Kategorie-Archiv: Beneluxländer

Glühbier, eigentlich ein Glühkriek. Das Original kommt aus Belgien

Glühbier ist kein heißes Pils, Schwarzbier oder Weizen, sondern wird auf Grundlage eines außergewöhnlichen Kirschbieres in einem ca. 2 Jahre dauernden Prozess hergestellt. Kriek, das heißt auf flämisch Sauerkirsche. Genau von dort kommt das Glühbier. Genau das steckt auch drin, im Glühbier. Also munkeln viele, es sei Bier, gemischt mit Kirschsaft oder Kirschlikör. In den Nachahmer-Bieren vielleicht. Im Original, dem belgischen Glühbier von Liefmans, ist weder Saft noch Likör drin. 

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter 

Nicht nur die Bayern brauen gutes Bier, auch die Belgier immer schon – und zeigen sich dabei mehr als experimentierfreudig. Kriek beispielsweise ist ein traditionell hergestelltes Fruchtlambic mit 4-6 % Alkohol. Lambic ist eine Bierspezialität, die durch Spontangärung entsteht.

Die Zutaten für Lambic sind wie bei anderen Bierbrauverfahren Wasser, Malz, Hopfen. Nur Hefe wird nicht zugesetzt. Statt dessen wird die  Bierwürze  in einem Kessel mehrere Stunden gekocht und anschließend der Sud in einen offenen Bottich gelagert, in dem die Würze bei Zimmertemperatur einige Stunden stehen bleibt. Dank ausgeklügelter Luftzirkulation wird somit die Hefe aus der Luft „eingefangen“.  So entsteht letztlich ein Bruin-Bier, ein Braun-Bier.

Sind die Kirschen reif,  fügt der Braumeister dem mindestens ein Jahr gereiften Bruin-Bier die frisch geernteten Kirschfrüchte zu. Für ein 100 Liter Fass Kirschbier werden 13 kg frische Kirschen (die gesamte Kirschfrucht) benötigt. Das Braun-Bier reift mit den Kirschen noch ca. 6-12 Monate in Eichenfässern zwecks zweiter Gärung durch Fruchtzucker bis das Kirschbier (flämisch = Kriek) seine rötliche Farbe und den fruchtigen Kirschgeschmack erlangt hat.

Damit ist es noch kein typisches Glühbier, denn es so gereift mundet es im Sommer auch kalt getrunken, genauso. Für den Wintertraum Glühbier geben die Hersteller deshalb noch Weihnachtsgewürze und Kandiszucker hinzu, Zimtstangen, Nelkenknospen und Anisfrüchte. Alle Früchte und Zutaten werden mit dem Kirschbier weitervergoren und geben so ihr ganzes Aroma an das Bier ab

Inzwischen ist das Glühbier, sorry, das Glühkriek, recht beliebt auf deutschen Weihnachtsmärkten. Süffig-süßlich, leichte Herbe, fluffige Schaumkrone. Eine perfekte Alternative zum herkömmlichen Glühwein.

Lust auf eine Kostprobe? Foodhunter richtet auch in diesem Jahr den Weihnachtsmarkt auf der Dachterrasse des Oberpollinger München aus. Der kleine, feine und höchstgelegene Weihnachtsmarkt der bayerischen Landeshauptstadt. Klar, dass es eine Glüh-Hütte gibt, mit original Liefmans Glühbier aus Belgien. 29.11-23.12. Mo-Sa 12-20 Uhr. Außerdem ist es bei der Giesinger Brauerei erhältlich. In der Literflasche oder im  30l Fass. www.giesinger-braeu.de

 

 

 

Copenhagen Cooking – größtes Gourmetfestival Europas

Hip Hip Hurrah! Mit dem offiziellem Plakatmotiv  in Anlehnung an das bekannten Gemälde von p.S.Kroyer 1888 “Hip Hip Hurrah“ lud  die Stadt,  gerade wieder vom Lifestylmagazin „Monocle“ als lebenswerteste Stadt der Welt ausgezeichnet zum größten Gourmetfestival von Europa ein: Copenhagen Cooking 2013. Essen auf dem Dach, unter der Brücke, auf dem Schiff, im Untergrund, im Atombunker, im Botanischen Garten, auf der Straße und in michelinbesternten Restaurants. ORGANIC-und SOCIAL FOOD auf Sterneniveau beim größten Kochfestival in Europa. Muss man da nächstes Jahr hin? JA. Meint auf jeden Fall Foodhunter-Autor Rudolf Danner. 

Autor Rudolf Danner, Fotos Foodhunter

ARCHITEKTUR-WELTLITERATUR-KOCHKULTUR im BLACK DIAMANT. 150 Veranstaltungen boten vom 22.August bis 1.September 10 Tage lang Nordic Taste an den ungewöhnlichsten Plätzen. Besonderes Augen-,  Zungen- und Gaumenmerk galt neben dem organischen vor allem dem sozialen Aspekt des Essens. Auf der Eröffnungsveranstaltung im Black Diamant, einem architektonisch beeindruckenden schieferverkleideten Würfel, dem Sitz der königlichen Bibliothek, präsentierte Adam Price Starköche wie den Libanesen Kamal Mousawak vom Souk el Tayeb, Christian F. Puglisi vom Relae in Kopenhagen und den Brasilianer Alex Atala vom D.O.M., die nach kochphilosophischen Statements  gewürzt mit sehr unterhaltsamen Anekdoten und Diskussionen auch ein gemeinsames Mahl zelebrierten.

Dinner bei Mondschein und Kerzenlicht  auf der Dachterrasse des  Axelborg Gebäudes

15 Michelinsterne leuchten über 13 Restaurants  der Stadt, wir durften ein romantisches  Dinner bei Mondschein und Kerzenlicht  auf der Dachterrasse des  Axelborg Gebäudes genießen. Beim Aufstieg überraschte Rasmus Bo Bojsen auf jeder Etage mit dänischen Leckereien( knusprige Schweinebauchcrackers, Erbsensuppe mit Apfel, nordische Nachos, Brombeeren, geräucherter Schinken) und ließ dann hoch über Kopenhagen mit phantastischem Blick auf den bunt  illuminierten Tivoli ein wahrlich denkwürdiges „URBAN ROOF DINNER“ servieren: Schweineohren mit Cherrypflaumen, gesalzene Piniennadel Meringue, Makrele aus der Tomatendose, dänischer Sommersalat mit gerösteter Hühnerhaut, Schweinerippchen mit Biowurzeln und winzigen neuen Kartoffeln und als krönenden  Abschluss “The Giant Eskimo“  -Vanilleeiscremeskulptur mit Beeren und der unglaublich intensiven Oialla Schokolade aus der eigenen Manufaktur mit 70% Kakaoanteil – ein Dessert mit Suchtpotential.

Torvehallen, Kopenhagens Foodparadies und Szenestraße Jaegersborggade

Auf 7000 qm,  in zwei Glas Pavillons findet der Besucher an über 100 Out- und Indoor-Verkaufsständen neben regionalen und internationalen Premierprodukten auch spezielle Essensangebote. So begeisterte uns ein  cremiges  Barleyotto mit Sommerzwiebeln, dänischem Käse, Haselnüssen und Brunnenkresse im kleinen Restaurant GROED. In Jaegersborggadegarde, einem angesagten Szeneviertel mit Sternerestaurant Relae , Manfreds&Relae-Bistro und Weinbar Terroiristen, Maiers Bakery mit Sauerteigbrot und unvergleichlichen Zimtschnecken, Kaffeebar mit Barristaweltmeister ist ein neuer Foodhotspot entstanden.

Sternelunch im Kadeau- Kulinarisches von der Insel Bornholm

Das 2013 aktuell besternte Kadeau,  von der Insel Bornholm nach Kopenhagen gewechselt, setzt ausschließlich auf regionale hochwertige Organicprodukte. Vor einer riesigen Regalwand bestückt mit hunderten von  gefüllten Einmachgläsern und mit Blickkontakt zur offenen Küche werden in gehobener  Bistroatmosphäre die spannenden Appetizer serviert: dehydrierte rote Beete, Erbsen mit Sprossen und Linsenemulsion, Gockelherzen, Entenbrust mit Hagebutten und besondere Kräuter von Salzwiesen.

Auf der Bornholmbank (Menüname) stehen Steingutschalen mit blauen winzigen Muscheln, Bohnen, Strandkräutern und grünem Erdbeerwein, es folgen Steinbutt mit Broccoli, Stachelbeeren und brauner Butter, komplette Hühnerfüße mit farbigen Karotten und zum Dessert Himbeeren,  Sauercreme,  Rosenblätter und Kamille.

