Muss das Hotel zum Gast passen oder der Gast zum Hotel?

Eine Woche war geplant und gebucht, doch die Foodhunterin checkte vorzeitig aus, nach kaum 24 Stunden. Das Hotel zeigte sich äußerst kulant, berechnete nicht die gebuchte Woche, sondern nur die Nacht. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken, denn das ist keinesfalls selbstverständlich. Doch die entscheidende Frage bleibt: warum ist so viel schief gelaufen? Fazit: Ein Kommunikationsproblem. Hier die Geschichte – und die künftige Check-Liste. 

 Autor und Fotos Sabine Ruhland

Dass die Unterkunft nicht meine und der zugewiesene Sitzplatz zum Abendessen und damit sämtlicher folgender Mahlzeiten unglücklich und leider auch noch via Namensschild festgelegt war, dass ich mich mit Hund angekündigt habe, aber vor Ort erleben musste, dass Hunde im Hotelbereich inklusive Lobby und anderer Aufenthaltsräume nicht erwünscht sind (obgleich für sie 15 Euro pro Tag und 30 Euro Endreinigung zu bezahlen sind), ich aber gezwungenermaßen dort sein musste, weil die hundetauglichen Hütten weder über TV, Musik noch WLAN oder Ähnliches verfügten, dass man mir aufgrund der Hotelreglementierungen  keinerlei Kompromisse anbieten konnte …  – eine Endlosliste der unerfüllten Träume. Dabei fing alles in solcher Vorfreude an.

Tannerhof, Foto Foodhunter (1)

Perfekte Idylle für alle, die genau das suchen. Die Hütte am Berg, ohne Luxus, ohne TV oder WLAN. Dafür mit recht zutraulichen Kühen vor der Veranda

Der Tannerhof in Bayrischzell. Mein Versteck für 8 Tage, nach monatelangen 16-Stunden-Workaholic-Days. Zahlreich und wärmstens empfohlen von geschätzten Freunden und von mir herbeigesehnt wie eine warme Decke. Ich wollte wandern, heiße Tees vorm Kamin mit dem kleinen Verlagshund Snoopy zu meinen Füßen, der nun ja von Sylt bis St. Moritz jedes 5-Sterne-Haus kennt, wollte meine Ruhe und aufgeschobene Konzepte erledigen, die Webseiten füllen mit neuen Ideen, recherchieren für neue Objekte und ein bisschen Luxus, schließlich war ich bereit, viel Geld für eine Nacht zu investieren.

Der Tannerhof ist ein prächtiges aber nicht prahlendes Anwesen mit Hütten moderner und alter Art, einem traumhaften Haupthaus inklusive Schwimmbad – alte Substanz und neue Architektur trefflich vereint, die Küche schlichtweg sensationell, die Landschaft unberührt, weder Lidl noch Tankstelle verschandeln den Ort. Lamas, Galloways, Angus, Schafe blöken und muhen rund ums Hotel … ein Paradies. Vor allem für die Foodhunterin. Meine „Hunde“-Hütte ein begehrtes Gut, nur erreichbar, wenn man steil bergauf geht, rund 100 Meter oberhalb des eigentlichen Hotels.

Vorbei am neugierigen Kalb Linda und seiner Mutter (endlich mal Kühe mit Hörnern – die Foodhunterin im Glück). Eine Veranda und eine schmucke Hütte. Doch statt der erhofften Luxuseinrichtung spartanische Genügsamkeit, ein Badezimmer, das man als solches gar nicht bezeichnen kann. Angesichts 150 Euro pro Nacht (plus der erwähnten 15 Euro für Hund) eine Enttäuschung. Einen Ofen oder offenen Kamin hatten wir erhofft, ein kuscheliges Sofa, ein modernes Bad, weiche Riesenhandtücher und duftende Kosmetik.

Es sei deutlich gesagt: die Foodhunterin liebt Hütten, mag es auch spartanisch, aber dann kostet die Nacht eben auch nur 35 Euro und man weiß, worauf man sich einlässt. Hier hoffte ich Optimierung, doch ein bestellter Fernseher ging nicht, netterweise organisierte DVDs, damit überhaupt etwas Entertainment möglich war, funktionieren in einem Laptop aktuellen Standards nicht (was das Hotel ja nicht ahnen konnte), und selbst alle Register von iPhone-Hotspots bis Air-Port-Express nutzen in diesem Idyll nichts. Keinerlei Empfang. Angesichts so vieler Abstriche, kam einfach kein Wohlgefühl auf – auch wenn das Hotel und sein wunderbares Service-Team alles daransetzten, dieses zu ändern. Zwischen Erwartung und Realität lagen Welten – das wäre nicht passiert, wenn Kommunikation und Auskunft gestimmt hätten.

