Kategorie-Archiv: Restaurants München

Alte Brennerei in Pullach. Baumhohe Küche

12 Jahre lang war das Restaurant Schwarz & Weiz im Münchner Grandhotel Sofitel Bayerpost seine Wirkungsstätte, doch nun hat es ihn aufs Land gezogen. Vor einigen Monaten eröffnete Sascha Baum die Alte Brennerei in Pullach bei München. Zeit für uns, bei ihm vorbeizuschauen.

Autor Sabine Ruhland, Fotos Sabine Ruhland

Den Tag hätten wir kaum besser wählen können. Ein frühlingshafter Samstag im Februar. So empfängt uns das schmucke Holzhaus wahrlich mit offenen Türen. Entspannt ist er, der Gastgeber Sascha Baum, trifft sich mit uns zum Aperitif  auf der Terrasse. Ayala Champagner, eine gute Wahl. Beschwingt treten wir ein. Romantisch-rustikales Ambiente, helles Holz,  ein einziger Raum mit kleiner Bar. Für den Abend ist bereits eine lange Tafel eingedeckt, denn viele Gäste aus dem anspruchsvollen Grünwald-Solln-Pullach-Einzugsgebiet  haben dieses Schmuckkästchen für sich entdeckt.

Alte Brennerei, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter

Charming! Die Alte Brennerei in München-Pullach.

Alte Brennerei, Fotos Foodhunter, Sabine Ruhland

Offene Tür, eine Karte nach Saison und Brot im Nähkastchen. Einladend!

Sascha Baum kocht hochklassig – “baumhohe Küche”, kaum trefflicher ließe es siech ausdrücken  - und bietet unter der Woche zur saisonalen Karte ein Business-Lunch (zwei Gänge, Wasser und Kaffee) für 18 Euro an. Doch wir wollen schwelgen, außerdem ist sowieso Samstag. “Einmal die Karte rauf und runter bitte!” Da sind wir uns alle am Tisch einig, denn handgeschabtes Tatar vom Simmentaler Weideochsen, Ziegenkäse mit Rapunzelsalat, Ragout fin vom bayerischen Stubenküken, Poltinger Hirschrücken, pochierter Milchkalbstafelspitz, Münchner Schnitzel, Lachsfilet im Buchenholz … die kleine, feine Karte macht die Wahl schwer.

Alte Brennerei, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter

Das Tatar vom Simmentaler Weideochsen ist unsere neue Leibspeise!

Wir wählen das Tatar vom Simmentaler Weideochsen, das sofort und für immer in die Kategorie unserer Lieblingsgerichte fällt. Perfekt geschabt, erfrischend angemacht, nicht so sämig-schwer wie das manchmal bei Tatar mit zuviel Ei der Fall ist. Die ebenfalls gewählte Fois gras aalte sich auf einem Boskop-Apfel-Chutney mit Birnen-Geist-Infusion (macht Sascha Baum selbst). Aufheiternde Komponente für die Fois gras. Die dritte Vorspeise hatte für uns etwas zuviel Trüffelöl in der Trüffelmayonnaise,  ansonsten trafen sich Kalb und Tiefseegarnele auf Augenhöhe.

Die passende Weinempfehlung: ein fränkischer Weißburgunder “Sommeracher Katzenkopf” von Max Müller.

Die Hauptgerichte perfekt: der Skrei mit Muschelragout und Kerbelchips war ein Vergnügen und machte aus dem saisonalen Winterfisch eine jubilierende Hochsaison. Das Entercôte, ebenfalls vom Simmentaler Weideochsen kam als repräsentatives Stück, umgeben von Schälchen mit Salaten, Soßen und Gemüsen. Eine Augenweide schon die Anrichteweise. Außer der Reihe kam die Tagesempfehlung: Kalbsleber mit Kartoffelpüree. Was soll man sagen, eine gelungene bayerische Hausnummer.