ORGANIC FOOD UNDER THE BRIGDE

Ein Vorgeschmack der neugierig macht, denn erst im Herbst soll das Restaurant Stedsans unter der Knippelsbrücke in Sichtweite des Black Diamants eröffnet werden. Ein lockeres kommunikationsfreudiges Völkchen wartete an der langen Tafel geduldig auf simple rein geschmacksorientierte Gerichte, wie Gurken mit Schafkäse, geschmortes Wurzelgemüse mit Blattwerk serviert, Salate gegrillte Scampi, Ochsenherzfetzen mit Rüben und Beerencreme. Der unfiltrierte naturbelassene weiße Biowein von Rosforth ließ neben dem Traubengeschmack sogar den sonst wenig geliebten Restzucker vermissen und der Rote aus dem Kaukasus hatte ähnliches Geschmackspotential. Genial aber die Atmosphäre unter der nur schwach mit Laternen beleuchteten Brücke direkt am Wasser – ein kulinarisches Abenteuer mit wahrlich organischem, sozialem Aspekt, das bei Champagner um Mitternacht ein beeindruckendes Ende  fand, oben auf dem Brückenturm, der den 200 Kronenschein ziert.

Copenhagen Cooking, Foto Foodhunter (3)

SINGAPUR STREETFOODFESTIVAL

Der Besitzer der Restaurants NAM NAM in Singapur und Kopenhagen, Vater der neuen nordischen Küche und Mitbegründer des Restaurants Noma Claus Meyer hat Köche direkt aus Singapurs Hawkercenter eingeladen, um authentisches Straßenessen im Herzen von Vesterbro anzubieten.

MIT AAMANNS SMÖRREBROD- PICKNICK im Botanischen Garten

Eine reich bestückte Picknicktasche mit den berühmten Smörrebrotklassikern von Aamann, das Festival Champagnerbier mit goosberries von Mikkeller waren die Zutaten für ein unvergessliches Picknickerlebnis im  traumhaften Botanischen Garten.

Krebsessen im Tivoli-Crayfish Galore !

Ca. 5 Millionen Kilo verzehren die Schweden jedes Jahr und während des Festivals bieten Restaurants im Tivoli die Krebse auch in Massen (engl.galore) an. Wir entschieden uns für das Faergekroen Bryghus, idyllisch mitten im Park am See gelegen und mit einem süffigen Blond Lager Bier. Das Adventurous Crayfish Menü: Gegrillten Krebse, grüne Spargelsuppe mit Muscheln und Krebsen, Steinbutt mit Krebsen und eine Zitronentarte mit Himbeersorbet.(495.-Kr.)

Copenhagen Cooking, Foto Foodhunter (2)

NORDIC TASTE

In wunderschöner historischer Umgebung, eingebettet in Parkanlagen präsentieren sich in weißen Zelten über 50 dänische, norwegische und schwedische gehobene Restaurants und Produzenten mit innovativen kleinen Gerichten und besonderen Produkten. Eine Augenweide und eine Fülle von Geschmackserfahrungen, ein kulinarisches Paradies für jeden Besucher.

Check in: Steinzeitküche mit Stern von Thomas Rode im Flughafen

Mitten in der Duty free Shoppingmeile ein besonders gestyltes Pop-up Restaurant, offener kleiner Küchentrakt, 10 Tische und ein weltweit wohl einzigartiges Konzept : Sternelunch vom Sternekoch Thomas Rode live zubereitet bzw. angerichtet, wenn gewünscht in 15 Minuten und zu einem angemessenen erschwinglichen Preis (38.-Euro). Thomas Rode vom Restaurant Kong Hans Kaelder verzichtet auf Milch- und Getreideprodukte, verwendet ausschließlich Naturprodukte, die auch in der Altsteinzeit verfügbar waren, bindet Suppen und Cremes z.B.  mit Avocado, erhitzt keine Pflanzenfette und vermittelt eine begeisternde leichte nachhaltige Geschmackserfahrung. Die zukunftsweisende Philosophie in seinem Buch „Stone Age Diet“, soll jetzt  auch in deutscher Sprache publiziert werden. Der erste Paläogruß, saftiges Brot gebacken aus Entenfleisch, verschiedenen Nüssen und Sauerkraut, ein vorher nie gegessenes Highlight. Auf Ceviche von Makrele und dehydrierten Tomaten oder Erbsensuppe mit geräuchertem Lachs, Minze und Erbsengranulat folgten als Hauptgang geschmorter Kalbsschwanz mit Karotten und brauner Butter oder Kabeljau, Garnelen Kraut, Dillsauce, gegrillte Zwiebel. Das zuckerfreies Dessert: Walnussmousse, Vanilla  Zitronenverbene,  Birne oder Black forrest gateau: Schokolade, Beeren und Waldmeister-beendeten unsere kleine Gourmetreise in die Altsteinzeit. Voller Glückshormone checken wir wieder in der Neuzeit ein. Flugnummer: SK 2657

Copenhagen Cooking, Foto Foodhunter (1)

Soziales Verhalten, positive Gestimmtheit, Kommunikationsbereitschaft und Moral lassen sich über die Ernährung steuern. Bestimmte Nahrungsmittel bzw. deren Inhaltsstoffe z.B. in Schokolade mit hohem Kakaoanteil oder Banane, oder die Mineralstoffe Magnesium, Zink in Hülsenfrüchten und verschiedene B Vitamine etwa in Nüssen ermöglichen eine verstärkte Serotoninbildung, die z.B. rotes Fleisch eher verhindert. Konsequent in einer Menüfolge umgesetzt könnten diese Erkenntnisse die Genussfähigkeit erheblich steigern und den Gourmet ins kulinarische Nirwana führen. Gesundheitspass mit Unverträglichkeiten, Blutwerten, Hormonspiegel, Vitamindefiziten, Leberwerten -Zukunftsmusik für Küchenchefs und Sommeliers  beim Restaurant-Check In? Personalisiertes Kochen ohne Genusseinbußen-die neue Herausforderung –ein mögliches Motto für „Copenhagen Cooking“  2014 ? Uns jedenfalls hat das Motto: Sozial- Organic Food einen hohen Serotoninspiegel beschert und die neue nordische Küche hatte erheblichen Anteil daran. Hip Hip Hurrah ! Bis zum nächsten Jahr !

 

 

 

Die Küche in Antwerpen setzt ‚MAS’stäbe

MAS, “Museum aan de Stroom“. Ein architektonischer Verführer in Antwerpen, der einen ebenbürtigen kulinarischen Partner hat: 2-Sterne-Koch Viki Geunes und sein „’t Zilte“ (das Salzige)  im 10. Stock des Museums.

Autor und Fotos Sabine Ruhland

 

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Das Restaurant zeigt sich grandios ausstaffiert – hinsichtlich Interieur wie auch des Service, der sich im gut sitzenden Anzug und schwarzen Handschuhen selbst der Brotkörbchen-Füllung mit einer Detailgenauigkeit widmet, die MASstäbe setzt. „Wir streben die absolute Perfektion an“, sagt Viki Geunes, den die Höhe über der Stadt weiter zu beflügeln scheint. „Hier oben haben Sie ein ‚internationales’ Panorama, wodurch man auch internationaler denkt und noch kreativer wird.“

Das zeigen seine Gerichte. Purismus auf der Karte „Martinicocktail-Oliven-Anjovis-Bergamotte“, ein Geschmacksfeuerwerk im Mund. Crunchige Texturen vereinen sich mit Frische und Leichtigkeit und lassen die Gäste staunen wie Kinder.  Ganze Gerichte, die manchmal auf einen Löffel passen und nicht seziert, sondern genossen werden möchten. Wie auch die Pilze mit Strandschnecke und Heringskaviar oder das Schwein in Kombination mit Kürbis und Kumquat, was das einfache Fleisch in erfrischende Höhe steigen lässt.  – Keine Frage, ob Sterneköche oder junge Wilde, die Hochzeit für Flanderns Küche ist angebrochen.

Restaurant ‘t Zilte, Museum MAS, Lift Nr. 9, Hanzestedenplaats 5, 2000 Antwerpen. www.tzilte.be

Viki Geunes, Antwerpen, Foto Foodhunter

 

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Restaurantempfehlung in Brügge: Zeno

Brügge, im Sommer ein Touristenmagnet, das Schicksal mit Venedig teilend: Tausende von Touristen, die durch die Gassen strömen, für Grachtenfahrten Schlange stehen und die Schokoladengeschäfte stürmen. Der Ansturm ist verständlich angesichts einer Stadtkulisse, die einem Harry Potter Film entsprungen zu sein scheint. Türme, die sich hinter schmalen Häusern in den Himmel recken, dunkle Wasser, die unter steinernen Brücken gurgelnd von einem gefräßigen Schlund aufgesogen werden, das Geklapper der Pferdehufe auf dem Kopfsteinpflaster, wenn Droschken durch die Gassen holpern.

Text und Fotos Sabine Ruhland

Ab November ist Brügge weit weniger besucht, ein Dorado für Romantiker und all jene, die im Licht von Kaminfeuer und Kerzen einer winterlichen Melancholie verfallen wollen. Seelenheil ist nicht fern, Brügge ist die Stadt der Chocolatiers und des Zeno, gelegen in einer Stadtvilla, die durch tiefe Fenster das Licht  ihrer Kronleuchter wie Goldtaler auf die Straße wirft.

