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Hotel Sonnenhof. Auf Adlers Schwingen in Liechtenstein

Als Finanzplatz berühmt, als Reisedestination im Dornröschenschlaf. Doch nun verzaubert das Fürstentum Liechtenstein mit einer ungewöhnlichen Gourmet-Adresse. Exquisite Sterneküche im Adlernest – perfekte Synergie zwischen Architektur, Natur und Genuss. Selten waren wir schneller „entschleunigt“, selten dem Himmel näher. Der Sternekoch und Hotelier: Hubertus Real. Der Architekt: Enzo Enea. Die Adresse: Park Hotel Sonnenhof.

Autor Sabine Ruhland

 

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Wir sind in Liechtenstein, genauer in Vaduz, gerade zweieinhalb Stunden Fahrt von München. Wer das innovative Baumhaus-Restaurant erklimmen will, muss hoch hinaus und die kleine Serpentinenstraße Richtung Schloss nehmen. Dann taucht es auf, moderner Teil des Hotels Sonnenhof, ragt imposant aus dem Park hervor. Das Adlernest. Von Bäumen umgeben, über Stege erreichbar, Blick auf die Appenzeller Alpen. Outdoor-Wellness nennt Hubertus Real sein Konzept und zusammen mit dem renommierten Schweizer Landschaftsarchitekten Enzo Enea hat er es überzeugend umgesetzt. Die Begeisterung für seinen gelungenen Coup teilt er mit den Gästen, die in atemloses Staunen verfallen, wenn wie von Geisterhand die riesigen Dachflügel des Adlernestes lautlos zur Seite schwingen, um dem Himmel Raum zu geben oder die schützenden Seitenscheiben in der Balustrade versinken. Je schöner die Tage, desto freier das „Nest“.

Das Baumhaus-Restaurant, für dessen Bau ausschließlich Holz mit FSC Siegel vom WWF zum Einsatz kaum, ist nur ein Teil des Ganzen, wenngleich der spektakulärste. Auch die Freiluft-Lounge im Bambuswald, der hölzerne Pavillon im Park für Private Dining, der „versenkte Baum“, wogende Gräser und nicht zuletzt der Blick auf Bergmassiv und Schloss bilden den perfekten Rahmen für bodenständige Spitzenküche.

Liechtenstein, Foto Foodhunter

Die Aussicht ist atemberaubend – bei schönem Wetter öffnet sich das Dach des Baumhauses, bei schlechtem schließt sich das Dach

„S’Gemüse kommt von der Gärtnerei aus Vaduz, das Fleisch und s’Geflügel us der Schwiz – ischt mir wichtig, dass alles einen regionalen Bezug hat“, sagt Hubertus Real. Einfache Zutaten, denen er höchste Raffinesse verleiht. Die pochierte Rheintaler Poularde, schweizerische Alternative zu den französischen Poulets de Bresse, besitzt die Konsistenz feinster Gänseleber, zergeht auf der Zunge. „45 Minuten in beschtem Olivenöl sanft gegart. Ischt guad, oderr?“  Weit mehr als das, ist perfekt, vor allem weil süß-säuerliche Kumquats und Portweinsirup zusammen mit der Poularde perfekt dosierte Geschmacksnoten liefern.

Liechtenstein, Sonnenhof, Foto Foodhunter

Eine beeindruckende Konstruktion in den Baumwipfeln. Selten haben wir so ein Ambiente genießen dürfen

Eine weitere kulinarische Überraschung nach hauchzarten Ravioli mit Kalbfleischfüllung und einer erfrischenden Symphonie von der roten Forelle, gebettet auf Zucchetti. Erst knacken Forelleneier am Gaumen um dann mit zartem Forellentartar ein Spiel der Texturen zu begehen. Eine der Passionen des Sternkochs – verschiedene Texturen harmonisch in einem Gericht zusammenzufügen. Weshalb er seinem Kräutersalat kräftige Blattsalate hinzufügt, geröstete Shiitake-Pilze oder weiche Gänseleber. Seine zweite Passion gilt der asiatischen Küche. Die Thunfischwürfel, asiatisch mariniert, auf Mangoragout, dazu kleine Hauben von Zitronengrasschaum – nun, was sollen wir sagen: es gibt Gerichte von denen wir nicht genug bekommen, das war eines davon. Frische Produkte zusammenbringen und sie so einfach wie möglich kombinieren, das sei im Grund schon die ganze Kochkunst, kokettiert Hubertus Real, seit 2008 durchgehend mit einem Michelin Stern dekoriert   Passend zur Küche kredenzt Chef-Sommelier Joachim Pahlke die Weine – darunter auch feine Tropfen aus Liechtenstein, die bedauerlicherweise über die Landesgrenzen hinaus kaum bekannt geschweige erhältlich sind. www.sonnenhof.li

Liechtenstein, Sonnenhof, Foto Foodhunter

 

Foodhunter-Tipp: Liechtenstein Wein

Harry Zech ist einer von drei Berufswinzern in Vaduz. Drei Hektar besitzt er, beste Lagen in Vaduz und Mauren. 15.000 Flaschen entstehen daraus. Nicht viel, weshalb seine Tropfen außerhalb Liechtensteins und Schweizer Grenznähe so gut wie nicht zu bekommen sind. Familienbetrieb. Qualitätsfreude. Ertragsbeschränkung, Handlese und schonender Umgang mit dem Traubengut. Die Zech-Weine tragen eine klare Handschrift. Unsere persönliche Empfehlung: der Riesling-Silvaner Vaduz AOC von 2009. Cantina Harry Zech, Vorarlbergerstraße 5, Schaanwald. www.hz-weinbau.li

 

 

 

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