Alte Brennerei, Habenschadenstraße 4a, 82049 Pullach im Isartal, Tel 089 / 748 496 88. Di-So 11.30-14 Uhr und 17.30-23 Uhr. www.altebrennerei-pullach.de

Alte Brennerei, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter (1)

Jetzt hat er Saison: der Skrei, Winterkabeljau. Sascha Baum bereitet ihn perfekt zu

Alte Brennerei, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter

Dem Entrecôte zur Seite standen nicht nur ein zartes Gratin, sondern auch Schälchen mit Salat und Gemüse

Alte Brennerei, Foto Sabine Ruhland, Foodhunter

Drinnen gemütliche Stube, draußen eine herrliche Sommerterrasse

 

Alte Post zu Pähl. Original altbayerische Schmankerlküche

Peter Maffay ist seit 2009 Besitzer des Gasthauses, das bereits 1590 Erwähnung fand. Liebevoll und fast „zu aufwendig“ wurde es von Vorbesitzern renoviert: mit Fliesen im Gastraum aus Jerusalem oder einem Parkplatz, dessen Pflastersteine aus dem Hafen von Portofino stammen. Die Gäste ähnlich illuster: von Peter Maffay über Alfons Schuhbeck bis hin zu Patricia Riekel und Helmut Markwort. Sie alle wollen nur eines: die gutbürgerliche Küche von Herbert Russer. Der ist seit 2012 Herr über Stuben und Herd von der Alten Post zu Pähl.

 Autor Sabine Ruhland, Foto Foodhunter

Ab 11 Uhr ganztägig geöffnet – das ist ganz und gar in unserem Sinne, denn nach einem langen Spaziergang in der Wintersonne lieben wir es, Mittag- und Abendessen zu verbinden und um 14 oder 15 Uhr einzukehren. Der Kachelofen bullert leise im holzvertäfelten Almstüberl während es in der größeren Gaststube deutlich lauter zugeht. Constance und Herbert Russer sind präsent, plaudern mit ihren Gästen, familiäre Gastfreundschaft von der ersten Minute.

Alte Post zu Pähl, Foto Foodhunter

Am Herd steht nur einer: Herbert Russer selbst. Allenfalls springt Ehefrau Constance ein. Fotos Foodhunter

Die Karte vielversprechend: Braumeisterpfandl mit  ¼ knusprige Ente, Altbayerischer Schweinsbraten mit König-Ludwig-Sauce (Sauce mit Dunkelbier), Postwirts saftiger Zwiebelschmorbraten oder gesottener Tafelspitz vom bayerischen Weiderind. Zum Abschluss Topfenstrudel, Kaiserschmarrn oder geeister Kaiserschmarrn. Die Qual der Wahl.

Alte Post zu Pähl, Foto Foodhunter (1)

Das gemütliche Almstüberl mit bullerndem Ofen. Eine Überraschungsvorspeise mit Thunfisch und Gambas und ein saftiger Saibling mit Mango-Chutney. Fotos Foodhunter

Wir entscheiden uns für eine Leberknödelsuppe – hausgemachte Tafelspitz-Brühe, perfekt abgeschmeckt. Der saftig gegrillte Weidentaler Saibling ist exakt so, wie wir uns das Fischlein gewünscht haben. Kein Wunder, dass es als „des Kinis Leibspeiß“ auf der Karte steht. In unserem Fall ersetzte Herbert Russer die Petersilienkartoffeln durch ein Mango-Chutney, was Exotik ins Spiel brachte und den Gaumen erfrischte.

Zum Hauptgericht servierte uns der Chef ein Filet, kombiniert mit Stücken von der Ente. Mehr als das Fleisch überzeugten die hausgemachten Soßen und ein Blaukraut, das von fundierter Küchenkunst zeugte.

Zum Abschluss ein geeister Kaiserschmarrn – Schuhbeck lässt grüßen hat Herbert Russer doch seine Lehrzeit bei ihm in Waging verbracht. – Geniales Finale.

Alte Post zu Pähl, Ammerseestraße 3, 82396 Pähl. Bis April Mo und Di Ruhetag!
Ansonsten ab 11 Uhr durchgehend. Tel. 08808/921077. Schöner Biergarten im Sommer!
Halbe Stunde Fahrt von München aus via Starnberg. 
www.alte-post-paehl.de

Alte Post zu Pähl, Foto Foodhunter

Das Blaukraut eine Wonne, das Fleisch nicht wirklich eine Offenbarung (in einem Fall leider falsch geschnitten), dafür authentische Soßen. Zum Schluss der geeiste Kaiserschmarrn mit Beeren – ein grandioses Finale. Fotos Foodhunter

 

 

Hunger? Ringlers Grill.

Auch Foodhunter liebt Fast-Food, wenn’s gut gemacht ist. Als sich bei Foodhunter-Autor Kaspar Triller mittags der kleine Hunger einstellte, entdeckte er Valerie und Martin Ringler und ihren Ringlers Grill am Sendlinger Tor.  