Die Dekoration so kunstvoll, dass kaum eine Gabel wirklich zustechen mag

Der Empfang herzlich. Das Essen von Anfang bis Ende eine Überraschung.Die Miesmuscheln liegen auf einem Bett kleiner Muschelschalen, baden in einer grünen Soße aus sieben Kräutern, wobei die Zitronenmelisse ihre Frische gekonnt in den Vordergrund rückt. – Die dritte umwerfende Vorspeise nach den hauchzarten Blätterteighütchen mit einer Creme aus Käse und Bier sowie einer Kürbissuppe, bedeckt von einem kühlen Buttermilchschaum, und damit dem Gaumen ein sinnliches Warm-kalt-Erlebnis gönnend.

Wir sind bei Reinout Reniere, der in der Villa kocht und lebt. Die Küche ist winzig, liegt am Ende des Ganges, seine Frau hilft im Service, die Töchter hüpfen nach der Schule die Treppe hinauf, der Kellner im Anzug präsentiert die hausgemachte Brotvielfalt  mit gleicher Aufmerksamkeit wie Essen und Wein. Wir sind binnen Minuten entschleunigt, genießen es, zwischen Kristall und Marmorkamin zu sitzen und auf die Gemälde des Vaters von Reinout zu blicken, der sich der Kunst gleichermaßen hingibt wie der Küche.

Zeno, Brügge, Foto Foodhunter

 

„Von meinen Eltern habe ich diese unbändige Lust aufs Kochen geerbt. Es liegt mir im Blut“, sagt Reinout Reniere, heute gerade 29 Jahre und seit fünf Jahren bereits Chef des Zeno. Eine Herausforderung, doch das passt zu seinem Lebensmotto: „I don’t like it easy“. Was dem perfekten Auftakt folgt,  ist „Plaice“, eine Scholle, die der Koch mit Kürbismousse und Shrimpssoße kombiniert und eine Ente, die wie ein Rehfilet anmutet und von frischen kleinen Gemüsen garniert ist. Es zergeht auf der Zunge. Die Produkte sind handverlesen, Reinout arbeitet mit ausgesuchten Farmern zusammen, hat seinen persönlichen Lieblingsplatz bei Loca Labora, seinem Kräuterlieferanten. Als wir ihn verlassen, tragen wir ein seliges Lächeln im Gesicht.

ZENO, Vlamingstraat 53, 8000 Brugge. www.restaurantzeno.be

Zeno, Brügge, Foto Foodhunter

Zeno, Brügge, Foto Foodhunter

 

 

 

Gent – Flanderns märchenhafte Kulisse

Brügge, Gent, Antwerpen. Wo sich im Sommer Millionen von Touristen durch die Gassen quetschen, herrscht im Winter eine melancholisch-schöne Stimmung. Chocolatiers sorgen für Seelenheil, die jungen wilden Köche für innovative Gaumenfreuden. Flandern ist ein traumhaftes Winterziel. Hier unsere Tipps für Gent.  
Autor und Fotos Sabine Ruhland 

Es ist winterlich kalt, 18 Uhr am Abend, doch die Lichterstadt Gent mit ihren Gildenhäusern erstrahlt in warmen Licht. Unser Taxiboot dümpelt erwartungsvoll am Steg Korenlei, warme rote Kuscheldecken liegen auf den Holzbänken bereit, auf den Tischen, hübsch dekoriert, Prosecco und Häppchen. Die Fahrt ist märchenhaft, sofern (Mütze, Handschuhe und  Schal nicht vergessen), führt entlang prächtiger, erleuchteter Baudenkmäler: St. Bavokathedrale, Belfried und St. Nikolauskirche, Gravensteen (die Burg der Grafen von Flandern), Prinsenhof (Geburtshaus Kaiser Karls V.), Fischmarkt und Fleischhalle aus längst vergangenen Zeiten. Nach 30 Minuten ist die Fahrt beendet. Wir frösteln. Ein bisschen auch vor Glück.Gent verdankt seinen Namen dem ‚selbst ernannten Kaiser’ Karl V., dessen Ziel es war, Paris wirtschaftlich „in den Handschuh (franz. Gant) zu stecken“, was heute so viel bedeutet wie ‚in die Tasche zu stecken’. Gent ist für Insider die schönste Stadt Flanderns, quirlig durch ihre Studenten, opulent ausgestattet mit einer geradezu „kathedralischen“ Kulisse und eine liebevolle Hartnäckigkeit pflegend: kein Schokoladen-Tourismus und alle Fassaden müssen erhalten bleiben, wer auch immer kaufen oder bauen will.

Volta, Gent. Foto Foodhunter

Volta, Gent. Foto Foodhunter

Genuss in einer Stahlfabrik: VOLTA

Auch einer der kulinarischen Hot-Spots der Stadt, das Volta, residiert in denkmalgeschütztem Ambiente. Das Restaurant hat sich eine ehemalige Stahlfabrik als Adresse erkoren. Stahlträger, Ziegelwände und 10 Meter hohe Decken kokettieren mit einer fast schon filigran wirkenden gläsernen Küche, einsehbar für alle Gäste. Statt heißen Stahlfeuern lodern die Pfannen, dampfen die Töpfe, doch kaum ein Geräusch ist zu vernehmen. Alle sieben Mann arbeiten routiniert und leise wie ein Uhrwerk. Chef ist Olly Ceulenaere, ein Foodie-Mitglied, jene Gruppe, die schon vor der Ära der jungen Wilden auf Top-Produkte und Top-Qualität setzte und es zugleich schaffte, Gourmets in Ekstase zu versetzen. Ollys breites Lachen ist ansteckend, er lässt seine wasserblauen Augen blitzen wie Opale. „Ich habe richtig Spaß an dem, was ich mache.“ Das ist Antrieb und Philosophie zugleich. Gute Produkte sucht und verwendet er, soviel wie möglich aus der Region, was schon die erste Vorspeise bekräftigt: Austern aus Grevelingen an der niederländischen Küste in Liaison mit hauchdünnen Radieschenscheiben. Der Meeresfrische folgt Leichtes – Frischkäse mit Pfifferlingen und Pampelmuse – sowie Erdiges in Form von halbfestem Eidotter mit Spinat, exzellent angerichtet auf einem hauchzarten Kräuterspiegel. Das Hauptgericht nennt sich Hase „Royale“. Der Name sagt alles. Royale Kochkunst haben auch wir hier erleben dürfen.

Olly, Chef des Volta in gent. Foto Foodhunter

Die besten Adressen in Gent

  • DE BOOTJES VAN GENT / Grachtenfahrt (alle Sprachen) mit Aperitif oder anderen Schmankerl. Tel. +32/9/2291716 oder +32/9/2286263. www.debootjesvangent.be
  • Restaurant VOLTA, Nieuwe Wandeling 2b, 9000 Gent, Tel. +32(0)9/3240500. www.volta-gent.be
  • PETITE NORMANDIE. Den besten Käse weit und breit gibt es hier, frisches Brot – einfach ein Traumladen in einer Gasse, die ohnehin den kulinarischen Genüssen gewidmet ist. Donkersteeg 21, 9000 Gent
  • HÔTEL DE FLANDRE. Zwei Postwagenstationen wurden restauriert und in ein Hôtel de Charme verwandelt. Perfekt gelegen, nahe Kornmarkt, Graslei und Burg Grafenstein. Poel 1-2, 9000 Gent, Tel. +32(0)9/2660600. www.hoteldeflandre.be
  • THE HOUSE OF ELIOTT. Überladene Schatzkiste, die sich an den „swinging 20er Jahren* orientiert. Viel zu sehen, gute Küche. Im Sommer Terrasse mit Blick auf den Kanal. Jan Breydelstraat 36, 9000 Gent, Tel. +39(0)9/2252128. www.thehouseofeliott.be
  • SANDTON GRAND HOTEL REYLOFES besitzt das Ambiente eines jahrhundertealten Grand Hotels und ist doch erst anderthalb Jahre alt. Das Hotel liegt fünf Gehminuten vom Zentrum entfernt, bietet Weitläufigkeit, Champagnerbar, Restaurant, Innenhof und Wellnessbereich. Hoogstraat 36, 9000 gent. www.sandton.eu
  • TEMMERMANN bietet die besten Süßwaren der Stadt. Bunte Bonbons und Karamell zieren Gläser und Regale der historischen Zuckerbäckerei. Gefertigt wird nach überlieferten Original-Rezepten. unbedingt kaufen: Cuberdons, denn hier gibt es die echten, auch als „neuskes“ (näschen) bezeichnet.  Außen matt-samtig, innen himbeersüß und geleeartig. ein „nicht-davon-lassen-können“-Geschmackserlebnis. Kraanlei 79, 9000 Gent

Gent, Foto Foodhunter

  • “Ich hole einen Tierenteyn“, heißt es in Gent, wenn jemand Senf kaufen will. Gefertigt wird er in der Senffabrik nach einer Rezeptur von 1818, aus schwarzem Senf, Essig und Wasser und ist von einer milden Schärfe. Da der Senf immer frisch ist, wird er vor Ort in Gläser oder Tontöpfe gefüllt, die Produktion ist auf kleine Mengen reduziert, einen online-Shop gibt es nicht. Ein „Tierenteyn“ hält sich im Kühlschrank 2-3 Wochen. Groentemarkt 3, 9000 Gent.  www.tierenteyn.be
  • Die “Frieten”. Einmal müssen sie sein. Tradition sind Imbisse in steinernen Häuschen, von denen es nicht mehr viele gibt. Am Overzet 16 mitten in Gent residiert noch eine der ultimativen Frittenbuden. Lassen Sie sich von dem Geruch nicht abschrecken, sondern probieren Sie einfach mal eine Portion. Unser Tipp: statt Mayonnaise oder Ketchup “Andalouse” als Soße wählen. SNACKS MESSIAEN. Overzet 16, 9000 Gent.

