Erlebnisse in der Metzgerei. Teil II

Die Erfahrungen in der Metzgerei unseres Autors Rudolf Danner hat die Leser animiert, uns ähnliche Episoden aus dem ganz normalen Alltagswahnsinn zu berichten. Hier eine wahre Geschichte von Ramon. Geschehen unlängst in einer von einem bekannten „Feinschmecker-Magazin“ prämierten Metzgerei  im Münchner Osten. 

Ich betrete die Metzgerei, stelle mich brav in die Schlange, erst an das falsche Ende, nach entsprechendem Hinweis der Mitwartenden dann an das richtige.

Schließlich bin ich dran.

Auf die Frage der Metzgereifachverkäuferin „Was darfs sein?“ antworte ich

„500 Gramm Kalbstatar, aus der Schulter bitte.“

Hochgezogene Augenbraue, „wie bitte?“

„500 Gramm Kalbstatar, aus der Schulter bitte.“

„Tatar. Vom Kalb?“

Die Mitwartenden werden neugierig.

Ich suche unauffällig nach einer versteckten Kamera.

Vorsichtig: „Ja, warum nicht?“

„Hast du das schon mal gehört, Tatar vom Kalb?“, Frage der Metzgereifachverkäuferin an den Metzgereifachverkäufer, zuständig für Wurstwaren.

Überzeugend in die Runde lächelnd: „Ich bin jetzt seit 20 Jahren hier, ein Tatar ist vom Rind!“

Betretenes Schweigen der Mitwartenden, woher soll er es denn auch wissen, der Hausmann.

Die Kamera bleibt leider noch immer unentdeckt. Der Hinweis, dass auch ein Kalb ein Rind ist, ein junges eben, bleibt unausgesprochen.

„500 Gramm Kalbsschulter, bitte, ich schneide mir das Tatar selbst, wird ohnehin besser!“

Keine Reaktion. Schmunzeln. Die ganze Metzgerei schmunzelt. Immer noch keine Reaktion.

„Nein im Ernst, bitte einfach das Fleisch, den Rest mach ich dann selbst“.

Trotzig: „Wie Sie meinen!“

„Die Leberkässemmel zum Mitnehmen“  wird wieder souverän und routiniert hergerichtet. Gelernt ist gelernt.

Da gibt’s heute daheim einiges zu erzählen, denkt sich die Metzgereifachverkäuferin, der Metzgereifachverkäufer und auch alle Mitwartenden.

Und auch der Hausmann.

 

Den ersten Teil verpasst? Finden Sie in unserer Rubrik “Gutes Genießen”, “Kolumne”