Haeberlin. 3-Sterne im Elsass. Daran wird auch nicht gerüttelt

Essen im 3-Sterne-Restaurant. Noch dazu einer französischen Institution. Mehr geht nicht. Die Fahrt führt über Strasbourg Richtung Colmar. Dann Illhäusern. Unter dem Ortsschild steht „Collonges au Mont-d’Or, 493 km“, Heimat der Auberge du Pont de Collonges von Paul Bocuse. Spätestens jetzt ist jedem Ankömmling klar – gleich wird er die Wurzeln der großen Weltküche erleben dürfen, schließlich tragen nur die Heaberlins und Bocuse seit über vier Jahrzehnten ununterbrochen die Krone der drei Sterne.

Autor Dirk Vangerow, Fotos Sabine Ruhland 

 

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Haeberlin seit 1967, Bocuse zwei Jahre länger, aber das spielt in dieser Kategorie kaum eine Rolle. Der Anblick der Auberge ist faszinierend für alle, die erstmals die Brücke überqueren. Ein spitzgiebeliges Anwesens, dessen Garten sich bis zur Ill zieht. Im Sommer muss dieser Platz magisch sein. Im Inneren auch im Winter, denn die Räumlichkeiten des Restaurants erhielten eine Rundumerneuerung, kaum vier Jahre ist das her. Ein französischer Innenarchitekt, der schon bei Alain Ducasse waltete, ließ modernen Glamour einziehen, Ledersessel kreieren, die Wände mit Stoff beziehen, einen Paravent aus weißem Muranoglas installieren. Strahlender Kontrast zum gewagten, ochsenblutroten Entree. Charmant ist er, der weltberühmte Sternekoch, unprätentiös. Zeigt uns die Bildergalerie und das Foto eines schmalen, jungen Mannes. „Den müssten Sie kennen. War allerdings Ende der 60er Jahre.“ Eckart Witzigmann. „Mein Onkel Jean-Pierre lernte ihn im Schlepplift beim Skifahren kennen und Eckart wollte unbedingt zu uns nach Illhäusern. Mein Vater lehnte ab. Einen Ausländer wolle er nicht in seiner Küche haben. Mit Hartnäckigkeit hat es Eckart dann aber doch geschafft.“

Haeberlin, Foto Foodhunter

Haeberlin Foto Foodhunter 

Wir begleiten Marc Haeberlin in die Küche. Leider kein Chefs Table für VIP-Gäste. Einzig ein älterer Herr, der adrett gekleidet und naschend an uns vorüberzieht, darf sich heimisch fühlen. „Das ist ein Stammgast seit vielen Jahren. Er kommt jeden Sonntag, isst mit uns Köchen in der Küche.“ Die bronzene Büste seines Vaters wacht über die alle Köpfe und Töpfe. Marc selbst hat sie platziert. „Sie gehört einfach hierher und nicht ins Foyer.“

Ein günstiges Menü für junge Menschen. Das ist Nachhaltigkeit auf französisch!

Draußen erscheinen die ersten Gäste. Überraschend viele junge Leute. Franzosen – und deutsches Grenzgebiet. Formule Jeunes“ hat sie angelockt, das Menü für jene, die ihren 35. Geburtstag noch nicht überschritten haben. Vier Gänge mit begleitenden Weinen, Wasser und Kaffee, 94 Euro. Buchbar von Anfang November bis Ende Mai. „Manchmal sitzt allerdings auch einer dazwischen, der in etwa so aussieht wie ich“, schmunzelt Marc Haeberlin. Wir wollen es nicht herausfordern, das Jugend-Menü bleibt uns verwehrt.

Jean-Pierre, der Bruder des im Mai 2008 verstorbenen Paul Heaberlin und weit über 80 Jahre alt, überreicht uns statt dessen mit nonchalanter Eleganz am Tisch ein großformatiges Kunstwerk, die Speisekarte, gestaltet von ihm persönlich mit einem Aquarell der Auberge auf dem Titel. Spätestens jetzt erkennen wir auch unsere Altersgruppe. Die Buchstaben in 26 Punkt machen eine Brille nicht erforderlich. Französischkenntnisse allerdings schon. Jedoch übersetzt der Service. Man schreibt nicht deutsch, aber spricht es.

Auberge de Ill, Foto Foodhunter

Paul Haeberlin ist allgegenwärtig, seine Klassiker, die dem Haus Weltruf bescherten, sind Mittelpunkt der Karte. „La Mousseline de Grenouilles“, ein Schaum von Froschschenkeln, Hummer „Prince Vladimir“, gebacken mit Champagnersauce oder „Saumon soufflé“, Lachs, bedeckt mit einem Soufflé von Hechtfleisch. „Ich will die Tradition bewahren“, sagt Marc Haeberling. Traditionell auch die anderen Gerichte. Geflügel-Consommé mit Krebsen „en Lady Curzon“ taucht auf, „Le ris de Veau roti“, kreiert 1968, typisch Elsässisches wie Sauerkraut oder Baeckaoffa. Dazu muss gesagt sein, dass Haeberlin schon immer bodenständiger war als seine Kollegen und scheinbar hat sich daran nichts geändert. „Ich habe Vertrauen in Produkte, deren Hersteller ich kenne. Die regionale Landwirtschaft ziehe ich deshalb allen internationalen Bio-Qualitäten vor.“

Wir wählen eingelegte Sardinen, garniert mit Kaviar und Muscheln, serviert in der berühmten Sardinenbüchse aus Porzellan. Es folgen Jakobsmuscheln auf einer Bouillon von geröstetem Tee, garniert mit Scheiben schwarzer Trüffel. Die Bouillon höchst gehaltvoll, die feine Jacobsmuschel kann sich nicht durchsetzen. Die hausgemachte Gänsestopfleber ist tadellos. Es folgt das Lamm, butterzart, für Sensible einen Hauch zu kräftig im Geschmack. Ein sahniges Pistazieneis mit Peche Haeberlin bildet den Abschluss. Hier haben die drei Sterne feste Wurzeln, das sollte der Gast wissen und sich auf gediegene Klassik einstellen. Dazu gehört allerdings auch eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht, denn die Familie ist präsent und verzaubert mit Charme, Geschichten und größter Liebenswürdigkeit. Auch das Hotel de Berges ist eine Oase, nur vier Suiten, acht Zimmer, jedes anders, fast alle mit Blick zum Garten und zur Ill.

www.auberge-de-l-ill.com

Haeberlin Foto Foodhunter

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The Duke. Ein bayerischer Gin und viele “Drogen”

„Ohne Drogen könnten wir einen solchen Gin nicht brauen“. Was Maximilian Schauerte und Daniel Schönecker mit einem frechen Lächeln betonen, hat einen seriösen Hintergrund. Drogen sind in diesem Fall der Fachjargon für Ingredienzien.

