Kategorie-Archiv: Skandinavien

Kein Grund zur Meuterei im Myteri. Malmös stylische Gastroszene

Am Flughafen Kastrop  in Kopenhagen sehen wir den „fliegenden Koffer“ des dänischen Märchenonkels Christian Andersen, unsere Gepäckstücke scheinen sogleich magische Kräfte zu besitzen und haben sich bei Airberlin in Luft aufgelöst. Sei’s drum,  uns zieht es weiter. Die Bahn bringt uns in 20 Minuten über den Öresund ins schwedische Malmö. Mediterranes Leben empfängt uns auf dem angesagten Rathausplatz  Stortorget, wo unzählige Restaurants, Bistros und Cafes unter riesigen Schirmen feinste Schwedenhappen servieren. 

Autor Rudolf Danner

Im Skandinavian-Style, minimalistisch und extravagant die Bestuhlung und die Leuchtkörper, in dezentem Schwarz-Weiß-Grau mit einigen schreienden Farbakzenten, so präsentiert sich das Fischrestaurant „Myteri“ (auf Deutsch: Meuterei).Von wegen nordisch kühl oder zurückhaltend.  Das schwarzbeschürzte Servicepersonal begrüßt, berät und bedient mit nordischer Freundlichkeit, locker und kompetent, die Küche ist offen, die Köche ansprechbar, die Weinauswahl wird durch Geschmacksproben erleichtert und eine Explosion von kreativen,  modern interpretierten Meeresfrüchteklassikern finden sich topfrisch auf der ‘Seaplatter’. Dazu die kleinen runden, schwedischen Naturaustern, festfleischig, fruchtig und kaum salzig, die der Belon durchaus das Wasser reichen. „Alter Schwede“! Nix zu meutern im Myteri! Malmös junge Gastroszene begeistert, ist bereits im White Guide (kleiner Michelinbruder) angekommen (Bastard, Rebell) und belebt Skandinaviens „Neue Küche“.

Foodhunter-Restauranttipps in Malmö

Myteri, Skomakaregatan 10, www.restaurangmyteri.se

Rebell, Friisgatan 8, www.restaurangrebell.se

Bastard, Bistro mit italienischen Klassikern, Pizzaofen, Berkelschneidemaschine, als Eycatcher skurrile Exponate wie Schwein im Vogelkäfig, lauschiger Innenhof. Mästerjohansgatan 11.  www.bastardrestaurant.se

Arstiderna, stilvolles historisches Kellergewölbe, schwedische gehobene Küche. Frans Suellsgatan 3. www.artidernabythesea.se

Rentierleber und Karamellkäse. Oslos neues Spezialitätenparadies heißt Mathallen

Torvhallerne in Kopenhagen und dem Borough Market in London waren Vorbild. Jetzt hat auch Oslo einen sehenswerten Lebensmittelmarkt in alten, umgebauten Fabrikhallen. “In den letzten Jahren mussten Fischhändler, Metzgereien und Delikatessen-Geschäfte im Zentrum Oslos wegen der Konkurrenz der großen Supermarktketten schließen. Wir wollen die kulinarischen Erfahrungen und Kenntnisse zurückholen”, sagt Frode Rønne Malmo, Marketingleiter der Mathallen. 

Autor Rudolf Danner

“Good food ends with good talk” steht am Eingang zu den Mathallen, Oslos neuem Spezialitätenparadies mit rund 33 Gourmet-Ständen, Bars und Restaurants. Neben interessanten Produkten aus Deutschland, Spanien, Asien, Italien und Frankreich interessierten wir uns für die norwegischen Spezialitäten, trafen auf Henning Denstad, der in Oslos winzigstem 19 qm Pub Bru (norw. Brücke, engl. brew) 160 Bierspezialitäten der besten norwegischen Kleinbrauereien verkauft. Jedes Bier selbstverständlich nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, so wie das Hesjeöl von Haandbryggeriet, 6,5 % Alkohol, leicht bitter. Oder das India Pale von Aegir (nordischer Meeresgott), ausgezeichnet als bestes Bier 2012, USA Hopfen, fruchtiges Aroma, Citrusduft. Auch das Imperial Brownbier von Nögne Ö, kräftig gehopft und starke Malzröstaromen, Caramel, Schokolade,7,5 % bestätigt uns “Good drinks end also with good talk!”