Gent, Foto Foodhunter

 

 


Léa Linster, Luxemburgs Meisterköchin

Vor einigen Wochen hat sie die königliche Hochzeit von Guillaume von Luxemburg mit Stéphanie de Lannoy kulinarisch begleitet – kein Wunder, ist Léa Linster doch die berühmteste Köchin des kleinen Reiches Luxemburg. Wir haben die quirlige “Entertainerin am Herd” besucht, die als erste und einzige Frau den „Bocuse d’Or“ erkochte.

Autor Sabine Ruhland, Fotos Foodhunter

„Wir haben ja fast mehr über Sie geredet als über Ihr Essen“, kokettiert die Kölner Feinschmecker-Runde. Léa Linster lacht, weiß um ihren Charme und schenkt im Léa Linster Shop in der Luxemburger Altstadt ihren eigens kreierten Crémant aus. Plaudern gehört zu ihrem Handwerk. Wie hat Biolek vor 20 Jahren zu ihr gesagt? „Du bist berühmt wegen deiner Fans.“ Ein Satz, der sie ebenso prägte wie der ihres Vaters auf ihre Frage, wann man denn eigentlich berühmt sei. „Wenn dich Leute kennen, mit denen du persönlich nie etwas zu tun hattest.“ Heute ist sie eine Berühmtheit, nicht nur im kleinen Luxemburg. Seit sie in ‚Lanz kocht’ die Herrenrunden schlagfertig aufmischt, ist sie auch in Deutschland eine der beliebtesten Köchinnen.

Foto Foodhunter

Am Abend treffen wir sie in Frisange, rund 15 Kilometer von Luxemburg entfernt. Ein kleines Dorf mit einem Wasserspeicher, der an einen Atompilz erinnert. Unübersehbar – wie auch das Konterfei der Sterneköchin, das als riesiges Plakat an der Hauswand hängt. Ein schönes Refugium hat Léa Linster geschaffen. Hell und weiß, Farbtupfer in Blau und Grün, ein weißes Piano, romantisch-schönes Geschirr und feinstes Silber. Bodentiefe Fenster, die in den angelegten Garten und auf wilde Wiesen blicken lassen.

Geschäftig rennt Léa hin und her, dirigiert, organisiert, telefoniert, probiert in der Küche. Am Herd steht sie kaum, hat sich eine Crew geschaffen, mit der sie kreieren und entwickeln kann – der Rest läuft von selbst. „Korbi komm her, was gibt es denn heute für die Geburtstagsgesellschaft?“ Korbinian Wolf ist seit acht Jahren ihr Souschef. Auf einer Koch-Castingshow hat sie den sympathischen Bayern vom Tegernsee kennengelernt und vom Fleck weg engagiert. Er setzt sich auf ihre Stuhllehne. Vertraut sind die beiden, wenngleich Léa für alle respektvoll „der Chef“ ist. Ihre Handschrift ist makellos schön – wie die vieler Köche. Sie schreibt die Speisekarte speziell fürs Geburtstagskind, malt noch eine Torte drauf. „Gib mir einen Goldstift – machen wir noch ein bisschen Tamtam”, lacht sie.

Lea Linster, Foto Foodhunter

Die Küche ist offen – Neugierige können den Tisch vorm Tresen haben und dem Geschehen beiwohnen. Wir gehören dazu. Perfekt die Foie gras, Paradedisziplin guter Köche. Leicht fruchtig mit einem Hauch Pfeffer und von begnadeter Konsistenz. Raffiniert das Lamm in Kartoffelkruste. Die Kartoffelspäne werden in Form gebracht und vorgebraten, das Lamm danach damit umwickelt und bei Niedertemperatur gegart. So bleibt innen alles saftig und außen ist alles knusprig.

„Ich bin eine Frau, dazu noch aus dem kleinen Luxemburg. Klar sind die Spitzenköche nett zu mir – für die bin ich keine Konkurrenz!“ 

Während wir die Küche beobachten ist Léa Linster unterwegs an den Tischen, begrüßt die Gäste und löst mit ihrer Fröhlichkeit eine Welle der Heiterkeit aus. Dass heute alles so läuft, war ein steiniger Weg. „Es gab eine Zeit, da wollte ich alles hinwerfen. Ich verkaufe an den Nächstbesten, der kommt, sagte ich damals.“ Der Nächstbeste kam, ein Vertreter, Spießigkeit vom Scheitel bis zur Sohle. Da zupfte ihr kleiner Sohn, damals im Vorschulalter, sie am Rockzipfel und meinte nur: „Also Mama, an den verkaufst du aber nicht. Besser zu verkaufst gar nicht. Ist ja auch mein Restaurant!“ Léa Linster hat nicht verkauft, sondern expandiert. Heute ist sie Marketingprofi durch und durch. Zum Sternelokal kam der futuristische “Pavillon Madelaine” in Kayl mit Bistroküche und das Letzeburger Kaschthaus für private Events in Hellange. Kochbücher, Kochshows, eigenes Geschirr, eigene Weine und Crémant und der Laden in Luxemburg. Wer sich gut vermarkten will, braucht die richtigen Leute um sich. „Ansonsten arbeitet man sich auf.“ Wie gehen ihre große Kollegen mit ihr um? „Ich bin eine Frau, dazu noch in dem kleinen Luxemburg. Klar sind die Spitzenköche nett zu mir – für die bin ich keine Konkurrenz!“ Oh doch, liebe Léa.

 www.lealinster.lu

Lea Linster, Foto Foodhunter

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

Antwerpen – Seppe Nobels und das Graanmarkt

Flandern ist eine der drei Regionen des Königreichs Belgien. Typische Küche? Moules frites – Miesmuscheln mit Pommes frites. Dass es auch etwas raffinierter geht, haben Seppe Nobels aus Antwerpen und sein Kollege gezeigt. Sie waren für einen Abend die Küchenherren in der Kounge von Holger Stromberg. Und danach waren wir neugierig und besuchten Seppe in Antwerpen.

Autor und Fotos Sabine Ruhland

Sieben Uhr morgens in Ranst, am östlichen Rand Antwerpens. Seppe Nobels greift zum Spaten und stapft übers Feld. Wie seine Kollegen hat auch er einen Lieferanten, den er gerne selbst besucht: Sanguisorba, Kräuter und vergessene Gemüse. „Oft entdecke ich einen Stängel, der beim letzten Mal nicht da war. Oder eine neue Blüte an einem nicht geernteten Kraut, die sich als köstlich erweist. Damit experimentiere ich in der Küche“, sagt er, bückt sich und zieht einige Rübchen und süßwürzige Pastinaken aus der Erde, zupft wilden Thymian und Pimpernelle. Was er aus den Zutaten bereitet, zeigt er uns in seinem Restaurant in Antwerpen, Seppe Nobels ist Chef des Graanmarkt am gleichnamigen Platz. Er mag Innereien, alte Gemüsesorten, Krustentiere und französische Küche. Manchmal spielt er mit Extremen, kombiniert Schweinefüße mit Nudeln oder Schweinsohren mit Langusten. Wir bekommen eine Jakobsmuschel mit zarter Blutwurst, die so fein ist, dass sie der Edelmuschel nichts von ihrer Eleganz stiehlt. Der Mini-Eintopf mit Winter-Gemüsen, schön knackig und voller Geschmack, ist pures Soulfood. Gerne hätten wir einen Nachschlag verlangt. Zum Hauptgang Rebhuhn mit Topinambur und einer roten Portweinsoße, die wohlweislich extra angeboten wird, weil sie extrem gehaltvoll ist. Das Pomelo-Sorbet mit einer zitonig-leichten ‚Creme catalan’ ist der krönende Abschluss eines herrlichen Abends.Gerade mal 30 Jahre ist Seppe Nobels (links) und hat bereits je drei Jahre Kochkunst in Italien und an der Cote d’Azur hinter sich, wurde  2005 “bester Nachwuchskoch  Belgiens” und führt das Graanmarkt 13 in Antwerpen. Eigene Kräuter züchtet er, setzt bevorzugt auf regionale Produkte, liebt Frische und Leichtigkeit und erhebt somit die französische Küche  in die Neuzeit. Einen Stern im Guide Michelin gab es noch nicht, “aber eine Erwähnung”, schmunzelt er. Uns er hat er mit einigen ungewöhnlichen Kreationen überrascht.

www.nobelsdining.be

Graanmarkt, Foto Foodhunter

Das war auch in der Kounge von Holger Stromberg schon so:

Auster à la Seppe Nobels. Foto Foodhunter

Auster mit dreierlei Rettich, serviert auf einem kleinen Salzbrocken. Meerrettich, Radi und Radieschen gaben dem Salzigen der Auster einen Extra-Kick.