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

13 an der Zahl sind es, die aus „The Duke“ einen ganz besonderen Gin machen. Vollmundig, mit interessantem Wacholderaroma von unbehandelten Wacholderbeeren, umgeben von einer Gewürz- und Kräuternote, die Kennern durchaus Gelegenheit gibt, die einzelnen Zutaten zu erahnen, darunter Kubebenpfeffer, Ingwer, Zimt, Koriander, Lavendelblüten, Zitronenschale, Angelikawurzel, Hopfenblüten und Malz. Jede Zutat aus biologischem Anbau.

„Vor allem Hopfen und Malz waren uns wichtig, denn wir wollten einen bayerischen Gin kreieren, schön weich durch das Malz“, sagt Max Schauerte. Ihr feines Gebräu sollte zudem pur schmecken und in einem in Gin Tonic erkennbar sein, denn schließlich werden 80 Prozent des Gins über Cocktails konsumiert, weshalb „The Duke“ auch einen Alkoholgehalt von 45 Prozent besitzt.

Eine Marktanalyse ging der Idee nicht voraus, dafür viel Leidenschaft und ein fertiges Design. Das brachte den Hersteller für Destillat-Apparate dazu, den beiden Einsteigern Reiner Hoppe zu empfehlen, einen alten Hasen in Sachen Brennkunst. Ein Glücksfall für alle. Gemeinsam verkosteten sie über 30 Gin-Sorten, um die eigene Geschmacksrichtung festzulegen.„Wenn Erfahrung und Ideenreichtum zusammenkommen und sich die Jugend etwas von den Älteren sagen lässt und dennoch gesunde Distanz erhalten bleibt, kann das sehr fruchtbar sein“, sagt Reiner Hoppe. In der Tat, „The Duke Gin Munich Dry“ hat das Potenzial, vielen Konkurrenten den Rang abzulaufen. Die Herstellung erfolgt klassisch, indem die Kräuter und Gewürze in einem Alkoholbad angesetzt werden. Nach 24 Stunden wird das Mazerat in den Kupferkessel gegeben und bei geringen Temperaturen destilliert. Die anschließende zweifache Filtration sorgt für ein klares und reines Aussehen des Destillats.„Bislang liegen unsere Stückzahlen noch in einem Bereich, in dem wir alles selbst machen: abfüllen, etikettieren und verpacken. – Im Grunde eine Qualitätskontrolle wie sie besser kaum sein kann“, sagt Daniel Schönecker.

Ingwer-Likör – das neue ‘Sucht’-Getränk aus der Schwabinger Destillerie

„Bitte bloß keinen Ingwer mehr, lass dir doch etwas anderes einfallen!” Das war die Resonanz auf die neue Idee. Inzwischen steht das neue Getränk aus der Schwabinger Destillerie wie auch der Gin in zahlreichen Barschränken. „Der Ingwer-Likör öffnet den Magen, ist ein idealer Appetitmacher und schmeckt pur so gut wie eine Cocktailvariante.“

Rezept für einen Ingwer-Drink

  • 1/3 Ingwer-Likör
  • 1/3 Mangosaft
  • 1/3 Weißwein

Mischen. Kann kalt oder warm getrunken werden. Schmeckt außergewöhnlich!

FOODHUNTER-TIPP
Es muss nicht immer Gin Tonic sein. Wer es raffinierter mag findet ein tolles Rezept unter www.foodhunter.de/2013/02/06/auf-gin-basis-duc-carronique/

www.theduke-gin.de

Duke, Foto Foodhunter

 

Madeira.Versteckte Genüsse

Die Insel mit ihrem milden Klima bietet Gourmets mehr als ihren berühmten Dessertwein, wenngleich die Insel kein Ferienziel ist, das für höchste Kulinarik steht. Die Küche Portugals mit ihren dicken Saucen und Eintöpfen hat auch in Madeira Spuren hinterlassen. Doch es gibt Geheimtipps, weiter weg von den großen Hotels. Wir haben Madeira für Sie entdeckt – landschaftlich und gastronomisch. Wichtigster Tipp: Mietwagen nehmen.

Autor Rudolf Böhler

Ein paar Wolkenfetzen, die Maschine sinkt, nimmt eine Kurve. Plötzlich lichten sich die Schleier und der Pilot steuert geradewegs durch eine Felsenschlucht weiter Richtung Boden, um dann auf einer Landebahn aufzusetzen, die im Meer beginnt und endet. Abenteuerlich ist die Ankunft auf Madeira. Kaum raus aus dem Flieger, empfängt uns das typische Klima, feucht und warm, das Geheimnis des ewigen Frühlings auf der Insel, die keinen Winter, aber auch keinen überhitzten Sommer kennt. Dafür bis zu drei Ernten jährlich, exotische Früchte, noch nie gesehene Fische und last but not least den berühmten Madeira-Wein.

Gigantische Landschaften, Knoblauch-Brot-Suppe und ein Bad im Lava-Pool

Der erste Erkundungsausflug führt uns nach São Vicente, entlang der alten Passstraße, die den Tunnel vermeidet. Lohn für die kurvige Angelegenheit: eine gigantische Landschaft, Entdeckungen der romantischen Levadas, der Wasserkanäle mit Wanderwegen, und das legendäre Wirtshaus am Pass, mehr eine Bar, mit ehrlicher Landeskost. Dazu gehört die Açorda, die typische Knoblauch-Brot-Suppe mit dem pochierten Ei und die Espetadas, die Rindfleischspieße. Auf der anderen Seite geht es 1.000 Höhenmeter hinunter an die Küste. In São Vicente gibt es die einzigen Höhlen auf der Vulkaninsel zu bestaunen.