Fazit: der Tannerhof ist eine traumhafte Adresse, ein ungewöhnliches Konzept in einmaliger Lage und erfüllt alle Wünsche – sofern sie sich mit den Wünschen der Gäste decken. Wir werden sicher einmal wiederkommen. Dann ohne Hund, dafür mit Yoga-Freundin oder frisch verliebt und ohne jede Lust auf Internet-Aktivitäten.

Tannerhof, Foto Foodhunter

Die gebuchte Hütte so weit abseits vom Hotel, dass Einsamkeit garantiert ist. Allerdings auch Enthaltsamkeit und davon (für mich) zuviel

Tannerhof, Foto Foodhunter,

100 Meter steil bergauf. Lage: unbezhalbar

Tannerhof, Foto Foodhunter

Bescheidenes Hüttenleben, Snoopy ganz artig und ein “Frühstücksraum” im Hotel (die eigentliche Räume sind gemütliche Stüberl), der mir mit dem Platz ganz hinten keine Freude gebracht hat

Tannerhof, Foto Foodhunter

Die Lobby. Am Abend brennt der Kamin, das Licht ist gedämpft. Französische Chansons. Nur der kleine Hund heulte einsam in der Hütte. Da fand zumindest ich nicht die gesuchte Entspannung. Dass Hunde nicht in die Lobby dürfen, hätte ich vorher wissen müssen

Foodhunters Hotel-Check-Liste

Bilder können lügen, Empfehlungen gut gemeint, aber unpassend sein, Erwartungen können geweckt, aber vielleicht nicht gehalten werden. Künftig werden wir vorher so viel wie möglich abfragen. 

1) Welches Ziel, welche Aktivitäten. Wer entspannen will, muss nicht gleich um den halben Erdball reisen. Es lohnt sich, mal ein Ziel in der Nähe auszusuchen, ein Winkel des Landes, den man noch nicht kennt. Da ist dann schon die kürzere Anfahrt entspannend.

2) Wissen, was man will. Outdoor oder indoor – Golf und Wandern oder Massage und Yoga? Klar, oft wird beides angeboten, aber Profession setzt auch immer Priorität. Also genau nachfragen, wie, wo, wann etwas angeboten wird und was es extra kostet.

3) Preis-Leistung. Wenn teuer, dann genaue Auflistung, was Hotel und Zimmer bieten: Größe, Ausstattung, Ausblick, Balkon, technische Raffinessen. Sie möchten arbeiten, dann muss die Technik auf dem neuesten Stand sein, sonst werden Sie nicht froh. Sie suchen Luxus? Dann sollte er auch da sein.

4) Aufenthaltsräume. Abgesehen vom Zimmer, muss ein Hotel Freiräume bieten. Fragen Sie, wo man sich trifft im Haus, wie es dort ist.

5) Nicht den Preis an erste Stelle setzen, sondern das gesuchte Wunschgefühl. Erst dann versuchen, Abstriche zu machen.

6) Keiner Empfehlung vertrauen, die von jemandem kommt, der einen anderen Lebensstil pflegt als man es selber tut. – Auch, wenn man ihn schätzt. Lieber selbst recherchieren und dann Erfahrungen gegenchecken auf den öffentlichen Blogs.

7) Single, Familie, Haustiere, Altersgruppe – wer verreist, nimmt sein Leben mit. Durchaus im Hotel nachfragen, wie sich die Klientel zusammensetzt. Viele Singles? Dann fühlt sich eine Familie nicht wohl. Keine Haustiere erwünscht – was soll ich dann mit Hund?

8) Ob alleine, zu zweit oder mit Familie: erstellen Sie einen Wunschzettel und fragen Sie alle Wünsche ab. Das kann vom Streichelzoo bis zur glutenfreien Frühstückssemmel reichen. Apropos Essen: wenn kulinarische Besonderheiten oder Allergien – im vornhinein fragen, ob diese Wünsche erfüllt werden können.

9) Aufenthaltsräume. Abgesehen vom Zimmer, muss ein Hotel Freiräume bieten. Fragen Sie, wo man sich trifft im Haus, wie es dort ist.

10) Ehrlich sein dem Hotel gegenüber. Nicht versuchen, vor Ort Sonderkonditionen rauszuschlagen – immerhin sind Sie auf der Suche nach 100 % Urlaubsgefühl und das Hotel gibt 100 % dessen was es kann und was ausgemacht war.

Fazit: Jeder Gast findet sein Hotel. Umgekehrt ist es weitaus schwieriger festgesetzte Linien oder klare Philosophien zu ändern. Nicht das Haus muss sich nach dem Gast richten – der Gast sollte vorher ein Hotel ganz nach seinen Bedürfnissen wählen. 

Tannerhof, Foto Foodhunter (1)

Kuh Linda beäugte Snoopy neugierig und war immer gern gesehener Gast vor dem Hütten-Türchen