Autor Kaspar Triller

„Zweimal Ox neu!“ ruft Martin Ringler seinem Bruder Christian am Grill zu. So geht es mittags im Sekundentakt, mittlerweile im zweiten Jahr. Gemeint ist das Ox Grill Sandwich, einer der Renner im Ringlers: Frisch gegrillte Fetzen vom Ochsen aus Oberbayern, Tomate, Salat und hausgemachte Spezialsenfsauce in der Krustensemmel von der Bio-Bäckerei Maurer. Wunderbar. Das nehme ich, wenngleich die Auswahl verlockend ist.Gegrillter Schweinebauch und spicy Krautsalat, Salsiccia und Rucola oder vegetarischen Antipasti und Ziegenkäse… Ich bleibe beim Ox. Obwohl die Schlange bis auf die Straße reicht, dauert es kaum länger als fünf Minuten, bis ich mein Sandwich in Händen halte. „Qualität, Schnelligkeit und faire Preise, so läuft unser Geschäft”, sagen Valerie und Martin.

Ich bin angetan, denn im Familienbetrieb Ringlers sind alle angebotenen Gerichte frisch zubereitet, hausgemacht und nach wie vor günstig. Die Sandwiches liegen zwischen 3,90-4,80 Euro, die Tagessuppe kostet 3,90 Euro und die Tagesgerichte – immer auch ein vegetarisches Gericht! – zwischen 6,70 – 6,90 Euro. Wer dann immer noch nicht genug hat, der greift auch noch bei den hausgemachten Kuchen und Desserts zu.

Der Umstand, dass Valerie ihre Ausbildung zur Köchin im Sterne prämierten Restaurant „Im Schiffchen“ genossen hat und Martin Geschäftsführer bei Holger Stromberg war, erklärt die Professionalität, mit der sie ihr erfolgreiches Konzept auch nach über einem Jahr täglich aufs Neue gekonnt umsetzen.

Achja: Dass man im Ringlers trotz des hohen Betriebstempos neben dem guten Essen gratis gute Laune tanken darf, ist ein weiterer Grund, unbedingt vorbeizuschauen.

Ringlers Grill, Sendlinger Str. 45, 80331 München, Mo- Sa 8-19 Uhr. www.ringlers.net

Ringlers München, Foodhunter

 

Ringlers München, Foodhunter

Ambitioniert: Esskapade in München-Neuhausen

20 Jahre Erfahrung in den Küchen von Stefan Marquard oder Ali Güngörmüs, das ist eine reiche Inspirationsquelle. Vor wenigen Wochen hat sich Falk-Uwe Zack seinen Traum vom eigenen Restaurant erfüllt und das Esskapade in München-Neuhausen eröffnet. Dass er größte Ambitionen hegt, zeigt schon die Speisenkarte. Nur wenige Gerichte zieren die Karte, dafür sind die täglich neu zusammengestellt und immer frisch zubereitet. 

Tipp von Sabine Ruhland

Ja, da ist es, das wohlige Gefühl bei Freunden eingeladen zu sein. Denn das feine, gemütliche Lokal mit den Natursteinwänden, dem prasselnden Ofenfeuer, den gedeckten Farben und Kerzen auf den Tischen lässt schon beim Entree Entspannung und Entschleunigung aufkeimen. Danach tut der Service, allen voran Besitzer Falk-Uwe Zack alles, um dieses gute Gefühl den gesamten Abend hindurch zu bewahren.

Zunächst durch die bodenständige wie raffinierte Kochkunst, die sich stets an saisonalen Produkten orientiert – wir kosten einmal geschmorte Rinderschulter mit Portweinschalotten und Pilzstrudel und Alternativ die gleichen Beilagen als vegetarische Variante mit Zanderfilet – um das kleine Menü mit einem gut gemachten Lebkuchenparfait zu beenden. Dass keine “Dauerkarte” im Einsatz ist, birgt natürlich die Gefahr, dass das Lieblingsessen vom letzten Mal beim nächsten Besuch nicht mehr zu bekommen ist. – Dafür weckt sie aber mehr denn je die Lust, neue Gerichte zu kosten. Wir finden’s gut.

Der Küchenphilosophie entsprechend, zeigt sich die Weinkarte. Gut ausgesuchte Tropfen, vorwiegend, Franken, Baden, Österreich und weil Falk-Uwe Zack ohnehin jeden Winzer persönlich kennt, schlichtweg die Erweiterung der kulinarischen Esskapade-Familie, der wir gerne angehören.