Wir fahren weiter nach Westen. In Porto Moniz hat die Lava flache Becken geformt, die bei Ebbe ruhig daliegen wie ein Pool und zum Relaxen im Meerwasser einladen. Das ist ansonsten kaum möglich, denn Madeira besteht fast ausschließlich aus Steilküsten. Wer nicht baden will, besucht eines der Fischrestaurants entlang der Uferpromenade und wählt Variationen von Peixe Espada, dem schwarzen Degenfisch, den es ausschließlich um Madeira gibt. Klassisch mit Banane gebraten oder mit Maracuja zubereitet und auf 50 andere Arten. Im Ganzen sieht er ziemlich gefährlich aus, mit riesigem Auge und spitzen Zähnen, aber als Stück vom Filet des schlangenhaften Eineinhalb-Meter-Ungetüms, das bis 2 km tief im Meer lebt und nachts geangelt wird, schmeckt er ausnehmend zart.

Am nächsten Tag fahren wir nach Ponta do Sol, ein Örtchen das seinem Namen alle Ehre macht. Viel Sonnenschein und ein schöner Kiesstrand. Unsere Empfehlung ist das Restaurant „Sol Poente“, nur über einen Fußsteig zu erklimmen, denn es ragt wie ein Mövennest auf einer Felsspitze hervor. Neben der kitschig schönen Aussicht ist das Lokal vor allem berühmt für seinen frischen Fisch und die Lapas, die Napfmuscheln. Als Vorspeise im Pfännchen gegrillt, mit Knoblauch und Zitrone eine ungewöhnliche Delikatesse.

Das Land der Kirschen und Kastanien

Um einen weiteren kulinarischen Schatz der Insel zu finden, müssen wir ins Landesinnere, in den „Nonnenstall“. Von der Schnellstraße nehmen wir die Ausfahrt São Martinho und folgen den Wegweisern nach Curral das Freiras, einem Ort in einem 633 Meter hohen Talkessel, wohin einst Nonnen vor den Piraten an der Küste flohen. Spektakulär ist nicht nur die Lage dieses Dorfes, das umgeben von Hunderten kleiner, steiler Anbau-Terrassen ist, die meisten kaum noch benutzt. Es werden dort vornehmlich Kirschen und Kastanien angebaut. Das beschert Genießern so seltene Dinge wie Kastaniensuppe und Kastanienkuchen, den fruchtigen Kirschlikör Ginja und den gewöhnungsbedürftigen braun-grieseligen Kastanienlikör Licor des Castanhas. Im Gasthof „Nun’s Valley“  gibt es Gelegenheit, diese Spezialitäten zu verkosten.

Wem nach so viel Süßem der Sinn nach Deftigem steht, macht sich auf nach Arco de São Jorge ins „Casa Chà“, ein Restaurant mit Top-Rindfleisch aus eigener Produktion der zugehörigen Quinta do Arco. Spezialität ist „Espetada“ bei dem nach alter Sitte die in Wein marinierten Fleischstücke auf Lorbeerholz gespießt werden und so dessen Geschmack annehmen. Das Ganze kommt mit „Milho frito“, frittierten Polentawürfeln, auf die Teller.

Ebenfalls typisch für die Insel sind die zerbeulten, mit Holz beheizten Blechöfen, die bevorzugt am Wochenende vor Häusern oder an Straßenkreuzungen aufgestellt sind. Direkt auf der Platte liegen dicke Teigfladen, die noch warm verkauft werden: „Bolo do Caco“, eine archaische Form von Brot aus Weizenmehl und Hefe und manchmal auch etwas Kartoffelanteil. Wenn Sie es kosten, dann warm und mit Knoblauchbutter.  Ab und an braten auf den Grills auch „Frangos“, Hähnchen, die zuvor halbiert und plattgedrückt wurden, damit sie gleichmäßiger garen.

Zwischen Pitangas, Chuchu und echtem Madeira

Wer keine Höhenangst hat, der muss zur „Fajã dos Padres“. 187 Stufen nach unten, dann 250 Höhenmeter in einem Aussichtslift hinab, um schließlich weitere 181 Stufen hinabzusteigen. Dort wartet ein Paradies, ein schmaler, fruchtbarer Streifen Land direkt am Meer, dicht bewachsen mit  Mangobäumen, Bananenstauden und Pitanga-Sträuchern. Pitangas sind köstliche knallrote Früchte, so empfindlich, dass sie direkt vom Busch gegessen oder sofort verarbeiten werden müssen: zu Saft, Marmelade oder Eis. Weshalb die Spezialität des Restaurants auf der Fajã auch Käsekuchen mit dem Pitanga-Püree ist. Paradiesisches Extra: vom restauranteigenen Steg ins türkisfarbene Wasser des Atlantiks hüpfen!

Madeira, Foto Böhler (1)

Für jeden Foodhunter ist ein Besuch der Märkte Pflicht und Lust zugleich. Der bunte „Mercado dos Lavradores“ in Funchal ist bestes Fotomotiv, mehr nicht. Einkaufen sollten Hobbyköche sonntags in Estreito de Câmara de Lobos, weil viele Bauern aus der Gegend zu Markt und Messe ins Dorf kommen. Es gibt Gemüse und Obst in Hülle und Fülle, darunter auch Chuchu, eine runzlige und leicht stachelige Frucht, die zu den Kürbisgewächsen gehört, innen einen weichen, essbaren Kern hat und die wir zubereiten wie Kohlrabi.

Ansonsten scheuen wir auf Madeira auch nicht die Supermärkte Pingo Doce und Modelo, sie bieten erstaunlich gute Fischabteilungen. Jeden Tag andere frische Sorten wie Bodião (Papageifisch), Pargo (Sackbrasse), Sargo (Geißbrasse) oder Salema (Goldstrieme). In großen Stapeln häufen sich ganze Stockfisch-Hälften. Diese lokale Spezialität haben wir aber lieber im Restaurant probiert.

Madeira, Foto Böhler (2)

Der berühmte Madeira

Was ist mit dem berühmten Madeira? Natürlich sind alle Souvenir-Stände und Supermärkte voll davon, doch leider nur mit Billigwein aus der Tinta Negra Mole, der heimischen Feld-Wald-und-Wiesen-Traube und nur für drei Minimum-Jahre gelagert.