Makrele à la Seppe Nobels. Foto Foodhunter

Makrele in ihrem Kaviar. Der Fisch hatte nichts Traniges, war wunderbar von der Konsistenz und holte sich die geschmackliche Frische von Apfelspänen und einem hervorragenden Dip, gemacht aus Soja und einem Kräuterlikör.

Muscheln in Fenchelschaum. Foto Foodhunter

Sieht einfach aus, schmeckte aber absolut vorzüglich. Muschelsuppe mit einem Schaum von Fenchel und Strauchtomaten. Soul-Food. Gerne mehr davon!!

Tatar vom Blauweißen Belgier.Foto Foodhunter

Das Tatar vom Blauweißen Belgier (belgische Rinderrasse) war breit genug geschnitten, um vollen Geschmack zu schenken. Dazu gnadenlos gute Frites und ein Sorbet von sehr sauren Belgian Pickles (eine abgewandelte Form der mixed Pickles).

Hummer in einem Bett aus frischem Thymian. Foto Foodhunter

Da wir keine Freunde von “Surf and turf”  sind, sondern die einzelnen Produkte gerne für sich sprechen lassen, war uns die Komposition von Schweinepfötchen und Nordseeummer auf jungem Porree “zuviel des Guten”. Ansonsten an Frische kaum zu toppen.

 

 

 

Luxemburg: Tipps für Genießer

„Mir wölle bleiwa wat mir sin“ prangt in großen Lettern an der Hausfassade in der Altstadt.  Was trotzig klingt, ist verständlich angesichts der Einflüsse. Belgier, Franzosen, Italiener, Deutsche – hier lebt und arbeitet ganz Europa. Trotzdem sind die geheimen, feinen Ecken geblieben. Wir zeigen sie Ihnen. 

Autor Dirk Vangerow

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Spazieren an der Alzette

Im tiefen „Grund“ der Stadt Luxemburg hat sich das Flüsschen Alzette durch eine kleine Schlucht gegraben. Entlang alter Häuser, der Kirche und Befestigungsmauern können Sie herrlich spazieren gehen. Ein Muss“ Nach unten bzw. oben kommen Sie zu Fuß über kleine Serpentinenwege oder per Lift. Einstieg oben: Place du Saint-Esprit.

Luxemburg Wochenmarkt

Liebling Wochenmarkt

Zugegeben, wann immer wir unterwegs sind – wenn ein Wochenmarkt in der Nähe ist, sind wir dort. Jeden Mi und Sa auf der Place Guillaume (Knuedler) von 7.30 bis ca. 13/14 Uhr. Weil bei unserem Besuch auf dem Knuedler-Platz ein Jahrmarkt stattfand, hatten wir das Vergnügen den Markt auf dem Platz zur Goldenen Frau erleben zu dürfen. Herrlich: die kosmopolitische Ansammlung. Erdbeeren aus der Pfalz, Wildkräuter aus Luxemburg, Käse aus Italien. Wir haben mal wieder mehr eingekauft als gewollt.

Lea Linster Delikatessen Luxemburg

Léa Linster Delicatessen

Der Shop liegt im schönsten Altstadtteil und lockt mit Törtchen und Crémant, mit Kochbüchern, Marmeladen und allerlei anderen verführerischen Dingen.  Wenn Léa Linster dann noch selbst vorbeischaut, ist in der Tat „hier der Teufel los“. Unbedingt kaufen: die legendären Madeleines und „Crossmosel“, einer der besten Rieslinge für Sommertage, da nur 10 % vol. 4 rue de l’Eau, L-1449 Luxemburg.

Designhotel Luxemburg

Hoteltipp: Albert Premier

Es liegt ein wenig abseits in einem Viertel herrlicher Villen und ist eigentlich zwei Hotels in einem, denn nicht alle Zimmer sind im puristischen schwarz-weiß Stil eingerichtet. Wer will, kann sich auch für Zimmer im eleganten englischen Design entscheiden. Ansonsten stylish vom Entree bis zum Restaurant. Super: der Weekend-Tarif. Ab 120 Euro pro Zimmer und Nacht inkl. Frühstück. Wer da Lust hat, es sich richtig gut gehen zu lassen: Die Penthouse Suite gibt es dann für 320 statt 540 Euro. 2a Rue Albert 1er, L-1117 Luxemburg, www.hotelalbertpremier.lu

 Luxemburg Edelitaliener

Restaurant Mosconi

Ein denkmalgeschütztes Haus direkt an der Alzette mit Terrasse und Efeudach ist die Adresse eines der besten Italieners der Stadt. Das „Mosconi“ von Ilario und Simonetta Mosconi versprüht den Charme des dörflichen Lebens und doch befindet man sich in unmittelbarer Nähe des Stadttreibens. Bei unserem Besuch war es leider zu, dabei hätte wir hier zu gerne Lunch genossen. 13 rue Munster,
L-2160 Luxemburg, Di-Fr mittags und abends. So/Mo und Samstagmittag geschlossen. www.mosconi.lu  

Kritzel Luxemburg

Kritzel von Jacques Schneider

Wir lernen Jacques Schneider im Shop von Léa Linster kennen, die beiden sind seit Jahren befreundet. Der junge Mann wirkt zart und sensibel, ein klassischer Künstler und Top-Fotograf. Die Fotos seiner Heimatstadt Luxemburg, alle 1,10 x 1,10 Meter, veredelt er mit bunten Akzenten. „Kritzel“ nennt er diese Technik. Macht Laune! 7 rue Philippe II, L-2340 Luxemburg. www.js-artiste.blogspot.de

 

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Amsterdam: wahrlich königliche Hotel- und Restauranttipps

Zur Kulturstadt und zum Trendreiseziel erkoren, lockt die Hauptstadt der Niederlande jährlich vier Millionen Touristen an. Mit gutem Grund, denn Amsterdam lässt sich mit keiner anderen Großstadt vergleichen. Hier ist es beschaulich, kaum Autos, die sich in die engen Straßen pressen, die Häuser entlang der Grachten fröhlich-bunt und manchmal fast gefährlich schief.  Boote tuckern vorbei, Hausboote dümpeln vor sich hin und  Genuss wird ohnehin großgeschrieben. Hier die besten Foodhunter-Adressen.

Autor Sabine Ruhland

 

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Die Amsterdamer selbst sind gastfreundlich und offen – auch den Deutschen gegenüber haben sie inzwischen ihre Aversionen abgelegt. Die Hotels sind versteckte, oft sinnliche Unterschlüpfe und die Gastronomie hat längst internationales Niveau erreicht. Auch das Einkaufen macht richtig Laune, denn die kleinen, feinen Geschäfte zwischen Jordaan und den „Neun Straßen“ beherbergen Ausgefallenes, Originelles und Kreatives. Die Preise sind durchaus moderat  – außer der Weg führt entlang der Luxusmeilen wie der Hooftstraat. Gänzlich sparen können Sie sich den Besuch des Blumenmarktes. Als schwimmende Sehenswürdigkeit gepriesen, entpuppt er sich am Ende als Aneinanderreihung dümpelnder Plastikhüllen, flankiert von Fast-Food-Ketten und billigen Souvenirgeschäften. Das Rotlicht-Milieu ist was es ist, wenngleich die Stadt längst damit beschäftigt ist, das Viertel salonfähiger zu machen. Viele Häuser sind bereits an Künstler und Kreative vermietet – das erste Jahr kostenfrei – um das Areal aufzuwerten. Amsterdam boomt. Zeit, diese unverwechselbare Stadt zu entdecken!

Hotel mit Wow-Effekt! The Dylan und das Gourmetrestaurant Vinkeles

Ein modernes Grand Hotel, das allen Wünschen nach Luxus, Komfort, Exklusivität, Eleganz und Opulenz gerecht wird. Seit sich das ehemalige Blakes in The Dylan gewandelt hat, ist es noch Aufsehen erregender als je zuvor. War der Loungebereich früher schwarz-weiß, verbinden sich nun goldfarbene Wände mit  grasgrünen Teppichen und wengefarbenem Holz. Die Long Gallery wurde zum Speisesaal umfunktioniert, was dem gediegenen Raum mit Blick zum Innenhof, Lebendigkeit einhaucht und ihm eine ausgesprochen entspannte Atmosphäre gibt.. Die 41 Zimmer in dem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert an der schönen Keizersgracht sind geblieben, sechs Style-Typen, acht Kategorien, eingerichtet von der renommierten Designerin Anouska Hempel. Klaabols verwöhnt mit Himbeerrot und Grautönen, die Lofts offerieren einen Blick über Amsterdam, die Garden Rooms lassen Leinen, Lavendel- und Rosmarinfarben wirken und für Manhatten wurden Hunderte Meter feinster Seide verarbeitet. Keine Frage, hier darf der Gast wahre Individualität erleben.   

