Österreich sind begeisterte Abnehmer.

Il Roncal, Foto Foodhunter

Martina Moreale sieht sich immer noch am Anfang ihrer Erfolgsgeschichte. „Ich lerne täglich etwas dazu, habe immer wieder neue Pläne“, sagt die schöne Winzerin, die ihre Weingärten mit Olivenbäumen begrenzt, weil sie daraus ihr eigenes Olivenöl gewinnt oder erstmals einen Teil der roten Trauben vor der Pressung trocknen lässt, um dem Wein mehr Kräftigkeit zu schenken. „Wie gesagt – ich sitze nie.“

 Azienda Agricola Il Roncal, Loc. Montebello, Via Fornalis 148, 33043 Cividale. Vinothek, Eventlocation, Hotel. www.ilroncal.it

DIE WEINGÖTTER, Vulkanhöhe I, Nr.1, 54552 Dreis-Brück.
Tel. 02224/9714810. www.dieweingoetter.com

Il Roncal, Foto Foodhunter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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