Der echte Madeira wird hergestellt aus Malvasia oder Malmsey (süß), Bual oder Boal (halbsüß), Verdelho (halbtrocken) oder Sercial (trocken). Selten zu finden, aber unser Favorit: der halbtrockene Terrantez. Gute Qualitäten tragen die Reb-Bezeichnung und fangen ab einem Alter von 10 bis 15 Jahren an. Lagerung ist wichtig beim Madeira, der wie Sherry ein „aufgespriteter“ Wein ist, dem also zusätzlich Weinbrand zugesetzt wurde. Sein besonderes Aroma erhält er durch das Fassholz und durch Erwärmung. Traditionell, indem die Fässer oberirdisch in hölzernen Gebäuden gelagert werden, auf die die Sonne scheint oder künstlich mit Hilfe riesiger „Tauchsieder“. Führungen mit guter Erklärung und Verkostung bei  „Adegas de São Francisco“  in Funchal. Eine exzellente Adresse für traditionell erzeugte Madeiras ist „Artur Barros e Sousa“ in der Rua dos Ferreiro. Dort durften wir in den alten Weinlagern rumstromern, probieren und erstanden am Ende eine verstaubte Flasche, von der nicht einmal der Patron das Alter kannte. Er sagte nur: „Die muss noch vom Großvater sein …“ – Madeira, wie spannend. Nicht nur für Rekonvaleszenten.

London für Insider: Little Venice, Queens Walk & Bray

Ein Kurztrip nach London, das ist klassisches Sightseeing von Tower bis Themse, von Piccadilly bis Big Ben. Doch es gibt Geheimtipps, die wir für Sie entdeckt haben. Oakley Court, das Waterside Inn in Bray, der Zauber von Little Venice und auf den Pfaden von Queens Walk zum Borough Market.

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London Borough Market

Sie lieben zwar nach wie vor ihre Fish & Chips, doch spätestens seit Jamie Oliver hat sich die Lust auf gute Küche bei den Engländern erhöht. Neben den Spitzenrestaurants sind es die Lebensmittelmärkte, auf denen sich die Feinschmecker tummeln, allen voran der Borough Market in London, ältester Umschlagplatz für Lebensmittel. Schon der Weg dorthin ist ‘schön und schauerlich’.

Autor Sabine Ruhland

 

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“Am Samstag wollen Sie dorthin? Dann sollten Sie um neun Uhr spätestens loslaufen.” Der Tipp vom Hoteldirektor bleibt uns unvergesslich, denn er ersparte uns Horden von Menschen, die sich meist ab 11 Uhr aufmachen.

Entspannt überqueren wir die Waterloo Bridge und wandern entlang des Themseufers, beginnend bei London Eye entlang Gabriel’s Wharf, OXO-Tower, Tate Gallery, Millennium Bridge und Shakespeare Globe Theatre. Keine Autos, kein Lärm, dafür uneingeschränkter Blick auf die Skyline von London. Wonderful! Allein dieser ca. 30-minütige Weg ist reinste London-Wonne!  Er führt durch gruselig dunkle Unterführungen und über Kopfsteinplaster – Jack the Ripper, hier muss er gewütet haben…

Am Ende dann der Borough Market. Ein Traum zwischen historischer Bahnhofshalle und kleinen Gassen, Unterführungen und Mini-Restaurants.Wo heute Gourmets ihre Käse aus der Schweiz, handgemachte indische Pestos oder Gewürze aus Syrien kaufen, Appe-Cinnamon-Pie kosten oder bei Utobeer zwischen 600 verschiedenen Bieren aus der ganzen Welt wählen, wird schon seit dem 13. Jahrhundert gehandelt: seit die Getreide- Gemüse- und Viehhändler von der London Bridge ins Borough High Street Quartier umgesiedelt wurden. Im Mittelalter entwickelte sich die Gegend Southwark zum verruchten Rotlichtviertel und 1755 wurde der Markt vom Parlament abgeschafft. Doch die Anwohner brachten die Summe von 6.000 Pfund auf und kauften das Fleckchen, welches als das Dreieck und als der Kirchengarten von St.Margaret’s bekannt war.

So blieb der Markt erhalten, der seit Ende der 90er Jahre einen wahren Boom erlebt. Aus anfänglich einer Handvoll Ständen etablierte sich ein angesagter Treffpunkt für Genießer, um den herum sich Delikatessengeschäfte und Restaurants ansiedelten.

Eines davon ist das Oyster & Porter House „Wright Brothers“. Neben viel Gedränge an der langen Bar bietet es die berühmten Austern von der Insel Lindisfarne vor der Nordost-Küste Englands und Fischspezialitäten, die das Lokal zum fünftbesten Fisch-Restaurants Londons haben werden lassen. Plätze sind Mangelware, weshalb vor allem nach 12 Uhr eine Reservierung von Vorteil ist.

Wer eher fleischlichen Genüssen frönen möchte, ist schräg gegenüber im Black & Blue bestens aufgehoben. Stylisch eingerichtet mit viel Glas und Klinkerwänden erwarten den Gast auf den Punkt gebratene Steaks, Geflügel oder auch Thunfisch. Ansonsten gilt die Devise: schauen, staunen, kosten, denn der Markt bietet von Organic Food bis Süßigkeiten, von deutscher Wurst bis südafrikanischem Straußenfilet alles, was die Welt an kulinarischen Köstlichkeiten zu bieten hat. Eine Lieblingsempfehlung ist Brindisa (genau am Eingang des Bahnhofs unter dem Vordach!). Hier lohnt das Warten in der meist langen Schlange, denn die Chorizo vom Grill ist sensationell!

Borough Market, Borough High Street / Southwark Street.
Do 11-17 Uhr, Fr 12-18 Uhr, Sa  8-17 Uhr.  

Borough Market, Foto Foodhunter

Austern bei den “Wright Brothers” – ein Muss

 

 

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Glück am Wörthersee

Er ist beschaulich, obwohl er über 13 Kilometer lang und der größte See Kärntens ist. Er verzaubert mit einer Farbe von karibischem Türkis und einer Wasserfeinheit, in die wir eintauchen wie in ein Bett aus Seide. Weil er so ideal liegt, ist er einer der wärmsten Alpenseen und das bedeutet: hier können Sie schneller reinspringen als anderswo. Wir sagen Ihnen, welche Freuden Sie noch rund um den Wörthersee finden. 