Esskapade, Volkartstraße 70, 80636 München
Di-Fr 12-14.30  (täglich wechselnder Businesslunch 8,50 Euro) und 18-24 Uhr. Sa 18-24 Uhr
www.ess-kapa.de

 

Polar Bar auf der Dachterrasse Hotel Bayerischer Hof. Münchens Winter-Hotspot

Lift, siebter Stock, ein paar Treppen erklimmen und dann: Wow! Das Kaminfeuer prasselt, die Frauenkirche zum Greifen nah, drinnen im Wintergarten kuschelig warm, draußen flackern Kerzen, liegen Felldecken über den Stühlen und lässt die Bar keine Wünsche offen. Die Polar Bar auf dem Dach des Hotels Bayerischer Hof ist eröffnet. Der Hotspot der Stadt. 

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

Kein Gedränge mehr, City-Dreams wie aus dem Bilderbuch. Exklusivität für alle zu genießen. Die Dachterasse des Hotels Bayerischer Hof hat sich für die nächsten Wochen in die Polar Bar verwandelt.

POLAR BAR, Hotel Bayerischer Hof, Promenadeplatz 2-6, München
ab 28.11.bis März 2014: Mo-Fr 16 bis 22 Uhr. Sa/So/Feiertage 12-22 Uhr.  

Polar Bar, Foto Foodhunter

Polar Bar, Bayerischer Hof, Foto Foodhunter (3)

Barchefin Doreen Philipp und ihr Team verwöhnen uns wieder mit megafeinen Christmas-Drinks. “Alles haben wir selbst gemacht und eine Menge Spaß dabei gehabt”, erzählt die quirlige Doreen. “Lillet selbst aromatisiert, Cocktailkirschen eingelegt und mit allerlei neuen Zutaten experimentiert.”

Dass es neben neuen Cocktail-Variationen wie dem Weihnachts-Gimlet (Lillet, Zimt, Muskat, Limettensaft) auch Bewährtes und Begehrtes gibt, ist klar. Der Husky darf auch in diesem Jahr in der Polar Bar nicht fehlen.

Polar Bar, Bayerischer Hof, Foto Foodhunter (2)

Barchefin Doreen Philipp und ihre Kollegen sorgen für coole Drinks im Bayerischen Hof

Hier das Rezept für den ultimativen Polar-Bar-Drink HUSKY

Auf Eis shaken, Glas mit Eiswürfeln füllen, aufgießen, mit mit Zimtstange dekorieren

Polar Bar, Bayerischer Hof, Foto Foodhunter (4)

 

Gennaro. Neues italienisches Restaurant in München

Bella Italia liegt hinter der Bavaria, dabei deutet im ersten Moment nichts auf die vielen, lieb gewonnenen Klischees hin. Keine karierten Tischdecken, keine Berkel im Eingang, keine holzvertäfelte Bar. Statt dessen ein Loft, perfekt unterteilt in Bistro und Restaurant, mannshohe Kerzenleuchter und Ufo-große Lampen, Industrieboden, offene Küche, kommunikative Hochtische und moderne Kunst. Letztere zumindest bei unserem Besuch, denn der Kunstmaler Guiseppe Olivieri war zu Besuch in München. Sein kreiertes Etikett für den “Olivieri” des Weinguts Tenuta Ta Tengalia, sorgte in den USA sogar für einen Eklat.

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

Frauen sind sein bevorzugtes Motiv und das am besten unbekleidet. Also nutzte Sabine Ehrmann mutig eines seiner erotischen Gemälde für das Etikett ihres Rotweins “Olivieri”. Doch im prüden Amerika war das zu viel des Guten – der Wein wollte so “sexy” nicht abgenommen werden. Sabine Ehrmann nahm es gelassen. Das Etikett bleibt. www.foodhunter.de/2011/11/29/piemont-monferrato-tenuta-la-tenaglia/

So dürfen Gäste von Gennaro nicht nur die frischen, italienischen Speisen – zu lesen auf einer deckenhohen Schiefertafel – genießen, sondern auch die Weine von Sabine Ehrmann, den Giorgio Tenaglia, den Bricco, den 1930 und auch den Olivieri. Diese Weine können die Gäste  bis Weihnachten zu einem Vorzugspreis kaufen. Bei der Küche legt Gennaro Donato Wert auf die traditionelle Küche  seiner Heimat Kalabrien und setzt sie in der großen offenen Küche vor den Augen der Gäste auch konsequent um. Loup de Mer vom Grill, Seezunge, schwarze Tagliatelle. “Wenn die Qualität der Zutaten stimmt, dann brauchen die Gerichte kein aufwendiges Drumherum”, sagt er, der lange Jahre das Bistro im Münchner Frische Paradies bekochte und daher vielen Münchner Feinschmeckern ein Begriff sein dürfte. Wenn er dann zur Begrüßung kommt, mit seiner weißen Kochmütze, das Team italienische Gastfreundschaft versprüht, dann sind sie zum Glück wieder da, die lieb gewonnenen Klischees.