Foto Mathallen

„Die blinde Kuh“! Ein despektierlicher Ausdruck in Deutschland, in den Mathallen bürgt er für Qualität. Inger S. Rosenfeld exportiert in alle Welt, wurde für ihren Blue cheese prämiert und fertigt auch eine absolute Rarität mit Ihrem Brungeitost, einem karamelligen Kuh-und Ziegenkäse aus der Molke für 50,-Euro/Kilo, vergleichbar dem Sig aus der Schweiz und dem Bregenzerwald in Vorarlberg. Eine Kuh, auf einem Auge blind, zum 50. Geburtstag als Geschenk gedacht, bescherte dem Käsestand diesen ungewöhnlichen Namen.

Mathallen, Foto Foodhunter

Das Steak vom Minkywal, mit Röstaromen vom Grill, einfach gewürzt mit Meersalz und Pfeffer war ein kulinarisches Erlebnis und am ehesten in Geschmack, Konsistenz und Aussehen mit einem Thunfisch/Rindersteak vergleichbar. In fast zu kurzen Intervallen präsentierten dann viele Standbesitzer ihre meist regionalen Spezialitäten am Longtable, informierten über ihren Betrieb, das Produkt und die Herstellung und wünschten God Appetitt bei mit Rentierleber gewürzter Blutwurst, Wildschinken, Fleischbällchen, Pasteten, kleinen Fischgerichten, Lachs, Salaten, Backwaren,Säften, Marmeladen und allerlei Eingewecktem.

“Wir wollen, dass Mathallen ein Ort für jedermann ist. Von Hobbyköchen und Menschen, die gerne gut essen und trinken, bis zu professionellen Köchen und Gastronomen. Mathallen wird eine Quelle der besten norwegischen und internationalen Spezialitäten sein”, sagt uns Frode Rønne Malmo, Marketingleiter von Mathallen. Der Tisch ist also reich gedeckt in den Ländern der Trolle und Fabelwesen, der Königshäuser und Kronen, wo das Polarlicht leuchtet und kleine kulinarische Märchen wahr werden.

www.mathallenoslo.no

Annett Brohmann (Marketing Coordinator)
visitOslo
Annett.brohmann@visitoslo.com
www.visitoslo.com

Den blinde Ku AS
Inger S. Rosenfeld (Daglig leder)
inger@denblindeku.no

 

 

 

Dorte Slyngborg und Niels Jörgen Jensen: Kulinarikbotschafter auf der Pearl of Seaways

In Sichtweite zur Jacht HRH Margarethe von Dänemark liegt sie vor Anker: die Pearl Seaways, Flaggschiff von DFDS, der dänischen, wiederholt mit dem World Travel Award als weltbeste Fährreederei ausgezeichneten Dampfschifffahrtsgesellschaft. 2000 Passagiere gehen an diesem Nachmittag an Bord für die Fahrt von Kopenhagen nach Oslo. Wir mittendrin.

Autor Rudolf Danner

Experten in Sachen Kreuzfahrt sind wir längst und gerade deshalb versetzt uns diese “Fähre” in atemloses Staunen, denn alles an Bord zaubert echtes Kreuzfahrtfeeling: die gigantische Größe und überdimensionierte Ausstattung, das Unterhaltungsprogramm auf allen Decks, die exzellenten Restaurants, Wellness für die Erwachsenen, Kinderspaß für die Kleinen, dazu großzügige Kabinen. Kein Zweifel, die Pearl Seaways hat sich die Lorbeeren und Auszeichnungen redlich verdient.

Vor allem beim Essen heißt es keine Kompromisse, so findet der “eingefleischte” Liebhaber im Explorer Steakhouse nordamerikanische Topqualitäten von T-Bone, Ribeye und Dry aged – ohne Hormone und nach biologischen Richtlinien in Nebraska gezüchtet – und bekommt sie auf den gewünschten Punkt auf der heißen Grillplatte sizzling hot serviert. Die Brasserie Blue Riband bietet ein 3-Gänge Menü frei zu kombinieren aus anspruchsvollen Gerichten an und im Gourmetrestaurant Marco Polo kann der Gast von 4 bis 8 Gängen ein Menü zusammenstellen z.B. Norwegischer Hummer – Spargel-Trüffel oder Königskrabbe.

Nicht verwunderlich, dass Dorte Slyngborg, seit 2008 Chef de Cuisine, vor allem administrativ gefordert ist und ihre Leidenschaft zum Kochen nicht immer ausleben kann. Doch ihre Vorliebe für besondere Produkte und das Kochen hat Dorte nicht verloren. Sie kann sich genauso für die winzigen, goldfarbenen Kartoffeln von Samsoe begeistern, wie für das duftende milde Meersalz und die hervorragenden Hummer von Laessoe. Ihre Kochphilosophie ist einfach, glaubwürdig und an Bord realisierbar: Back to the roots. Großmutters Rezepte modern interpretiert und das Produkt zum Star machen, also „nichts Neues im Staate Dänemark“.