Autor Sabine Ruhland

 

SEESCHLÖSSL
Geheimtipp mit Garten bis zum Ufern  
Alles wie gewünscht und erhofft: ein Tor, das auf eine kiesbelegte Auffahrt führt, ein sonnengelbes Schlössl, 14 Zimmer, knarrende Dielen und eine Terrasse, die auf ein 7.000 qm großes Grundstück führt. das reicht bis zum Wasser und wer am Abend in den aquamarinblauen See springt, ein Glas Champagner auf der Veranda des Bootshäusl genießt, der ist schlichtweg rundum glücklich!  Seeschlössl, 9220 Velden, Klagenfurter Straße 34, Tel. +43 (0) 4274/2824. www.seeschloessl.at

wörthersee, Foto Foodhunter

 

HOTEL VILLA RIVA
3000 qm Wiese und Park am See
Peter und Sandra Kisler haben ein Schmuckstück direkt am See, eine Villa, die um 1880 erbaut wurde. Heute offeriert die ehemalige Grafenvilla 14 Zimmer mit See- und Gartenblick, 3000 qm Sonnenwiese und Park, eine Lounge am See, Tretboote zur freien Benützung, Liegeplätze für Motor- und Elektroboote und sogar einen Kinderspielplatz. Vier Golfplätze, ausgezeichnete Restaurants und Ausflugsziele in unmittelbarer Umgebung. Wasserski, Segeln, Fischen und andere Freizeitaktivitäten vor Ort buchbar.Hotel Villa Riva,  Hauptstrasse 293, 9210 Pörtschach, Tel.  +43 (0)4272/3210-0. www.villariva.at

Villa Riva

 

 

SCHLOSS VELDEN
Die erste Adresse am See  
Schloss Velden ist ein Aufenthaltsort de luxe, das internationalen Standard an den See bringt. Was uns allerdings positiv aufgefallen ist: trotz aller Exklusivität besitzt es die Unbeschwertheit der österreichischen Gastfreundschaft. Die Restaurants “Seespitz” und im “Schlossstern” unter Küchenchef Stefan Lastin und seinem Team bieten hochwertige Küche und die Gäste . Schloss Velden, Schlosspark 1, 9220 Velden am Wörthersee, Zimmer ab 250 Euro, Tel. +43/(0)4274/520000. www.falkensteiner.com/de/hotel/schloss-hotel-velden

Seespitz, Schloss Velden


SCHLOSS LEONSTAIN
Romantik und gute Küche
Das Schloss ist eines der ältesten Gebäude am See und dass hier Speis und Trank zu Ehren kommen mag schon darin begründet sein, dass hier einst Mönche ihr Bier brauten.Schlossbar und Zimmer sind von holz- und säulengeprägtem Ambiente, das Restaurant bodenständig gut, mit moderner Feinheit garniert. Im Sommer ist der großzügige Innenhof erste Adresse. Das elegante Anwesen und private Genusshotel lockt die Schönen und Prominenten. Schloss Leonstain, Leonstainerstraße 1, 9210 Pörtschach am Wörthersee, Tel +43 4272/2816.  www.leonstain.at 

FOODHUNTER-TIPP: Die Sommerfeste im Innenhof, auch die Fete Blanche findet hier statt. Und drei hauseigene Motorboote, die den Gästen zur Verfügung stehen.

Leonstain

 

SCHLOSS SEEFELS
Spielwiese des Jet-Set
Mittags auf der Terrasse ein einziges Schaulaufen. Boote landen im Minutentakt, goldene Ballerinas hüpfen über den Steg, blonde Mähnen wehen im Wind. Ob man es mag oder nicht, es ist der perfekte Ort für den großen Auftritt der Haute vollée. Dennoch ist der Platz derart wunderbar, das ein Lunch stets zu unseren Freuden gehört, wenn wir am Wörthersee weilen. Das 5-Sterne-Luxus-Hotel ist schlichtweg atemberaubend und hat im Vergleich zu anderen Luxusadressen den Vorteil, direkt am Ufer des Sees zu liegen. Pool, Golf und Gourmet unter der Regie von Richard Hessl – im Schloss Seefels ist alles vom Feinsten. Hotel Schloss Seefels, Töschling 1, 9212 Pörtschach, www.seefels.at

Foodhunter-Tipp: am 6.10.2013 lädt das Hotel zum Gourmet-Event, bei dem Johanna Maier und ihre Söhne gemeinsam mit Richard Hessl die Gäste verwöhnen (185 Euro pro Person).   

Schloss Seefels


SUNSET BAR
Lounge am See
Die Voraussetzungen waren gut: ein Bootshaus mit Sonnendach und darin ein Bistro, das mediterranes Lebensgefühl schenken – gerade so, als sei man in die Blütezeit 60er und 70er Jahre eingetaucht, als sich die Filmstars an den Ufern des Wörthersees tummelten. Das Dolce Vita ist zurückgekehrt, denn aus dem Bootshäusl wurde der „Sunset Club“- Cafe,  Bistro, Bar, Lounge und Beach Club mit wunderbarer Terrasse in sonniger Bucht. Frühstück und Brunch in der Morgensonne, Relaxen im Beach Club, gepflegtes Lunch unter luftigen Sonnensegeln, „Aperitivo“ in der Sunset Lounge und Dinner zum Sonnenuntergang! Mehr geht nicht. Sunset Bar, Metnitzstrand (Klagenfurter Ostbucht des Wörthersees), Universitätstraße 92/2, A-9020 Klagenfurt. Von Mitte April bis Mitte Oktober täglich geöffnet. Tel. +43 (0)463  287200. www.sunsetclub.at

Sunset Bar, Foto Tourismus

 