Gennaro
Fritz-Endres-Straße 4, 81373 München 089-74640775
Montag – Samstag  10 – 15 Uhr, 17.30 – 23 Uhr
www.ristorante-gennaro.de

Gennaro, Fotos Foodhunter

Modernes Ambiente und typisch italienische Gastfreundschaft. Gennaro ist Münchens neuer Lieblingsitaliener

Gennaro; Foto Foodhunter 3

Guiseppe Olivieri, Kunstmaler, lebt auf Ischia. Bevorzugtes Motiv: Frauen

 

 

Tagesbar eröffnet: Im Münchner Modegeschäft Hirmer finden sich jetzt auch die Feinschmecker ein

Lust auf Anzug mit Champagner, Hemd mit Curry oder Krawatte mit Milchschaum? Hirmer ist Münchens berühmtestes Modehaus, weil: nur für Männer! Inzwischen über 9.000 qm groß und weltweit einmalig. Jetzt ist zur Luxusmode auch eine luxuriöse Tagesbar gekommen. Da geht nur Feines über den Tresen. 

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

Dritte Etage, einmal ums Eck und schon ist sie erreicht: die nagelneue Tagesbar. Langer Tresen und elegante Sitzecken. Holz, Leder, Designerlampen. Doch das Beste: Hirmer hat sich für die neue Tagesbar kulinarische Hochkaräter ins Boot geholt.

So offeriert Ingo Holland künftig eine Auswahl seiner Gewürze. “Ach wissen Sie, man wundert sich oft, wo man auf Feinschmecker trifft”, erzählt dieser und lässt uns an einem grünen Curry schnuppern, das direkt ins Reich aller Sinne und Fantasien führt. “Duft ist wichtig bei Gewürzen, deshalb stehen auf dem Tresen bei Hirmer immer unsere Gewürz-Schnuppergläser.” Sein Tipp zum richtigen Würzen. “Mutig sein”, sagt er. Viele hätten eine Menge Gewürze in der Küche, die dann doch nur selten Verwendung finden. “Wer mit Bedacht würzt, nicht zuviel auf einmal, der wird kaum Fehler machen.” Grundstock für ihn: das richtige Salz. Derzeit ist Steinsalz aus Österreich für den Gewürz-Guru das Optimun. “Muss ja nicht immer aus der Wüste oder dem Himalaya kommen”, meint er, der ohnehin wie Foodhunter ein Verfechter des Regionalen ist. “Erst danach die Kreise vergrößern”, sagt er.

Gewürze, Weine, Champagner und Schinken, den eine Berkel schneidet – was will Mann mehr?

Der zweite Garant für immer wiederkehrende Gäste ist Norbert Spielmann. Sein Weingut Alte Grafschaft, das er zusammen mit Christoph Dinkel führt, wurde vom Gault&Millau-Weinführer Deutschland 2014 als «Entdeckung des Jahres» ausgezeichnet. Das freut ihn selbst am allermeisten. “Wir kümmern uns um die letzten Steillagen im Taubertal, die jahrelang ein Schattendasein geführt haben” erzählt Norbert Spielmann. Da war eine Auszeichnung eigentlich längst überfällig. Jetzt dürfen seine besten Weine und andere ausgesuchte Tropfen der Geisel-Vinothek an der Tagesbar bei Hirmer die Gaumen der Genießer erfreuen.

Hirmer Tagesbar, Foto Foodhunter

v.li. Hans Jörg Bachmeier, Reinhold Guppenberger, Norbert Spielmann, Ingo Holland

Der gastronomische Leiter der Hirmer Tagesbar ist Reinhold Guppenberger. Dass er immer wieder mit Erich Lejeune verwechselt wird, daran hat er sich bereits gewöhnt. Er hatte auch die Idee, dass Münchner Spitzenköche – wie Hans-Jörg Bachmeier vom Restaurant Blauer Bock – regelmäßig die Gäste mit fein abgestimmten Menüs überraschen. “In der Regel gibt es einige feine Vorspeisen wie Carpaccio, gegrilltes Gemüse oder Bruschetta, frisch aufgeschnittene Schinkenspezialitäten wie San Daniele, Parma oder Culatello, Salami, dazu hausgemachte Suppen und ein bis zwei Tagesgerichte”, erklärt er. So viel geballte Food-Kompetenz verleiht der verstecken Gourmet-Tagesbar im Modehaus Hirmer vielleicht bald einen besonderen It-Place-Status.