Vinkeles

Gourmetadresse: Vinkeles im Hotel The Dylan

Dennis Kuipers ist in Holland längst kein unbeschriebenes Blatt. Mit Stationen unter anderem im 3-Sterne-Restaurant Lucas Carton von Alain Sendersens in Paris oder der Aufnahme 2003 in die „Guild of Dutch Master Chefs“ hat er sich das Lob der Feinschmecker erarbeitet. Sein neuestes Refugium ist das vor zwei Monaten eröffnete Vinkeles, ein Gourmetrestaurant, das optisch und kulinarisch die Philosophie des sympathischen Kochgenies repräsentiert: auf dem Boden bleiben. So ist es eine alte Bäckerstube mit offenem Mauerwerk und den gusseisernen Öfen, welche die Kulisse bildet und ist es die saisonale Frische, die auf die Teller kommt. „Die Leidenschaft für Essen liegt unserer Familie im Blut. Immer gab es frisches Gemüse, Produkte der Saison und immer haben wir uns Zeit für das Essen genommen“, sagt Dennis Kuipers. So kunstvoll wie die Werke des Amsterdamer Malers Reinier Vinkeles, nach dem das Lokal benannt ist, gestaltete sich auch ein Abend im Vinkeles, den Sie beim nächsten Amsterdam-Besuch unbedingt einplanen sollten. Romantik pur: Vrinkels in the Water – ein Boot dümpelt durch die Kanäle und an Bord nichts als Luxus und Sterneküche für ein ganz kleines Publikum. The Dylan, Kaizergracht 384, 1016 GB Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/5302010. DZ ab 455 Euro ohne Frühstück. www.dylanamsterdam.com
Vinkeles, im Hotel The Dylan, Montag bis Samstag 19-22.30 Uhr. Tel. Reservierung unter 0031/(0)20/5302010. Keizersgracht 384, 1016 GB Amsterdam. www.vinkeles.com

 

16 Spitzenplätze. Le Restaurant

Es hat gerade mal 16 Plätze, liegt am Ende einer Wohnstraße im Quartier Latin und bietet elegante Wohnzimmeratmosphäre: das Le Restaurant.  Chef am Herd ist seit Eröffnung 2008 Jan de Wit, der bereits vor Jahren mit seinem Restaurant “Trichter” in Amsterdam Furore machte. “Wir wollen Sie nicht beeindrucken, wir wollen nur für Sie kochen” lautet die bescheidene Devise des Hauses, was angesichts des Michelin-Sterns leicht untertrieben zu sein scheint. Raffinierte, frische Küche, ein Menü pro Tag für 69,50. Gutes Konzept. Die erfolgreichen Mannen an seiner seite sind Graham Mee und Kostya Dadykin, beide versiert in der Spitzengastronomie. So darf sich der Gast auf eine Kompetenz freuen, die mit purem Wohlgefühl einher geht. Le Restaurant, Tweede Jan-Steenstraat 3, 1073 VK Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/3792207. www.lerestaurant.nl

 

Gute-Laune-Essen im Buffet van Odette

Das winzige Häuschen mit Klinkersteinen steht direkt an einer der beschaulichen Grachten, der Prinsengracht. Im Sommer locken die wenigen Plätze vor dem Mini-Restaurant, doch richtig gemütlich sitztz es sich bei kaltem Wetter drinnen: viel Weiß, viele kleine Sitznischen, Tische und Bänke, ein Tresen, bunt und reich bestückt. Inhaberin des kleinen Gourmethäuschens ist Odette Rigterink und die liebt gutes Essen, bevorzugt Bioprodukte und macht alles selbst. Ihre Sandwiches belegt sie üppig mit Steaks oder Makrelen, Frühstück gibt es bis 12 Uhr mittags, danach für den kleinen Hunger hausgemachte Suppen, Quiche oder Omelettes, viele Salate oder hausgemachte Yoghurts. Dazu den besten Apfelkuchen, der von Amsterdams berühmter Apfeltaartbäckerin geliefert wird, und natürlichen herrlichen Kaffee. Perfekte Wonneadresse für die Pause zwischendurch. Buffet van Odette, Prinsengrachts 598, 1016 AV Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/4236034. Mo, Mi-Fr 9-20.30 Uhr, Sa/So 9.30-20.30 Uhr. Di zu. www.buffet-amsterdam.nl

 

5-Sterne-Flagschiff: Grand Hotel Amrath

Wie ein gewaltiger Bug ragt das „Scheepvaarthuis“ hervor, ehemaliger Hauptsitz der wichtigen Schifffahrtsgesellschaften und heute Heimat der 5-Sterne-Hotels Amrath. Von der Fassade bis zu Teilen der Inneneinrichtung bleib alles originalgetreu erhalten: die marmornen Säulen mit Reliefarbeiten, die verzierten Fensterscheiben, die ehemaligen Ticket-Counter für die Überfahrten, die Türen der einstigen Büros und auch den Paternosteraufzug, der heute allerdings hinter Glas seine Runden dreht. Die Weitläufigkeit des Hauses verlangt es, dass Bellboys die Gäste zur ihren Zimmern begleiten – ansonsten würde man sich kaum auf den ersten Blick zurechtfinden. Die Zimmer sind klassisch-modern, mit viel dunklem Holz, dunkelroten Teppichen und gewaltigen Deckenhöhen von über 4 Metern. Kein Zimmer gleicht dem anderen, schon gar nicht wenn man sich für die romantische Turmsuite entscheidet, die als Highlight die Badewanne unter der Turmspitze anbietet, von der aus vier kleine Balkone die Stadt zu Füßen legen. Schmuckstück des Nobelhotels: der Weinkeller, der seine Schätze standesgemäß in einem gewaltigen, begehbaren Safe beherbergt. Grand Hotel Amrath, Prins Hendrikklade 108, 1011 AK Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/5520000. 165 Zimmer, DZ ab 259 Euro, Minibar inklusive. www.amrathamsterdam.com

Amsterdam

 

Fashion-Hotel Patou

Mitten auf der Nobel-Luxus-Einkaufsstraße findet sich nur ein kleines Klingelschild und ein schmaler Eingang, der zu einem nicht minder schmalen Lift führt. Von dort geht es in den ersten Stock. Schwarz ­– wie bei so vielen Hotels in Amsterdam – ist das Interieur, dafür herzlich der Empfang. Erst einmal setzen, entspannen und dann zum Zimmer. 12 an der Zahl und von zeitgenössischer Klarheit. Braun, schwarz, weiß die Farben, hier und da leichte Elemente des Art Déco und in jedem Zimmer zahlreiche, aktuelle Modemagazine und eine Illustration des Modeschöpfers Patou, nach dem das Hotel benannt ist. Zwei etwas größere Deluxe-Rooms gibt es, alle anderen eher klein und eng. Man kommt zurecht – Modelmaße vorausgesetzt. Patou, P.C. Hoofstraat 63, 1071 BN Amsterdam, Tel. 00031/(0)20/6760232. DZ ab 160 Euro. www.hotelpatou.nl

 

Grandioses Meisterwerk: The Toren

Der erste Anblick raubt den Atem: tiefes Schwarz, Gold und dunkelstes Rot, schier berstende Blumenbouquets in meterhohen Vasen, güldene Lämpchen und zahllose Schnörkel, schwere Vorhänge, funkelnde Spiegel, erotische Fotografien, edles Kristall. The Toren wirkt wie die Bühne eines exklusiven Etablissements: verführerisch, sinnlich, theatralisch. 38 einzigartige Zimmer erwarten die Gäste, verteilt auf zwei Stadthäuser, die allerdings nicht direkt nebeneinander liegen. Vor einem halben Jahr ist eine exklusive Garden Suite dazugekommen, eingebettet in einen Innenhof, den allerdings auch die anderen Gäste benutzen dürfen. Wer größte Intimität wünscht, muss also die Vorhänge geschlossen halten. Die Küche ebenfalls ein Meisterwerk, denn das Hotel arbeitet mit „Christophe“ zusammen, dem Restaurant von Christophe Royer, seit vielen Jahren ausgezeichnet mit einem Michelinstern. Das Dinner findet aber nicht im Restaurant statt, sondern genau da, wo Sie es wünschen: auf Ihrem Zimmer oder in der Lobby. Very sexy! The Toren, Keizersgracht 164, 1015 CZ Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/6226033. DZ ab 210 Euro ohne Frühstück. www.thetoren.nl

 