HÖHENWIRT KREUTSCHACH
Feines Gasthaus am Berg
Ein Wirtshaus am Berg, da vermutet kaum ein Gast Thonet-Stühle, echten Wörthersee-Marmor, Original Säulen aus dem Excelsior Hotel oder Parkettböden aus der Villa Hoyos. Doch so sei es, denn Sammeln ist eine Leidenschaft von Andreas Miklautz, der eigens Scheunen gebaut hat, um seine Schätze (von Kachelofen bis Steinplatten) unterzubringen.
Ein anderer Schatz sind die hauseigenen Obst- und Gemüsegärten, denn die Qualität der Küche wird großgeschrieben. Kiwi- und Zitronenbäume, Weinreben, Gurkenstauden, hier, auf dem Hügel hinter dem Wörthersee wächst dank des milden Klimas fast alles. Was vor 55 Jahren als Buschenschank begonnen hat ist heute eine Haubenadresse geworden, die großen Wert auf Frische legt: Fisch aus dem See, Vieh vom eigenen Hof, Pilze aus dem Wald. Für Däubling, Steinpilz und Eierschwammerl macht sich Andreas persönlich auf den Weg ins Unterholz. Von April bis Oktober geöffnet. Gasthof /Hotel Höhenwirt, 9074 Keutschach/Pyramidenkogel, Tel. + 43(0) 4273/23 28. www.hoehenwirt.at

wörthersee, Foto Foodhunter

 

FAMILIE LAURITSCH
Mosecco aus dem Hofladen
Most sei das Wellnessgetränk der Kärtner, sagt Franz Lauritsch, auf dessen Hof der Mostini und der Mosecco seinen Ursprung haben. Der Verkostungskeller ist vom Duft der Schnäpse geschwängert, doch vom Duft alleine wird der Gaumen nicht froh. Also her mit Birnenwein und dem Obstwermut oder auch dem Holundersaft. Rundherum um den idyllischen Bauernhof liegen die Streuobstwiesen mit ungespritzten Äpfeln. Dazu eine Jause mit selbst gemachtem Brot und selbst gemachter Wurst. Eine gute Basis für die Schnapserei. Draußen wiehert Melissa, die Haflingerstute und die Kätzchen Franz und Paula schnurren auf der Bank. Alles gut. Franz & Gertraud Lauritsch, Bauernhof und Hofladen, Mo-Sa 17-19 Uhr. 9536 St.Egyden 5. www.veldner-bauern.com/Anfahrt Autobahnabfahrt Velden West in Richtung Keutschachersee – im Ort Selpritsch vor der Shell Tankstelle rechts Richtung St.Egyden. Im Ort St.Egyden, rechts abbiegen ( gegenüber Lorenzihof ), nach ca. 500 M haben Sie den Hof erreicht.

wörthersee, Foto Foodhunter

 

MARIA LORETTO
Ja, das Wasser hat diese Farbe, genau diese Farbe
Auf der Halbinsel Maria Loretto am Landspitz von Klagenfurt befindet sich das Restaurant direkt am See. Einheimische kennen das Plätzchen – ein Fremder würde es kaum finden, denn es geht eine winzige Straße ab, die dann zur Halbinsel führt. Noch was sollten Sie wissen: reservieren Sie rechtzeitig einen Tisch auf dem Balkon im 1. Stock (nur 20 Plätze!). Magisch und ein Sundowner der Key West in den Schatten stellt. Frischer Fisch spielt die Hauptrolle, aber mehr noch der Ausblick. Gegen den kommt keine Küche an. Maria Loretto, Lorettoweg 54, A-9020 Klagenfurt, Reservierung +43 (0) 463 24465. Öffnungszeiten (ab März) 10-24 Uhr. Warme Küche bis 22.00 Uhr. Ruhetag: Dienstag  (Juli/August  kein Ruhetag). www.restaurant-maria-loretto.at

 wörthersee, Foto Foodhunter

 

RESTAURANT-LOUNGE 151
Ibiza meets Art deco
Goldene Spiegel unter freiem Himmel, wehende Vorhänge, weißer Stuck, Kristall und altes geschliffenes Glas. Als im Vorbeifahren von der Hauptstraße aus dieses funkelnde Objekt der Begierde erblickten, wähnten wir uns zwischen Ibiza und Thailand. Doch es war und ist der Wörthersee, der es beherbergt. Das 151. Eine Mischung aus Lokal und Gartenfest, aus Kunst und Kitsch und Fantasie. Selbst wenn sich in den Sommertagen alles draußen abspielt, drinnen ist es nicht weniger überzeugend: geschliffene Scheiben, ein offener Kamin, Restaurant und Bar, Lounge. Und, man mag es kaum glauben, das Essen ist gut, wenn auch hochpreisig. 151, Höhenweg 151, A-9073 Klagenfurt. Tel +43 463 28 16 53. Geöffnet Mo – Sa von 11.30-14 und 18 – 1 Uhr. Sonntag Ruhetag. Juli, August kein Ruhetag 

wörthersee, Foto Foodhunter

 

 

Apart Hotel Legendär. Osiacher See

Andreas Pertl ist an diesem Abend unser privater Koch. 3erlei von frischen Schwammerl, Parmesansüppchen, Zander aus dem Osiacher See, Hirschrücken und Nougat-Mousse. Champagner, Weiß-, Rot- und Dessertwein. Alles hat er im Gepäck. Die Zubereitung findet im Apartment statt, in unserem Fall Mata Hari. Eine jener Legenden, der das neue Feriendomizil “Apart Hotel Legendär” am Osiacher See seinen Namen verdankt.

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Isemarkt in Hamburg. Wattwürmer und Zuckerbäcker

Es sind die Wochenmärkte, auf denen die Hanseaten Obst, Gemüse, Fleisch kaufen und einen Klönschnack halten, weshalb Hamburg die Stadt mit den meisten Wochenmärkten in ganz Europa ist. Wir waren auf einem der schönsten Märkte, dem Isemarkt.  Ob Rustikales aus dem Umland, Pralinen aus Eigenproduktion, Delikatessen aus Frankreich, Bürsten für jeden Daseinszweck oder frischen Fisch, es gibt kaum etwas das hier nicht zu finden wäre.

Autor Sabine Ruhland

Es ist Freitag und da zieht es uns zu Hamburgs schönstem und mit einem Kilometer Länge auch dem europaweit längsten Freiluftmarkt: dem Isemarkt. Jeden Dienstag und Freitag tummeln sich unter der Hochbahnbrücke aus der Gründerzeit, flankiert von renovierten Altbauten, rund 200 Händler. Die meisten kommen aus Hamburg und Umgebung, stets gut gelaunt und zu einem Schnack mit ihren Kunden bereit, die zu 80 Prozent Hamburger sind.