Hirmer Tagesbar, Foto Foodhunter

Plaudern an der Bar, genießen auf Lederbänken oder grünen Polstern, Blick aus Weinkühlschränke und Gewürze von Ingo Holland. Eine Berkel für den feinen Parma und Espresso von Vits…

HIRMER Tagesbar, Foto: People Picture / Jens Hartmann

Bei der Berkel werden selbst Spitzenköche wie Hans Jörg Bachmeier schwach. Foto: People Picture / Jens Hartmann

 

 

BavariaDogs – der Weißwurst-Hotdog

Pop-up-Imbiss in der Schellingstraße 16 in München-Schwabing. Imbiss? Nichts Besonderes, hätte Thomas Kischnick nicht den ersten BavariaDog – auf gut deutsch Weißwurst-Hotdog – im Angebot.

Tipp von Dirk Vangerow, Fotos Foodhunter

Große Leidenschaft und Experimentierfreude waren erforderlich, denn die Weißwurst muss schließlich ohne “Darm-Hülle” ins Laugenstangerl. Jetzt war  Eröffnung und der Andrang enorm. Die Imbissstube ist nicht allzu groß: eine kleine Sitzecke, eine Theke mit Frischkäse-Buffet und den drei “Senfspendern mit den verschiedenen Senfrichtungen – traditionell (3 Euro, süßer Senf mit Chutney), scharf (3,50 Euro, Senf  mit Meerrettich) und original (3,50 Euro, süßer Senf mit Honig-Laugencroutons). Alle gut, aber eine leichte Vorliebe zur traditionellen Variante haben wir. Tipp: bei den Preisen gibt es 50 Cent Studentenrabatt (mit Ausweis).

Viel Abwechslung auch bei der “KugelKaas” –  große Frischkäsekugeln (je 3 Euro mit Laugenstange)  in verschiedenen Geschmacksrichtungen: Münchner Obatzter, Meerettichfrischkäse, Jalapeñofrischkäse, Honig-Senf-Frischkäse, Aprikosen-Rosmarin-Frischkäse, Rucolafrischkäse, Radieserlfrischkäse, Tomaten-Basilikum-Frischkäse. Unser absoluter Liebling bislang: Meerrettich!  BavariaDogs ist eine rundum gelungene Idee, die sicher einen langen und internationalen Erfolgsweg vor sich hat.

BavariaDogs, Schellingstraße 16, Mo-Sa 11-20 Uhr

Bavaria Hotdog, Foodhunter

Bavaria meets Mango Beef. Champor – die perfekte Mischung

Sie ist so schön als sei sie geradewegs einem Bollywood-Film entstiegen, doch von Eitelkeit keine Spur. Kiren Alt, die – wäre sie nicht mit einem Bayern verheiratet – den klangvollen Namen Kiren Kumari D/O (daughter of) Amrik Singh tragen würde, versprüht ihren natürlichen Charme wie ein edler Flakon sein feines Parfum. Seit 10 Jahren gibt es das Champor und mehr als beschämt sind wir, es erst jetzt entdeckt zu haben. Es ist schließlich das erste malaiische Restaurant Deutschlands.

Autor Sabine Ruhland

Es ist ein kalter Tag, stürmt und regnet. Draußen auf dem Parkplatz ein 80er Jahre Areal nebst Supermarkt und Hochhaus. Randgebiet Ost-Bogenhausen. Hier ein malaiisches Restaurant? Mutig – und eine Überraschung. Denn kaum  eingetreten ist alles was draußen grau wirkte, wie weggeblasen. Farbenfroh die Wände, bunt die Kissen, Kerzenschein, warme Lampen, Korbstühle, Bilder der Familie. Dazu eine sympathische Chefin, die locker 10 Jahre jünger aussieht als sie ist. “Gute Gene”, lacht Kiren. Nicht minder charmant, ihr Mitarbeiter Garoon. “Garrroon” ruft sie ihn, mit dem typischen weichen und am Gaumen ausrollenden “rrr”. Garoon ist kein unbeschriebenes Blatt für uns Münchner, lange Jahre  im Trader Vic’s im Bayerischen Hof, das war eine gute Schule und wir wohl damals schon süchtig nach seinen Drinks. “Papa Mai Tai” oder “Baby Mai Tai”? fragt er lächelnd. Wir verlangen den ‘Papa’ und bekommen einen Cocktail, wie er besser kaum sein kann.