„Das Schiff ist mein Leben“ sagt sie und gerne will sie ihren 17 Jahre laufenden DFDS-Vertrag erfüllen. „Und wie sieht‘s mit dem Ehevertrag aus?“ Sie lächelt. „Wie soll das gehen, zwei Wochen auf See, zwei Wochen zu Hause? Aber ich habe eine große Familie auf dem Schiff und auch daheim.“

Seit 12 Jahren an Bord: Weinjournalist Niels Jörgen Jensen

Zur Gourmetschiffsfamilie auf der Nordroute zählt seit 12 Jahren auch der Sommelier und Weinjournalist Niels Jörgen Jensen, der für uns mit Überzeugungskraft und beeindruckender Leidenschaft eine unvergessliche Weinprobe zelebriert. Fachkundig erläutert er die hochwertigen Weine, würzt den Vortrag mit authentischen Geschichten über die entsprechenden Weingüter und die persönlichen Begegnungen mit den Winzern. Dal Forno aus Italien nahe Verona heißt sein persönlicher Favorit. Der Valpolicella superiore von 2005 (95 Parkerpunkte), fast schwarz in der Farbe und mit verführerischem Aroma von dunklen Beeren, Bitterschokolade und einem dichtem würzigen Abgang ohne schwer zu wirken, profitiert von langer Lagerung und der Tatsache, dass die nach dem Hagelschaden geretteten Trauben nicht der ausgesetzten Amaroneproduktion zugeführt, sondern für den Valpolicella Superiore verwendet wurden.

„Ein Hauch von Zigarre, asiatischen Gewürzen, Pflaume, Speck  und Blaubeeren“, so beschreibt Weinguru Parker Torbrecks Run Rig 2007 (98 % Shiraz, 2 % Viognier) aus dem Barossa Valley: ein  weiteres Highlight! Spannend auch Clos St. Jean, Chateauneuf du Pape mit 16 % Alkohol und Cliff Lede aus dem Nappa Valley, alle hochbepunktet und mit enormen Lagerpotential. „Wein ist wohl das natürlichste Kulturgut unserer Erde.In seiner Perfektion offenbart er uns unvergesslich genussvolle Momente, die wir mehr achten als alles übrige sensorisch erfassbare“ sagte  Ernest Hemingway – und nach dieser Weinprobe kann man ihm nur zustimmen.

Dorte Slyngborg – Business Leader CdC
DFDS A/S Sundkrogsgade 11
DK-2100 Copenhagen Denmark
Tel. +45 3398 9821-8104  oder +45 3398 982
www.dfds.com
pl.blcdc@dfdsseaways.com

Kopenhagen: Asiatisches Gourmetfeuerwerk im Kiin Kiin

„Das beste Thairestaurant in Europa“. „Das Beste aller Zeiten“. „Top Thai Restaurant.“ 15 Michelin-Sterne leuchten über Kopenhagen, gleich dem Abendstern strahlt besonders hell der weltweit einzige Michelin-Stern für ein Asienrestaurant über dem Kiin Kiin. Wer es einmal besucht hat, ist hingerissen. „Kiin Kiin“! rufen die Thais ihre Kinder zum Essen und auch wir folgen der Einladung gerne.

Autor Rudolph Danner

Asiatisch liebenswürdiger Service, aromatische Düfte, ein Meer von weißen Orchideen und ein modernes authentisches Ambiente lassen uns eintauchen in den Zauber Südostasiens. Die Appetizer, auf Holzschalen, Schiefertafeln, Pandanas- und Bananenblättern, in Bambus- und Glasgefäßen dekorativ angerichtet, sind ein Augenschmaus.

In dieser Atmosphäre finden Seele und Geist harmonisch zueinander, während Gaumen und Körper sich begeistern für die verschiedenen Texturen und die Aromenvielfalt der Speisen: Lemongras Tea, Lotuswurzel mit Kaffir-Limonenblättern, Cashew-Macarons, Sojaprawn-Crackers, Tamarindenpaste, Fischsauce, Chiang Mai Würstchen im Würzrauch, marinierte Fleischspieße, spicy Currycremes, Koriander und Thaibasilikum.