Isemarkt, Foto Foodhunter

Feilgeboten werden allerlei kulinarische Köstlichkeiten vom Wattwurm bis zum Hibiskussalz, vom Rochenflügel bis zum original Krabbensalat, von getrockneten Kräutern bis zu heimischem Bio-Gemüse. Dazwischen Einmann-Stände mit Bürsten, Kleidung oder allerlei Sinnvollem für Linkshänder sowie hübsche mobile Cafés für die Pause zwischendurch.

Am Stand vom Hamburger Gewürz-Basar treffen wir auch ihn, adrett in weißer Hose und schwarzem Jackett, Philipp Meiners, genannt der Lavendelmann. Seit über 55 Jahren auf dem Markt, Besitzer wilder Lavendelfelder in der Provence, in fünfter Ehe verheiratet und ein echtes Hamburger Original. Über Lavendel und seine Wirkung weiß er alles und ein Plausch mit ihm macht die Begeisterung für diesen Markt perfekt, der vor allem für die Hanseaten mehr als nur ein Wochenmarkt ist.

Isemarkt, Foto Foodhunter

Er ist ein Stück Hamburg, denn viele der rund 6.000 Besucher kennen ihn seit ihrer Kindheit, sind treue Kunden seit 10, 30 oder gar 60 Jahren, denn so lange, genauer seit 1949,  gibt es den Isemarkt bereits. Damals wie heute mit dabei ist u.a. Fisch Schloh, mit einer 25 Meter langen Verkaufstheke und höchster Fischqualität eine der Attraktionen des Marktes. Wie auch die  Zuckerbäckerei Pingel, an deren Stand die Schlange nie enden will, weil jeder an die selbst gemachten Himbeerbonbons, den frischen Pfefferminz-Bruch, Schokokugeln und hausgemachtes Karamell ran will.  Überall wird genascht und probiert, gelacht und debattiert. Ein Vergnügen, das für wahre Foodhunter weit vor dem Hamburger Fischmarkt rangiert, der nichts anderes als eine Touristenattraktion ist.

Isemarkt, Di und Fr 8-30-14 Uhr, U-Bahn-Station „Hoheluft“ bis „Eppendorfer Baum“

FOODHUNTER-TIPP
An der Hochallee 127, dem „Eingang“ zum Markt, liegt das Savory. Eines der besten Frühstücksangebote der Stadt, angesagt und, kaum steigen die Temperaturen, verlockend mit seiner großen Sonnenterrasse (sofern die mal scheint…. )

Isemarkt, Foto Foodhunter

Elbfischer Buckow. Zwischen Aal und Stint.

Unsere Reise führt ins Alte Land, genauer nach Jork, rund 60 Kilometer von Hamburg entfernt. Reetgedeckte Fachwerkhäuser, Obstbaumplantagen und der Yachthafen Neuenschleuse. Hier treffen wir uns mit Lothar Buckow, einem der letzten Elbfischer.

Autor und Fotos Sabine Ruhland

Ein Tipp vorweg: Große Stint-Party am Sonntag 03. November 2013!!!!

Still dümpelt „Elise“, der liebevoll restaurierte Kutter von Lothar Buckow in Hanöfersand, einer der wenigen noch intakten Buchten der Elbe. Bewachsene Ufer, Sandbänke, kreischende Möven, letzter Zufluchtsort für Fische, die ansonsten im Industriekanal kaum mehr Unterschlupf finden. Was auch erklärt, warum von den einst 1.000 Fischern nur noch vier übrig sind. „Ich hoffe, es reicht noch mit den Fischen bis ich aufhöre“, sagt Lothar Buckow, der gerade die Reusen eingeholt. 10 Stück. Und ebenso viele Aale. Dazu zappeln zwei Butte im Eimer.

Elbfischer, Foto Foodhunter

Die Reusen sind jedoch nur ein Teil seiner Arbeit. Lothar Buckow ist in erster Linie Hamenfischer. Dabei werden weder Netz noch Pflug durch den Fluss- oder Meeresboden gezogen, keine Furchen in den Boden gegraben und Bewuchs oder Tierwelt zerstört. Bei der umweltschonende Fischfangtechnik liegt das Boot ruhig vor Anker und werden die Hamen ins Wasser gesenkt, an denen die Netze befestigt sind. 49 qm große Netze je Seite. Die Fische sammeln sich in den Netztaschen, kommen lebend mit dem Kescher an Bord und sofort in Wasserbehältern. Der Beifang wird unversehrt wieder freigelassen. Die Arbeitszeiten bestimmt der Gezeitenkalender. „Bei Niedrigwasser lasse ich die Netze runter und ca. fünf Stunden später, bei Hochwasser, hole ich sie wieder rein. Übrigens bei jeder Tages- und Nachtzeit.“ Harte Bedingungen. Was Lothar Buckow nicht daran hindert, seinen Beruf als Traumberuf zu bezeichnen.

„Ich wollte eigentlich schon immer Fischer werden. Habe spät damit angefangen, es nie bereut. Es ist die Ruhe auf dem Kutter, das Alleinsein. Das Leben mit der Natur und die Freude darauf, was ins Netz gegangen ist.“ Das ist immer weniger, wenngleich derzeit viele Versuche gestartet werden, Lachse, Meerforellen oder Störe in der Elbe auszusetzen. Auch eine von Brüssel bereits abgesegnete Finanzierung zum Aussetzen von Glasaalen in der Bucht gab es bereits. Lothar Buckow hätte dabei helfen sollen, doch er verwehrte sich dagegen. „Die Berieselungsanlagen der Obstplantagen ziehen das Wasser aus der Elbe und die kleinen Glasaale gleich mit. Die verstopfen die Rohre, sterben natürlich. Und das Geld ist auch futsch.“ Auf die Idee, den genehmigten Betrag anderweitig und sinnvoll in der Fischerei einzusetzen, sind die Verantwortlichen in Brüssel leider nicht gekommen. Auch die Kreispumpensysteme der Stauwehre tun ein Übriges, Aale auf dem Weg in die Elbe zu zerstückeln. „Drei Jahre brauchen die Aale, um von der Saragossasee als rund sieben Zentimeter große Glasaale an unsere Küsten zu gelangen. Weiter geht es flussaufwärts in unsere Binnengewässer – ein Weg, den die meisten mit ihrem Leben bezahlen. Der Aal stirbt aus, das ist nicht mehr aufzuhalten.“