Champor, foodhunter.de

Die Rezepte der Mütter

Champor, das bedeutet übersetzt “gemischt”. Ist es, denn die malaiische Küche profitiert vom gesamten asiatischen Raum, besitzt Einflüsse aller Nachbarn, Inder, Chinesen, Eurasier, Thailänder. Während Kiren aus Nord-Malaysia stammt (Penang), kommt Köchin Mrs. Kasaraporn aus dem Süden Thailands. Beste Voraussetzungen für “Champor”, eine perfekte “Mischung” und damit authentische malaiische Küche. Beide Frauen hüten die überlieferten Rezepte ihrer Mütter und Großmütter – im Champor zum Leben erweckt. Alles ist hausgemacht, typisch malaiisches “Street Food”, wie Kiren gerne sagt. Spezielle Currymischungen aus Malaysia, selbst gemachte Pasten, die im Mörser gerieben werden, das warme Roti, ein hauchdünnes Fladenbrot, mit dem sich herrlich in die Reste der Saucen dippen lässt.

Wir bestellen einen Vorspeisenteller, der uns süchtig macht: warme Dim Sum, gefüllt mit Soft Shell Crabs, daneben Riesengarnelen eingewickelt in ein Salatblatt und hauchdünnes Reispapier – exzellent, kühl und erfrischend. Die dritte exotische Gaumenfreude: Pandan-Chicken, Huhn, gekocht im Pandan-Blatt, das ihm ein besonderes Aroma schenkt. Eine Offenbarung. Die vierte Komponente: Ein warmes Wan-Tan-Köbchen, gefüllt mit sehr klein geschnittener Schweinelende, leicht scharf angemacht. Zu allen Vorspeisen gibt es spezielle Saucen und allein dieses kulinarischen Arrangements wegen würden wir jeden Weg auf uns nehmen.

Champor, Foto Foodhunter2

Die Vorspeise der Götter – wer im Champor einkehrt, sollte auf diesen Genuss nicht verzichten

Zur Hauptspeise Mango Beef. Verwendet wird Bio-Mango, reif und faserfrei. Genialer Genuss aus dünnen Fleischstücken, gut gebraten und kombiniert mit der hauchzart-säuerlich-süßen Mangokomponente. Dazu Fischcurry und Riesengarnelen nach malaiisch-indischer Art. Schließlich soll der Tisch bersten. Tut er noch nicht. Dann ist noch Platz für Tofu mit Gemüse, kredenzt im warmen Tontopf. Wir sind schließlich zu dritt, beruhigen wir uns. Das Gemüse hat Biss und einen sensationellen Geschmack. “Da sind wir altmodisch”, sagt Kiren, “wir kaufen das Gemüse frisch und schneiden es von Hand. Vorgefertigte oder vorgegarte Produkte mögen wir nicht.” Was die Schärfe betrifft, die darf der Gast vorher selbst bestimmen, wobei man sich bewusst sein sollte, in einem malaiischen Restaurant zu sein, da ist Würze schlichtweg Teil der Kultur.- Ebenso wie die Freude am Genuss. Take-away gibt es im Champor nicht, die Gäste sollen den Geschmack mit gleicher Muße zelebrieren wie die Köche die aufwendige Zubereitung. Zum Abschluss können wir den in Kokosraspeln gewälzten süßen Kugeln, innen leicht fruchtig, nicht widerstehen. Vorsicht: ziemlich gehaltvoll. Getrunken wird in aller Regel Tee zum Essen, wir wählen einen Jasmin-Tee, doch Kiren hat deutsche Weine und Biere auf der Karte, da ist für jeden Gaumen etwas dabei.

Champor, Foto Foodhunter

Warme Atmosphäre – Malaysia mitten in München

Champor, Foto Foodhunter,

Die Familie spielt die Hauptrolle. Viele Bilder erinnern an die Generationen

Inzwischen ist das Lokal gut gefüllt, gemischtes und internationales Publikum, denn das Champor  hat sich trotz seiner innerstädtischen Randlage selbst unter München-Touristen herumgesprochen. Wie auch bei Feinschmeckern  des Münchner Umlandes. Ingolstadt, Augsburg, Rosenheim – die Gäste kommen von überall. “Ich habe noch ein Restaurant in Haag”, sagt Kiren. Du liebe Zeit, das ist ja eigentlich tiefste bayerische Provinz, wenngleich wir dort Christians’s Restaurant lieben und gerne die Familie Raupach und ihren Bio-Hof besuchen. Das dürfte schwer sein für die malaiische Kost. Kiren lächelt. “Inzwischen haben wir uns einen guten Ruf erarbeitet, außerdem wohne ich da und wollte ein Stück Heimat.” – Wie schön, Kiren hat ihre Heimat nach Bayern gebracht  und uns damit einen Abend lang Urlaubsgefühle beschert.