The College Hotel

Der Name entstammt dem Ursprung des Hauses: das College Hotel befindet sich in einem ehemaligen Schulgebäude aus dem 19. Jahrhundert und hat charmanterweise das studentische Lebensgefühl in einzelnen Zügen beibehalten. Nicht nur die eingravierten Hinterlassenschaften ehemaliger Studenten in den Mauervorsprüngen sind geblieben, sondern auch die Lernbegierigkeit. Das College Hotel ist Praxis für Hotelfachschüler, die unter Anleitung von Profis den Hotelablauf managen. Das funktioniert nicht immer mit der selbstverständlichen Souveränität, die von dem Luxushotel erwartet wird, dafür stets mit  liebenswertem Bemühen. 40 Zimmer, jedes von der Architektur anders. Dazu das inzwischen viel gelobte Restaurant, das modern interpretierte holländische Küche offeriert und seinen Platz im ehemaligen Turnsaal gefunden hat, der dank seiner hohen Decken und sichtbaren Balken eine einmalige Atmosphäre bietet. Hier kocht  Wilko Hoogendoom, der einen Heidenspaß daran hat, exotische Gewürze mit den Geschmäckern seiner Kindheit zu verbinden. Am besten. Sie lassen sich überraschen, denn für 45, 53 oder 60 Euro kommen 3 bis 5 wunderbare Gänge! The College Hotel, Roelof Hartstraat 1, 1071 VE Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/5711512. DZ ab 250 Euro inkl. Frühstück. Special offers im Internet. www.collegehotelamsterdam.nl

Schlaraffenland mit Stil: Restaurant Spring

Draußen eine kleine Terrasse, drinnen ein lang gezogener Raum, an dessen Ende die offene Küche platziert ist, in der es zwar immer geschäftig, aber nie ungemütlich laut zugeht. Eine Innenausstattung von Amsterdams prominentem Architekten-Team Concrete, das schon zahlreiche Locations in Szenekulissen verwandelt haben. So auch das Spring, das seit Jahren hip und schick ist. Hier gibt es das “beste Risotto der Stadt“ und frische Fischgerichte. Täglich wechselt die Risotto-Variante, täglich die saisonal orientierte Speisekarte. Und in der Tat, die perfekt zubereiteten Jakobsmuscheln auf feinem Safranrisotto munden so exzellent wie der Seeteufel auf lauwarmem Spargel. Die Weinauswahl ist üppig und hat für jeden Geldbeutel einen exzellenten Tropfen, das Publikum ist angenehm und das Personal so zuvorkommend wie gastfreundlich. A good place to be! Restaurant Spring, Willemsparkweg 177, 1071 GZ Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/6754421. Mo-Fr 12-14 Uhr und 18-22 Uhr, Sa 18-22 Uhr.www.restaurantspring.nl

 

25 Häuser in einem: Hotel Pulitzer

Sie sind liebevoll renoviert, stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und geben dem Hotel ein einmaliges wie luxuriöses Flair: 25 authentische Grachtenhäuser, mit Glasdächern und Innenhöfen, Gärten und Gängen zu einem luxuriösen Ganzen verbunden. Die Zimmer repräsentieren Historie und modernes Design und bedeuten jedes für sich eine neue Erfahrung: offenes Mauerwerk, Holzdielen, antike Kacheln, die in den exklusiven Badezimmern integriert sind und dazu die Leichtigkeit schneeweißen Interieurs oder der Charme gediegener Eleganz. Kunstwerke lokaler Maler schmücken die Wände und wer sich spontan in ein Bild verliebt kann es käuflich erwerben. Dass sich insgesamt stattliche 230 Zimmer und Suiten hinter dem Pulitzer verbergen, ist dank der Weitläufigkeit nicht spürbar. Vor allem die Johnnie Walker Bar mit ihren, den Labels entsprechenden „Black, Red und Blue Rooms“ ist ab 17 Uhr ein beliebter Treffpunkt für Hausgäste und Einheimische. Und wer zwischen Sightseeing und Shopping eine Entspannungspause sucht, wird in den herrlichen kleinen Gartenanlagen seine persönliche Oase finden. Hotel Pulitzer, Prinsengracht 315-331, 1016 GZ Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/5235235. Offizielle Preise um 450 Euro pro Doppelzimmer, allerdings variabel, es lohnen Preisvergleiche im Internet. www.luxurycollection.com
Pulitzer

 

Süße Verführung bei papabubble

Es sind Miniaturkunstwerke mit winzigen Blümchen, Herzchen oder Schriftzügen, knallbunt, mit Streifen oder Mustern. Natürlich Inhaltsstoffe garantieren, dass Lavendel-, Apfel-, Kiwi oder Mojito-Bonbons auch genau so gut schmecken wie sie duften. Jedes Candy und sei es noch so klein, ist von Hand gefertigt, ein aufwendiger Prozess, der vor Ort im Laden zu bestaunen ist. Farbe und Geschmack den Bonbons sind übrigens unabhängig voneinander – also wundern Sie sich nicht, wenn es nach Lakritze schmeckt und trotzdem grün ist. Einige Tausend kleine Candys verlassen täglich die Fertigung und Kostproben werden großzügig verteilt. Wer für eine Hochzeit, Firmenveranstaltung oder Geburtstagsparty eine Sondebestellung bezüglich Farbe, Namenszug oder Logo hat, bekommt seinen süßen Wunsch ab 10 Kilo (275 Euro) erfüllt. Auch das Abpacken übernimmt papabubble gegen Aufpreis. Ein Schlaraffenland für große und kleine Naschkatzen. Papabubble, Haarlemmerdijk 70, 1013 JE AMSTERDAM, Tel. 020-6262662. 200 g Glas 6,50 Euro. Mo 12-18 Uhr (keine Fabrikation), Di-Sa 10-18 Uhr. www.papabubble.com

Pappabubble

Genuss zwischen Himmel und Wasser: Open

Wie ein gigantischer Wintergarten schwebt die stilgelegte, rundum verglaste Zugbrücke aus dem 19.Jahrhundert fünf Meter über der Wasseroberfläche. An warmen Tagen sorgen die Klappfenster für einen angenehmen Durchzug und die Aussicht auf die darunter fahrenden Schiffe ist ohnehin der Worte zuwenig. Open heißt das Restaurant und der Name ist Konzept.  „Sie können zum frühstücken kommen, zum Lunch, Dinner, auf einen Kaffee oder ein Glas Wein. Alle Möglichkeiten offen“, lächelt Chef Gerry Mekes. Gekocht wird in mediterranem Stil:  Gazpacho, frische Pasta des Tages, Steaks oder Lamm vom Grill, dazu Panna cotta oder Sorbets. Die Weinkarte ist gut sortiert – von 16,80 Euro die Flasche bis zu Rotweinen für 48 Euro. Das Open Restaurant ist übrigens eines der wenigen in Amsterdam, die vom Lift bis zur Toilette auch auf Behinderte eingestellt sind. Café-Restraurant Open,  Westerdoksplein 20, 1013 AZ Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/6201010. So-Do 10-1 Uhr, Fr und Sa 10-3 Uhr. www.cafeopen.nl

Open

Yachtgefühle im Nevy

Wenn die Macher von Supperclub und Envy etwas Neues planen, dürfen wir eine durchgestylte Location erwarten. Zwar liegt das Nevy direkt in einem eher uncharmanten Neubaudistrikt, doch das trübt keineswegs das Vergnügen, denn kaum schreiten wir über die Planken der Lounge-Terrasse mit Blick auf den Fluss IJ, kommt Yachtfeeling auf. Im Inneren Designer-Interieur, bullaugengleiche Deckenlampen, die am Abend für mystische Beleuchtung sorgen und bodentiefe Festerfronten, die sich an warmen Tagen zur Seite schieben lassen. Als Kontrast zum schneeweißen Edelrestaurant gibt es die tiefschwarze „Raw Bar“, eine Champagner-Austernbar mit marmornen Trögen, in denen die lebenden Delikatessen wie Lobster und Austern ihr letztes Bad genießen, um dann als rohe oder gegrillte Spezialitäten die Gaumen der Feinschmecker zu erfreuen. Nevy Restaurant, Bar, täglich 12-1 Uhr geöffnet. Lunch 12-15 Uhr, Dinner ab 18 Uhr. Westerdoksdijgk 40, 1013 AE Amsterdam. www.nevy.nl

Nevy

Showtime im Restaurant Loup

Wer mittags vorbeikommt und Menschen essend auf der Terrasse sieht, muss dennoch die Straßenseite wechseln, denn das Loup öffnet nur abends und das Restaurant gegenüber hat einfach die Plätze für die Mittagszeit angemietet. Am Abend ist dann Schluss mit Tischfreigabe, denn das Loup ist heiß begehrt und die Schönen der Nacht brauchen ihren Auftritt. Geführt mit der Lässigkeit einer Brasserie, ist das Restaurant  dennoch kein überzüchteter, sondern ein legerer Treffpunkt, was sich auch in den Preisen ausdrückt, die verhältnismäßig günstig sind. Vorspeisen wie Lammschulter, Steak Tartare oder Ententerrine um 11.50-14,50 Euro, Hauptgerichte wie Dorade Royale 18,50 Euro. Gekocht wird vor den Augen der Gäste in der offenen Küche und das raffinierte Weinsystem erlaubt einen glasweisen Ausschank auch edler Tropfen. Loup, Wolvenstraat 22-24, 1016 EP Amsterdam, Tel. 0031/(0)202/3307470. So-Mi 18-24 Uhr, Do-Sa 16-1 Uhr. www.barloup.nl