Elbfischer Buckow, Foto Foodhunter, Sabine Ruhland

Klare Worte, klarer Menschenverstand, was ihm nicht gerade Freunde macht. Doch Lothar Buckow war schon immer anders als seine Kollegen, wurde erst Mitte der 80er Jahre Elbfischer, ein Quereinsteiger, allerdings mit den Genen einer Fischerfamilie. Er war auch der erste Fischer, der den Stint Ende Anfang der 90er Jahre langsam wieder populär machte. Das lachsähnliche Fischlein kosten wir im gemütlichen, weiß-blauen Fischladen der Buckows. Frischer geht nicht. Kaum aus dem Wasser kommen die Fische, die roh nach frischer Gurke riechen, kaum größer als 20 cm sind, golden gebacken auf die Teller. Das Fleisch ist fest, weiß, besitzt ein feines Aroma. Mit Zitrone oder einer säuerlich abgeschmeckten Dillmayonnaise serviert, ein Genuss. Seine Heimat ist der nördliche Atlantik und die Ostsee, nur während der Laichzeit im Frühjahr zieht er in großen Schwärmen ins Brackwasser der Flussmündungen. Inzwischen hat er sich wieder seine Fans erobert, Lothar Buckow beliefert den gesamten Hamburger Fischmarkt. Hauptsaison für Stint ist jetzt – von November bis März. Eine andere Spezialität ist Aalsuppe, für süddeutsche Gaumen sicher gewöhnungsbedürftig. Frischer Aal, ungeräuchert, in einem klaren Fond aus Knochen vom geräuchertem Schinken. Beilagen sind Gemüse und Dörrobst, was der Suppe ein süßliches Aroma verleiht. Der rote Heringssalat mit einem nussigen Hauch und dem feinen Geschmack von Roter Bete bringt unsere Geschmacksnerven wieder auf gewohnte Höhenflüge und wir können‘s nicht lassen, uns von Frau Buckow zahlreich die Spezialitäten einpacken zu lassen.

Stint, Foto Foodhunter

Unser Tipp für Stint und Aal: eine Fahrt übers Alte Land nach Jork, das mit schmucken Häusern, Bachläufen und kleinen Brücken recht romantisch und eine Reise wert ist, ein Spaziergang bei der Neuenschleuse, eine Teepause im zauberhaften Mövennest und auf jeden Fall ein Besuch bei den Buckows. Die haben im Winter von Dienstag bis Samstag 9-18 Uhr geöffnet, liefern auf Wunsch aber auch, gut verschweißt, Stint und Aal in alle Teile Deutschlands. www.elbfischer-buckow.de

Elbfischer, Foto Foodhunter

Perger Saft-Cuvée – Alternative zum Wein

„Was dann? Wasser?“ Das ist die obligatorische Frage, die ich zu hören bekomme, wenn ich einem Gastgeber oder Gastronomen gegenüber sage, dass ich keinen Alkohol trinke. Meist auch noch etwas abschätzend. Dabei wäre es einfach, auch mir eine Freude zu machen, denn es gibt eine Alternative zum Wein: Saft-Cuvées von Perger.

Von Karoline Beck

Zugegeben, Wein zum Essen ist eine herrliche Sache. Aber manchmal darf, kann oder will der Genießer nicht. Gesundheit, Führerschein oder eben Abstinenz. Sich dann an der ohnehin stets dazu georderten Flasche Wasser zu laben, ist okay, aber wenig inspirierend.

Vor einigen Wochen allerdings hat mich ein Restaurant völlig überrascht. In Shane’s Restaurant in München wurde ich mit gleicher Zuvorkommenheit beraten wie die Weinbesteller. „Wie wäre es zur Abwechslung mit einem Aurelius, einer Saft-Cuvée? Kommt aus der Kelterei Perger am Ammersee. Vergleichbar mit einem kräftigen Sancerre, ideal zu Ihrem asiatischen Gericht.“ Serviert wurde ebenso stilvoll in einem Weißweinglas. Der Saft gut gekühlt, 7 Grad. Inzwischen weiß ich, dass mein Aurelius der Lukullus-Serie entstammt, fein abgestimmte Kompositionen aromatischer Charaktersäfte, welche die Nuancen des Essens stilvoll unterstreichen. Sagt Johannes von Perger, der am Ammersee ein wahres Fruchtparadies besitzt. Nahe des Sees in Waldlichtungen und auf Wiesen gedeihen ohne chemische Keulen Johannisbeeren, Äpfel, Holler. Die Kirschen kommen aus Franken wie auch die Zwetschgen. Ausschließlich von Bioland-Handelspartnern. Denn nur das Beste kommt in die Flasche.

Aber was unterscheidet nun Saft von Saft-Cuvée? „Harmonische Kopfnoten, herbe Abgänge, Süßegrade und natürliche Bitterkeit – Attribute wie diese sind nicht nur für Wein charakteristisch. Mir ist aufgefallen, dass die Komposition bestimmter Säfte fast wie Wein riecht“, erklärt Johannes von Perger und hat das feinherbe Bouquet beliebter Weine in sechs Saft-Cuvées antialkoholisch nachempfunden. Seine spritzig-rassige Cuvée aus Quitte, Traube und Apfel (Lucullus Quintus), die er zu Spargel, Fisch und hellen Soßen empfiehlt, ähnelt einem Riesling. Apfel, Traube, Kirsch, Johannisbeere, Holunder und Aronia (Lucullus Maximus) duften wie ein samtig-kräftiger Bordeaux – laut Perger der ideale Begleiter zu Rind, Lamm und Geschmortem. „Die einzelnen Aromen ergänzen sich zu einem vollendeten Erlebnis für die Sinne.“

Und wie beim Wein muss auch der Saftwinzer Perger vor jeder Abfüllung neu komponieren, denn bei seinen Früchten ist es wie beim Wein. Jeder Jahrgang schmeckt anders. War es ein sonniges Jahr, ist der Saft aromatischer, in einem regnerischen Jahr hat er mehr Säure. Die inzwischen sechs lukullischen Genüsse gibt es auch für daheim. Zu bestellen unter www.natur.com

Perger Saft