Champor, Foto Foodhunter,

Neben “Papa Mai Tai” kosteten wir auch diesen Cocktail, Penang, nach der Heimatstadt von Kiren. Etwas süß, mit raffiniertem Kokosgeschmack.

Champor, Foto Foodhunter2

Das Dessert: kleine Kokosbällchen mit zart-süßer Fruchtigkeit im Inneren.

Champor
Warthestraße 5, 81927 München, Tel.: 089 / 993 177 64
Mo – Do 11.30-14.30 Uhr, ab 18 Uhr
Fr / Sa ab 18 Uhr
www.champor.de
Shil Diya
Mo – Fr 11-14.30 Uhr, Do-Sa ab 18 Uhr. 
Hauptstrasse 15, 83527 Haag
www.shil-diya.de 

 

Afghanische Kost.1001 Nacht auf dem Teller

Es ist eine Erfolgsgeschichte von Miro und seiner Familie. Vor rund 10 Jahren starteten sie in Münchens Hackenviertel mit ihrem ersten Restaurant. Lemar. Dann folgten Schwabing, Starnberg und nun die Thierschstraße im Münchner Zentrum. Glücklich, wer im Lehel wohnt. Da hat der Verlag mal wieder Glück gehabt. 

Auto Sabine Ruhland

Vorab: Die afghanische Küche ist der persischen, pakistanischen oder indischen so fremd wie die bayerische der französischen. Wichtig, denn viele werfen Exotisches gerne in einen Topf. Afghanische Küche  ist leicht und bekömmlich, weder süßlich noch zu scharf – außer die Schärfe wird dezidiert verlangt. Dann allerdings dürften einige Schweißperlen auf der Stirn erscheinen.

Gekocht wird frisch, sehr viel Gemüse – ein Hauptbestandteil auch in Ostafghanistan, jener Region aus der Miro und seine Familie stammen. Für Gemüse, Gewürze und Kräuter ist Miro viel unterwegs, holt sich die Produkte bei Asiaten, Marokkanern oder bestellt direkt in Indien, bevorzugt den Safran, denn Geschmack und Qualität gehören zusammen.

Die Rezepte sind original, weitergegeben von der Mama und alles wird selbst hergestellt, wie auch die zweierlei Chutneys, die automatisch auf die Tische wandern. Das scharfe grüne Chutney mit grünem Koriander, Schwarzkümmel und Chili sowie das süßlich-pikante rote Chutney mit roter Paprika, roter Bete, Aprikosen, Honig und Kardamom.

Für den Lammspieß Quabelli Palau mit Basmatireis, Rosinen und Pistazien beispielsweise wird das Lammfleisch schon zwei Tage vorher in einer Marinade aus Joghurt, Kardamom, schwarzen Pfeffer und Chili eingelegt, um es zart zu machen. Hackfleischspezialitäten werden nur für größere Gesellschaften zubereitete, denn gerade bei diesem Fleisch ist Frische wichtig und deshalb muss es am gleichen Tag verarbeitet werden, bekräftigt Miro. Getrunken werden traditionell Säfte zum Essen, doch es finden sich zahlreiche Weine aus Frankreich und Italien auf der Karte, um den Wünschen der Gäste zu entsprechen. „In Afghanistan gibt es zwar Weinberge“, lacht Miro, „aber wir machen Rosinen aus den Trauben und leider keinen Wein.“  Das orientalische Ambiente der beiden Lemar-Restaurants tut ein Übriges, den Abend in ein kleines Märchen aus 1001 zu verwandeln, Goldornamente an den Wänden, romantische Sitznischen und geflochtene Lampen zaubern exotische Stimmung. An schönen Tagen werden die bodentiefe Fenster zur Straße geöffnet und Urlaubsfeeling macht sich breit. Foodhunter-Tipp: wer erst mal kosten will, Mittagsmenüs (11.30-14.30) gibt es ab 8,90 Euro.

Lemar, Thierschstraße 5, 80538 München