Bavaria meets Mango Beef. Champor – die perfekte Mischung

Sie ist so schön als sei sie geradewegs einem Bollywood-Film entstiegen, doch von Eitelkeit keine Spur. Kiren Alt, die – wäre sie nicht mit einem Bayern verheiratet – den klangvollen Namen Kiren Kumari D/O (daughter of) Amrik Singh tragen würde, versprüht ihren natürlichen Charme wie ein edler Flakon sein feines Parfum. Seit 10 Jahren gibt es das Champor und mehr als beschämt sind wir, es erst jetzt entdeckt zu haben. Es ist schließlich das erste malaiische Restaurant Deutschlands.

Autor Sabine Ruhland

Es ist ein kalter Tag, stürmt und regnet. Draußen auf dem Parkplatz ein 80er Jahre Areal nebst Supermarkt und Hochhaus. Randgebiet Ost-Bogenhausen. Hier ein malaiisches Restaurant? Mutig – und eine Überraschung. Denn kaum  eingetreten ist alles was draußen grau wirkte, wie weggeblasen. Farbenfroh die Wände, bunt die Kissen, Kerzenschein, warme Lampen, Korbstühle, Bilder der Familie. Dazu eine sympathische Chefin, die locker 10 Jahre jünger aussieht als sie ist. “Gute Gene”, lacht Kiren. Nicht minder charmant, ihr Mitarbeiter Garoon. “Garrroon” ruft sie ihn, mit dem typischen weichen und am Gaumen ausrollenden “rrr”. Garoon ist kein unbeschriebenes Blatt für uns Münchner, lange Jahre  im Trader Vic’s im Bayerischen Hof, das war eine gute Schule und wir wohl damals schon süchtig nach seinen Drinks. “Papa Mai Tai” oder “Baby Mai Tai”? fragt er lächelnd. Wir verlangen den ‘Papa’ und bekommen einen Cocktail, wie er besser kaum sein kann.

Champor, foodhunter.de

Die Rezepte der Mütter

Champor, das bedeutet übersetzt “gemischt”. Ist es, denn die malaiische Küche profitiert vom gesamten asiatischen Raum, besitzt Einflüsse aller Nachbarn, Inder, Chinesen, Eurasier, Thailänder. Während Kiren aus Nord-Malaysia stammt (Penang), kommt Köchin Mrs. Kasaraporn aus dem Süden Thailands. Beste Voraussetzungen für “Champor”, eine perfekte “Mischung” und damit authentische malaiische Küche. Beide Frauen hüten die überlieferten Rezepte ihrer Mütter und Großmütter – im Champor zum Leben erweckt. Alles ist hausgemacht, typisch malaiisches “Street Food”, wie Kiren gerne sagt. Spezielle Currymischungen aus Malaysia, selbst gemachte Pasten, die im Mörser gerieben werden, das warme Roti, ein hauchdünnes Fladenbrot, mit dem sich herrlich in die Reste der Saucen dippen lässt.

Wir bestellen einen Vorspeisenteller, der uns süchtig macht: warme Dim Sum, gefüllt mit Soft Shell Crabs, daneben Riesengarnelen eingewickelt in ein Salatblatt und hauchdünnes Reispapier – exzellent, kühl und erfrischend. Die dritte exotische Gaumenfreude: Pandan-Chicken, Huhn, gekocht im Pandan-Blatt, das ihm ein besonderes Aroma schenkt. Eine Offenbarung. Die vierte Komponente: Ein warmes Wan-Tan-Köbchen, gefüllt mit sehr klein geschnittener Schweinelende, leicht scharf angemacht. Zu allen Vorspeisen gibt es spezielle Saucen und allein dieses kulinarischen Arrangements wegen würden wir jeden Weg auf uns nehmen.

Champor, Foto Foodhunter2

Die Vorspeise der Götter – wer im Champor einkehrt, sollte auf diesen Genuss nicht verzichten

Zur Hauptspeise Mango Beef. Verwendet wird Bio-Mango, reif und faserfrei. Genialer Genuss aus dünnen Fleischstücken, gut gebraten und kombiniert mit der hauchzart-säuerlich-süßen Mangokomponente. Dazu Fischcurry und Riesengarnelen nach malaiisch-indischer Art. Schließlich soll der Tisch bersten. Tut er noch nicht. Dann ist noch Platz für Tofu mit Gemüse, kredenzt im warmen Tontopf. Wir sind schließlich zu dritt, beruhigen wir uns. Das Gemüse hat Biss und einen sensationellen Geschmack. “Da sind wir altmodisch”, sagt Kiren, “wir kaufen das Gemüse frisch und schneiden es von Hand. Vorgefertigte oder vorgegarte Produkte mögen wir nicht.” Was die Schärfe betrifft, die darf der Gast vorher selbst bestimmen, wobei man sich bewusst sein sollte, in einem malaiischen Restaurant zu sein, da ist Würze schlichtweg Teil der Kultur.- Ebenso wie die Freude am Genuss. Take-away gibt es im Champor nicht, die Gäste sollen den Geschmack mit gleicher Muße zelebrieren wie die Köche die aufwendige Zubereitung. Zum Abschluss können wir den in Kokosraspeln gewälzten süßen Kugeln, innen leicht fruchtig, nicht widerstehen. Vorsicht: ziemlich gehaltvoll. Getrunken wird in aller Regel Tee zum Essen, wir wählen einen Jasmin-Tee, doch Kiren hat deutsche Weine und Biere auf der Karte, da ist für jeden Gaumen etwas dabei.

Champor, Foto Foodhunter

Warme Atmosphäre – Malaysia mitten in München

Champor, Foto Foodhunter,

Die Familie spielt die Hauptrolle. Viele Bilder erinnern an die Generationen

Inzwischen ist das Lokal gut gefüllt, gemischtes und internationales Publikum, denn das Champor  hat sich trotz seiner innerstädtischen Randlage selbst unter München-Touristen herumgesprochen. Wie auch bei Feinschmeckern  des Münchner Umlandes. Ingolstadt, Augsburg, Rosenheim – die Gäste kommen von überall. “Ich habe noch ein Restaurant in Haag”, sagt Kiren. Du liebe Zeit, das ist ja eigentlich tiefste bayerische Provinz, wenngleich wir dort Christians’s Restaurant lieben und gerne die Familie Raupach und ihren Bio-Hof besuchen. Das dürfte schwer sein für die malaiische Kost. Kiren lächelt. “Inzwischen haben wir uns einen guten Ruf erarbeitet, außerdem wohne ich da und wollte ein Stück Heimat.” – Wie schön, Kiren hat ihre Heimat nach Bayern gebracht  und uns damit einen Abend lang Urlaubsgefühle beschert.

Champor, Foto Foodhunter,

Neben “Papa Mai Tai” kosteten wir auch diesen Cocktail, Penang, nach der Heimatstadt von Kiren. Etwas süß, mit raffiniertem Kokosgeschmack.

Champor, Foto Foodhunter2

Das Dessert: kleine Kokosbällchen mit zart-süßer Fruchtigkeit im Inneren.

Champor
Warthestraße 5, 81927 München, Tel.: 089 / 993 177 64
Mo – Do 11.30-14.30 Uhr, ab 18 Uhr
Fr / Sa ab 18 Uhr
www.champor.de
Shil Diya
Mo – Fr 11-14.30 Uhr, Do-Sa ab 18 Uhr. 
Hauptstrasse 15, 83527 Haag
www.shil-diya.de 

 

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