 

Übernachten in der Kathedrale: Hotel Arena

Wer vom gleißenden Licht der Sonnenterrasse die riesige Lobby des Arena Hotels betritt, wird im ersten Moment schwarz sehen, denn er taucht ins tiefe Dunkel dieser alles beherrschenden Farbe – von der Wandverkleidung bis zum Mobiliar. Der marmorne Treppenaufgang auf imposanten eisernen Streben tut ein Übriges, den Kathedraleneindruck zu verstärken. Die 127 Zimmer sind weitläufig verteilt und auch wenn die „alten“ optisch nicht schlecht sind, empfehlen wir einen Aufenthalt in einem der 40 neu gestalteten Räumen, die, wie sollte es anders sein, schwarz-weiß sind. Das Restaurant ist elegant und überzeugt mit einer internationalen Küche, doch der Höhepunkt abendlicher Unterhaltung spielt sich am Wochenende in der zum Haus gehörenden Kirche ab: dann klingt Musik der 80er Jahre durch die heilige Kulisse, die nur von Kerzenlicht und dem Funkeln der Discokugeln erhellt ist. Die Extravaganz der Räumlichkeiten macht das Hotel zur beliebten Location für Fotoshootings und Filmdrehs, weshalb vor allem Medienleute, Models und Künstler die Gästeliste anführen. Hotel Arena, S-Gravesandestraat 51, 1000 AE Amsterdam, Tel. 0031/(0)20/8502423. DZ ab 155 Euro pro Nacht.www.hotelarena.nl

 

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2 Sterne und ein Gänsestopfleber-Kuss: Moshik Roth

Westlich von Amsterdam gehört die Gegend zwischen dem Seebad Zandvoort und Haarlem zu den malerischsten des ganzen Königreiches. Heimat des 2-Sterne-Kochs Moshik Roth. Auf den ersten Blick wirkt er wie jemand, der in diesem kleinen Restaurant unentwegt Poffertjes backen würde, wofür diese Adresse einst sogar bekannt war, allerdings haben wir uns mit dem wohl ungewöhnlichsten Koch der Niederlande verabredet. Moshik Roth führt zusammen mit seiner Frau Els das Brouwerskolkje.

Autor Dr. Klaus Leciejewski

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Ohne jemals eine professionelle Kochausbildung durchlaufen zu haben und seit 12 Jahren überhaupt in der Küche eines Restaurants zu stehen, hat er nach drei Jahren den ersten und nach weiteren drei Jahren den zweiten Stern erhalten. Trotzdem bezeichnet er sich bis heute als Autodidakt. Seinen Kochstil nennt er philosophisch geprägt. „Ein Maler oder ein Musiker hat Bilder oder Töne in seinem Kopf  bevor er beginnt zu malen oder zu komponieren. Auch ich entwickle nach derartigen Eingebungen neue Gerichte. Die Inspirationen dafür erhalte ich in der Natur oder aus Begegnungen mit Menschen oder auch aus Besuchen in Museen. Einmal stand ich 30 Minuten vor dem von Salvador Dalí designten Sofa „Bocca“ (Mund). Ich wollte ein Dessert kreieren, das die Empfindungen wiedergibt, welche in mir beim Anblick des „Bocca“ entstanden waren. Aber Dalí ist keine unmittelbar „süße“ Person, er ist komplex deshalb ist etwas Anderes entstanden.“ – Ein Gänsestopfleber-Kuss, überzogen mit einem Himbeergelee, begleitet von einer Creme aus Litschis und darauf Perlen, aus destillierten Rosenaromen mit Mandelsplittern.

Eigelb, aromatisiert mit grünem Knoblauch. Emulsion vom Seeigel. Keines seiner Gerichte lehnt sich an einen gängigen Publikumsgeschmack an.

Bereits das Amuse, in vierfacher Form serviert, regt an: Eine Miniaturaubergine aus dem eigenen Garten, mariniert in mildem Olivenöl sowie jungem Knoblauch, diese auf Jus von Tabbouleh und frischen Tomaten. Hommage an seine israelische Heimat. Sodann ein Eigelb aromatisiert mit grünem Knoblauch auf einem getrockneten Sushi Reis mit kleinen Crisps von Hühnerhaut und japanischen Blüten. Moshik liebt Japan. Ebenso die USA, wie der vegetarische Hamburger in der Zusammensetzung von Wassermelonen, Zitrone, Tomaten und einem neutralen Baiser-Brot verdeutlicht.

Das vierte Amuse wird in einer Keramikform serviert, die einem aufgeschnittenen Seeigel ähnelt. Es steht für die Analogie zu Vietnam mit einer Auster, der Zunge von Dorsch, einer Scheibe von Abalone, einer sehr dezenten Fischsoße sowie einer Emulsion vom Seeigel. Gerade dieses Amuse ist ein aufwendiges Gericht mit einer Vielfalt von Aromen, Gerüchen und Geschmacksnuancen. “Bei mir entsteht keines der Gerichte über das Ausprobieren am Herd oder dem Test mit den Mitarbeitern. Ich entwickele meine Kreationen komplett fertig im Kopf.”

 „Moshik, entweder du wirst Koch oder Inspektor von Michelin”, sagte ihm Jonnie Boer

Geboren wurde das Genie am Herd 1971 in Israel, diente als junger Mann vier Jahre lang diente in einer israelischen Eliteeinheit, jobbte dann im Tourismus und lernte die Niederländerin Els kennen, die Liebe seines Lebens. Mit ihr übersiedelte er 1995 in die Niederlande und es begann die Leidenschaft zum Kochen. Anregungen dafür holte er sich  in guten Restaurants. Nach mehreren Besuchen im Spitzenrestaurant von Jonnie Boer in Zwolle lud er den damals schon berühmten Koch spontan zu sich nach Haus ein. Dieser nahm genauso spontan an. Danach veränderte sich Moshik‘s Leben, denn Jonnie sagte ihm ultimativ auf den Kopf zu: „Moshik, entweder du wirst Koch oder Inspektor von Michelin.“ Darauf lernte er in verschiedenen Restaurants „on the job“ und als sich 2002 die Gelegenheit ergab, das Brouwerskolkje zu übernehmen, griff er zu. Der Anfang war nicht leicht.

„Meine holländischen Gäste aus in der Umgebung waren eine auf Inspiration beruhende Küche nicht gewohnt. Der erste Michelin Inspektor veränderte schlagartig alles, denn mit dem ersten Stern wurde das ganze Land auf uns aufmerksam.“

Wenig später lernte er Jean-Georges Klein kennen, einen der berühmtesten französischen Köche. Zuerst war dieser sein Mentor, aber bald entstand eine der weltweit ungewöhnlichsten Freundschaften unter Top-Köchen. Heute nennt er Jean-Georges seinen „größeren Bruder“, dem er kongenial zur Seite steht. Das ´T Brouwerskolkje ist nur abends von Mittwoch bis Samstag geöffnet. Sonntag und Montag entwickelt er im Elsass mit und für Klein neue Gerichte und trainiert im dortigen Großrestaurant dessen Mitarbeiter. Beide Köche sind für die beiden Restaurants ein Kreativ-Team.

Eines seiner aktuellen Gerichte: „Der Garten und die See“ lässt diese Zusammenarbeit erkennen. Auf einer Keramikschale befinden sich verschiedene leicht gegarte Gemüsearten, versehen mit Blütensorten. Darunter die „See“ mit Blauem Hummer und Muscheln aus der Nordsee, Roten Gambas aus dem Mittelmeer, Mini-Garnelen aus Island und Tintenfischen aus dem Atlantik, dies zusammen in einem Jus von Paella und speziellen Meeresalgen.

Derartige Gerichte erfordern einen hohen Arbeitsaufwand, so dass die sechs Köche auch in der Abwesenheit von Moshik jeden Tag in der Küche stehen. Hinzu kommt noch weitere Besonderheit. Über 60 Prozent der Blüten- und Gemüsesorten, die Moshik einsetzt, wachsen in einem 20 km von Overveen entfernten Garten. Jeden Dienstag holt er sich dort seinen wöchentlichen Bedarf und wenn er verhindert ist, übernehmen das seine Sommelière Laura und ihr Lebenspartner, der Sous-Chef Denny, die beide seit drei Jahren mit Moshik zusammenarbeiten. Damit kann er sich unabhängig von externen Lieferanten individuell auf Sorten, Qualität und jahreszeitliche Besonderheiten einstellen. Auch das gehört zur Einzigartigkeit seiner Küche.

Brouwerskolkje
Brouwerskolkweg 5
2051 ED Overveen
Tel. 0031-235240861
Mo 11-18 Uhr, Di 17-22 Uhr, Mi-So 11-22 Uhr
www.restaurantbrouwerskolkje.nl

 

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