Kiin Kiin, Fotos Foodhunter

In einer faszinierende Mörseraktion am Tisch wird im Restaurant im ersten Stock die Marinade nach Wahl für den Orchideensalat mit Sepia vorbereitet: Palmzucker, Ingwer, Zitronensaft, Knoblauch, Chili, asiatische Kräuter, Sojasauce und die unverzichtbare Fischsauce finden zueinander. Zarter Lobster mit rotem Curry royal und weißem Spargel, danach knuspriges Geflügel und ein Dessert, angerichtet für zwei in einer riesigen Holzschale: Rhabarber, Passionsfrucht, Banane, Karamelleis – zweifach märchenhaft.

Hans Christian Andersen, der in der Nähe seine letzten Tage verbrachte, hätte gerne hier getafelt und die Gebrüder Grimm hätten sicherlich ihr ‚Tischlein‘ asiatisch gedeckt und die ‚Sterntaler‘ auf Kiin Kiin regnen lassen.

Kiin Kiin, Guldensberggade 21, Kopenhagen.  www.kiin.dk

Noch ein Foodhunter-Tipp:
Chai Wong Asiatisk Spisehus Copenhagen, Thorvaldsenvej 2, 1871 Frederiksberg, www.ChauWong.dk 

 

Smörrebrod, das berühmteste “belegte Brot“ der Welt

Eine überdimensionale Kochmütze über dem Eingang in Kopenhagens „Kongensgade 70“ krönt die Grand Dame des Smörrebrod: Ida Davidsen. Im „House of Davidsen“ wird heute in fünfter Generation geführt, was Oskar Davidsen einst erfand. Das berühmte belegte Brot. Gefragt ist bei diesem  dänischen Nationalgericht allerdings nicht die hohe Kochkunst, sondern Kreativität.

Autor Rudolf Danner

Fast 200 verschiedene Varianten, einige nach Berühmtheiten aus Sport und Politik benannt, findet der Gast auf der 1 ½ m langen Speisekarte. c als Frokost ist bis 16 Uhr zu haben. Dahinter verbergen sich nicht schlichte Butterbrote, sondern kleine Kunstwerke, üppig belegte Mehrkornbrote, von Mayonnaise bekleckst, wahlweise mit Fisch, Roastbeef, Krustentieren, Gemüse und Salat. Drei Jahre dauert die Ausbildung der „Smörrebrödsjomfru“.

Im „Told og Snaps“ nahe Nyhavn ist nomen omen: Auf den gedeckten Tischen stehen die Schnapsgläser bereit, um die Smörrebrode mit Hausgebranntem zu begleiten. Zum Smörrebrod-Klassiker „Aal, Rührei, rote Bete, Kresse, Dill“ wird uns randvoll, sogar unter Nutzung der  Oberflächenspannung der berühmte Linie-Aquavit eingeschenkt. Viele Monate schippert er im Sherry-Eichenfass über die Weltmeere, kreuzt zweimal den Äquator (Linie) und präsentiert sich dann milder, feiner und aromatischer. Ein Phänomen, das bereits 1850 entdeckt wurde und das vermutlich durch ständige Bewegung, Seeluft, lange Fasslagerung und Temperaturschwankungen begründbar ist. Auf jedem Linie-Aquavit-Etikett findet sich auf der Rückseite der Namen des Schiffes und die Reisezeit. Zu den handgepuhlten Krabben und dem Graved Lachs erfreuen unser Gaumen „Gammeldanski“ und andere angesetzte Kräuterschnäpse, teils mit starken Kümmel- und Lakritze-Nuancen, für unsere Geschmacksnerven ungewohnt, fast unangenehm.

Ein frisch gezapftes, nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier einer kleinen Privatbrauerei beendet unseren „Brot-Test“ und animiert fast zum Singen à la Muppet-Show: „Smörrebrod, Smörrebrod“…röm- töm- töm- töm!“

Pias fahrbaren Pölser-Stand, wo der dänische Hot-Dog, eine rote Wurst, die sich in länglicher Semmel mit Senf, Ketchup, Mayonnaise, Gurke und einem Berg Röstzwiebeln angeboten wird, lassen wir links liegen, denn bei einem guten Smörrebrot darf das Brot nicht mehr zu sehen sein und wir haben es heute dreimal vergeblich gesucht.

Ida Davidsen, Store Kongensgade 70, 1274 København K, www.idadavidsen.dk

Told og Snaps, Toldbodgade 2  1253 København k, Dänemark, www.toldogsnaps.dk

Smörrebröd